Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Zentaur wird an seinem Nordrand vom Sternbild Wasserschlange begrenzt. Im Osten grenzt es an die Sternbilder Wolf und Zirkel, im Süden an die Sternbilder Fliege und Kreuz des Südens, im Westen an die Sternbilder Schiffskiel, Segel und Luftpumpe.
In der Liste der 88 Sternbilder nimmt es mit seiner Fläche von 1060 Quadratgrat die neunte Position ein. Es ist somit doppelt so groß wie jedes der Sternbilder Zwillinge, Krebs oder Luchs. Da es ein Sternbild des Südhimmels ist, kann es nur südlich des 20. Breitengrades vollständig über den Horizont gesehen werden. Von Mitteleuropa aus kann man mit viel Glück seine nördlichsten Sterne ca. 25° südlich von Spica zu sehen, während sie dort Anfang Mai kulminieren.

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Zentaur ist eines der 48 klassischen Sternbilder. Es soll an den Cheiron erinnern, der ein Sohn des Titanen Kronos und der Oceanostochter Philyra war. Cheiron war daher ein Halbbruder des Zeus und war somit unsterblich. Da Kronos seine Philyra in der Gestalt eines Hengstes geschwängert hatte, kam der kleine Cheiron jedoch nicht als ein hübsches Titanenkind auf die Welt, sondern hatte die Gestalt eines Zentauren. Seine Mutter war über das Aussehen ihres Sohnes so beschämt, dass sie Zeus darum bat, sie in eine Linde zu verwandeln. Zeus kam ihrer Bitte nach, und daher musste der kleine Cheiron ohne seine Mutter aufwachsen.
Trotz dieser Handicaps entwickelte sich Cheiron zu einer sehr weisen und bei Menschen und Göttern hoch geachteten Person. Er war der Lehrer und Erzieher zahlreicher griechischer Helden (z. B. Jason, Achilles, Theseus, Castor und Polydeukes) und bildete auf Bitte des Apollon dessen Sohn Asklepios zum Arzt aus. Obwohl Cheiron die Gestalt eines Zentauren hatte, war er nicht mit den Zentauren verwandt. Die Zentauren waren heimtückische und gewalttätige Fabelwesen der griechischen Mythologie. Sie galten als Nachkommen des Zentauros, der ein Sohn des Ixion mit der Nephele war. Dieser Ixion war König der Lapithen, das war ein mythisches Volk großer und schöner Menschen von edlem Körperbau, aber von sehr zweifelhaftem Charakter. Bei seiner Hochzeit lockte Ixion seinen ahnungslosen Schwiegervater zu einer Grube mit glühenden Kohlen, stieß ihn hinein und röstete ihn darin zu Tode. Auf der Flucht vor dem Zorn seiner Verwandten fand Ixion Schutz bei Zeus auf dem Olymp, wo er als Ehrengast bei einem Gelage mit den Göttern versuchte, die Göttin Hera zu vergewaltigen. Zeus riet der Hera, eine Wolke in ihr Ebenbild zu verwandeln, um den Ixion damit von sich abzulenken. So erschuf Hera die Wolkengöttin Nephele, welche der betrunkene Ixion schwängerte. Nephele brachte darauf den Zentauros zur Welt, dersehr viel später mit den schönen Stuten des Pelionberges die wilden Zentauren zeugte. Mit diesen brutalen Gesellen hat Cheiron charakterlich nichts gemein.
Das Ende des Cheiron war bitter. Herkules geriet bei einem Gelagemit den Zentauren wegen eines Kruges Wein mit ihnen in Streit. Der wütende Herkules verfolgte und tötete dabei viele der Zentauren mit seinen Giftpfeilen. In diesem Getümmel suchte der Zentaur Elatos Schutz bei Cheiron. Herkules schoss einen Pfeil auf den Elatos ab, der den Elatos durchbohrte und anschließend den Cheiron traf. Da der Pfeil vergiftet war, war Cheirons Wunde sehr schmerzhaft und unheilbar, und da Cheiron unsterblich war, waren seine Qualen endlos, und niemand konnte ihm helfen. Erst als Cheiron seine Unsterblichkeit aufgab und sie dem Prometheus schenkte, wurde Cheiron von seinen Schmerzen erlöst und von Zeus als Sternbild an den Himmel versetzt.

Markante Sterne

Der hellste Stern im Sternbild Zentaur ist der 0,3m helle Toliman (Alpha Centauri). Toliman ist der dritthellste Stern am Himmel, und er ist ein Dreifachstern. Er besteht aus zwei gelben Sternen von 1,1 bzw. 0,85 Sonnenmassen mit 1,5 bzw. 1,1 Sonnenleuchtkräften. Der dritte Stern ist ein massearmer Roter Zwergstern (Proxima) von 0,00077 Sonnenleuchtkräften. Die beiden gelben Sterne umkreisen einander einmal in 79 Jahren. Die Umlaufzeit von Proxima um das zentrale Sternenpaar dauert ca. 500000 Jahre. Toliman ist der nächste Fixstern zur Sonne, er liegt nur 4,43 Lichtjahre entfernt. Ebenfalls hell sind die Sterne Delta Centauri, Epsilon Centauri, Zeta Centauri, Eta Centauri, Theta Centauri und Iota Centauri. Doch nur Theta und Iota können bei ihrer Kulmination mit Glück bei klarem Wetter von den höchsten Mittelgebirgsbergen aus im Fernglas wahrgenommen werden.

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Der 0,6m helle Hadar (Beta Centauri) ist ein Doppelstern, er ist ca. 490 Lichtjahre entfernt und hat ca. 10000 Sonnenleuchtkräfte. Sein 4,1m heller Partnerstern ist wegen des Winkelabstandes von 1,3 Bogensekunden nur in langbrennweitigen Teleskopen ab acht Zoll Öffnung wahrnehmbar. Der 2,1m helle Stern Gamma Centauri ist ein enger Doppelstern, Gamma ist 160 Lichtjahre entfernt und hat 275 Sonnenleuchtkräfte, die beiden Partnersterne stehen maximal 1,2 Bogensekunden auseinander und sind gleich hell.

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Durch den südlichen Bereich des Sternbilds zieht sich die Milchstraße des Südhimmels. Daher gibt es hier viele Offene Sternhaufen und Dunkelwolken. Eines der schönsten Deep-Sky-Objekte des Himmels ist der Kugelsternhaufen Omega Centauri. Er ist ca. 170000 Lichtjahre entfernt und ist der hellste und sternreichste aller sichtbaren Kugelsternhaufen. Mit dem bloßen Auge erscheint er als 4m heller Stern, im Fernrohr zeigt er sich als eine wunderbar zarte Wolke aus Tausenden Sternen. Ebenfalls prächtig ist die Galaxie NGC 5128, die auch unter dem Namen Centaurus A bekannt ist. Die Galaxie ist ca. 25 Millionen Lichtjahre entfernt. Schon im kleinen Fernglas 8x30 zeigt sie sich unterm klaren Wüstenhimmel als elliptischer Nebel mit einem zerfaserten Staubband. Hier kollidieren eine elliptische Galaxie und eine Spiralgalaxie seit mehreren Millionen Jahren miteinander, was dort eine intensive Sternentstehung und eine starke Radiostrahlung ausgelöst hat. Weitere sehenswerte Galaxien in diesem Sternbild sind NGC 5253, NGC 5102 und NGC 4945. Von Mitteleuropa aus liegen alle diese schönen Objekte leider hinter dem Horizont verborgen.

Text von Günther Bendt

nach oben

Anzeige

Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.