Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Zwillinge grenzt im Norden an die Sternbilder Luchs und Fuhrmann, im Osten an das Sternbild Krebs, im Süden an die Sternbilder Kleiner Hund und Einhorn und im Westen an die Sternbilder Orion und Stier. Mit seiner Fläche von 514 Quadratgrad nimmt das Sternbild Zwillinge unter den 88 Sternbildern den 30. Rang ein. Es ist ein markantes Sternbild und liegt nahe der Wintermilchstraße. Das Sternbild Zwillinge ist ein Tierkreissternbild. Am 21. Juni tritt die Sonne von Westen in das Sternbild ein und wechselt am 20 Juli in das Sternbild Krebs.

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Zwillinge ist eines der 48 Sternbilder der Antike. Der griechischen Mythologie zufolge soll es an die Zwillinge Castor und Polydeukes erinnern, deren Mutter Leda war, die schöne und starke Königin von Sparta. Der Sage nach war Zeus der Vater von Castor und Polydeukes, daher bezeichnete man Castor und Polydeukes im Altertum auch als „Dioskuren“ („die Zeussöhne“). In einer Version der Sage besuchte Zeus die Leda in der Nacht in Gestalt eines Schwans, in derselben Nacht schlief auch König Tyndareos, Ledas Gatte, mit ihr. Neun Monate später gebar Leda ein riesiges Ei, aus dem die beiden Zwillinge gemeinsam mit ihren Zwillingsschwestern Helena und Klytaimnestra schlüpften. In anderen Varianten der Erzählung galten Polydeukes und Helena als Kinder des Zeus, während Castor und Klytaimnestra als Kinder des Tyndareos betrachtet wurden. Eine andere Version der Sage berichtet, dass Zeus nicht bei Leda, sondern bei der Nymphe Nemesis in der Gestalt eines schneeweißen Schwans erschien, wobei er so tat, als sei er als hilfloser Schwan auf der Flucht vor einem gefährlichen Adler. Die schöne Nemesis kam gleich herbei, jagte den bösen Adler davon und hob den vor Aufregung bebenden Schwan auf ihren Schoß, um ihn zu beruhigen. Zärtlich streichelte sie den angenehm warmen Vogel und schlief darüber ein. Sie wurde erst wieder wach, als sie bemerkte, dass der Schwan gar keiner war. Neun Monate später gebar Nemesis ein großes weißes Ei, das sie verschämt im Wald aussetzte, wo es ein braver Schäfer fand und der Leda brachte, die es ausbrüten ließ.
Die Zwillinge Castor und Polydeukes sollen sich als Kinder wunderbar miteinander vertragen haben. Beide waren wie alle jungen Spartaner athletisch gebaut, sehr zielstrebig, arrogant und stark. Castor wurde ein exzellenter Pferdelenker, Polydeukes ein wendiger und extrem schlagstarker Faustkämpfer. Gemeinsam nahmen sie an der Fahrt Jasons mit dem Schiff Argo nach Kolchis teil, um dort das Goldene Vlies zu stehlen. Wieder daheim, gingen sie wie alle jungen Spartaner aus gutem Hause gerne mit ihren Freunden auf lukrative Raubzüge ins nahe Arkadien. So stahlen sie dort gemeinsam mit dem Zwillingspaar Idas und Lynceus eine große Viehherde. Wegen der Aufteilung ihrer Beute gerieten die beiden Zwillingspaare miteinander jedoch in heftigen Streit. Dabei verletzte Idas den Castor durch einen Speerstoß in die Brust, daraufhin rammte Polydeukes dem fliehenden Lynceus den Speer in die Seite, woran dieser starb, und Zeus tötete den Idas durch einen Blitz. Nun lag Castor im Sterben und sein unsterblicher Bruder Polydeukes war tief verzweifelt. Da bot Zeus dem Polydeukes die Wahl, seinen sterbenden Bruder zu verlassen und fortan als Unsterblicher und Gott im Olymp zu wohnen, oder gemeinsam mit seinem Bruder täglich zwölf Stunden im finsteren Hades und zwölf Stunden im Licht der Götter zu verbringen. Polydeukes entschied sich für Letzteres, und so setzte Zeus die beiden Brüder als Sternbild Zwillinge auf ewig an den Himmel.
Die Römer nannten die Zwillinge Castor und Pollux. Ihre schöne Schwester Helena wurde, wie uns Homer berichtete, zum Anlass für den Trojanischen Krieg. Ihre Schwester Klytaimnestra wurde die Gattin des Königs Agamemnon von Mykene.

Markante Sterne

Die beiden hellsten Sterne des Sternbilds liegen am Himmel in einem Abstand von 4,5° voneinander. Sie heißen Castor und Pollux und stellen die Köpfe der beiden Zwillinge dar. Castor ist ein 1,9m heller Stern der Spektralklasse A0. Pollux ist ein 1,1m heller Roter Riese der Spektralklasse K0, er liegt in 35 Lichtjahren Entfernung.Das Sternbild besteht aus zwei parallelen Sternenketten: die nördliche Kette wird von Castor (Alpha), Mebsuta (Epsilon), Tejat Posterior (My) und Tejat Prior (Eta) gebildet. Die südliche Kette besteht aus Pollux (Beta), Wasat (Delta), Mekbuda (Zeta) und Alhena (Gamma). Castor liegt in 45 Lichtjahren Entfernung, er ist ein schöner, enger Doppelstern. Seine beiden blauweißen Partnersterne stehen derzeit in drei Bogensekunden Abstand voneinander, man muss am Fernrohr hohe Vergrößerungen einsetzen, um sie getrennt sehen zu können. Untersuchungen haben ergeben, dass zu Castor ein weiterer schwacher Stern gehört, und dass alle drei Komponenten spektroskopische Doppelsterne sind. Castor ist somit ein System aus sechs Sternen. Wasat ist ein schöner Doppelstern, acht Mal heller als unsere Sonne, 65 Lichtjahre entfernt. Die beiden Partnersterne stehen sechs Bogensekunden auseinander und sind ungleich hell, sie umkreisen einander einmal in 1200 Jahren. Wasat liegt genau in der Ebene der Ekliptik. 1931 entdeckte Clyde Tombaugh in seiner Nähe den Pluto. Mebsuta ist ein gelber Überriese mit über 5000 Sonnenleuchtkräften, er liegt 1100 Lichtjahre von uns entfernt. Tejat Posterior ist ein 2,8m heller Roter Riese mit ca. 140 Sonnenleuchtkräften, in 165 Lichtjahren Entfernung. Alhena ist ein 1.9m heller blauweißer Stern der Spektralklasse A0, mit ca. 160 Sonnenleuchtkräften, er ist 105 Lichtjahre von uns entfernt.Besondere Sterne (Veränderliche)Mekbuda ist ein heller Cepheid, über 1500 Lichtjahre entfernt, mit 5600 Sonnenleuchtkräften im Maximum, das sich mit Abständen von jeweils 10,15172 Tagen mit der für Cepheiden typischen Präzision wiederholt.

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

An einer Position 2,3° ostsüdöstlich von Wasat kann man im Fernrohr bei dunklem Himmel den kleinen, aber hellen Planetarischen Nebel NGC 2392 beobachten, der auch als „Eskimonebel“ bezeichnet wird. NGC 2392 wurde 1787 von Wilhelm Herschel entdeckt. Der kleine Zentralstern des Nebels ist im Fernrohr gut zu sehen, der grünlich schimmernde kugelige Nebel um den Zentralstern ist in kleinen Fernrohren oft erst bei hoher Vergrößerung und mit indirektem Sehen wahrnehmbar.  Ca. 3,6° Grad westnordwestlich von Tejat Posterior finden wir im kleinen Fernrohr den 5,3m hellen Offenen Sternhaufen M35, der in jedem Fernrohr mit Erfolg beobachtet werden kann. M35 liegt in einer Entfernung von 3000 Lichtjahren und ist einer der schönsten Offenen Sternhaufen des Winterhimmels.Ein weiterer sehenswerter Offener Sternhaufen ist NGC 2420. Er wurde 1783 von Wilhelm Herschel entdeckt. Man findet NGC 2420 am besten ausgehend von Wasat. Ca. 1,7° ostsüdöstlich von Wasat liegt der 5,9m helle Stern 63 Geminorum. Ca. 2,5° östlich 63 Geminorum kann man NGC 2420 erblicken. In Fernrohren kleiner Öffnung sieht man NGC 2420 nur als einen nebligern Fleck, im mittelgroßen Fernrohr zeigt er sich als dichten Sternhaufen aus zahlreichen schwachen Sternen. Für die Beobachtung von NGC 2420 ist es zweckmäßig, hoch zu vergrößern.

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt. 

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