Der Bosma 100/700 mm Refraktor - klein und fein ?

von Michael Meier, im Dezember 2004

Vorwort

Nach teilweisen hitzigen Diskussionen um den kurzbrennweitigen Refraktor des Herstellers BOSMA, u.a. auch in den Foren von Astronomie.de, begann auch ich auf dieses Gerät neugierig zu werden. Der bis dato in Deutschland wenig in Erscheinung getretene Teleskop-Hersteller aus China hat neben diesem Gerät noch weitere Refraktoren, Reflektoren und Maksutovs im Angebot. Zum Zeitpunkt dieses Tests hatte jedoch lediglich der hier vorgestellte Refraktor den Weg nach Deutschland gefunden. Bezugsquellen sind z.B. die Händler "Fernrohrland" und "APM Telescopes". Im Zuge der Recherchen zu diesem Bericht erhielt ich die Information, das auch der "Teleskop-Service" u.a. dieses Modell ins Programm aufnehmen wolle.

Das Testmodell wurde mir freundlicher Weise von Herrn Rudi Idler ( Fernrohrland ) zur Verfügung gestellt, dem ich an dieser Stelle herzlich für sein Vertrauen danken möchte.

Mechanische Qualität und Verarbeitung

Der 740 mm lange Tubus des Bosma 100/700 mm Refraktors besteht aus dickwandigem Aluminium und hebt sich damit wohltuend von manch dünnwandigen Blechröhrchen im Billig-Segment ab. Der OTA wiegt 3,1 kg, der Tubus weist eine weiße Pulverlackierung auf. Die Lackierung ist sauber ausgeführt - am Tubus lassen sich keine Bläschen, Farbverläufe oder sonstige Fehlstellen finden. Die Lackschicht selber ist somit ausreichend dick und stoßfest.

Nicht ganz so beständig ist die Lackierung des 7x50 Suchers. Bei der Fixierung bzw. Ausrichtung mittels der kleinen Stellschrauben stellten sich kleine Abplatzungen im Lack ein. Etwas unsauber war auch eines der Gewinde geschnitten, so dass eine der Fixierschrauben nicht richtig angezogen werden konnte. Hier sollte der Hersteller etwas mehr Sorgfalt in die Endkontrolle investieren.

Die Objektiv-Fassung und die Taukappe sind erstaunlich sauber verarbeitet. Die Taukappe ist ausreichend dimensioniert - das Objektiv nicht justierbar. Der Staubschutzdeckel sitzt straff auf der Taukappe, lässt sich aber ohne Probleme abnehmen. Bei meinem China 102/1000 Refraktor saß dieser Deckel so stramm, dass man eher die ganze Taukappe in der Hand hatte, als den Deckel !

Der Tubus sitzt auf einer Prismenschiene, die leider nicht auf eine vorhandene Vixen New Polaris Montierung passte, sondern serienmäßig für die Aufnahme in der Bosma EM4 Montierung ausgelegt ist. Für die Adaption auf die New Polaris musste ich mir selber eine Adapterschiene basteln, was aber kein großes Problem darstellte.

Der verbaute Okularauszug weist Licht und Schatten auf, wobei die Nachteile leider schwerer wiegen. Gut gefallen können die relativ großen Fokussier-Räder. Sie erlauben eine feinfühlige Schärfeeinstellung. Die Zahnstange ist sauber gefertigt, so dass weiches und ruckfreies Fokussieren möglich ist. Das Fokussier-Spiel lässt sich mittels Klemmungen gut einstellen, ebenso kann der Zenitspiegel ordentlich fixiert werden, um schwere Okulare und fotografisches Zubehör sicher halten zu können.

Der bis hierhin recht gute Eindruck wird allerdings durch ein relativ großes Shifting getrübt. Besonders stört dabei, dass der OAZ quasi in alle Richtungen "eiert". Dies lässt sich durch eine insgesamt straffere Klemmung zwar mildern, man erkauft sich diese Milderung des Shiftings aber mit einer dann recht schwergängigen Fokussierung. Ohne hier zu viel vorweg zu nehmen : die wirklich feine Optik dieses Gerätes hätte wahrlich einen besseren Okularauszug verdient !

Ebenso wäre für einen kurzbrennweitigen Refraktor wie diesen ein 2" Auszug wünschenswert gewesen, denn gerade die Richfield-Beobachtung sollte eine Stärke dieses Modells sein.

Der Tubus ist innen matt schwarz lackiert und mit Blenden ausgestattet, die ihren Dienst offensichtlich gut verrichten. Beim Blick von hinten in den offenen Tubus zeigen sich zumindest keine Reflexionen. Der mitgelieferte Sucher ist ein 7x50 Exemplar von zufrieden stellender Qualität. Die Optik bietet über gut 70% des Sichtfeldes eine klare, helle und scharfe Abbildung, im Randbereich nimmt die Schärfe dann deutlich ab - insgesamt ein passables Stück.

Mitgeliefert wird zudem ein 25 mm Kellner Okular mit Eigenfokussierung. Dieses Okular gefiel mir im Vergleich besser als mein eigenes 25 mm Meade Serie 3000 Plössel. Randschärfe, Helligkeit und Sichtfeld können schlicht und einfach überzeugen, dazu passt gut der ebenfalls im Lieferumfang enthaltenen 1,25 " Zenitspiegel in ordentlicher Qualität.

Ein Wort muss zur Bosma -Montierung EM4 verloren werden, auch wenn sie nicht direkter Bestandteil dieses Tests ist.

In Asien wird der Bosma 100/700 Refraktor mit dieser parallaktischen Montierung deutscher Bauart vertrieben. Hier zu Lande haben eigentlich alle Händler, die den Bosma-Refraktor im Programm haben bzw. noch ins Programm aufnehmen wollen, darauf verzichtet diese Montierung mit zu verkaufen - aus gutem Grund.

Zwar wirkt die Bosma EM-4 schwer und "bullig" und weist zudem auch noch eine zweiachsige Motorisierung auf - leider ist sie von erschreckend mangelhafter Verarbeitungs-Qualität. Die Verarbeitung ist dabei in Detailpunkten wirklich kaum akzeptabel.

Der Autor hatte Gelegenheit, die Montierung ganze 2 Tage zu testen - bevor sie mit elektrischen Problemen ausfiel. Es könnten hier eine Reihe von Mängeln aufgezählt werden ( besonders das Stativ macht den Eindruck, als sei es aus Staubsauger-Rohren zusammen gestöpselt worden ), mittlerweile haben die deutschen Teleskop-Händler aber schnell auf dieses Manko reagiert und Restbestände dieser Montierungen z.T. zu extrem reduzierten Preisen abverkauft - mit einer ausdrücklichen Fehlerbeschreibung.

Bis der Hersteller keine deutlichen Verbesserungen vornimmt, soll die Montierung in dieser Form vorerst auch nicht mehr von deutschen Händlern angeboten werden.

Optische Qualität

a ) Einschätzung der optischen Qualität aus der Beobachtungspraxis

Während meiner Beobachtungen mit dem Bosma-Refraktor gewann ich einen überraschend positiven Eindruck von der optischen Qualität des Objektivs. Sterne zeigen sich als die berühmt-berüchtigten "nadelfeinen Pünktchen". Bei Vergrößerungen bis 120fach zeigt das Objektiv eine sehr hohe Randschärfe. Koma oder Astigmatismus konnten auch bei höheren Vergrößerungen nicht beobachtet werden. In dieser Beziehung ist das Gerät einem von mir bis vor kurzem noch verwendeten Skywatcher FH 102/1000 sogar überlegen . Bei sehr hellen Objekten wie Mond und Venus zeigen sich erwartungsgemäß deutliche blaue Farbsäume, die aber ebenfalls nicht so schlimm ausfallen, dass sie den Beobachtungsgenuss nachhaltig trüben würden. Selbst im 4" f/10 Skywatcher Refraktor machte Venus keine bessere "Figur". An M13 zeigen sich bei 120facher Vergrößerung leicht körnige Randstrukturen, dies aber unter relativ bescheidenem Seeing Der Orion-Nebel zeigte sich bei der morgendlichen Beobachtung unter guten Sichtbedingungen reich strukturiert, heller und kontrastschärfer als in meinem 5"/f8 Newton....

Nachfolgend in loser Reihenfolge einige Objekte die ich im Testzeitraum von 3 Monaten unter den verschiedensten Bedingungen beobachten konnte.

NGC7000: Der Nordamerika-Nebel macht im 25 mm Okular eine beeindruckende Figur. Freilich geht ohne den UHC-Filter rein gar nichts. Mit dem Filter fällt zunächst die Trennung zwischen Nordamerikanebel und Pelikannebel ( IC 5067 ) ins Auge. Eine Dunkelregion, die fast sämtliche, schwache Sterne nahezu verschluckt. Der Pelikannebel selbst wird nicht sichtbar. Immerhin kann mit indirektem Sehen zumindest der Vorstoß bis in den "Golf von Mexiko" gelingen.

NGC6826: im 15 mm Plössl zeigt sich dieser planetarische Nebel als kleines, graublaues Scheibchen ( oder habe ich mir die Färbung nur eingebildet ?

M37( NGC 2099 ): Der sternreiche Haufen im Fuhrmann erscheint ein wenig dreieckig. Wundeschön zu sehen ist ein nahezu mittig positionierter orange/rot farbener Stern, welcher von vielen hellen Einzelsternen umgeben ist.

M39: auch NGC7092, zeigt sich als schütterer Haufen etwas unspektakulär in einer etwas dreieckigen Form

M57: konnte während der Testphase ( wie leider so viele Objekte ) nie bei optimalen Seeing betrachtet werden. Bei wiederholten Beobachtungsversuchen zeigte sich der Ringnebel im 25er Okular zunächst nur als helles Fleckchen. Beim Wechsel zum 10 mm Okular zeigt sich aber sehr schön die Ringstruktur.

M45: Trotz bescheidenen Seeings ein schöner Anblick im Bosma. Die Reflektionsnebel sind als leichte Aufhellung bei Merope und Alcyone zu beobachten.

M97: Der Eulennebel ist schwach zu sehen. Seeingbedingt sind selbst im 10 mm Okular kaum Details zu erahnen. Mit UHC Filter erscheint er zumindest deutlich heller.

Eps Lyr: Der bekannte und wohl schönste Vierfach-Stern zeigt sich im Bosma-Refraktor in seiner ganzen Pracht. Alle vier Komponenten lassen sich eindeutig separieren.

Albireo: Der Kopf des Schwanes - im 5 mm Okular ( V = 140x ) erscheint dieses Päarchen prachtvoll. Während die eine Komponente in einem schönen Orange erscheint, zeigt sic der Begleiter in seinem blaue "Gewand".

z Aqr: zwei fast gleich helle Komponenten ( 4,5 / 4,3 m ) mit einem Abstand von ca. 2,1 ". Im 7 mm Okular gelingt die Trennung relativ einfach.

Hyaden68 : Ein schwieriger Doppelstern im Taurus. Mit einer Distanz von nur 1,5 sec. zwischen beiden Komponenten gelang es leider während des Testzeitraumes nicht, dieses Pärchen eindeutig zu trennen.

Mizar & Alcor: Dieser Mehrfachstern im Großen Bären ist natürlich keine Herausforderung für die 100 mm Öffnung des Bosma Refraktors, aber dennoch einfach ein schöner Anblick. Mizars Komponenten funkeln gelb/weiss. Bei 100fach steht auf der anderen Seite des Gesichtsfeldes Alcor. Ich meine in dem Zwischenraum sogar noch zwei weitere, schwächere Sterne erkennen zu können.

µ Dra: auch Arrakis - zwei, mit 5,8m gleich helle Komponenten mit ca. 2,1" Distanz. Mit dem 7 mm Okular bei V = 100x konnten diese beiden cremefarbenen Sterne getrennt werden.

Jupiter: Bei Jupiter zeigten sich die vier Gallileischen Monde, sowie insgesamt vier Bänder bei V 100x. Die beiden breiteren Äquatorialbänder wiesen bei 100fach bereits wirbelige Strukturen auf. Jupiter wird von einem leicht blauen Halo umgeben. Trotz des schnellen Öffnungsverhältnisses von f7 erscheint mir dieses Halo nicht deutlich ausgeprägter, als bei meinem f10 Skywatcher FH gleicher Öffnung. Zwar zeigt hier mein 5" / f8 Newton eben doch ein "hübscher" anzusehendes, farbreines Bild, aber die Strukturen in den Atmosphären-Bändern arbeitet er nicht so detailliert heraus.

Saturn: erscheint leicht ockerfarben und zeigt mit V100x die Cassini-Teilung, sowie ein Äquator-Band. Auch an Saturn zeigt sich ein leichter blauer Saum, der mich bei der Beobachtung aber nicht weiter stört.

Mond: An unserem Erdtrabanten sind wunderschöne "Spaziergänge" möglich. Schärfe und Brillianz können durchaus überzeugen und das auch bei Einsatz einer 175fachen Vergrößerung.

b) Einschätzung der optischen Qualität nach optischer Prüfung

Unter Abschnitt a) habe ich meine ganz persönlichen Eindrücke von der optischen Qualität des Bosma Refraktors während der Beobachtungspraxis geschildert. Solche Eindrücke spiegeln natürlich nur die subjektive Auffassung des Autoren wider. Nicht jeder Sternfreund wird diese Meinung teilen wollen oder können - zu viele individuelle Faktoren fliessen in eine solche persönliche Beurteilung ein. Genannt seinen hier nur Punkte wie : - örtliche Beobachtungsbedingungen, - Beobachtungserfahrung des Hobby-Astronomen, - Okularwahl / Qualität des optischen Zubehörs, Toleranz und Anspruch des Beobachters an sein Gerät und vieles mehr. Zudem geisterten in diversen Astronomie-Foren und z.T. auch in Artikelbeschreibungen von Händlern Behauptungen wie : " beim Bosma Refraktor werden Sondergläser verwendet..", " geheime Glasrezeptur" und : " durch Verwendung besonderer Glassorten erreicht der Bosma Refraktor bei einem Öffnungsverhältnis von f7, eine Farbreinheit wie sie sonst bei gleicher Öffnung nur bei Achromaten mit mindestens f10 zu finden ist..". Zur Ehrenrettung Rudi Idlers muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass sich Herr Idler selbst nie zu solchen Aussagen hat hinreissen lassen, was für die Seriösität dieses Händlers sprechen mag.

Solche Aussagen und eine Vielzahl von Gerüchten verstärkten natürlich den Wunsch hier "greifbares" zu erfahren. Was lag also näher, als einfach einmal ganz naiv beim Hersteller anzufragen ? Gesagt getan - und die Antwort war dann auch ehrlich und bestätigte die Vermutung, die sich mir schon während der Beobachtungspraxis aufgedrängt hatte. Gefragt hatte ich konkret nach den verwendeten Glassorten und erhielt als Antwort : "..one lens is BK7 and the other one is F2..". Nun war die Katze also aus dem Sack - keine Sondergläser und somit auch keine Geheim-Rezeptur ! Ein Fraunhofer aus BK7 und F2 ist eben ein ganz gewöhnlicher Fraunhofer aus Flint- und Kronglas - nicht mehr und nicht weniger. Warum sollte bei sauberer mechanischer und optischer Verarbeitung und hoher Glasreinheit dann aber nicht trotzdem etwas Gutes dabei herauskommen ? Es gibt durchaus immer wieder Hersteller, die sehr feine Achromaten bauen - wie sieht es nun konkret beim Bosma Refraktor aus ?

Da ich selber weder Optiker noch Optikprüfer bin, sondern "nur" Hobby-Astronom, wandte ich mich an Leute, die erwiesenermaßen etwas von der Materie verstehen. So bekam ich von Wolfgang Rohr einen entscheidenden Hinweis auf Wolfgang Grzybowski, der insgesamt 10 Exemplare der Bosma 100/700 mm Refraktoren auf seiner optischen Bank geprüft hatte. Nach einer kurzen Anfrage bei Herrn Grzybowski erteilte er mir freundlich Auskunft über seine Mess-Ergebnisse, die ich im folgenden wiedergebe. Ich weise daraufhin, dass es sich hier um Messergebnisse handelt, die wohl von einem Bosma 100/700 Refraktor stammen, aber nicht explizit von dem mir vorliegenden Test-Exemplar ! Dennoch versicherte mir Wolfgang Grzybowski, dass die hier dargestellten Mess-Ergebnisse durchaus repräsentativ für die 10 von ihm geprüften Exemplare seien. Die Darstellung der folgenden Bilder und Diagramme erfolgen mit ausdrücklicher und freundlicher Genehmigung durch Herrn Grzybowski, dem ich an dieser Stelle meinen herzlichen Dank für seine Hilfe aussprechen möchte !

Herr Grzybowski übersandte mir folgende Interferometer-Auswertung und schrieb mir dazu folgenden Kommentar :

"Bei der Überprüfung auf der Optischen Bank stellte sich heraus, dass die Objektive Koma hatten so musste ich sie neu justieren . Auch kam mir der Farbfehler zu hoch vor, so dass bei den Abstandsplättchen die ja so unterschiedlich dick waren neu eingemessen wurde. Bei den Abstandsplättchen wurde die Dicke so gewählt, dass der Farbfehler des sekundären Spektrums mehr bei Grün zu liegen kam, als bei den Skywatcher Fernrohren. Es sind keine Sondergläser, sondern ganz normale BK7 - F2, wie Sie ja auch bereits erfahren haben. Man könnte noch mehr aus den Objektiven herausholen, wenn man die Objektivfassung nach Zeiss Jena Spezifikation ausführen würde, was aber zu diesen Preisen nicht machbar wäre."

Soweit die Beurteilung von Wolfgang Grzybowski. Schaut man sich den Strehl Wert von 0.98 an, kann man dem Hersteller Bosma aber wie ich meine, eine durchaus gute Qualität bescheinigen. Ab einem Strehl von 0.80 kann man eine Optik eigentlich schon als "gut" bezeichnen. Berücksichtigt man dann noch, dass das "schlechteste" der 10 geprüften Exemplare noch einen Strehl von 0.93 erreichte, muss man eigentlich schon fast begeistert sein. Freilich war zum Erreichen dieser Werte eine "Nachbearbeitung" der Optik nötig. Wie W. Grzybowski schreibt, mussten z.B. die Dicken der Abstandsplättchen zwischen den beiden Linsen reguliert werden, um eine Korrektur zum "Grünen" zu erreichen. Meistens werden typische 2-linsige Achromaten auf den grünen Wellenlinien-Bereich korrigiert, weil dieser vom menschlichen Auge besonders intensiv wahrgenommen wird, während das Auge für Rot und Blau relativ unempfindlich ist. Nun könnte sich beim potentiellen Käufer natürlich die berechtigte Frage einstellen, welche Optik-Qualität er denn nun erhält. Herr Idler vom Fernrohrland gab mir diesbezüglich die Versicherung, dass jeder Bosma-Refraktor vor Auslieferung an den Endkunden penibel kontrolliert und nötigenfalls "optimiert" werde. So gesehen stellt sich für den Endkunden die Frage nach der optischen Qualität "ab Werk" eigentlich nicht mehr, denn er sollte in jedem Fall eine überprüfte Optik erhalten. Dies ist sicher ein vorbildlicher Service, der dem potentiellen Käufer auch ein Stück Sicherheit vermittelt. Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Wolfgang Grzybowski darf ich weitere Mess-Daten in Bildform wiedergeben:

Fazit

Zunächst einmal gilt festzuhalten, dass auch dieser Test zu einem großen Teil ( nämlich im Bereich der visuellen Prüfung / Beobachtungspraxis ) auf subjektiven Eindrücken beruht.

Um das Gerät auch objektiv beurteilen zu können, habe ich mich auf die Hilfe von Herrn Wolfgang Grzybowskis Messdaten auf seiner optischen Bank berufen.

Um einen Quervergleich zu ziehen wurde der Bosma 100/700 mm Refraktor an vielen Beobachtungsabenden ( und Morgenstunden ) zusammen mit einem MEADE 127 NT 5"/f8 Newton aufgestellt. Dabei zeigte sich, dass der Bosma-Refraktor trotz kleinerer Öffnung, bei annähernd gleichen Vergrößerungen, am Planeten und Mond feinere Details offenbarte, als der 5" Newton. Natürlich wirkt gerade bei Jupiter und Saturn das Bild aufgrund des leichten blauen Halos nicht ganz so ästhetisch wie im Spiegelteleskop.

Den Vergleich zu einem f10 Skywatcher Refraktor, der sich ebenfalls kurzzeitig in meinem Besitz befand, braucht der Bosma-Refraktor dennoch nicht zu scheuen. Voraussetzung für diese gute Leistung dürfte aber in jedem Fall die sorgfältige Überprüfung und Justierung des Gerätes sein, denn im Anlieferungszustand ab Werk, hätte der Bosma diese Qualitäten am Sternenhimmel sicher nicht offenbart !

Erinnert sei in diesem Zusammenhang nur an die von Herrn Grzybowski festgestellte, z.T. starke Koma ( siehe Aufnahmen oben ). Auch musste die Dicke und Lage der Objektiv-Abstandsplättchen erst neu gerichtet werden, um die optisch wesentlich bessere und mildere Ausprägung des sekundären Spektrums zu erzielen. Es ist also leider Fakt, dass die Anbieter/Händler den Bosma 100/700 mm Refraktor vor Auslieferung an den Kunden in den meisten Fällen zunächst erst einmal einer hauseigenen Prüfung und ggf. Justierung unterziehen müssen, da der Hersteller in China dazu offenbar nicht in der Lage ist. Wer das Gerät erwerben möchte, sollte diese Punkte also mit dem Händler seines Vertrauens definitiv vor Kauf abklären. Das Testgerät, wie ich es in die Hände bekam ( also optimiert ), erweist sich durchaus als attraktives Gerät. Mit 4" Öffnung ermöglicht es schon eine Menge an ernsthaften Beobachtungen, zudem ist der Tubus relativ leicht, kurz und somit transportabel ( Reise-Refraktor ). Auch genügt noch eine kleinere Montierung, um diesen Refraktor zu tragen.

Mechanik und Verarbeitung sind gemessen am Preis recht ordentlich. Das einzige, was wirklich gestört hat, ist der etwas kippelige Okularauszug, der den sonstigen Qualitäten dieses Teleskops nicht gerecht wird. Hinzu kommt, dass aufgrund er relativ kurzen Brennweite, höhere Vergrößerungen nur mit Einsatz einer Barlow oder ( teuren ) kurzbrennweitigen Okularen möglich sind.

Empfehlenswert scheint mir für diese Optik ein Vergrößerungsbereich bis 150fach. In Einzelfällen und mit wirklich guten Okularen bzw. einer hochwertigen Barlow, können aber u.U. auch noch 175 bis maximal 200fach nutzbar sein. Wirkliche Topleistung bringt das Gerät aber vor allem bei schwächeren Vergrößerungen bis 120x und lädt dann geradezu zu Himmelsstreifzügen ein.

Beobachter, die für sich persönlich einen Kosten/Nutzen-Aspekt erkennen, sollten sich unter Umständen überlegen, ob sie den vorhandenen Okularauszug, durch ein besseres, mechanisch hochwertigeres Teil ersetzen.

Der Refraktor ( OTA ) war zum Testzeitpunkt für ca. 295 € zu erwerben. Mitgeliefert wurde ein sehr schönes 25 mm Okular mit Eigenfokussierung und ein 9 mm Kellner. Berücksichtigt man diesen Preis kann man eigentlich mit dem Gerät zufrieden sein. Es bietet nicht nur dem Einsteiger viel, sondern birgt auch für den fortgeschrittenen Beobachter ( evtl. als Zweitgerät für den Schnelleinsatz oder als mobiles Teleskop ) Spaßpotential.

Messdaten und Diagramme wurden freundlicher Weise von Herrn Wolfgang Grzybowski zur Verfügung gestellt, dem ich an dieser Stelle meinen herzlichen Dank aussprechen möchte.

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