Ein Auktions-Schnäppchen ? - Das unbekannte China-Glas

Bei unserem letzten Fernglas im Test handelt es sich um ein Auktions-Schnäppchen eines bekannten online-Auktionhauses. ZumTestzeitpunkt wurden dort sogenannte "nachtaktive" 20x60 Ferngläser unbekannter Herkunft (vermutlich China) in Massen angeboten. Das Preis-Niveau pendelte sich dabei um die 25 - 35 € ein.

Beworben wurden diese Gläser folgendermaßen - Zitat :

"Nachtaktives Grossfernglas - Dieses Fernglas ist für alle Zwecke geeignet, egal ob zum Angeln, für Outdoorzwecke, zur Jagd, für Naturbeobachtungen für Sportveranstaltungen oder für Bootsbesitzer, mit diesem robusten und hochwertig verarbeiteten Fernglas werden Sie viele Jahre ihre Freude haben.Eine Vergrößerung von 20x60 ermöglicht Ihnen scharfe Beobachtungen.Die robuste, spritzwasserabweisende Gummierung garantiert Ihnen darüberhinaus einen sichern Einsatz selbst bei Kälte oder Nässe.Rotfilter (High-TEC Ruby-Vergütung). Die auf die Linsen aufgedampfte Vergütung (Ruby Vergütung) ermöglicht optimale Kontraste auch bei Sonnenlicht-Einstrahlung oder in der Dämmerung und in der Nacht bei Restlicht. Dieses Fernglas bietet Ihnen somit beste Sichtverhältnisse auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen wie z.B. auf See oder im Gebirge."

Soweit der Werbetext des Anbieters. Was steckt nun dahinter ? Zunächst ist einmal festzuhalten, dass allein der Begriff "nachtaktiv" im Zusammenhang mit einem Fernglas völlig unsinnig ist. Nachtaktiv sind Fledermäuse und Igel, aber keine Ferngläser. Man bezieht sich hier augenscheinlich auf die sogenannte Ruby-Vergütung der Frontlinsen. Oft findet man auch den Begriff der Rot- oder Rubin-Vergütung. die sich in einer knall-orangen oder roten Färbung der Frontlinsen manifestiert. Diese Vergütung soll angeblich Restlicht verstärken und Reflexe erheblich mindern können.

Misstrauisch sollte schon der Umstand machen, dass man diese Art der Vergütung zumeist bei besonders billigen Ferngläsern antrifft. Eine effektive Vergütung mit hohem Wirkungsgrad erfordert einen aufwendigen technischen Herstellungs-Prozess und ist nicht für ein paar Pfennige machbar. Bei der Rubin- Vergütung werden im Schnitt 7 - 15 Lagen einer mineralischen Schicht auf die Glasflächen aufgedampft. Wir werden später sehen, wie sich diese Vergütung in der Praxis auswirkt. Schauen wir uns dieses Wunderglas einmal in aller Ruhe an.

Die Fernglaskörper weist eine zumindest recht griffige Gummi-Armierung auf. Das Glas liegt durchaus gut in der Hand. Erste mechanische Mängel fallen aber sehr schnell auf. Die Fokussierwalze ist sehr leichtgängig und schon bei leichtem Druck auf die Okulare verstellt sich der Fokus.Schlimmer noch : Ein erster Blick durch dieses Glas offenbart weitere mechanische ( und optische ) Mängel. Beide Fernglashälften sind vollkommen dejustiert. Die Bilder beider Fernglashälften lassen sich nicht zur Deckung bringen.

Noch schlimmer : Während die Prismen beim Testglas in der rechten Optik anscheinend halbwegs korrekt angeordnet sind, so sind sie im linken Strahlengang sehr stark verkippt. Blickt man auf eine waagerechte Linie, bleibt diese beim Blick durchs rechte Okular gerade - schaut man aber durchs linke Okular, erscheint die Waagerechte plötzlich als "Schräge" !

Schnell bemerkt man einen weiteren schwer wiegenden Mangel : Die Prismen sind offensichtlich unterdimensioniert und unvergütet. Die Austrittspupille ist nicht rund und gleichmäßig hell, wie bei den anderen Test-Ferngläsern, sondern rautenförmig verzerrt und mit starken Abschattungen versehen. das folgende Bild mag dies dokumentieren ( Pfeilmarkierung ).

Die gesamte Knickbrücke ist mechanisch nicht stramm, sondern wackelt beim Fokussieren hin und her. Sie besteht auch weder aus Keramik oder Metall, sondern nur aus Plastik. Durch das viel zu große Spiel beim Fokussieren liegen praktisch beide Fernglashälften immer außerhalb der idealen optischen Achse.Selbst wenn man sich den Dioptrien-Ausgleich passend einstellt, hat man in beiden Glashälften jeweils unterschiedliche Fokussierwege. Die Okulare verfügen über Gummi-Augenmuscheln ( umklappbar ), sitzen aber ebenfalls sehr locker in ihren Fassungen. Die gesamte Mechanik des 20x60 Glases ist leider völlig ungenügend.

Zwar wirkt das 20x60 Glas vom äußeren Erscheinungsbild zunächst durchaus robust, aber schon eine erste intensive mechanische Prüfung hat all diese erheblichen Mängel zum Vorschein gebracht. Man muss es leider ganz hart sagen : was die mechanische Qualität betrifft, ist man selbst im Spielzeugbereich besseres gewohnt. Zur Optik sind schon einige Anmerkungen gefallen.

Bei der Tagbeobachtung stellt sich ein blaugrün-stichiges Bild ein. Dies rührt wahrscheinlich daher, dass die Ruby-Vergütung einen Grossteil des Rot-Anteils heraus filtert. Alle Beobachtungs-Objekte wirken so sehr kühl. Beim Antennenmast zeigt sich ein deutlich wahrnehmbarer Blausaum.Erstaunlicherweise ist von einer Bildfeldwölbung am Tage kaum etwas zu bemerken. Irgendwie fehlt es aber an Brillanz, alle Farben wirken etwas unnatürlich. Angegeben ist ein Sehfeld von 58 m auf 1000 m bzw. 3,3°. Beim Blick durch das Glas mag man diesen Angaben nicht so recht trauen, denn es stellt sich ein deutlicher Tunnel-Effekt ein.

Durch das einseitig verkippte Prisma ist beidäugige Beobachtung mit diesem Glas ohnehin nicht möglich. man müsste das linke Auge schon zukneifen, um wenigstens beim Blick durch das rechte Okular etwas erkennen zu können. Angesichts dieser schweren mechanischen und optischen Mängel erübrigte sich fast jeder weitere Praxis-Test.

Nur der Vollständigkeit halber habe ich das Glas auch am Sternenhimmel ausprobiert. Immerhin verfügt es über einen Stativanschluss, so dass verwacklungsfreies "Beobachten" möglich war. Bringt man z.B, den Mond knapp ausserhalb des Sichtfelds, zeigen sich im 20x60 Glas die schönsten Reflexionen - grausam.

Bei der Betrachtung weiter Sternfelder macht sich schnell eine deutliche Randunschärfe bemerkbar, die bereits ab ca. 40 % des Bildfeldes beginnt. Am Tage fiel dies nicht so gravierend auf, aber beim Sterntest wird diese Unschärfe gnadenlos offenbart. Sterne erscheinen am Bildfeldrand fast wie Kometen mit Schweif. Ich habe auf weitere Tests gerne verzichtet.

Die Vergütung erfüllt ihren Zweck in keinster Weise - die Okulare und Prismen sind gar gänzlich unvergütet - dazu die schweren Justierfehler und die grausame mechanische Qualität. Nein - wer dieses Glas sieht, sollte einen weiten Bogen darum machen auch wenn ein Dumping-Preis lockt.

Fazit:

Kurz und bündig : Finger weg von diesem Glas !

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