Die Groß-Ferngläser : Vixen 20x80 und TS 20x80

Beide Ferngläser sollten schon aufgrund ihrer Größe und des Gewichtes zumindest auf einem stabilen Fotostativ befestigt werden. Eine Freihandbeobachtung des Sternenhimmels ist illusorisch, dafür sind diese lichtstarken Giganten auch nicht konstruiert.

Die technischen Daten

Daten Vixen 20x80 TS 20x80
Objektivdurchmesser mm 80 80
Vergrösserung 20 20
Gewicht in g 2300 2400
Gesichtsfeld auf 1000m 61 56
Durchmesser AP in mm 4 4
Augenabstand in mm 10 17
Dämmerungszahl 40 40
Prismen BaK 4 Porro BaK 4 Porro
Vergütung Mehrschichtvergütung auf allen opt. Flächen Breitband Multivergütung auf allen opt. Flächen

Das Vixen 20x80

Das Vixen 20x80 Grossfernglas ist im Handel für rund 650 € zu finden und damit fast 3x so teuer wie das TS 20x80. Das Glas wird in einem stabilen Transportkoffer mit praktischem Tragegriff geliefert. Mit nur 2300 g Gewicht ist es etwas leichter als das TS-Grossfernglas. Die mechanische Verarbeitung kann überzeugen. Scharf gestellt wird über einen Zentralfokussierer, der gut erreichbar ist und nicht zu schwer, aber auch nicht zu leichtgängig ist. Der einmal eingestellte Fokus bleibt auch bei Gegendruck auf die Okulare erhalten und verstellt sich nicht von selbst.Die Okulare selbst weisen nochmals beidseitig einen gut beschrifteten Dioptrienausgleich auf, so das auch Beobachter mit verschiedenen Sehstärken auf beiden Augen noch scharf stellen können. Der Mittelsteg, der beide Fernglaskörper miteinander verbindet und stabilisiert, ist massiv ausgeführt und weist den notwendigen Stativanschluss auf. Der Fernglaskörper ist sehr griffig und liegt angenehm in der Hand.

Wasserdicht ist das Vixen 20x80 jedoch nicht. Die Vergütung des Vixen 20x80 ist augenscheinlich die beste aller im Test befindlichen Optiken. Beim Blick von vorne in die Objektive zeigen sich die geringsten Reflexionen.

Dieser hervorragende Eindruck bestätigt sich bei einem ersten Test am Tage, wofür das Glas auf ein stabiles Fotostativ montiert wurde. Beim Anvisieren eines ca. 400 m entfernten Antennenmastes mit Querverstrebungen, zeigt sich eine knackscharfe Abbildung. An den Rändern der Masten sind keinerlei Farbsäume zu beobachten.Ein Schwenk auf ein benachbartes Ziegeldach zeigt zudem eine sehr gute Schärfeleistung. Die Ziegel erscheinen bis fast zum Rand scharf. Eine leichte Randunschärfe stellt sich erst bei den ca. letzten 10 % des Bildfeldradius ein - ein ausgezeichneter Wert. Beim Betrachten einer Hauskante sind keinerlei Verzeichnungen ( Kissen- oder tonnenförmig; Bildfeldwölbung ) sichtbar.

Die Nachtbeobachtungen erfolgten z.T. unter erschwerten Bedingungen eines Vorstadthimmels. Sterne zeigen sich im Vixen 20x80 als schöne punktförmige Objekte bis fast zum Rand des Gesichtsfeldes. Erst bei einer Distanz von etwa 90 % des Radius beginnen die Sterne kleine, strichförmige Verzeichnungen aufzuweisen.

Die Austrittspupille beträgt beim Vixen Glas 4 mm und ist exakt rund und mittig. Dies deutet auf sehr gute Prismen hin, die großzügig dimensioniert und zudem einwandfrei justiert wurden.Mit dem Vixen 20x80 Großfernglas kann auch längere Zeit ermüdungsfrei beobachtet werden, ohne dass sich Sehbeschwerden oder gar Kopfschmerzen einstellen. All dies deutet auf sehr gut zentrierte und justierte Fernglashälften hin, was bei manch billigeren Konkurrenten, teils fragwürdiger Herkunft nicht selbstverständlich der Fall ist, wie wir noch sehen werden.

Wie alle anderen hier vorgestellten Ferngläser ist auch das Vixen 20x80 ein sogenanntes Gerad-Sicht-Glas. Wer in Zenithnähe beobachten will, benötigt also ein hoch ausziehbares, stabiles Stativ.

Ein kleiner Wermutstropfen ist der nur 10 mm messende Pupillenabstand beim Vixen 20x80. Damit scheidet das Fernglas für Brillenträger aus, da diese schlicht und einfach nicht mehr das gesamte Sehfeld überblicken können.Wohl schon deshalb hat Vixen bei diesem Glas auf voluminöse Gummi-Augenmuscheln verzichtet. Andererseits bietet das Vixen 20x80 eine hervorragende Dioptrien-Korrektur, die offensichtlich weit über den aufgravierten Bereich von +/- 2,0 Dioptrien hinausgeht.

Fazit:

Zwar ist das Vixen 20x80 das teuerste Fernglas im Testfeld, bietet aber die höchste optische und mechanische Qualität. Die Vergütung der optischen Flächen ist hervorragend. Beobachtet man z.B. ein helles Objekt wie den Mond und bringt diesen etwas ausserhalb des Sichtfelds, zeigen sich beim Vixen 20x80 keine störenden Reflexe oder Streiflichter. Mit einer AP von 4 mm eignet sich das Vixen-Produkt auch sehr gut für Beobachtungen unter ansonsten aufgehelltem Nachthimmel ( Stadtnähe ). Trotz seiner Größe und des Gewichts von über 2 Kg liegt das Glas gut und griffig in der Hand, wenngleich es wie mehrfach erwähnt in der Regel auf ein Stativ gehört

Der Mittelsteg mit Stativadapter ist robust und massiv ausgeführt, überhaupt macht der ganze Fernglaskörper den Eindruck sorgfältigster und sauberster Verarbeitung. Die stativgebundene Beobachtung des nächtlichen Himmels macht mit diesem Glas einfach Spass. Wer sich von dem relativ hohen Preis nicht schrecken lässt und nicht auf eine Sehhilfe (Brille) angewiesen ist, kann ohne Bedenken zu diesem hervorragenden Glas greifen

Das TS 20x80

Beim 20x80 Grossfernglas aus der TS-Reihe handelt es sich um eine Hausmarke des Münchener Unternehmens Teleskop Service Ransburg. TS bietet dieses Glas für rund 250 € an - allerdings gibt es immer mal wieder Sonderpreis-Aktionen während derer man das Instrument bei Wolfgang Ransburg eventuell auch günstiger ergattern kann. Ein Besuch der Webseite von Teleskop-Service (http://www.teleskop-service.de) lohnt also immer.

Die Besonderheit am TS 20x80 ist die Objektivkonstruktion. Es handelt sich um ein 3-linsiges Design, einen sogenannten Triplet-Achromaten. Zwar gewinnt man dadurch nicht gleich die optische Leistung eine apochromatischen Objektivs, die dritte Linse sorgt aber in erster Linie für ein ebeneres Bildfeld. Des weiteren soll sie die Farbfehler verringern und die Randschärfe steigern. Das Glas verfügt eine Breitband Multivergütung, die je nach Lichteinfall leicht bräunlich.rosa bis blaugrün schimmert. Ach die Okulare weisen eine entsprechende Vergütung auf.

Die mechanische Verarbeitung macht einen soliden Eindruck. Auch hier sorgt ein Mittelsteg für die Stabilisierung beider Fernglashälften und den Stativanschluss, wobei dieser Steg beim TS Glas nicht ganz so massiv ausfällt wie beim Vixen-Produkt. Dennoch : die gesamte mechanische und optische Verarbeitung hinterlässt ,nicht nur auf den ersten Blick, einen hervorragenden Eindruck.Eine Geschmackssache ist sicher die Gummierung des Fernglaskörpers. Einerseits bietet sie einen Schutz gegen Spritzwasser und vermittelt bei kühleren Temperaturen ein angenehmes Handgefühl - andererseits werden Menschen, die unter stärkerem Handschweiß leiden mit dieser Gummierung vielleicht nicht so glücklich, da sich dann schnell feuchte Flecken auf der Gummi-Ummantelung bilden.

Die Austrittspupille beträgt beim TS Glas ebenso wie beim Vixen 4 mm. Auch hier sind die Austrittspupillen exakt rund und mittig und zeigen keinerlei Abschattungen oder Verzeichnungen. Die Justierung beider Fernglashälften ist auch beim TS 20x80 sehr gut gelungen und die Prismen sind ausreichend groß dimensioniert.Im Gegensatz zum Vixen-Grossfernglas ist das TS-Produkt auch für Beobachter mit Brille geeignet. Der Augenabstand beträgt 17 mm, allerdings fallen auch bei diesem Glas die Augen-Gummimuscheln sehr sparsam aus. Mit 3,2° fällt das Sehfeld geringfügig kleiner aus, als beim Vixen mit 3,5°.

Die Tagbeobachtung zeigt beim Anvisieren des schon erwähnten 400m entfernten Antennen-Mastes einen ganz leichten, blauen Farbsaum. Dieser fällt allerdings wirklich so gering aus, dass er das Seherlebnis nicht negativ beeinträchtigt. Wirkung zeigt die dritte Objektivlinse als Bildfeldebner - beim vorliegenden Testglas konnte in der Tat zumindest rein visuell keine Bildfeldwölbung oder sonstige Verzeichnungen festgestellt werden. Beim "Dachziegel-Test" zeigt sich eine gute Schärfeleistung des TS-Glases. Für Tagbeobachtungen ist dieses Grossfernglas recht gut geeignet.In der Nacht musste sich das TS 20x80 wiederum unter den erschwerten Bedingungen eines etwas aufgehellten Vorstadthimmels behaupten. Sterne zeigen sich als feine Punkte, allerdings macht sich bei der Beobachtung des Sternenhimmels dann doch bemerkbar, dass die Randschärfe nicht ganz mit der des Vixen-Glases mithalten kann. Ab ca. 80 % des Bildfeldes werden Sterne zunehmend unscharf abgebildet.

Dennoch machen nächtliche Streifzüge am Sternenhimmel mit dem TS Grossfernglas Spass - die Sichelgestalt der Venus ist sehr schön sichtbar und nur von einem leichten Blausaum umgeben. Saturn erscheint unter den Bedingungen des Vorstadthimmels als deutlich ovale Scheibe, wenngleich die Ringstruktur nur erahnt werden kann. M13 liefert ein imposantes Bild im TS 20x80. Auch die Beobachtung des Mondes ist ein Genuss und auch hier zeigt sich nur ein minimaler, kaum wahrnehmbarer Farbsaum.

Fazit:

Das TS 20x80 macht einfach nur Spass. Für einen Preis von rund 249 € erhält man ein Gross-Fernglas von einer optischen und mechanischen Qualität, wie man sie in dieser Preisklasse kaum erwartet hätte. Gegen den fast 3x so teuren Konkurrenten aus dem Hause Vixen kann das TS-Produkt gut mithalten. Zwar wird die optische Qualität des Vixen-Glases hinsichtlich Randschärfe und Brillianz nicht ganz erreicht, befindet sich aber immer noch auf einem sehr guten Niveau, dass sich deutlich von der Qualität anderer Mitbewerber in dieser Preisklasse abhebt.

Ebenso gibt es an der Mechanik nichts zu mäkeln. Die Zentralfokussierung ist zwar leichtgängig, aber doch straff genug, damit sich die Schärfe nicht selbst verstellt. Zudem hat das TS-Glas den grossen Vorteil, dass auch Brillenträger mit ihm gut klar kommen dürften. Das gesamte Gehäuse ist gut verarbeitet und die Gummierung schützt das Glas vor Spritzwasser.

Einzig die Abdeckungen für die Frontlinsen hätten einen etwas strafferen Sitz nötig. Sie sitzen so locker, dass sie von alleine abfallen, wenn man das Glas nach unten hält. Hier wäre eine Verbindung mit dem Fernglaskörper ganz gut gewesen, so wie TS es auch bei dem kleineren 10x50 WP gelöst hat.

Der mitgelieferte Transportkoffer ist stabil und mit einem verstellbaren Tragegurt versehen. Bei Anlieferung befindet sich das Glas in einer Styropurkiste, aus der man das Glas mühsam herausfummeln muss. Da man mit einem solchen Fernglas ohnehin sorgfältigst umgeht, kann man diese Styropureinlage bei späteren Einsätzen auch weglassen, denn es ist doch z.T. etwas fummelig und zeitraubend das Glas jedes mal erst aus diesem Styropurmantel heraus zu "operieren.

Dies sind aber alles nur "Kleinigkeiten" die den ansonsten hervorragenden Gesamteindruck nicht stören sollten. Für den Preis ist dieses Glas ein echter Tipp und dürfte jedem Sternfreund lange Freude bereiten.

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