Resumeé oder die Frage ... was soll ich denn nun für eine Montierung kaufen?

von Wolfgang Paech

Wie ganz am Anfang schon erwähnt, sollte man die Montierung lieber eine Nummer größer wählen, als für das Teleskop notwendig wäre. Das kann natürlich nur gelten, wenn kein Komplettsystem angeschafft wird. Das ist aber eigentlich kein Problem, weil praktisch jeder Händler Teleskop und Montierung auch separat verkauft. Und von den absoluten Billigangeboten aus dem Supermarkt habe ich ganz am Anfang schon dringend abgeraten.

Zum zweiten gilt zu entscheiden: soll mit der Montierung nur visuell beobachtet werden, dann reicht eine azimutale Montierung. Zumindest sollte sie dann allerdings die Möglichkeit bieten, beide Achsen mit der Hand über Schneckenradantriebe nachzuführen. Ein Beispiel für eine kleine azimutale Montierung, die kleine Instrumente trägt, ist die BP 60 von Baader Planetarium. Der Verfasser hat sie bei vielen Gelegenheiten schon erfolgreich eingesetzt.

Soll mit zunehmender Beobachtungspraxis auch fotografiert werden, so muß die Montierung parallaktisch aufgestellt werden können - und zumindest in der Rektaszensionsachse über einen Motorantrieb verfügen. Die Fotografie mit langen Brennweiten erfordert dann auch einen Deklinationsantrieb mit Motor. Dabei muß es nicht unbedingt eine deutsche Montierung sein, auch Gabelmontierungen mit den beliebten Schmidt Cassegrain Teleskopen können erfolgreich eingesetzt werden.

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass es für viele der kleinen GoTo Teleskope (Celestron, Meade etc) mit azimutalen Gabelmontierungen sogenannte Polhöhenwiegen gibt, mit der man diese Teleskope dann auch parallaktisch aufgestellen kann.

Will man transportabel bleiben, um die besseren Beobachtungsbedingungen ausserhalb der Großstädte zu geniessen, ist ein Polsucherfernrohr an der Montierung unabdingbar. Man verbringt sonst die halbe Beobachtungsnacht mit dem "Einscheinern".

Es gibt heutzutage eine fast unüberschaubare "Flut" an kleinen und mittelgroßen Montierungen aus China, Taiwan und anderen - billig produzierenden - Ländern (die der Verfasser auch nicht mehr überschaut). Oftmals sind es baugleiche Montierungen die vom gleichen Produzenten für verschiedenen Teleskophersteller nur mit unterschiedlichen Produktnamen bezeichnet und verschiedenfarbig lackiert werden.

Ob eine Montierung gut oder schlecht ist, sieht man ihr von aussen - ohne entsprechende Erfahrung - selten an. Ihre Stabilität und Funktionalität zeigt sie erst in der praktischen Beobachtung. Lassen Sie sich nicht - von den oft abenteuerlichen Angaben der Hersteller zur Traglast einer Montierung - täuschen. Sicher kann ich auf eine Minimontierung auch ein Gewicht von 12 Kilo plazieren (wenn denn die Stativbeine nicht wegknicken). Wie sich aber die Montierung verhält, wenn die 12 Kilo auf eine Tubuslänge von 60cm verteilt und der Tubus von leichten Windstössen getroffen wird, dass zeigt eben erst die Beobachtungspraxis.

Montierungskonstruktion und -bau ist ein schwieriges feinmechanisches Problem. Auch die -für die Serienproduktion - eingesetzten Ma terialien spielen für Schwingungsanfälligkeit und Stabilität der Montierung eine große Rolle. Lassen Sie es mich so ausdrücken: Gute, mechanisch sauber aufgebaute Montierungen mit genauen - möglichst spielfreien - Antrieben können zwar preiswert aber nicht billig sein. Jedenfalls habe ich in über 35 Jahren Praxis eine solche Montierung noch nicht gesehen, geschweige denn eine besessen. Es ist aber auch nicht so, dass eine gute stabile Montierung möglichst schwer und massig sein muß, es kommt eben auf Werkstoffe und die Konstruktion an (der Verfasser verfügt über eine selbstkonstruierte- und gebaute Montierung, die nur 20 Kilo wiegt, und damit leicht transportabel ist, die aber 30 Kg Instrument und noch einmal 30 Kg Gegengewichte "locker wegsteckt".

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