Kompakter Multi-Schiefspiegler und Herrig-Schiefspiegler

In den letzten Jahren konnten völlig neuartige und sehr kompakte Schiefspiegler von E. Herrig [1] und dem Verfasser [2,3]  berechnet und realisiert werden. Die neuartige Idee besteht darin, mit einer Optik aus 2 oder 3 Spiegeln einen 4-Spiegler zu  realisieren. Dabei findet teilweise eine Doppelnutzung von Spiegelflächen statt, indem 2 zueinander versetzte Reflexionen auf  dem gleichen Spiegel erfolgen.

Der Strahlengang des Multi-Schiefspieglers

Die ursprüngliche Anordnung des Kutter-Schiefspieglers wird durch einen Drittspiegel ergänzt. Aufgrund der  Doppelnutzung des Zweitspiegels werden insgesamt 4 Reflexionen ausgeführt. Der Strahlenverlauf (Reflexionsfolge 1 - 4) ist in der folgenden Abbildung dargestellt. Das Bild entsteht seitlich hinter dem Hauptspiegel und erlaubt damit eine Beobachtungsgeometrie, die einem Refraktor sehr ähnlich ist.

Die neuartige Optik verwendet 3 geneigte Spiegel, wobei Spiegel (2) zweimalig reflektiert. Das Licht fällt zunächst auf den  Hauptspiegel (1) wird zum vorderen Spiegel (2) und dann zu Spiegel (3) reflektiert. Letzterer wirft das Licht erneut auf den  vorderen Spiegel (4). Schließlich entsteht seitwärts vom Hauptspiegel das Bild im Okularauszug. Das abschattungsfreie  Bildfeld beträgt 0.5° und leuchtet damit den Vollmond noch vignettierungsfrei aus.

Die optische Weglänge (Rückstellweg) am Okularauszug lässt sich konstruktiv auf mehr als 150 mm einstellen und  ermöglicht den Anschluss auch von umfangreichem Zubehör, wie z.B. eines Binokularansatzes. Aufgrund der geringen  Bildfeldneigung und Verzeichnung eignen sich die kompakten Schiefspiegler auch gut für die Astrofotografie. Das  Einblickverhalten ist dem eines Refraktors sehr ähnlich, wenn man sich erst einmal an den schiefen Strahlengang gewöhnt hat. Der Schiefspiegler erfordert jedoch einen Sucher, da sich Objekte nicht direkt über eine Tubuskante anpeilen lassen.

Die neuartigen kompakten Schiefspiegler erlauben eine nahezu perfekte Korrektur der Bildfehler auch noch bei Öffnungen  von mehr als 200 mm. Da die Abbildung ohne Farbfehler ist, wird eine beugungsbegrenzte Leistung erreicht, wie sie sonst  nur mit hochwertigen, farbreinen Refraktoren zu erzielen ist. Gegenüber den konventionellen Schiefspieglern wird ein sehr  kompakter Aufbau und eine relativ hohe Lichtstärke (Blende 10-12) erzielt. Damit werden die neuen Schiefspiegler zu einem universell und auch transportabel einsetzbaren Beobachtungsgerät für jeden Amateurastronomen. Hinsichtlich ihrer optischen Leistung und ihrer kompakten Bauweise stellen sie eine interessante Alternative zu leistungsfähigen Refraktoren dar.

Literatur

[1] H. Wolter, Patentschrift DE 19925931 (2001) und europäische Patentschrift    EP 99111266.5 (2003)

[2] H. Wolter, The Multi-Schiefspiegler: A new approach to Schiefspiegler telescopes, ATM-Journal, Issue 16, p.14-20 (Okt. 2000)

[3] H. Wolter, Kompaktes Multi-Schiefspiegler-Teleskop, VDS-Journal, Ausgabe Sommer 2000, S. 97-102, Mitgliedszeitschrift der Vereinigung der Sternfreunde e. V., Heppenheim

[4] H. Wolter, The Multi-Schiefspiegler: A new approach to Schiefspiegler telescopes, reprint of article from ATM-Journal, in Best of Amateur Teleskope Making, Vol. 2, Willmann-Bell Inc., Richmond, Virginia, July 2003,      webseite: www.willbell.com

[5] Ein neuartiges Schiefspiegler-System, E. Herrig, SuW,3,1992, p.193

[6] Der Kompakt-Schiefspiegler, E. Herrig, Interstellarum,13, p.56

[7] A. Kutter: Der Schiefspiegler; Verlag F. Weichardt, Biberach/Riss (1953)

[8] A. Kutter: Sky &Telescope, S. 64 (12/1958) und S. 348 (4/1959) und S. 46 (1/1975) und S.115 (2/1975)

[9] M. Brunn, Entwicklung des Tetra-Schiefspieglers, Sterne und Weltraum, S. 647 (8,9/1976) und S. 808 (11/1976)

[10] H. Rutten , M. van Venrooij: Telescope Optics, Willmann-Bell Inc., Richmond, Virginia, S. 113 (1988)

[11]  R.A. Buchroeder, Sky&Telescope, S.113, (11/1997)

[12] TCT-Software von J. Sasian und winspot-software von D. Stevick

[14] E. Herrig, A New Concept for Tilted-Component-Telescopes, Sky&Telescope,       S.113, Nov. 1997 und Interstellarum Nr. 13, S.56 (1998)

[15] K. Wenske, in: Spiegeloptik, Verlag Sterne und Weltraum, Düsseldorf (1978) und München (1997)

Weiterlesen: Nasmyth-Teleskop

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