Zur Fokussierung einer Flatfieldkamera

von Wolfgang Paech

Eine Drehung des Fokusringes (in Richtung zum Stern gesehen) entgegen dem Uhrzeigersinn (links herum) schiebt den Fangspiegel in Richtung auf den Hauptspiegel zu (Abstand HS - FS verringert sich) und legt damit die Bildebene weiter nach außen (von der Rückplatte weg). Ein Drehen im Uhrzeigersinn (rechts herum) vergrößert den Abstand HS - FS und die Bildebene rückt näher an die Rückplatte heran.

Das optische System (Abstand FS - HS) ist so gerechnet, dass die beste Abbildungsleistung erreicht wird, wenn die Fokuslage exakt 55mm hinter dem T2 Gewinde liegt, welches als Kameraanschluss fungiert (55mm entsprechen exakt dem Abstand der Filmebene eine KB-Kamera zur Vorderseite eines T2-Kameraringes, siehe Abbildung rechts).

Das Feingewinde zwischen Fokusknopf und Fangspiegelhalterung hat natürlich nur einen begrenzten Stellweg. Dreht man lange genug gegen den Uhrzeigersinn (links herum) fallen beide Teile auseinander. Steht der Tubus in Richtung auf den Hauptspiegel geneigt, fällt der Fangspiegel unbarmherzig auf den Hauptspiegel.

Das ist früher einigen Leuten passiert, die unbedingt mit einem Zenitprisma und einem Okular visuell beobachten wollten und dazu natürlich die Bildebene weit nach außen legen mußten. Der Fokusbereich ist für solche Beobachtungen nicht ausgelegt (und bei der großen Obstruktion auch völlig sinnlos).

Ein so "schnelles" optisches System ist natürlich extrem präzise zu fokussieren und zudem anfällig gegen eine Fokusdrift, ausgelöst durch Temperaturänderungen während der Belichtungen. Nach dem Tod von D. Lichtenknecker wurden noch einige Modelle produziert, bei denen Haupt- und Fangspiegel über Invarstäbe gekoppelt waren; diese wenigen werden aber auf dem Gebrauchtmarkt relativ rar sein.

Fotografisch lässt sich eine Flatfieldkamera (mit Ausnahme der f/7-Version) nur hinreichend genau über eine Foucault´sche Messerschneide fokussieren. Die Fokustoleranz für die beugungsbegrenzte Auflösung liegt bei einem Öffnungsverhältnis von f/4 (im grünen Licht) bei nur 0.035mm.

Für die Fokussierung (und zum Teil auch für die Justage) gab es von Lichtenknecker das MFFT 55, mehrere - auf eine Glasplatte - aufgedampfte Messerschneiden, zusammen mit einem Ronchigitter zur Vorfokussierung.

Hinweis:
Gewöhnen Sie sich an, den Fokus immer aus einer Drehrichtung einzustellen. Und zwar aus folgendem Grund: Beim Hin- und Herdrehen der Fokusschraube ändert sich leicht der Korrekturzustand des Fangspiegels, weil die Führung des Fangspiegels auf der optischen Achse ja nicht völlig spielfrei sein kann und auch nicht ist.

Ich fokussiere hierbei immer gegen den Uhrzeigersinn (mit Blick zum Himmel), dass entspricht zugleich der Richtung in die man fokussieren muss, um eine Temperaturabnahme auszugleichen. Die Bildebene verschiebt sich dabei nach hinten, von der Flanschplatte weg.

Der Temperaturgang bei den "schnellen" FFC´s ist "brutal". Hier muss ggf. mehrfach in der Nacht nachfokussiert werden.

Weiter lesen: Die Justage einer Flatfieldkamera

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