Astro-Comic 12 / 2017 - Montagmorgen

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Viele Menschen sind an einem Montagmorgen vor dem fünften Kaffee gar nicht ansprechbar. Und manch einer wünscht sich dabei seinen Kaffee so schwarz, dass dieser glatt mit dem supermassiven Schwarzen Loch in der Mitte der Milchstraße konkurrieren könnte – so auch Mars im aktuellen Astro-Comic.

Aber was müsste man eigentlich tun, um einen derart schwarzen Kaffee zu kochen? Und wäre das eine wirklich durchdachte Idee? 

Schauen wir uns zunächst mal an, woher die tiefe Schwärze der Schwarzen Löcher stammt. Schwarze Löcher sind super verdichtete, schwere Singularitäten, die durch ihre Schwerkraft alles in ihrem Einzugsgebiet anziehen. Dem gravitativen Sog können sich weder Planeten noch Sterne entziehen – sogar Raum und Zeit werden von den schweren Ungetümen angezogen. Die Dichte ist dermaßen hoch, dass nicht einmal sichtbares Licht oder andere elektromagnetische Wellen aus dem Einzugsgebiet des Schwarzen Loches entkommen könnten. Für einen außenstehenden Betrachter würde sich das Gebilde daher als schwarz darstellen, da einfach kein sichtbares Licht mehr vorhanden ist.
Für unseren superstarken Montags-Kaffee bedeutet das also, dass wir seine Masse und Dichte so weit erhöhen müssten, bis er beginnt, elektromagnetische Wellen anzuziehen. Das klingt doch machbar!

Um zu berechnen, wie dicht und schwer unser Kaffee werden müsste, können wir uns wieder an den Prozessen im Weltall orientieren: Supermassereiche Schwarze Löcher, die sich im Zentrum einer jeden Galaxie befinden, haben eine ungefähre Masse von 105 bis 1010 Sonnenmassen. Das Schwarze Loch in der Milchstraße zählt zu dieser Kategorie und besitzt 3,6 Millionen Sonnenmassen. Einen so schweren Kaffee herzustellen, könnte schwierig werden – unser Projekt ist aber noch lange nicht gescheitert!
In den Galaxien verteilt existieren sogenannte Stellare Schwarze Löcher, die wesentlich leichter als ihre supermassiven Verwandten sind, ansonsten aber ähnliche physikalische Eigenschaften aufweisen. Ein Stellares Schwarzes Loch entsteht, wenn ein Stern mit einem Gewicht von mindestens drei Sonnenmassen am Ende seiner Existenz kollabiert – falls der kollabierende Kern noch ein Gewicht von mindestens 2,5 Sonnenmassen aufweist, kann er sich zu einem Schwarzen Loch verdichten.

Um einen super-gravitativen schwarzen Kaffee zu kochen, müssten wir mit unserem koffeinhaltigen Getränk also mindestens eine Masse von 2,5 Sonnen erreichen und diese dann extrem verdichten. Ein weiteres Problem wäre, dass ein solcher Kaffee die Raumzeit krümmen würde und wohl die gesamte Erde vernichten würde.

Aber das käme an einem Montagmorgen ja vielleicht gar nicht so ungelegen…

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Über den Autor Tim Ruster

Tim Julian Ruster wurde 1991 in Köln geboren und entdeckte schon während seiner Schulzeit die Liebe zum Weltraum. Als Schüler begann er ehrenamtlich im Planetarium Köln als Museumsführer zu arbeiten, wo er bis heute den Besuchern die Weiten des Kosmos und den Sternhimmel erklärt. Während seines Jurastudiums an der Universität Köln spezialisierte er sich auf den Bereich des Weltraumrechts. Im Jahre 2015 gründete er den YouTube-Kanal Astro-Comics TV, auf dem er mehrmals wöchentlich Videos zu wissenschaftlichen und vor allem astronomischen Themen veröffentlicht. Der Kanal erfreut sich großer Beliebtheit und brachte bereits für mehrere Millionen Zuschauer etwas Licht in das Dunkel des Alls. 2017 erschien Tims erstes Buch "Astro-Comics erklärt das Sonnensystem", das mit astronomischen Cartoons vor allem jüngeren Lesern den Weltraum erklärt.

Weitere Comics aus seiner Feder findet ihr auf seiner eigenen Homepage unter www.astro-comics.de/ und auf seiner Facebook-Seite unter https://www.facebook.com/Astro-Comics-793803840726871/