Aufbruch in den Weltraum - Vom Traum zur Wirklichkeit!

von Hans-Erich Gillmann

Das Weltall, die unendliche Weite um unseren Heimatplaneten Erde, war schon immer eine Herausforderung für die Menschheit. Die Frage, ob man je die Erde verlassen könne, um z.B. auf den Mond zu gelangen oder weiter zwischen die Sterne, war schon Anlass genug, sich mit dem Gedanken zu befassen, wie man der Anziehungskraft der Erde entfliehen konnte.

Die Astronomen der Frühzeit hatten schon zu Beginn dieser Wissenschaft Figuren in den Sternansammlungen gesehen, oder ihre Götter in den Planeten verewigt. Man wollte aber nicht nur alles von Weitem sehen, sondern dort hinfliegen. Das liegt eben in der Natur des Menschen, immer neue Antworten auf angehende Fragen zu suchen und zu finden. Fliegen wie ein Vogel, und ohne Hilfsmittel, dafür war der Mensch nicht geeignet. Wie aber sollte man die Erde verlassen, wenn nicht durch fliegen?

Um dieser Frage endlich eine Antwort zu verschaffen, brauchte es Zeit, viel Zeit. Aber dem denkenden und wissensdurstigen Menschen sollte es eines Tages gelingen, hinaus in diese unendlichen Weiten vorzustoßen. Dazu brauchte er nur ein „Geschoss", um höher und höher zu gelangen. Und der Weg, vom Erdboden abzuheben, die Erdanziehungskraft zu überwinden, um das Weltall zu erforschen, soll hier ein wenig beschrieben werden. Also anschnallen und schon geht´s los.

Noch bevor der Mensch über die technischen Möglichkeiten verfügte oder eine genauere Vorstellung von der Beschaffenheit des Alls hatte, war die Raumfahrt bereits ein literarisches Thema. Schon im zweiten Jahrhundert nach Christus berichtet der griechische Satiriker Lukian in seinem Buch "Vera historia" (Wahre Geschichten) von Seeleuten, die von einer Wasserhose zum Mond befördert wurden.

Im 17. Jahrhundert war im Buch „Man in the Moon" des englischen Bischofs Goodwin der Mond ebenfalls das Reiseziel für den Helden, der ihn in einem von Schwänen gezogenen Wagen erreichte. Etwa zur gleichen Zeit riet der französische Dichter und Duellant Cyrano de Bergerac den interessierten Weltraumreisenden, sich Flaschen mit Morgentau anzuschnallen. Bei Sonnenaufgang würde der Tau verdunsten und die Reisenden mit sich in die Höhe heben. Im 19. Jahrhundert war der englische Astronom Sir John Herschel davon überzeugt, dass der Mond bewohnt sei. Zur selben Zeit entwickelten sich in Frankreich Jules Verne und in England H. G. Wells zu den ersten Meistern des Genres Science-Fiction.

In Jules Vernes Roman „Von der Erde zum Mond" werden Menschen mit einer riesigen Kanone zum Mond geschossen. Als ob er die Zukunft vorausgeahnt hätte, wählte Verne als Schauplatz einen Ort in Florida, ganz in der Nähe des Raketenversuchsgeländes, von dem aus hundert Jahre später die ersten Astronauten zum Mond starten sollten.

Die Hauptfiguren in H. G. Wells Geschichte „First Men in the Moon" setzten den schwerkraftaufhebenden Stoff Cavorit als Raumschiffantrieb ein. Gegen die Erde gerichtet, sollte dieser Stoff die Erdanziehungskraft abschirmen, so dass die Schwerkraft des Mondes das Raumschiff anziehen konnte.

Natürlich waren all diese vorgeschlagenen Antriebsmethoden nichts weiteres als Produkte einer skurrilen Phantasie und hatten mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Seltsamerweise hatte man in der Literatur eine Antriebsart völlig übersehen, die bereits bekannt war und die sich auch für den Antrieb im Weltraum eignet: die Rakete. Raketen waren spätestens seit dem 13. Jahrhundert in Gebrauch, als die Chinesen damit im Kampf gegen die Mongolen Angst und Schrecken verbreiteten. In Europa wurde die Rakete in den folgenden Jahrhunderten nur gelegentlich als Waffe eingesetzt. Erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts ließ der britische Oberst William Congreve verbesserte Pulverraketen entwickeln. Bald darauf besaßen die meisten europäischen Streitmächte ein eigenes Raketenbataillon, und auch die russische Armee war damit ausgerüstet.

In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts verfolgte ein russischer Junge begierig die Taten der zaristischen Raketenbataillone, und es wuchs in ihm eine Raketenleidenschaft, die ihn zeitlebens nicht mehr loslassen sollte. Sein Name war Konstantin Ziolkowskij.

Er erkannte als Erster, dass sich Raketen im Weltraum als Antrieb verwenden ließen, und legte in seinen Schriften die theoretischen Grundlagen der Raumfahrt dar. Heute gilt er als „Vater der Raumfahrt".

Ziolkowskij war kein Praktiker, er konstruierte keine Raketen oder Raumfahrzeuge. Um die Jahrhundertwende wurde er als exzentrischer Träumer betrachtet, dessen Theorien keine Verbindung mit der Realität hatten. Und doch, falls das Weltraumzeitalter irgendwo seine Geburt hatte, dann in Kaluga, einer Stadt im südlichen Westen von Moskau, wo heute noch ein Denkmal zu seinen Ehren steht. Das Haus, in dem er von 1857 - 1935 lebte, ist jetzt ein nationales Museum.

Seine Arbeit blieb außerhalb Russlands jahrzehntelang so gut wie unbekannt. Die moderne Raketentechnik hat im Gegensatz zur Raumfahrttheorie ihren ersten Pionier in den USA: Robert Hutchings Goddard. Wie viele seiner Zeitgenossen hatten ihn die Werke von Jules Verne und H. G. Wells fasziniert.

Im Jahre 1909 begann er mit ausführlichen theoretischen Untersuchungen der Raketendynamik. Drei Jahre später maß er den Schub einer Feststoffrakete, die er innerhalb eines Vakuum - Glas - Tanks platziert hatte als Beweis, dass eine Rakete im luftleeren Raum funktionieren könne. Zu jener Zeit war man allgemein davon überzeugt, dass eine Rakete nur in der Atmosphäre arbeiten könne, weil die Gase gegen die Luft stoßen und somit die Rakete vorantreibt.

Tatsächlich reagierte es auf Newton´s drittes Gesetz der Zustände: „Für jede Handlung, z.B. dem Abgas einer Rakete, gibt es eine gleichstarke Gegenreaktion, nämlich der Rückprall oder Stoß". Goddard´s Experiment zeigte, dass die Luft sogar einen „Dämpfungs - Effekt" hat mit der Folge einer Verlangsamung der Abgase und Reduktion des Schubes.

Goddard erkannte, wie Ziolkowskij, dass der Raketenantrieb der Schlüssel zur Raumfahrt war. Er startete im März 1926 die erste Flüssigkeitsrakete der Welt. Raketen dieser Bauart sollten später Satelliten auf Erdumlaufbahnen bringen und Sonden zu entfernten Planeten befördern.

Ein Jahr später gründeten Raketenpioniere in Deutschland zur Förderung der Raketen- und Raumfahrtforschung den Verein für Raumschifffahrt (VfR). Eines der Gründungsmitglieder war Hermann Oberth, der durch sein richtungsweisendes Buch „Die Rakete zu den Planetenräumen" bekannt wurde.

Oberth war Professor der Physik und Mathematik und der Inspirator der deutschen Arbeit der Raketentechnik. Er wurde 1894 in Transylvania, heute ein Teil von Rumänien, geboren. Er beschrieb nicht nur die Grundlagen einer Rakete, sondern auch deren Operieren im Vakuum des Raumes. Er erklärte, falls ausreichender Schub erzeugt werden könne, Raketen in der Lage wären, die Erde zu umkreisen.

Wie Ziolkowski und Goddard untersuchte er viele Treibstoff - Kombinationen. Aber höchst bedeutungsvoll beschrieb er in detaillierter Form eine Rakete des Modells B, von der er glaubte, sie könne benutzt werden, die obere Atmosphäre zu erforschen. Die Forscher des VfR testeten 1930 ihre erste Flüssigkeitsrakete, die „Kegeldüse". Darin kamen, ebenso wie in Goddards Rakete, Benzin als Brennstoff und Flüssigsauerstoff als Oxidator zum Einsatz.

Assistent bei diesem Experiment war der damals 18jährige Wernher von Braun, der dem VfR gerade beigetreten war. Der am 23.März 1912 in Wirsitz bei Posen geborene Wernher von Braun wurde später Leiter der deutschen Raketenentwicklungsgruppe. Das nächste Projekt des VfR war die Minimumrakete, kurz auch Mirak genannt. Über die nächsten zwei Jahre wurden mehrere Versionen der Mirak erprobt. Daneben wurde gleichzeitig auch an einem weiteren Raketentyp gearbeitet, dem Repulsor. Bei dieser Rakete befindet sich das Triebwerk in der Spitze. Die Probeflüge der Mirak und der Repulsor wurden vom Raketenflugplatz in Berlin-Tegel gestartet.

Im Juli 1932 veranstaltete der VfR auf dem Versuchsgelände des damaligen Heereswaffenamtes Kummersdorf eine Raketenflugvorführung, um eine finanzielle Förderung seiner Forschungen durch das Militär zu erreichen. Dabei erreichte die Mirak II eine Höhe von ca. 60 Metern. Die Vorführung brachte jedoch nicht die erhoffte finanzielle Unterstützung für den VfR, der sich bald darauf auflöste. Von Braun hingegen wurden von den Militärs mit der Entwicklung eigener Flüssigkeitsraketen beauftragt.

Unterdessen machte auch in der Sowjetunion die Raketenentwicklung große Fortschritte. Im August 1932 starteten die Mitglieder der MosGIRD, ihre erste Rakete, die GIRD 09. Diese Moskauer Gruppe hatte sich mit den Grundlagen des Raketentriebwerkbaus beschäftigt.

Als Treibstoffe dienten Benzin - Gel und Flüssigsauerstoff. In der drei Monate später gezündeten GIRD X kam als Brennstoff Ethanol (Ethylalkohol) zum Einsatz. Leiter der Gruppe war zu dieser Zeit Sergej Koroljow, der später Chef - Ingenieur des sowjetischen Raumfahrtprogramms wurde.

In Kummersdorf baute mittlerweile auch die deutsche Gruppe um Wernher von Braun an alkoholbetriebenen Raketen. Das erste Modell, die A-1 (A für „Aggregat"), war nicht flugtauglich. Im Dezember 1934 wurden von der Nordseeinsel Borkum aus dann endlich zwei der modifizierten A - 2 erfolgreich gestartet. Die A - 2 wurde von der verbesserten A - 3 abgelöst, an der ab 1935 gearbeitet wurde.

Zwei Jahre darauf waren von Braun und seine Mitarbeiter an die Ostsee nach Peenemünde umgezogen, wo ihnen mehr Platz zur Verfügung stand als auf Borkum. Außerdem war der Ort abgelegen genug, um eine Geheimhaltung der mittlerweile eindeutig als Kriegswaffe konzipierten Rakete zu gewährleisten. Die ersten Testflüge der A - 3 fanden im Herbst 1937 statt. Ein Jahr darauf gelang der Start der A - 5. Die Testreihe A-5 diente hauptsächlich zur Erprobung von Systemen, die später in der A-4 eingesetzt werden sollten. Bei der A - 4 handelte es sich um eine wirkungsvolle Rakete, mit der sich spreng-stoffbeladene Gefechtsköpfe über Strecken von mehreren hundert Kilometern befördern ließen. Auf den ersten Probeflügen waren die A - 5-Raketen noch nicht mit einem Lenksystem ausgestattet.

Der erste mit Kreiseln gelenkte Flug fand bei Ausbruch des 2. Weltkriegs im Herbst 1939 statt. Nach diesem erfolgreichen Flug konnte außerdem noch die Rakete geborgen werden. 25 solcher Flüge wurden in den beiden anschließenden Jahren durchgeführt. Dabei erreichten die Raketen Flughöhen von bis zu 13 km. Der Erfolg der A - 5 machte den Weg frei für die A - 4. Der erste gelungene Testflug des neuen Raketentyps fand im Oktober 1942 statt, nachdem zwei Startversuche im Juni und August fehlgeschlagen waren. Nur einen Monat später ging die A-4 in Produktion. Nachdem Peenemünde 1943 von den Alliierten bombardiert worden war, wurde der Bau der A - 4 in die unterirdische Produktionsstätte Mittelwerk verlegt.

Die A - 4 erhielt von Hitler die Propagandabezeichnung „Vergeltungswaffe V - 2".

In den beiden letzten Kriegsjahren wurden rund 1200 V - 2-Raketen auf Antwerpen und London abgeschossen. Mit einer Geschwindigkeit von 5000 km/h trugen die verheerenden Raketen ihre Sprengstofflast dem Ziel entgegen und brachten so schätzungsweise 2500 Menschen den Tod .

In den letzten Kriegstagen ergab sich Wernher von Braun der amerikanischen Armee und wurde zusammen mit einigen seiner Mitarbeiter sowie beschlagnahmten V - 2-Raketen nach New Mexiko in das Raketenversuchszentrum White Sands gebracht. Dort entwickelten sie die Rakete weiter und starteten im Februar 1949 die erste Stufenrakete. Die zweistufige Bumper bestand aus einer V - 2 mit einer aufgesetzten WAC - Corporal - Rakete. Die letzten Flüge der Bumper - Reihe erfolgten von einem neuen Raketenstartplatz in Florida: Cape Canaveral.

Wie die Amerikaner brachten auch die Sowjets deutsche Raketen - Ingenieure und V - 2-Raketen in die UdSSR. Chefkonstrukteur Koroljow führte auf dem Raketenversuchsgelände Kapustin Jar bei Wolgograd Teststarts der V - 2 durch und entwickelte die deutsche Rakete weiter. Aus diesen Versuchen ging schließlich die erste Interkontinentalrakete der Welt, die SS - 6 (Sapwood), hervor.

Im Oktober 1957 wurde mit einer modifizierten SS - 6 als Trägerrakete der erste künstliche Satellit mit dem Namen Sputnik 1 auf eine Erdumlaufbahn geschossen. Somit hatte das Raumfahrtzeitalter der beiden Supermächte USA und UdSSR begonnen. Die weiterentwickelte SS-6 war die erste Trägerrakete der Serie A (SL - 1). Von Braun und seine Mitarbeiter hatten gleichfalls eine Trägerrakete entwickelt, die Satelliten auf eine Erdumlaufbahn bringen konnte: die Jupiter - C/Juno 1. Mit dieser Rakete traten auch die USA ins Raumfahrtzeitalter ein. Im Januar 1958 glückte der Start des Satelliten Explorer 1.

Nun war die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. Die ersten Hürden waren genommen und das Weltraumprogramm konnte auf neue Ziele fixiert werden.

Die Tür für das große Abenteuer Weltraum war aufgestoßen. Als nächstes war die Frage zu klären, wie sich ein Lebewesen an Bord einer Rakete, welche die Erde umkreiste, verhält. Die UdSSR hatten zu der Zeit die Nase vorne in der Eroberung des Weltraums und das erste Lebewesen, eine Polarhündin namens Laika. Allerdings ging der Hündin nach fünf Tagen in der Erdumlaufbahn der Sauerstoff aus und musste ersticken. Daten über das Verhalten des Tieres gingen dabei verloren. Aber die Zeit drängte, und so schickten sie den ersten Menschen überhaupt in eine Umlaufbahn. Jurij Alexejewitsch Gagarin war sein Name. Er startete am 12. April 1961 vom Kosmodrom Baikunur in Kasachstan in der UdSSR zu seinem Ersten Raumflug, der1 Stunde und 48 Minuten dauerte. In einer Höhe von 325 Km umrundete er einmal die Erde, um dann mit der Kapsel an einem Fallschirm wieder sicher zu landen. Aber es sollte sein einziger Raumflug bleiben. Der am 9. März 1934 in Kluschino im Gebiet von Smolensk geborene Gagarin, kam bei einem Flugzeugabsturz am 27. März 1968 ums Leben.

Es konnte nicht anstehen, dass die USA hinter den Russen lagen. Daher setzten sich die Amerikaner das Ziel, den Ersten Menschen auf den Mond zu bringen. Sie wollten es der Konkurrenz zeigen. Es war eine gewaltige Aufgabe. Drei Jahre vor Gagarins Flug, nämlich am 1. Oktober 1958, wurde eigens dafür die Behörde für das Luft - und Raumfahrtprogramm gegründet: die NASA - (National Aeronautics and Space Administration). Sie übernahm die Forschungseinrichtungen und Betriebsanlagen, die vormals der Aufsicht des nationalen Beratungsausschuss für Luftfahrt NACA unterstellt war. Schon 7 Tage nach der Gründung kündigte die NASA ihr Vorhaben für das Raumfahrtprojekt „Mercury" an.

Es war das erste bemannte amerikanische Raumfahrtprogramm. Das Ziel war, ein bemanntes Raumfahrzeug auf eine Erdumlaufbahn zu bringen und dabei die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Organismus an die Weltraumbedingungen zu testen und nach Ende des Fluges Astronaut und Raumkapsel unversehrt zu bergen.

Die Vorreiter der ersten Raketen, um Astronauten in den Weltraum zu katapultieren, waren zweifelsohne die Testflüge der X- Reihe, die mit Raketentriebwerken ausgestattet waren.

Sie begannen bereits im Jahre 1942 in den Vereinigten Staaten unter dem Namen „Experimental Research Aircraft Programm". Die Testreihe diente dazu, die Strukturen, die Werkstoffe, die Triebwerke, die Bordelektronik und alle anderen Systeme auf ihre möglichen extremen Belastungen zu testen.

Sie waren die ersten, die mit Überschallgeschwindigkeit flogen und die variable Tragflügelgeometrien verwendeten, erreichten und überwanden als erste 100 000 m Höhe und kamen an Geschwindigkeiten heran, die das Sechsfache der Schallgeschwindigkeit betrugen.

Viele X - Typen dieser Raketenflugzeuge wurden auf ihre Belastbarkeit getestet, indem sie unter großen Bombern angebracht und in 9000 m Höhe ausgeklinkt wurden. Dann starteten sie die eigenen Triebwerke und der eigentliche Test konnte beginnen und danach wie ein normales Flugzeug landen.

Das bekannteste aller Flugzeuge der X-Reihe war aber zweifelsohne die X-15. Es übertraf bei weitem die ehrgeizigen Ziele. Die X-15 erreichte die höchsten Grenzen des Stratosphärenfluges und näherte sich dem Beginn des Raumfluges.

Natürlich gab es auch einige Probleme zu meistern: Beispielsweise die Oberflächenbeschaffenheit, die sehr hohe Temperaturen aushalten musste, oder ein noch besseres Triebwerk einzubauen. Die erste X- 15 verließ am 15. Oktober 1958 die Fabrik und führte am 10. März des darauffolgenden Jahres, befestigt unter dem Flügel eines umgebauten Bombers B-52, ihren Jungfernflug durch. Die erste freie Landung geschah am 8. Juni, und der erste Flug mit funktionierenden Antriebsmotoren wurde am 17. September vom zweiten Prototypen durchgeführt.

Insgesamt gab es drei Prototypen, wobei der letzte das Ereichte der Vorgänger nochmals übertraf, nachdem Veränderungen der Triebwerke, Verlängerung der Rumpfes und Anbringung von Zusatztanks für mehr Treibstoff, vorgenommen wurden. Nach einer Notlandung wurde die X-15 so sehr beschädigt, dass eine Reparatur nicht mehr möglich war und das Programm wurde eingestellt. Aber das Projekt an sich lieferte einen enormen Beitrag zum eigentlichen Unternehmen: der Raumfahrt.

Im Frühjahr 1959 wurden die ersten sieben Astronauten ausgewählt. Diese sieben Männer, alle ausgebildete, erfahrene Test - und Kampfpiloten der US- Streitkräfte, wurden als die „Ersten Sieben" populär. Ihre Namen waren: Scott Carpenter, Gordon Cooper, John Glenn, Virgil Grissom, Walter Schirra, Alan Shepard und Donald Slayton.

Nach erfolgreichen Probeflügen, die mit Schimpansen und dem Aussetzen von Satelliten durchgeführt wurden, konnte nun der Erste der sieben amerikanischen Astronauten, Alan Shepard, am 5. Mai 1961 seinen ersten Flug, der 15 Minuten dauerte, absolvieren.

Es war ein gelungener, ballistischer Flug auf einer parabelförmigen, nur vorübergehend den Weltraum erreichenden Bahn. Seine Kapsel trug den Namen Freedom 7. Die Nummern standen, wie bei den nachfolgenden Flügen, für die Ersten Sieben.

Im Juli des gleichen Jahres gelang Virgil Grissom an Bord der Liberty 7 ein zweiter ballistischer Raumflug. Beide Raumkapseln wurden mit der Trägerrakete „Redstone" gestartet. Die Höhe der Rakete maß mit der Kapsel, aber ohne Rettungsturm 35,30 Meter, der Durchmesser betrug 2,01 Meter. Als Treibstoff wurde Flüssigsauerstoff, Äthylalkohol und 25 % Wasser eingesetzt. Die Startmasse betrug 29 935 Kg, die Schubkraft lag bei 35 375 Kp und die Geschwindigkeit bei Brennschluss lag bei 7080 Km/h.

Damit stand der ersten Erdumkreisung mit John Glenn am 20. Februar 1962 nichts mehr im Wege. In der mit einer Atlas -Rakete gestarteten Kapsel Friendship 7 umrundete Glenn die Erde dreimal. Im Mai des gleichen Jahres wiederholte Scott Carpenter die drei Umläufe seines Vorgänger John Glenn an Bord der Kapsel Aurora 7,während Walter Schirra im Oktober an Bord der Sigma 7 knapp 6 Umläufe absolvierte. Das Mercury - Programm wurde im Mai 1963 mit Gordon Cooper in der Kapsel Faith 7 beendet. Er umrundete die Erde fast eineinhalb Tage.

So, wie bei jeder Herausforderung, gab es auch bei diesen Versuchen, den Weltraum zu erobern, Rückschläge auf beiden Seiten. Einige der unbemannten Raketen explodierten beim Start oder mussten direkt nach dem Start zur Explosion gebracht werden, weil sie ins trudeln kamen oder nicht die erforderliche Flugbahn erreichten.

Leider darf man auch die traurigen Katastrophen nicht unerwähnt lassen, wobei Astronauten ihr Leben für die Forschung gaben. Aber ein Restrisiko gibt es bei solchen Unternehmen immer. Die Astronauten waren sich dieser Tatsache bewusst und haben dieses Risiko mit einkalkuliert. Ihrem Mut gilt meine Hochachtung!

Aber die Eroberung des Weltraums ging weiter.

Der Weg zum Mond war zwar geebnet, aber er war noch nicht erreicht. Weitere Flüge mit Astronauten auf neueren Raketentypen für das Gemini -Projekt folgten mit immer neueren Tests wie längere Aufenthalte in der Schwerelosigkeit, Ausstieg aus der Kapsel, nur verbunden mit dem Versorgungsschlauch. Und das mit einer Geschwindigkeit von ca. 28000Km/h um die Erde, ein rasantes Tempo. Satelliten für allerlei Daten zu übertragen wurden im Orbit ausgesetzt. Aber das Ziel, dass sich die Amerikaner vorgenommen hatten, wurde dabei nicht aus den Augen verloren: Der Flug zum Mond!

Das Apollo - Programm hatte seinen Anfang genommen. Wernher von Braun und seine Techniker entwickelten das „Saturn" - Raketenprojekt, das seit 1958 in Planung war. Sie waren eigens für den bemannten Mondflug gedacht. Saturn 1B diente der Erprobung von Apollo - Kapseln, sowohl bemannt als auch unbemannt, sowie der gesamten Apollo - Einheit, bestehend aus Kommandokapsel, Geräteteil und Mondlandegerät in Umlaufbahnen und suborbitalen Flügen. Insgesamt wurden fünf Saturn 1B gestartet. Sie war die letzte Version vor der endgültigen Mondrakete, der Saturn V. Die Gesamthöhe mit der Apollo - Kapsel und Rettungsturm betrug 52,12 Meter. Sie wurde zu Experimentierzwecke mit der unbemannten Kapsel genutzt, die als Nutzlast die Erde umkreiste, und beförderte die größten und einige der schwersten amerikanischen Satelliten in die Umlaufbahn.

Endlich, der Tag war gekommen, als drei Astronauten den Weg zum Mond antraten. Auf dem Kennedy Space Center in Florida stand die Rakete startbereit und wartete auf ihre drei Passagiere, die als erste Menschen überhaupt einen fremden Himmelskörper betreten sollten.

Es war der 16. Juli 1969, als die drei Astronauten Neil A. Armstrong, Edwin E. Aldrin und Michael Collins die riesige Rakete, die Saturn V, bestiegen. Mit 111 Metern inklusive Rettungsturm war sie, um einen Vergleich anzuführen, 18,30 Meter höher als die Freiheitsstatue in New York. Um noch einen Vergleich zu erwähnen: Im Augenblick des Starts war die Saturn V mit ihrer Startmasse von 2812230 Kg dreizehn mal schwerer als die Freiheitsstatue. Die Gesamtschubkraft dieses Giganten belief sich auf ca. 4 Millionen Kp, die in 4 Antriebsperioden erzielt wurde. Das Nutzlastvermögen für einen Mondflug betrug 46,7 Tonnen.

Nach geglücktem Start hob die Saturn V von der Startrampe ab und befand sich, mit einem Startgewicht von ca. 1000 t, dem amerikanischen Traum sehr nahe, in Richtung auf unseren Mond. Alles verlief einwandfrei. Nachdem am 20. Juli um 21:47 Uhr zwei auf der Mondoberfläche gelandet waren und der Dritte an Bord in der Kommandokapsel in der Mondumlaufbahn verweilte, kehrten sie nach acht Tagen wieder zur Erde zurück.

Damit hatte die USA nun endgültig die Nase vorn in der Raumfahrt. Sie hatten das Ziel, das sie sich setzten, erreicht. Das Tor in den Weltraum war jetzt weit offen. „Es war ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Schritt für die Menschheit", so die Aussage des Menschen, der als Erster in der Geschichte der Menschheit den Mond betrat, Neil A. Armstrong.

Aber das Zeitalter der Raumfahrt sollte sich in Bezug auf die bemannten Transportmöglichkeiten zu Gunsten der Kosten ändern. Die „Wegwerfraketen" wurden durch neuere Transportsysteme ersetzt. Die Zeit, in der die Raketenstufen nach dem Verbrauch in der Erdatmosphäre verglühten, wurden durch das Space Shuttle ersetzt.

Dieses System setzt sich aus vier Hauptteilen zusammen: Einem Flüssigtreibstofftank, zwei Feststoffraketenantriebe und dem Raumgleiter, der nach erfolgter Mission wie ein Flugzeug auf der Erde landen kann. Die Festtreibstoffraketen mit einer Länge von 45,4 Meter und einem Durchmesser von 3,7 Meter, welche rechts und links am Flüssigtreibstofftank befestigt sind, werden nach dem Ausbrennen abgeworfen und stürzen an Fallschirmen ins Meer, wo sie von Schiffen geborgen werden für einen weiteren Gebrauch.

Der große Flüssigtreibstofftank, der eine Länge von 46,9 Meter und einen Durchmesser von 8,4 Meter hat, wird nach dem Ausbrennen in der Erdatmosphäre abgeworfen und verglüht. Der eigentliche Orbiter hat eine Länge von 37,2 Meter und eine Höhe von 17,4 Meter. Die Spannweite seiner Flügel beträgt 23,8 Meter. Die Startmasse der ganzen Einheit beträgt 2000 Tonnen. Da der Raumgleiter über eigenen Treibstoff verfügt, kann er sich selbst in die gewünschte Position in der Erdumlaufbahn bringen. Er wurde so entwickelt, dass er bei Rückkehr in die Erdatmosphäre nicht verglüht. An seiner Unterseite wurden spezielle, hitzebeständige Kacheln angebracht, die wie ein Hitzeschild wirken und die sichere Rückkehr gewährleistet, bevor er auf der 4,6 Km langen Landebahn aufsetzen kann.

Heute sind solche Flüge zur Routine geworden. Satelliten für die unterschiedlichsten Bereiche werden mit diesem Transportsystem in die Umlaufbahn befördert und auch das Hubble Space Teleskop erreichte somit seine Position, das fast bis an den Ursprung des Universums schauen kann. Die Russen haben mit ihrer Technik die Raumstation MIR auf eine Umlaufbahn gebracht und internationale Astronauten mitgenommen. Die Zusammenarbeit beider großen Raumfahrtnationen machte es möglich, etwas Hoffnung zu haben auf ein besseres Verständnis, was zur Zeit des sogenannten kalten Krieges eigentlich undenkbar war.

Die Zeit der Raketen ist aber noch nicht vorbei. Unbemannte Sonden wurden schon vor dem ersten Mondflug von den USA und der Sowjetunion ins All geschossen. Heute werden sie z.B. mit der europäischen Trägerrakete „Ariane" hochkatapultiert, die in den Erdorbit oder zu den entlegensten Winkeln des Universums fliegen und ihre Daten an die Bodenkontrolle übermitteln. Heute gibt es viele Nationen in aller Welt, die sich daran beteiligen oder selbst Raketen in den Raum schießen. Gemeinsam geht es eben billiger ins All.

Ob je ein Mensch so eine Reise, weiter als den Mond, antreten wird, steht in den Sternen. Was heute noch Science Fiction ist, könnte theoretisch morgen schon Wirklichkeit werden. Mit diesem Grundgedanken aber fing es eigentlich an, die ersten Raketen zu bauen. Das damit auch die Möglichkeit bestand, den Feind zu vernichten, indem man die Raketen mit Sprengstoff beladen kann, daran hätte Jules Vernes zu seiner Zeit bestimmt nicht gedacht. Aber jede Medaille hat zwei Seiten, so auch bei den Raketen. Es liegt eben in der Natur des Menschen, alles mögliche zu probieren, ob Gutes oder Schlechtes.

Mit diesem Bericht wollte ich die Entwicklung der Rakete allgemein von den anfänglichen Ideen bis zum Mondflug und darüber hinaus dem Interessierten ein wenig näher bringen. Aber wie auch immer, der Traum des Menschen, auf den Mond zu fliegen, hat sich erfüllt! Möge sich die Raumfahrt weiter entwickeln auf der Basis, friedliche Lösungen für den Menschen zu finden und neue Erkenntnisse im Hinblick auf die Umwelt und unserer Gesundheit.

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