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Ausdruck vom: Freitag, der 22.09.2023

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25 Jahre seit DEEP IMPACT – Wie realistisch ist das Weltuntergangsszenario?

Vor gut 25 Jahren kam mit DEEP IMPACT ein Sci-Fi Weltuntergangsszenario in die Kinos, das sich ein wenig zu plausibel anfühlte, um nicht einige des Menschen ureigene und unterbewusste Ängste zu schüren. Der grobe Plot: Ein ca. 11km großer Komet steuert direkt auf die Erde zu und durch einige unglückliche Ereignisse bleibt nur noch wenig Zeit, um die Katastrophe abzuwenden und nach Möglichkeiten zu suchen, den Einschlag zu überleben, falls sich die Bedrohung aus dem All nicht mehr aufhalten lässt.

Seit dem 25. Mai ist der Film im Paramount Home Entertainment erstmals auf 4K Ultra HD erhältlich und zu diesem Anlass stellen sich einige Fragen: Wie viel Wahrheit steckt eigentlich in diesem Hollywood-Drehbuch? Wäre es möglich, einen derartigen Kometeneinschlag auf der Erde zu überleben? Und würde eine rettende Raummission heute so agieren, wie im Film? Um dies zu beantworten, müssen einige Handlungsstränge des Films natürlich näher beleuchtet werden – wer den Film zunächst noch unvoreingenommen sichten will, sollte also an dieser Stelle erst zu einem späteren Zeitpunkt weiterlesen.

Wie realistisch ist ein Kometeneinschlag auf der Erde?

Tatsächlich sind die Ängste vor einem möglichen Weltuntergang durch einen Kometen auf Abwegen nicht vollends unbegründet: Nach aktuellem wissenschaftlichem Stand kann man nämlich davon ausgehen, dass ein Asteroideneinschlag das Aussterben der Dinosaurier zur Folge hatte. Zwar wurden die Giganten der Vorzeit wohl eher nicht durch den Einschlag selbst unmittelbar ausgelöscht, man geht allerdings davon aus, dass ein ca. 14km großer Asteroid vor 66 Millionen Jahren mit der nun mexikanischen Halbinsel Yucatán kollidierte und dabei verheerende Druckwellen sowie gegebenenfalls andere Naturkatastrophen auslöste, die die Erde zeitweilen für eine Vielzahl von Arten unbewohnbar machten und somit das Schicksal der Dinosaurier besiegelten.

Aber auch in jüngerer Zeit fehlte nicht viel zur Katastrophe. So explodierte 2013 ein 20m großer Asteroid in nur etwa 20km Höhe über der russischen Stadt Tscheljabinsk, was die Bewohner der Stadt gehörig zu spüren bekamen: Obwohl es nicht zum Einschlag kam, gingen die durch die Explosion entstandenen Druckwellen nicht spurlos an der Stadt und deren Bewohnern vorbei, denn sie hatte in etwa dieselbe Sprengkraft wie 500 Kilotonnen Sprengstoff. Hätte es der Asteroid also tatsächlich bis zur Erde geschafft, wären die Folgen mit Sicherheit katastrophal gewesen.

Generell stufen internationale Weltraumorganisationen wie die NASA weitere Kometeneinschläge als sehr realistisch ein – die Frage ist hier weniger, ob, sondern wann es wieder passieren wird.

Würde man gegen einen gefährlichen Kometen wie im Film vorgehen?

In DEEP IMPACT soll der gewaltige Komet gesprengt werden, bevor er in Kontakt mit der Erde kommt. Dazu wird ein international-aufgestelltes Team von Spitzenastronauten (angeführt von Robert Duvall als Captain Spurgeon Tanner) ins All geschickt mit dem Auftrag, auf dem Kometen zu landen, in ihn Löcher zu bohren und diese mit Nuklearsprengstoff zu füllen, den das Team dann aus sicherer Entfernung detonieren lässt. Ziel des Unterfangens ist, den Kometen vollständig zu zerstören oder immerhin von seiner Laufbahn und damit seinem Kurs auf die Erde abzubringen.

Wenn sich heute ein Komet oder Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde befinden würde, würde man kein bemanntes Schiff mehr in den Weltraum schicken. Auch eine Sprengung wäre nicht die erste Wahl der Planetary Defense Officer der NASA, die tatsächlich allzeit bereit für den Kampf gegen die himmlische Gefahr sind. Stattdessen liegt der Fokus von vornherein auf der Änderung der Umlaufbahn des bedrohlichen Objekts. Dass dies inzwischen möglich ist, bewies die NASA erst vergangenen Herbst durch das Projekt DART (Double Asteroid Redirection Test). Dabei nahm eine ca. 400kg schwere Raumsonde Kurs auf den Asteroiden-Mond Dimorphos, um ihn entgegen seiner Laufbahn mit einer Geschwindigkeit von rund 20.000 km/h zu treffen. Beim Aufprall zerschellte die Raumsonde (ein bemanntes Raumschiff zu benutzen wäre hier also fatal!) und erfüllte ihre Mission sogar besser als erwartet: Dimorphos wurde nicht nur aus seiner Bahn geworfen, sondern verlor auch an Masse, wurde praktisch also auch zu Teilen gesprengt. Diese Resultate wollen die Wissenschaftler in ihrer weiterführenden Forschung berücksichtigen, um künftige Raumsonden genau auf den jeweiligen Asteroiden anpassen zu können.

Was man allerdings nicht außer Acht lassen sollte, ist der Fakt, dass der Anflug der Raumsonde der DART-Mission beachtliche Zeit in Anspruch nahm. Ganze 10 Monate war die Rakete unterwegs, bis sie auf Dimorphos traf. Anderseits wird der Sternenhimmel beständig überwacht, so dass eine Früherkennung von Gefahren auf jeden Fall gegeben ist und genug Zeit bleiben wird, um entsprechend zu reagieren. Selbst in DEEP IMPACT wurde der Komet bereits zwei Jahre vor dem Einschlag entdeckt – hätte man im Film also bereits über die richtige Technik und den Erfahrungsbericht der DART-Raumsonde verfügt, wäre es sehr wahrscheinlich gewesen, dass man rechtzeitig hätte eingreifen können.

Könnte man einen Einschlag mit den gleichen Methoden wie in DEEP IMPACT überleben?

Achtung, Spoiler! Obwohl der lebensauslöschende Kometeneinschlag im Film nicht gänzlich vereitelt werden kann, bedeutet das in DEEP IMPACT nicht zwangsläufig das Ende der Menschheit. Glückliche Auserwählte durften sich vor dem Einschlag in schützenden Höhlen und Bunkern verstecken und konnten so anschließend wieder an die Oberfläche kommen und beim Wiederaufbau der Zivilisation mitanpacken. Die Erde bleibt hier trotz gravierender Zerstörung weiterhin bewohnbar und der Präsident hat bereits alle Hebel in Bewegung gesetzt, um bald wieder zum alten Leben zurückkehren zu können – abgesehen von den Toten, die dem Kometen und seinen Folgen nicht entrinnen konnten.Ob sich diese Methoden auch im wahren Leben für das Überleben eines unvermeidlichen Kometeneinschlags anwenden lassen, lässt sich pauschal leider nicht sagen. Dass man heutzutage die Rettung in Höhlen suchen müsste, scheint aber aufgrund der neuen Methoden zur Früherkennung und Kometenabwehr eher realitätsfern. Außerdem hängen die Überlebenschancen natürlich auch vom Ort des Einschlags und der Größe des einschlagenden Objekts ab. Sind der Komet und seine Fragmente groß genug, werden sich die Folgen des Zusammenstoßes mit der Erdoberfläche nicht nur auf den Einschlagsort konzentrieren, sondern können mit Leichtigkeit den gesamten Planeten veröden.

In einer Simulation des Discovery Channels sorgt beispielsweise ein Asteroid mit einem Durchmesser von 500 Kilometer, der „lediglich“ in den pazifischen Ozean einschlägt, dafür, dass die Erde innerhalb eines Tages unbewohnbar wird. Schuld daran sind hier u.a. eine durch den Einschlag ausgelöste Schockwelle, die sich über die Erdoberfläche ausbreitet und Asteroidentrümmer, die als Meteoritenschauer nochmals auf den glühenden Planeten herabprasseln. Dieser gänzlichen Vernichtung aller Lebensbedingungen kann leider selbst die stabilste Höhle nicht entgegenwirken.

Glücklicherweise ist die Forschung 25 Jahre nach dem Kinostart von DEEP IMPACT aber ja um einiges weitergekommen, wodurch uns wohl kaum droht, auf die Methoden des Filmes zurückgreifen zu müssen. Ein abschließendes Hoch auf die Wissenschaft!

Der Film "Deep Impact" ist im Paramount Home Entertainment erschienen und wurde durch aufwendige Technik in Ultra-HD neu aufgelegt. Die Blue-Ray ist ab sofort im Handel erhältlich.