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Ausdruck vom: Dienstag, der 27.02.2024

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Im Überblick - Der Sternenhimmel im Februar

Die Februarnächte sind in Mitteleuropa lang. Die astronomische Dunkelheit beginnt am Monatsanfang um 19:20 und dauert danach elf Stunden. Am Monatsende beginnt sie um 20:00 und dauert danach immerhin noch 9,5 Stunden.
Diese langen Nächte bieten die Möglichkeit, viele Himmelsobjekte nacheinander lange zu beobachten und zu fotografieren, wenn das Wetter das erlaubt. Leider tut es das oft nicht. Also muss man sich in Geduld üben und muss seine Ausrüstung einsatzbereit halten, damit man die Phasen mit sternklarem Nachthimmel nutzen kann, wenn sie da sind. Um sie rechtzeitig zu bemerken, sollte man die Aussichten für klaren Nachthimmel stets prüfen und mittels Wetter-Apps (z. B. Wetteronline, Meteoblue oder Kachelmannwetter) die aktuellen Wettervorhersagen für den vorgesehenen Beobachtungsplatz checken.

Für erfolgreiche Himmelsbeobachtungen braucht man einen Beobachtungsplatz, der gut erreichbar ist und zugleich so abgelegen liegt, dass man dort ungestört beobachten und fotografieren kann, möglichst fern von den Lichtglocken der Ortschaften und Gewerbegebiete. Er muss einen guten Rundblick zum fernen Horizont bieten. Der Untergrund muss dort fest sein, damit die Stative einen sicheren Stand haben, und er muss eben sein, damit man dort in der Dunkelheit nicht stolpert. Wichtig ist auch ein Schutz vor kaltem Wind, der einem beim Beobachten Tränen in die Augen treibt, und der bei der Astrofotografie zu verwackelten Aufnahmen führen kann.
Passen Wetter und Beobachtungsplatz, kann man schöne Beobachtungen machen, sofern man weiß, welche Himmelsobjekte man beobachten möchte, und wie man sie am Nachthimmel auffindet, und wie gut man sie mit dem verfügbaren Gerät wahrnehmen kann.

Ist das Beobachtungsgerät aufgestellt, muss es zunächst auskühlen. Ist es ein Newton-Teleskop, sollte man im Anschluss an das Auskühlen die Kollimation von Haupt- und Fangspiegel prüfen und justieren. Im kalten Winterwind kühlen offene Spiegelfernrohre zum Glück rasch aus.
Bei Refraktoren und Spiegelfernrohren mit geschlossenem Tubus dauert das Auskühlen meist etwas länger. Stellt man den Tubus senkrecht, mit dem offenen Okularauszug nach oben, kann wärmere Luft am schnellsten aus dem Tubus entweichen.

Als Beobachter braucht man einen mit Rotlicht beleuchteten kleinen Tisch, auf dem man Zubehör griffbereit bereitlegen kann. Wird die Nacht zu kalt, kann man sich ins Auto setzen, um heißen Tee aus der mitgebrachten Thermoskanne in Becher zu füllen, mit denen man kalte Finger sehr angenehm wärmen kann. Knabbert man dazu auch noch knusprige Kekse, kann man frische Kräfte sammeln und die Chancen der klaren Winternacht so länger nutzen.

Beobachtungen in Winternächten erfordern eine Kleidung, die dafür sorgt, dass einem die Kälte nicht in die Zehen beißen kann, dass sie einem nicht in den Rücken kriechen wird, dass einem nicht die Ohren abfrieren werden, und die Finger zu gefühllos werden können, um Geräte zu bedienen und zu halten.
Schafft sie das nicht, wird man mit dem Beobachten viel früher aufhören als erhofft.
Neben anforderungsgerechter Bekleidung sind USB-Handwärmer in der Jackentasche hilfreich. Damit kann man Finger, Akkus und Okulare einige Stunden lang aufwärmen, während man unter einem sternklaren Winterhimmel steht.

Am 10. Februar ist Neumond, und am 24. Februar ist Vollmond. Bis 22:00 kann man den Jupiter sehen, und mit Fernrohr und Fernglas auch den Uranus. Die Venus kann man vor Sonnenaufgang über dem Südosthimmel wahrnehmen.
Im Februar zieht der Komet 12P/Pons-Brooks vom Sternbild Schwan in das Sternbild Pegasus. Er kann mit Ferngläsern und Fernrohren von 19:00 bis 22:00 sehr gut beobachtet werden und kann im Februar eine Helligkeit von 6m erreichen. 12P/Pons–Brooks ist periodischer Komet mit einer Umlaufzeit von 71 Jahren. Er gehört zu den hellsten bekannten periodischen Kometen.

Die Sterne des Perseus stehen nun im Zenit. Im Westen sinkt das Pegasusquadrat zum Horizont. Im Südosten sieht man das markante Sternbild Orion. Tief über dem Südosthorizont funkelt links unterhalb des Orions der helle Stern Sirius. Hoch im Osten zeigt sich das Sternbild Zwillinge, und unterhalb der Zwillinge kann man die hellen Sterne des Sternbilds Löwe sehen. Im Nordosten stehen die Sterne des Großen Wagens, seine hellen Deichselsterne zielen auf den Nordhorizont.

Sternbild Pegasus
Gegen 19:00 sieht man das Sternbild Pegasus ca. 40° hoch über dem westlichen Horizont. Die drei Hauptsterne des Sternbilds heißen Markab (Alpha Pegasi), Scheat (Beta Pegasi) und Algenib (Gamma Pegasi). Sie bilden gemeinsam mit dem hellen Stern Alpheratz (Alpha Andromedae) das auffällige „Pegasusquadrat“. Dieses Sternenquadrat stellt im Sternbild Pegasus den kräftigen Rumpf des geflügelten Zauberpferdes dar. Von Mitteleuropa aus liegt das Zauberpferd Pegasus am Nachthimmel auf seinem Rücken, reckt dabei seinen Bauch nach Norden und streckt dabei sein Vorderbein zum Sternbild Cepheus aus. Im Westteil des Sternbilds liegt der hellste Stern des Sternbilds. Das ist der 2,5m helle Stern Enif (Epsilon Pegasi), er stellt die Nüstern des Pegasus dar.

Ca. 3° westlich von Enif liegt der 6m helle Kugelsternhaufen M15. Man kann ihn bereits mit dem Fernglas als einen rundlichen Nebelfleck wahrnehmen. In Fernrohren ab 10 cm Öffnung kann man M15 bei 100-facher Vergrößerung bereits in zahllose Einzelsterne aufgelöst sehen.

Der 2,5m helle Markab bildet die untere rechte Ecke des Pegasusquadrats, er ist ein Unterriesenstern der Spektralklasse A0.

Der 2,4m helle Scheat bildet die obere rechte Ecke des Pegasusquadrats, Scheat ist ein Roter Riesenstern, dessen Helligkeit sehr langsam und unregelmäßig schwankt. Der 2,8m helle Algenib bildet die untere linke Ecke des Pegasusquadrats, er ist ein blauweißer Riesenstern mit 1900 Sonnenleuchtkräften.

Schaut man von Scheat ausgehend ca. 5° weit nach Nordwesten, sieht man dort den 3m hellen Stern Matar (Eta Pegasi). Ca. 5° nordnordwestlich von Matar kann man am mondlos sternklaren Himmel mit einem Fernrohr ab 10 cm Öffnung bei 100-facher Vergrößerung die 10m helle Spiralgalaxie NGC 7331 wahrnehmen. Mit einem kleineren Fernrohr bei mäßiger Vergrößerung kann man NGC 7331 mit geduldigem Beobachten an einem mondlos sternklaren Landhimmel erahnen. In einem lichtstarken Newton-Spiegelteleskop ab 20 cm Durchmesser ist NGC 7331 bei diesen Bedingungen sehr deutlich wahrnehmbar. Diese Galaxie liegt ca. 45 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Sie hat einen Durchmesser von ca. 140.000 Lichtjahren.

Steht man unter einem mondlos sternenklaren Landhimmel, kann man ca. 3° südlich von Markab in Newton-Teleskopen ab 20 cm Öffnung die 10,5m helle Balkengalaxie NGC 7479 als matten Schimmer wahrnehmen. In Fernrohren größerer Öffnung kann man auch die weit geöffneten Spiralarme erahnen, deren Form dem Großbuchstaben „S“ im Supermann-Kostüm ähnelt, weshalb die Galaxie als die „Superman-Galaxie“ bekannt ist. NGC 7479 liegt ca. 105 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

Sternbild Walfisch
Oberhalb des Südwesthorizonts kann man zwei helle Sterne sehen. Sie gehören zum Sternbild Walfisch. Der obere der beiden Sterne ist der 2,5m helle Menkar, er ist ein Roter Riesenstern in 250 Lichtjahren Entfernung und ist der Hauptstern des Sternbilds. Menkar markiert hier den Kopf des Walfisches.

Der untere der beiden hellen Sterne heißt Diphda, er markiert den Schwanz des Walfisches. Diphda ist ein 2m heller Roter Unterriesenstern und liegt ca. 65 Lichtjahre entfernt.

Der berühmteste Stern des Sternbilds Walfisch ist Mira (Omicron Ceti). Das ist ein langperiodisch veränderlicher Roter Riesenstern, der in seinem Maximum eine visuelle Helligkeit 3m erreicht, während diese im Minimum unter 8m abfallen kann. Mira hat sein letztes Minimum im November 2023 durchlaufen, in diesem Februar wird Mira nur ca. 5m hell sein. Im Mai 2024 wird Mira wieder sein nächstes Maximum durchlaufen.

Das Sternbild Walfisch enthält weder Offene Sternhaufen noch aktive Sternentstehungsgebiete. Man kann hier mit Fernrohren ab 15 cm Öffnung jedoch einige sehenswerte Galaxien wahrnehmen, z. B die Spiralgalaxie M 77. Sie liegt ca. 3,15° südlich von Gamma Ceti, M 77 ist 8,8m hell und liegt ca. 55 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

Ca. 3° südsüdöstlich von Diphda liegt die Spiralgalaxie NGC 247. Sie ist 8,9m hell und liegt hier in Kantenlage. NGC 247 ist nur ca. 11 Millionen Lichtjahre entfernt. Um NGC 247 mit einem Fernrohr wahrnehmen zu können, braucht man einen mondlos dunklen und sternenklaren Nachthimmel.

Sternbild Widder
Das Sternbild Widder liegt oberhalb des Sternbilds Walfisch. Es ist sehr leicht zu finden, da seine beiden Hauptsterne Hamal und Sheratan so hell sind, dass man sie sogar an einem lichtverseuchten Stadthimmel deutlich sehen kann.
Hamal (Alpha Arietis) ist ein 2,0m heller Roter Riesenstern in 65 Lichtjahren Entfernung, Sheratan (Beta Arietis) ist ein 2,6m heller weißer Hauptreihenstern, 60 Lichtjahre entfernt.

Ca. 10° östlich von Hamal liegt der 3,7m helle Stern 41 Arietis. Er ist der dritthellste Stern im Sternbild Widder. Betrachtet man 41 Arietis mit einem Fernrohr, zeigt er sich darin als ein Dreifachsternsystem. 41 Arietis ist ein junger blauweißer Stern von 190 Sonnenleuchtkräften: Er liegt ca. 160 Lichtjahre entfernt. Die beiden schwächeren Partnersterne sind physisch nicht an 41 Arietis gebunden, sondern liegen nur zufällig in derselben Richtung wie dieser Stern.

Ca. 1,5° südlich von Sheratan liegt der 3,9m helle Stern Mesarthim (Gamma Arietis). Bereits mit einem kleinen Fernrohr zeigt sich Mesarthim als ein markanter Doppelstern, dessen Partnersterne in 7 Bogensekunden Abstand voneinander stehen, beide sind gleich hell und weiß.

Vor ca. 2300 Jahren lag der Frühlingspunkt auf der Ekliptik südlich von Mesarthim. Seitdem ist der Frühlingspunkt längs der Ekliptik infolge der Präzessionsbewegung der Erdachse ca. 37° nach Westen gewandert: Der Frühlingspunkt liegt heute am westlichen Rand des Sternbilds Fische, und daher befindet sich die Sonne zur Zeit der Wintersonnenwende nun nicht mehr im Sternbild Steinbock, sondern im Sternbild Schütze. Am Tag der Sommersonnenwende steht sie auch nicht mehr im Sternbild Krebs, sondern im Sternbild Zwillinge.

Steht man unter einem mondlosen sternklaren Landhimmel an einem dunklen Beobachtungsplatz, kann man mit Fernrohren ab 20 cm Öffnung und 100-facher Vergrößerung ca. 2° südöstlich von Mesarthim die Spiralgalaxie NGC 772 wahrnehmen. Zunächst sieht man jedoch nur ihren kleinen, hellen Kern. Beobachtet man den dann etwas länger, kann man allmählich die asymmetrisch ausgedehnte, extrem lichtschwache Halo dieser Galaxie bemerken, in welcher diese helle Kern eingebettet ist. NGC 772 liegt in 105 Millionen Lichtjahren Entfernung und hat einen Durchmesser von 220.000 Lichtjahren.

Sternbild Andromeda
Steht man unter einem sternklaren Landhimmel, sieht man über sich das schimmernde Band der Milchstraße, das sich vom Nordwesthorizont über den Zenit bis zum Südosthorizont erstreckt. Oberhalb der beiden Sternbilder Fische und Pegasus liegt in dieses matte Milchstraßenband eingebettet das Sternbild Andromeda.

Die hellsten Sterne des Sternbilds Andromeda bilden eine Sternenkette, die von Alpheratz (Alpha Andromedae) über die Sterne Delta Andromedae, Mirach (Beta Andromedae) bis zum Stern Alamak (Gamma Andromedae) reicht. Dieser auffällige Bereich bildet jedoch nur ein Teil des großen Sternbilds Andromeda.

Das berühmteste Objekt im Sternbild Andromeda ist die „Andromeda-Galaxie“, auch M31 genannt. Man findet sie ca. 7° nördlich von Mirach, nahe zum 4,5m hellen Stern Ny Andromedae. Bei sternklarem Landhimmel kann man den Kernbereich dieser Galaxie schon mit bloßem Auge als einen diffuser Schimmer wahrnehmen.

M31 liegt in ca. 2,6 Millionen Lichtjahren Entfernung, sie ist das fernste mit bloßem Auge wahrnehmbare Himmelsobjekt. Die Halo dieser Galaxie ist ca. 3,5° breit und daher so groß, dass man M31 nur mit Fernrohre mit großem Öffnungsverhältnis bei niedriger Vergrößerung komplett zu sehen. Sie erscheint darin wie ein ovaler Nebel, dessen Helligkeit zum Zentrum hin zunimmt und exakt im Zentrum einen sternähnlich hellen Punkt bildet. Da das Gesichtsfeld der meisten Fernrohre schmaler ist, lässt sich mit ihnen meist nur die helle Zentralregion dieser Galaxie betrachten. M31 ist eine Spiralgalaxie, sie hat jedoch keine hellen Spiralarme, weil in dieser Galaxie die Sternbildung vor ca. 1,3 Milliarden Jahren zum Erliegen gekommen ist. Infolgedessen ist die Galaxie groß, aber nicht imposant. Im Himmelsfeld ihrer Zentralregion liegen die kleinen elliptischen Galaxien NGC 205 und M32, beide sind Begleitgalaxien von M31.

Ca. 7 Bogenminuten nördlich des 2.0m hellen Sterns Mirach kann man mit lichtstarken Fernrohren die 11m helle kleine elliptische Galaxie NGC 404 wahrnehmen. Damit die Beobachtung gelingt, muss man Mirach außerhalb des Gesichtsfeldes halten, denn Mirach ist nur 195 Lichtjahre entfernt und ist ca. 10000 Mal heller als die 10 Millionen Lichtjahre entfernt liegende kleine Galaxie: Der Stern würde die ferne Galaxie überstrahlen.

Ca. 5° südlich von Alamak liegt der Offene Sternhaufen NGC 752. Er ist der hellste Offene Sternhaufen im Sternbild Andromeda. Mit einem lichtstarken Fernglas kann man ihn sehr schön beobachten. Er hat einen Winkeldurchmesser von 50 Bogenminuten, ist somit größer als der Vollmond. Betrachtet man ihn mit kleinen Fernrohr bei niedriger Vergrößerung, kann man in diesem Sternhaufen ca. 60 Sterne wahrnehmen.

Der 2,4m helle Alamak (Gamma Andromedae) ist ein sehenswerter Doppelstern. Der hellere Partner ist ein oranger Roter Überriese mit 2000 Sonnenleuchtkräften. Sein 4,8m heller Partnerstern steht in 9 Bogensekunden Abstand und ist weiß-blau. Daher zeigen die beiden Sterne im Fernrohr einen schönen Farbkontrast. Alamak liegt in ca. 350 Lichtjahren Entfernung.

Ca. 3° östlich von Alamak liegt hinter dem Milchstraßenband die Spiralgalaxie NGC 891. Ihr Licht wird von den in der Milchstraßenscheibe eingebetteten diffusen Staubwolken erheblich gedämpft. Daher kann man NGC 891 nur mit einem Fernrohr am mondlos sternklaren Landhimmel wahrnehmen. Da die Galaxie in „Kantenlage“ liegt, nimmt man sie mit kleinen Fernrohren nur als einen sehr matten Lichtstreif wahr. Betrachtet man sie mit Fernrohren ab 20 cm Öffnung, sieht man NGC 891 bereits als eine matte Spindel.

NGC 891 ist eine der größten bekannten Spiralgalaxien. Sie wurde 1784 von Wilhelm Herschel entdeckt. Sie liegt in ca. 30 Millionen Lichtjahren Entfernung und hat einen Durchmesser von 150.000 Lichtjahren.

 

Ca. 4,5° östlich des 3,5m hellen Sterns Omikron Andromedae liegt der Planetarische Nebel NGC 7662. Er ist klein, aber auffällig, da seine Flächenhelligkeit hoch ist. Wenn man NGC 7662 mit einem Fernglas betrachtet, sieht man ihn als ein 9m helles bläuliches Sternchen. Betrachtet man ihn mit einem Fernrohr ab 10 cm Öffnung bei hoher Vergrößerung, zeigt sich NGC 7662 jedoch als ein intensiv blauer Ring. Daher nennt man diesen Nebel auch den „Blauen Schneeball“.

Ca. 1,6° südsüdwestlich von NGC 7662 liegt die 10,9m helle Spiralgalaxie NGC 7640. Ist der Nachthimmel mondlos und sternenklar, kann man sie einem mit lichtstarken Fernrohr ab 20 cm Öffnung wahrnehmen. Diese Galaxie hat einen matten ovalen Kern, der in eine sehr leuchtschwache Halo von 10 x 2 Bogenminuten Größe eingebettet ist. NGC 7640 liegt in Kantenlage und ist ca. 29 Millionen Lichtjahre entfernt.

Sternbild Perseus
Der hellste Stern des Sternbilds Perseus ist Mirfak. Betrachtet man diesen 1,8m hellen, blauweißen Stern mit einem Fernglas, sieht man ihn in ein Feld aus blauweißen, nadelscharfen Sternen eingebettet. Das ist der Offene Sternhaufen ’Melotte 20’.

Schaut man bei sternklar dunklem Nachthimmel vom 2,7m hellen Stern Delta Cassiopeiae hinüber zum 3m hellen Stern Gamma Persei, kann man in der Mitte zwischen den beiden Sternen mit bloßem Auge einen matten Lichtschimmer wahrnehmen. Bereits den Astronomen der römischen Antike war dieser Lichtschimmer wohlbekannt. Sie nannten diese Stelle des Himmels „nubeculae“ (auf Deutsch; „die Wölkchen“).

Wenn man diese unscheinbaren „Wölkchen“ mit einem lichtstarken Fernglas oder Fernrohr betrachtet, bieten sie einen beeindruckenden Anblick: Die „Wölkchen sind die beiden jungen Offenen Sternhaufen „h“ und „chi“. Betrachtet man sie mit einem Fernrohr, sollte man maximal bis zu 40-fach vergrößern, damit beide Sternhaufen gemeinsam im Gesichtsfeld des Fernrohrs liegen. Dieses Sternhaufenpaar liegt ca. 6800 Lichtjahre von uns entfernt.

Ca. 3° südlich von Mirfak liegt der Offene Sternhaufen NGC 1245. Mit einem kleinen Fernrohr sieht man ihn als einen matten Nebelfleck. Betrachtet man ihn mit einem lichtstarken Fernrohr großer Öffnung bei mindestens 100-facher Vergrößerung, präsentiert sich NGC 1245 als ein Offener Sternhaufen mit sehr vielen sehr leuchtschwachen Sternen. Er ist 7000 Lichtjahre entfernt und ca. 1 Milliarde Jahre alt.

Verlängert man die Linie von Mirfak zu NGC 1245 über NGC 1245 hinaus, gelangt man zu dem 2m hellen Stern Algol (Beta Persei). Algol ist ein berühmter bedeckungsveränderlicher Stern. Er besteht aus zwei Sternen, die in jeweils 2,87 Tagen umeinander kreisen, und die einander dabei regelmäßig gegenseitig verdecken. Dadurch ist Algols nach jeweils 2,87 Tagen zehn Stunden lang nur noch 3,5m hell.

Ca. 5° nordwestlich von Algol findet man mit einem Fernglas den Offenen Sternhaufen M34. Dieser Sternhaufen liegt nur 1400 Lichtjahre entfernt. Da sein Winkeldurchmesser ca. 30 Bogenminuten beträgt, ist M34 für eine Beobachtung mit Teleskopen meist zu groß. Mit Teleskopen kann man bei hoher Vergrößerung in M34 jedoch Doppelsterne erfolgreich beobachten.

Ca. 3,6° südlich von M34 liegt die 9,5m helle S0-Galaxie NGC 1023. Mit einem lichtstarken Fernrohr bei mittleren Vergrößerungen kann man sie gut wahrnehmen. Wilhelm Herschel hat sie 1786 entdeckt. NGC 1023 ist ca. 35 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

Ca. 8° östlich von Mirfak liegt der helle Offene Sternhaufen NGC 1528. Man kann ihn mit Fernrohren bereits bei niedrigen Vergrößerungen in Einzelsterne aufgelöst sehen. Er ist ca. 1600 Lichtjahre entfernt.

Ca. 2° südlich von NGC 1528 liegt der Offene Sternhaufen NGC 1513. Da dieser Sternhaufen in 2700 Lichtjahren Entfernung liegt, braucht man Fernrohre mit höherer Vergrößerung, um Details seiner Struktur wahrzunehmen. Damit kann man eine ringförmige Anordnung schwacher Sterne in NGC 1513 sehen.

Auf der Mitte der Linie von Algol nach Zeta Persei liegt der Offene Sternhaufen NGC 1342. Betrachtet man diesen Sternhaufen mit kleineren Fernrohren, muss man eine hohe Vergrößerung verwenden, damit man auch schwache Sterne in diesem Sternhaufen wahrnehmen kann.

Nahe der Grenze zum Sternbild Andromeda liegt der Planetarische Nebel M76, der „Kleine Hantelnebel“. Um M76 am Himmel zu finden, schaut man auf den 2,3m hellen Alamak (Gamma Andromedae). Von Alamak aus zieht man eine Linie zum 1,8m hellen Stern Gamma Cassiopeia. Folgt man der Linie ca. 7,5° weit, stößt man dort auf den 3,5m hellen rötlichen Stern 51 Andromedae. Ca. 2° nördlich von 51 Andromedae liegt der 4m helle weiße Stern Phi Persei. Ca. 1° nördlich von Phi Persei liegt M76. Ist der Nachthimmel mondlos sternenklar und nicht zu stark durch Lichtverschmutzung aufgehellt, kann man diesen kleinen, aber hellen Planetarischen Nebel mit kleinen Fernrohren bei mittleren Vergrößerungen deutlich wahrnehmen. M76 hat einen rechteckigen Umriss.

Sternbild Stier
Schaut man vom Sternbild Perseus ausgehend nach Süden, wandert der Blick über den hellen Stern Zeta Persei zu den Plejaden. Die Plejaden sind ein mit bloßem Auge gut sichtbarer Offener Sternhaufen. Zwischen den Plejaden und dem Stern Aldebaran, dem hellsten Stern im Sternbild Stier, verläuft die Ekliptik. Das Himmelsareal zwischen den Plejaden und Aldebaran nennt man das „Goldene Tor der Ekliptik“

Die Plejaden nennt man „Siebengestirn“, obwohl man dort in der Regel mit bloßem Auge nur sechs Plejadensterne sieht. Dieser Sternhaufen wird hin und wieder auch als der „kleine Wagen“ bezeichnet. Der „kleine Wagen“ ist jedoch eine volkstümliche Bezeichnung für das Sternbild Kleiner Bär.

Die Plejaden bieten mit jedem Fernglas und mit jedem Spektiv bis 20-facher Vergrößerung einen beeindruckenden Anblick. Für das Gesichtsfeld der meisten Fernrohre ist dieser Sternhaufen zu groß. Mit Fernrohren kann man die blauweiße Farbe der jungen und heißesten Sterne dieses Sternhaufens besser wahrnehmen.

Der 1,1m helle Stern Aldebaran (Alpha Tauri) ist ein Roter Riesenstern in 70 Lichtjahren Entfernung. Er ist von einer markant dreieckigen Anordnung aus relativ hellen Sternen umgeben. Diese Sterne bilden miteinander den Kernbereich der Hyaden. Sie sind ein Offener Sternhaufen, der in 148 Lichtjahren Entfernung von uns liegt. Die Hyaden sind der nächstgelegene Offene Sternhaufen.

Ca. 17° östlich von Aldebaran liegt der 1,8m helle Stern Nath (Beta Tauri)m er ist ein blauweißer Stern in 160 Lichtjahren Entfernung.

Ca. 8° südlich von Nath liegt der 3m helle Stern Zeta Tauri.

Ca. 1° nordwestlich von Zeta liegt der berühmte „Krebsnebel“ M1. Man kann ihn nur mit einem Fernrohr wahrnehmen. M1 ist der Überrest einer Supernova, die am 4. Juli 1054 von chinesischen Astronomen registriert wurde.

Charles Messier entdeckte diesen Nebel 1758 an der Marinesternwarte in Paris mit einem Gregory-Metallspiegelfernrohr von fünf Zoll Öffnung. Dieses Spiegelfernrohr hatte das Lichtsammelvermögen eines modernen Fernrohrs von 6 cm Öffnung. Messier nannte diesen Nebel „M1“. Mittlerweile ist der Sternenhimmel durch die zunehmende Lichtverschmutzung in vielen Regionen bereits so stark aufgehellt, dass man M1 sogar mit Fernrohren von 20 cm Öffnung nicht mehr wahrnehmen kann.

Sternbild Fuhrmann
Das Sternbild Fuhrmann steht um 21:00 fast im Zenit. Sein hellster Stern ist 0,1m hell und heißt Capella, er ist der vierthellste Stern an der nördlichen Himmelshemisphäre. Capella ist 43 Lichtjahre von uns entfernt.

Im Sternbild Fuhrmann liegen drei große Offene Sternhaufen, die bereits um die Mitte des 17. Jahrhunderts entdeckt wurden und seit Jahrhunderten mit kleinen und großen Fernrohren beobachtet werden. Man kann sie bereits mit einem 8x50-Sucherfernrohr sehen.

Charles Messier gab ihnen im 18. Jahrhundert die Namen M36, M37 und M38.

M38 liegt auf der Mitte der Linie zwischen den Sternen Theta Aurigae und Iota Aurigae. M37 liegt links der Mitte der Linie von Theta Aurigae zu Nath. M36 liegt ungefähr in der Mitte zwischen M37 und M38.

Neben diesen oft beobachteten Offenen Sternhaufen liegen im Sternbild Fuhrmann noch andere sehenswerte Deep-Sky-Objekte. Der Offene Sternhaufen NGC 2281 ist der hellste Offene Sternhaufen des Sternbilds Fuhrmann. Man findet ihn auf der Linie von Menkalinan (Beta Aurigae) nach Castor, und zwar im Abstand von 9° von Menkalinan.

Ca. 0,5° südlich von M38 liegt z. B. der kleine Offene Sternhaufen NGC 1907.

Ca. 1° westlich von M36 kann man mit Fernrohren großer Öffnung bei hoher Vergrößerung den kleinen Emissionsnebel NGC 1931 wahrnehmen.

Der 2,6m helle Stern Theta Aurigae erweist mit einem Fernrohr bei hoher Vergrößerung betrachtet als ein enger Doppelstern.

Der 4,9m helle Stern Omega Aurigae präsentiert sich in Fernrohren als sehenswerter Doppelstern. Er ist der hellste Stern auf der Linie von Eta Aurigae nach Iota Aurigae. Omega Aurigae.

Ca. 3,5° südwestlich von Capella liegt der 3m helle Stern Almaaz (Epsilon Aurigae). Almaaz ist ein bedeckungsveränderlicher Stern mit ungewöhnlichen Eigenschaften, der Generationen von Astronomen Rätsel aufgegeben haben. Denn Almaaz hat einen großen unsichtbaren Partnerstern, der ihn regelmäßig verdeckt, wodurch die Helligkeit von Almaaz alle 27 Jahre für die Dauer von ca. 2 Jahren lang auf 3,8m absinkt. Das Rätsel wurde erst vor kurzem aufgelöst: der Partnerstern ist unsichtbar, weil eine blickdichte Staubscheibe ihn komplett verhüllt. Almaaz ist ein Gelber Überriesenstern von ca. 2 Sonnenmassen in ca. 1300 Lichtjahren Entfernung, seine Oberflächentemperatur beträgt 7800 Kelvin und er leuchtet 47.000 Mal heller als die Sonne.

Sternbild Orion
Das Sternbild Orion ist es ein auffälliges Sternbild, da es viele helle Sterne enthält, die zudem einprägsam angeordnet sind. Das Sternbild Orion ist zudem interessant, weil es viele markante Doppelsterne, sehenswerte galaktische Nebel und ein grandioses Sternentstehungsgebiet enthält, die man mit Fernrohren gut beobachten kann.

Im zentralen Bereich des Sternbilds bilden drei nebeneinander liegende helle Sterne den so genannten „Gürtel des Orion“. Zwei dieser Gürtelsterne sind sehenswerte Mehrfachsterne, nämlich der rechte Gürtelstern Mintaka (Delta Orionis) und der linke Gürtelstern Alnitak. Der 2,2m helle Mintaka ist ein Vierfachsternsystem vom Algol-Typ, und der 1,8m helle Alnitak ist ein Dreifachsternsystem.

Zwischen Mintaka und dem 0,1m hellen Stern Rigel (Alpha Orionis) liegt der 3,4m helle Stern Eta Orionis. Er ist ein enger Doppelstern aus zwei blauen Sternen. Auch Rigel (Beta Orionis) ist ein Doppelstern.

Die Sterne Sigma Orionis (ca. 0.8°südlich von Alnitak) sowie Theta Orionis sind Mehrfachsternsysteme: Der 3,4m helle Stern Sigma Orionis besteht aus vier Sternen. Bereits mit einem kleinen Fernglas sieht man Theta Orionis als Doppelstern, seine Partnersterne heißen Theta1 und Theta2. Betrachtet man Theta1 mit einem Fernrohr bei hoher Vergrößerung, erweist sich Theta1 als ein Vierfachsternsystem: Theta1 ist das „Trapez im Orionnebel“ und besteht aus den vier Sternen Theta1 A, Theta1 B, Theta1 C und Theta1 D.

Betrachtet man Theta2 mit einem Fernrohr, erweist er sich als Doppelstern.

Das eindrucksvollste Himmelsobjekt im Sternbild Orion ist der „Orion-Nebel“ M42. Am mondlos sternklaren Landhimmel kann man ihn mit bloßem Auge als ein Nebelobjekt wahrnehmen. Mit einem kleinen Fernglas sieht man ihn eindeutig als einen diffusen Nebel, der den Stern Theta1 umgibt. Betrachtet man M42 man mit dem Fernrohr, sieht man die Silhouetten der Staubwolken, die vom Licht der im Nebel eingelagerter Sterne beleuchtet werden. Sie können in lichtstarken Fernrohren einen faszinierenden Anblick bieten.

Beobachtet man den Nebel mit einem Fernrohr größerer Öffnung mit UHC-Filter, kann man die durch heiße Sterne ionisierten Gaswolken des M42-Nebels grünlich leuchten sehen. Bei 40-facher Vergrößerung wird Theta1 in seine vier Partnersterne aufgelöst.

Unmittelbar nördlich von M42 liegt der Reflexionsnebel M43. Ca. 2,5° nordöstlich von Alnitak liegt der Reflexionsnebel M78.

Viele der hellen Sterne im Sternbild Orion sind sehr jung und sehr massereich und daher auch sehr heiß. Der Stern Theta1 C hat z. B. 40 Sonnenmassen und eine Oberflächentemperatur von 45000 K. Daher strahlt er intensives UV-Licht ab. Die UV-Strahlung bringt den Orion-Nebel zum Leuchten. Theta1 C leuchtet 340.000 Mal intensiver als unsere Sonne und ist einer der leuchtkräftigsten Sterne des Orion-Nebels.

Sternbild Großer Hund
Südöstlich des Sternbilds Orion funkelt Sirius, der Hauptstern des Sternbilds Großer Hund in allen Farben. Sirius ist der hellste Fixstern des Himmels, weil er einer der nächsten Nachbarsterne unserer Sonne ist (er ist nur 8,6 Lichtjahre entfernt), und weil er 27 Sonnenleuchtkräfte hat.

Der zweithellste Stern im Sternbild Großer Hund ist der 2,0m helle Stern Mirzam (Beta Canis Maioris) ist. Mirzams Leuchtkraft ist 140 Mal stärker als die des Sirius. Mirzam ist jedoch ca. sechzig Mal weiter von uns entfernt als Sirius, daher leuchtet Mirzam bei uns schwächer.

Das Sternbild Großer Hund liegt im Band der Wintermilchstraße. Daher gibt es in diesem Sternbild zahlreiche Offene Sternhaufen. Der hellste dieser Offenen Sternhaufen ist M41, man findet ihn ca. 4° südlich von Sirius. Andere sehenswerte Offene Sternhaufen sind NGC 2362, der um den Stern Tau Canis Majoris liegt, sowie NGC 2360, den man ca.7° östlich von Sirius findet.

Ca. 1,2° nördlich von NGC 2360 liegt der galaktische Nebel NGC 2359. Um diesen Nebel zu beobachten, benötigt man Nebelfilter (z. B. UHC, OIII). Mit einem mittelgroßen Fernrohr sieht man an einem mondlos sternklaren Nachthimmel auf dem Land ohne Nebelfilter an der Himmelsposition von NGC 2359 nur ein 11,5m helles Sternchen. Bestückt man dieses Fernrohr jedoch mit einem Nebelfilter, wird um das Sternchen ein detailreicher Nebel von 10 Bogensekunden Durchmesser wahrnehmbar. Dieser Nebel ist auch unter dem Namen „Thors Helm“ bekannt.

Das schwache Sternchen, das in ihm leuchtet, ist weder klein noch schwach, sondern ein ca. 15000 Lichtjahre ferner Wolf-Rayet-Stern namens WR7. Wolf-Rayet-Sterne gehören zu den leuchtkräftigsten Sternen. WR7 hat eine Oberflächentemperatur von 110.000 K, und er hat ca. 280.000 Sonnenleuchtkräfte. WR7 bläst durch seine hohe Oberflächentemperatur einen starken Sternenwind ins All, dessen Material den Nebel gebildet hat, den die intensive UV-Strahlung von WR7 zum Leuchten bringt.

Sternbild Zwillinge
Östlich der beiden Sternbilder Fuhrmann und Stier liegt das Sternbild Zwillinge. Es besteht aus zwei parallel liegenden Sternenketten. Die nördliche Sternenkette beginnt beim hellen Stern Castor (Alpha Geminorum) und reicht über die Sterne Mebsuta (Epsilon Geminorum), Tejat Posterior (My Geminorum) bis zu Tejat Prior (Eta Geminorum). Die südliche Kette besteht aus den Sternen Pollux (Beta Geminorum), Wasat (Delta Geminorum), Mekbuda (Zeta Geminorum) und Alhena (Gamma Geminorum).

Betrachtet man Castor mit dem Fernrohr bei 100-facher Vergrößerung, zeigt er sich als ein enger Doppelstern. Auch Wasat zeigt sich mit einem solchen Fernrohr als sehenswerter Doppelstern. Wasat liegt auf der Ekliptik.

Ca. 2,3° ostsüdöstlich von Wasat liegt sich auf der Verbindungslinie von Kappa Geminorum zu Lambda Geminorum der helle Planetarische Nebel NGC 2392. Er ist als „Eskimonebel“ bekannt. Man braucht ein Fernrohr ab 10 cm Öffnung bei hoher Vergrößerung, um ihn zu sehen. Hierbei ist ein Nebelfilter sinnvoll. Zwei Grad nordwestlich von Tejat Prior liegt der große Offene Sternhaufen M35. Er bietet bereits mit kleinen Fernrohren einen eindrucksvollen Anblick.

Um 22:00 nähert sich das Sternbild Großer Hund mit Sirius dem Meridian. Das Sternbild Walfisch taucht nun bereits in den westlichen Horizontdunst ab. Im Nordwesten geht der Pegasus unter. Das Sternbild Orion hat den Meridian überschritten. Im Osten ist nun das Sternbild Löwe komplett aufgegangen.

Sternbild Krebs
Östlich des Sternbilds Zwillinge liegt das Sternbild Krebs. Es ist ein unauffälliges Sternbild, weil es in ihm nur schwache Sterne gibt. Betrachtet man das Sternbild Krebs unter einem mondlos dunklen Sternenhimmel auf dem Land, kann man darin mit bloßem Auge ein schwaches Nebelwölkchen wahrnehmen. Das ist der Offene Sternhaufen M 44, den schon die Astronomen der Antike unter dem Namen „Präsepe“ (lateinisch = Krippe) kannten. Mit einem Fernglas sieht man das Nebelwölkchen sehr schön in einzelne Sterne aufgelöst.

Nördlich und südlich der Präsepe steht jeweils ein 4m heller Stern. Der nördliche heißt Asellus Borealis (Gamma Cancri) und der südliche heißt Asellus Australis (Delta Cancri) „Asellus“ ist das lateinische Wort für Eselchen. In der Antike galten die beiden Sternen an der Präsepe als die beiden von Zeus an den Himmel versetzten Eselchen des Gottes Dionysos, die dort gemeinsam aus ihrer Krippe (M44) fressen, nachdem sie den vom anstrengenden Feiern trunkenen Gott umsichtig zu Bett gebracht haben.

Ca. 7° nördlich von Asellus Borealis liegt der 4m helle Stern Iota Cancri. Iota zeigt sich bereits in kleinen Fernrohren als ein hübscher Doppelstern, seine Partnersterne stehen im gegenseitigen Abstand von 39 Bogensekunden. Der eine ist gelb und 4,6m hell, der andere ist hellblau und 6,5m hell.

Ca. 7° südöstlich von Asellus Australis liegt der 4m helle Stern Acubens (Alpha Cancri). Acubens ist der vierthellste Stern im Sternbild Krebs. Im Fernrohr zeigt sich Acubens als Doppelstern. Beide Partnersterne sind weiß, der eine ist jedoch 4,2m hell, während der andere ist nur 11m hell ist. Beide haben einen gegenseitigen Abstand von 11 Bogensekunden.

Ca. 7,6° östlich Asellus Australis liegt der 5m helle Stern Tegmeni (Zeta Cancri). Er ist ein Mehrfachsternsystem, das im Sternbild Krebs häufig beobachtet wird. Tegmeni ist 70 Lichtjahre entfernt. Mit Fernrohren kleiner Öffnung sieht man Tegmeni bei Vergrößerungen um 100-fach als Doppelstern, dessen Partnersterne 5,6m und 6m hell sind und in 5 Bogensekunden Abstand voneinander stehen. In Fernrohren größerer Öffnung und langer Brennweite erweist sich der hellere Partnerstern seinerseits als ein Doppelstern, dessen Partnersterne ca. 1 Bogensekunde Abstand voneinander haben.

Sehenswert ist auch der Offene Sternenhaufen M67. Man findet ihn ca. 2° westlich des 4,3m hellen Sterns Acubens (Alpha Cancri). M67 ist einer der ältesten Offenen Sternhaufen der Milchstraße.

Sternbild Löwe
Östlich des Sternbilds Krebs liegt das markante Sternbild Löwe. Es steigt in den ersten Stunden nach Mitternacht ca. 40° hoch über dem Südosthorizont. Der hellste Fixstern im Sternbild Löwe ist der 1,3m helle Regulus. Er ist ein blauweißer Stern, 73 Lichtjahre entfernt. Regulus ist auch ein Doppelstern, sein Partnerstern ist ein 8m heller Stern der Spektralklasse G.

Ca. 8° nördlich von Regulus liegt der 2m helle Stern Algieba (Gamma Leonis). Algieba (Gamma Leonis) ist einer der schönsten Doppelsterne am Himmel. Seine Partnersterne sind 2,2m bzw. 3,0m hell und stehen in 4 Bogensekunden Abstand voneinander. Beide sind gelb.

Bei mondlos sternklarem Himmel kann man mit lichtstarken Fernrohren ca. 1,5° südlich der Mitte der Verbindungslinie von Regulus (Alpha Leonis) zu Coxa (Theta Leonis) die kleine Galaxiengruppe M95, M96 und M105 wahrnehmen. Diese Galaxiengruppe liegt in 32 Millionen Lichtjahren Entfernung.

Mit lichtstarken Fernrohren kann man in der Mitte zwischen Iota Leonis und Coxa die Galaxiengruppe aus M65, M66 und NGC 3628 finden, die das „Leo-Triplett“ genannt wird. Diese Galaxiengruppe liegt gleichfalls ca. 32 Millionen Lichtjahre entfernt.

Zwischen den Sternen Coxa und Zosma (Delta Leonis) kann man mit einem lichtstarken Fernrohr die Galaxie NGC 3607 wahrnehmen. Diese Galaxie liegt ca. 40 Millionen Lichtjahre entfernt.
Ca. 1,5° südlich von Lambda Leonis kann man mit lichtstarken Fernrohren die Spiralgalaxie NGC 2903 beobachten. Sie liegt ca. 30 Millionen Lichtjahre entfernt. Faktisch ist NGC 2903 die hellste Galaxie im Sternbild Löwe. Da NGC 2903 jedoch groß ist, ist ihre Flächenhelligkeit niedrig. Daher ist diese große Galaxie oft schlechter sichtbar als viele kleinere Galaxien im Sternbild Löwe.

Sternbild Sextant
Südlich des Sternbilds Löwe liegt das Sternbild Sextant. Es ist ein kleines und unscheinbares Sternbild. Sein 4,4m heller Hauptstern Alpha Sextantis liegt ca. 12,5° südlich von Regulus. Verlängert man die Verbindungslinie von Regulus zu Alpha Sextantis über Alpha hinaus um ca. 7, 5°, findet man dort mit Fernrohren ab 10 cm Öffnung die S0-Galaxie NGC 3115. Man kann diese Galaxie mit solchen Fernrohren gut bei hoher Vergrößerung betrachten, weil NGC 3115 klein ist und eine hohe Flächenhelligkeit hat. Sie ist auch als die „Spindelgalaxie“ bekannt.

Sternbild Hydra
Weit südlich des Sternbilds Krebs sieht man einen einsamen hellen Stern: Das ist der 2m helle Stern Alphard (arabisch: der „Einsame“). Alphard ist der hellste Stern des Sternbilds Hydra. Das Sternbild Hydra stammt aus der Zeit der Antike. Damals sollte es an die ungeheure und tödlich giftige Wasserschlange Hydra aus der Herkules-Sage erinnern, welches Herkules im Auftrag der Göttin Hera umbringen musste. Diese sagenhafte Schlange war gigantisch, daher ist das Sternbild Hydra das längste und größte Sternbild des Himmels.

Im Westteil des Sternbilds Hydra liegt nahe dem 3,3m hellen Stern Epsilon Hydrae ein Ring aus sechs Sternen, die den aufgerichteten Kopf der Wasserschlange bilden. Gegen 2:00 überquert diese Sternengruppe bereits den Meridian. Die Sterne, welche das Schwanzende der Hydra bilden, gehen jedoch erst um 5:40 über den Südosthorizont auf. Zu diesem Zeitpunkt gehen die Kopfsterne der Hydra schon am Westhorizont unter.

Ca. 3,5° südwestlich des 4m hellen Sterns C Hydrae am Westrand des Sternbilds Hydra liegt der Offene Sternhaufen M48. Man kann ihn gut mit einem Fernglas beobachten.

Ca. 2° südlich des 3,8m hellen Sterns My Hydrae liegt der 7,7m helle Planetarische Nebel NGC 3242. Da er in Teleskopen großer Öffnung einen Winkeldurchmesser von ca. 45 Bogensekunden hat, ähnlich dem des Planeten Jupiter, nennt man den grünlich schimmernden Nebel auch „Jupiters Geist“.

Sternbild Coma Berenices
Das Sternbild Coma Berenices ist unauffällig. Man kann es dennoch am Himmel ganz leicht finden: Schaut vom Sternbild Löwe aus nach Osten, sieht man dort den hellen Stern Arktur leuchten. Zieht man nun am Himmel eine Linie von Denebola (Beta Leonis) hinüber zu Arktur, liegt das Sternbild Coma Berenices nördlich dieser Linie.

Der hellste Stern des Sternbilds Coma Berenices heißt Diadem. Er ist nur 4,8m hell und liegt 57 Lichtjahre von uns entfernt. Ca.10° nördlich von Diadem liegt Beta Comae Berenices, ein Stern der Spektralklasse G0. Ca. 10° westlich von Beta Comae Berenices liegt Gamma Comae Berenices, ein 4,4m heller Roter Riesenstern der Spektralklasse K0.

Wenn man unter einem mondlos sternklaren Nachtlandhimmel an einem dunklen Beobachtungsort steht, kann man mit dem bloßen Auge südlich von Gamma Comae Berenices einen diffusen Lichtschimmer wahrnehmen. Betrachtet man diese Stelle mit dem Fernglas, erweist sich der Lichtschimmer als ein ausgedehnter Sternhaufen von ca. 4° Durchmesser. Viele der Sterne in diesem Sternhaufen sind farbig. Da er sehr groß ist, kann man ihn nur in einem Fernglas ganz überblicken. Das ist der große „Coma-Sternhaufen“ ’Melotte 111’. Ihm verdankt das Sternbild seinen Namen.

Berenice war die Gattin des ägyptischen Königs Ptolemäus III. Gleich nach seiner Hochzeit mit Berenice musste er in den Krieg ziehen, worauf Berenice gelobte, dass sie dem Tempel der Aphrodite ihre schönen Haare opfern werde, falls ihr junger Gatte heil und siegreich zurückkehren sollte. Da die Götter ihr den Wunsch erfüllten, landete Berenices Lockenpracht auf dem Altar des Tempels. In der folgenden Nacht waren die Haare vom Altar verschwunden, worauf der Hofastronom sie dann am Himmel als Sternhaufen „wiederentdeckte“: So kam das Sternbild „Coma Berenices“ in die Welt der Astronomie.

Im Sternbild Coma Berenices gibt es mehrere sehenswerte Galaxien, die man bereits mit Fernrohren ab 12 cm Öffnung beobachten kann. Zieht man z. B. eine Linie vom Stern Gamma Comae Berenices zu Diadem und folgt der Linie mit einem Fernrohr bei mittlerer Vergrößerung, gelangt man so ca. 2,3° südöstlich von Gamma Comae Berenices zur Galaxie NGC 4565, die man als einen dünnen und matten Lichtstreif wahrnimmt. Diese Spiralgalaxie liegt exakt in Kantenlage.

Folgt man nun der Linie in Richtung zu Diadem um weitere 6,3 Grad, stößt man auf die Galaxie M64, die unter dem Namen „Galaxie mit dem schwarzen Auge“ bekannt ist. Mit sehr großen Spiegelteleskopen kann man bei hoher Vergrößerung die Staubwolke beobachten, die den namengebenden schwarzen Fleck auf der Scheibe dieser Galaxie bildet.

Bereits mit einem lichtstarken Fernglas kann man unmittelbar östlich von Diadem den kleinen Kugelsternhaufen M53 wahrnehmen. Er liegt ca. 60000 Lichtjahre von uns entfernt.

Sternbild Einhorn
Östlich des großen Sternbilds Orion liegt das unauffällige Sternbild Einhorn (Monoceros). Es ist unauffällig, weil seine hellsten Sterne nur ca. 4m hell sind. Das Sternbild Einhorn enthält jedoch mehrere sehenswerte Offene Sternhaufen, die bereits mit kleinen Fernrohren gut beobachten werden können, z. B. der „Rosettennebelhaufen“ NGC 2244, oder der „Weihnachtsbaumhaufen“ NGC 2264, sowie M50. Dieser Offene Sternhaufen liegt auf der Mitte der Linie von Alpha zu Beta Monocerotis.

Betrachtet man den 3,7m hellen Stern Beta Monocerotis mit einem Fernrohr, zeigt er sich darin als ein anmutiges Dreifachsystem. Wilhelm Herschel hat das 1781 entdeckt und war vom Anblick dieses Sternentrios im Fernrohr zeitlebens begeistert: Er beschrieb es als „One of the most beautiful sights in the heavens!“ .

Ca. 6° westlich des 4m hellen Sterns Delta Monocerotis liegt der sehenswerte Offene Sternhaufen NGC 2301.

Auch der so genannte „Konusnebel“ ist sehenswert. Das ist eine kegelförmige Dunkelwolke, die vom Licht des Sterns 15 Monocerotis beleuchtet wird. Um sie wahrzunehmen, braucht man ein Fernrohr großer Öffnung und eine hohe Vergrößerung.

Ca. 4,5° östlich von Alpha Monocerotis liegt der Offene Sternhaufen NGC 2506. Mit einem kleinen Fernrohr betrachtet sieht NGC 2506 nur wie ein blasses Nebelchen aus. Betrachtet man NGC 2506 mit Fernrohren ab 25 cm Öffnung, erweist er sich als ein Sternhaufen aus über hundert winzig erscheinenden Sternen. NGC 2506 liegt ca. 10000 Lichtjahre entfernt und ist ca. 2 Milliarden Jahre alt.

Sternbild Puppis
Östlich des Sternbilds Großer Hund leuchtet über dem südlichen Horizont ein 2,8m heller Stern. Das ist Rho Puppis, der hellste Stern des Sternbilds Puppis. Dieses Sternbild ist der hintere Teil des antiken Sternbilds Argo. Von Mitteleuropa aus war nur der hintere Teil dieses antiken Sternbilds Argo im Winter ein Stück weit über den Horizont wahrnehmbar. 1754 wurde dieser Teil des Sternbilds Argo in das Sternbild Puppis umgetauft.

Wenn der winterliche Sternenhimmel bis hinab zum Horizont klar ist, kann man in diesem Sternbild trotz seiner horizontnahen Lage einige schöne Offene Sternhaufen betrachten.

Ca. 12° östlich von Sirius kann man mit lichtstarken Ferngläsern sowie mit kleinen Fernrohren die beiden Offenen Sternhaufen M46 und M47 sehen. Ca. 1,5° nordwestlich von Xi Puppis liegt der Offene Sternhaufen M93, er bietet bereits mit kleinen Fernrohren einen schönen Anblick.

Ca. 11,5° nördlich von Rho Puppis liegt der Offene Sternhaufen NGC 2539. Man kann ihn mit kleinen Fernrohren gut beobachten: Er umgibt den 4m hellen Stern 19 Puppis.

Um 1:00 steht das Sternbild Fuhrmann schon über dem Westhorizont, und im Südwesten sinken die Sternbilder Orion und Großer Hund in Horizontnähe. Das Sternbild Krebs hat den Meridian überschritten. Östlich davon steht das markante Sternbild Löwe hoch am Himmel. Weiter im Osten sind die Sternbilder Jungfrau und Bärenhüter aufgegangen, und im Nordosten lugt das Sternbild Herkules bereits über den Horizont. Das Sternbild Großer Bär nähert sich dem Zenit.

Sternbild Jungfrau
Gegen 2:00 steht das Sternbild Jungfrau im Meridian. Der hellste Stern dieses Sternbilds ist 1,8m hell, er heißt Spica. Er ist ein blauer Riesenstern der Spektralklasse B2, er hat 2600 Sonnenleuchtkräfte und liegt 240 Lichtjahre entfernt. Der Stern Zavijava (Beta Virginis) ist ein Stern mit sechs Sonnenleuchtkräften in 35 Lichtjahren Entfernung. Der Stern Porrima (Gamma Virginis) ist ein enger Doppelstern, dessen beiden Partnersterne zurzeit ca. 2 Bogensekunden voneinander liegen. Er liegt 38 Lichtjahre von uns entfernt. Der Stern Vindemiatrix (Epsilon Virginis) ist 94 Lichtjahre entfernt, der Name dieses Sterns bedeutet „Weinleserin“. Zur Zeit der römischen Antike galt der Aufgang von Vindemiatrix in der Morgendämmerung als göttliches Zeichen, dass nun die Weinlese beginnen durfte.

Im Sternbild Jungfrau kann man mit Fernrohren am mondlos sternklaren Landhimmel zahlreiche Galaxien wahrnehmen. Überraschend viele dieser leuchtschwachen Objekte wurden bereits im 18. Jahrhundert mit den damals üblichen kleinen Fernrohren entdeckt. Das gilt z. B. für die Galaxien M61, M49, M84, M86, M87, M89, M58, M60, M88, M89 und M90. Diese Galaxien kann man daher mit den heute deutlich leistungsfähigeren Amateurfernrohren erfolgreich beobachten.

Damit man bei der Menge dieser Galaxien die Übersicht behalten kann, muss man sich auf die Beobachtungen der Galaxien gut vorbereiten. Dadurch weiß man dann am Beobachtungsplatz, welche Galaxie man gerade mit dem Fernrohr betrachtet.

Für die erfolgreiche Beobachtung braucht man einen mondlos sternenklaren Landhimmel, und die Nachtluft transparent sein. Idealerweise benutzt man ein lichtstarkes Fernrohr mit möglichst großer Öffnung, da die meisten Galaxien des Sternbilds Jungfrau in Entfernungen von über 60 Millionen Lichtjahren liegen.

Ca. 10° westlich von Spica liegt an der Grenze des Sternbilds Rabe zum Sternbild Jungfrau die 8,3m helle Galaxie M104. Sie ist als die „Sombrero-Galaxie“ bekannt und liegt 40 Millionen Lichtjahre entfernt. Man kann sie schon mit kleinen Fernrohren sehen, da M104 eine hohe Flächenhelligkeit hat. Bei optimalen Beobachtungsbedingungen kann man mit Fernrohren ab 20 cm Öffnung auch das dichte Staubband dieser Galaxie wahrnehmen, das man z. B. von spektakulären M104-Aufnahmen des Hubble-Space Teleskops kennt.

Sternbild Bootes (Bärenhüter)
Über dem Osthorizont leuchtet der 0,0m helle Stern Arktur. Er ist der Hauptstern des Sternbilds Bootes. Arktur ist ein Roter Riesenstern, ca. 6 Milliarden Jahre alt und ca. 36 Lichtjahre von uns entfernt. Er ist nicht in der Milchstraße entstanden, sondern ein Mitglied der riesigen Halo-Sternpopulation aus Sternen, die unsere Milchstraße eingefangen hat. Derzeit zieht Arktur mit einer Relativgeschwindigkeit von 150 km/s quer durch die Scheibe der Milchstraße.

Die hellen Sterne im Sternbild Bootes bilden am Himmel den Umriss einer spitzen Eiswaffel, deren Spitze zum Horizont zeigt. An dieser Spitze steht Arktur.

Im Sternbild Bootes gibt es mehrere sehenswerte Doppelsterne. Einer davon ist der 3,7m helle Izar (Epsilon Bootis). Mit Fernrohren ab 10 cm Öffnung bei hoher Vergrößerung zeigt sich Izar als hübscher Doppelstern. Seine Partnersterne stehen im Winkelabstand von drei Bogensekunden, der eine Partnerstern ist orange, der andere bläulich. Der vatikanische Astronomen Secchi war von dem Anblick so begeistert, dass er Izar den lateinischen Namen „Pulcherrima“ gab (auf Deutsch: „die Allerschönste“).

Auch der 4,5m helle Stern 44 Bootis ist ein Doppelstern. Seine Partnersterne haben einen Winkelabstand von drei Bogensekunden. Der schwächere Partnerstern von 44 Bootis ist auch ein Doppelstern, wobei seine Partnersterne eine Umlaufzeit von weniger als 6,5 Stunden haben. Dadurch schwankt auch die Helligkeit von 44 Bootis regelmäßig im Rhythmus dieser Umlaufzeit.

Ca. 8,5° östlich von Arktur liegt der 4,5m helle Stern Xi Bootis. Xi ist ein Doppelstern, dessen beide rötlichen Partnersterne ungleich hell sind.

Zieht man von Arktur eine Linie zum hellen Stern Cor Caroli in den Jagdhunden, kann man mit dem Fernglas südöstlich der Mitte dieser Linie einen kleinen, rundlichen Nebelfleck wahrnehmen. Betrachtet man ihn mit einem Fernrohr, erweist sich der Nebelfleck als ein heller Kugelsternhaufen. Das ist der Kugelsternhaufen M3. Mit Fernrohren ab 12 cm Öffnung kann man die Randbereiche von M3 bei Vergrößerungen ab 100-fach in Einzelsterne aufgelöst sehen.

Sternbild Rabe
Oberhalb des Südhorizonts sieht man nun das markante kleine Sternenviereck des Sternbilds Rabe. Der Stern an der Nordostecke dieses Sternenvierecks heißt Algorab (Delta Corvi). Algorab ist 3m hell und weiß. Betrachtet man ihn mit einem kleinen Fernrohr, erweist er sich als ein Doppelstern. Sein Partnerstern steht im Abstand von 24 Bogensekunden, er ist ein 10m hell, und er ist ein junger roter Protostern.

Sternbild Jagdhunde
Das Sternbild Jagdhunde liegt unterhalb der Deichselsterne des Großen Wagens. Es ist ein unauffälliges Sternbild. Der Danziger Astronomen Johannes Hevel hat es zum Ende das 16. Jahrhunderts eingeführt.

Der hellste Stern des Sternbilds Jagdhunde ist der 2,9m helle Cor Caroli (Alpha). Er liegt 110 Lichtjahre von uns entfernt. Betrachtet man ihn mit einem Fernrohr, erweist er sich als ein markanter Doppelstern. Der zweithellste Stern des Sternbilds heißt Asterion (Beta), er ist 4,4m hell und nur 27 Lichtjahre entfernt.

Zieht man eine Linie von Cor Caroli nach Südosten zum hellen Stern Arktur im Sternbild Bootes, kann man mit dem Fernglas ein wenig östlich der Mitte dieser Verbindungslinie einen runden, nebeligen Fleck erkennen: den Kugelsternhaufen M3. Mit Fernrohren ab 12 cm Öffnung kann man die Randbereiche dieses Sternenhaufens bei Vergrößerungen ab 100fach in Einzelsterne aufgelöst sehen.

Im Sternbild Jagdhunde liegen einige relativ helle Galaxien, die man bereits mit kleinen Fernrohren wahrnehmen kann. Zieht man z. B. eine Linie vom linken unteren Kastenstern des Großen Wagens (Phecda) zu Asterion, stößt man auf der Mitte dieser Linie im lichtstarken Fernglas auf einen länglichen, matten Nebelfleck. Das ist die große Spiralgalaxie M106.

Ca. 2° nördlich der Mitte der Verbindungslinie von Cor Caroli zu Asterion liegt die 8,2m helle rundliche Galaxie M94. Bei günstigen Bedingungen kann man sie bereits mit einem Fernglas als mattes Nebelfleckchen wahrnehmen.

Zieht man eine Linie von Cor Caroli zum Stern Gamma Comae, kann man mit einem Fernrohr von 8 cm Öffnung knapp südlich der Mitte dieser Linie die 9,2m helle Galaxie NGC 4631 wahrnehmen. Diese Galaxie wird wegen ihrer Form „Heringsgalaxie“ bzw. „Walgalaxie“ genannt.

Ca. 40 Bogenminuten westlich von Asterion liegt die sehenswerte Galaxie NGC 4490.

Das Sternbild Jagdhunde enthält noch andere sehenswerte Galaxien, z. B. die Spiralgalaxie M63 (auch „Sonnenblumen-Galaxie“ genannt), sowie die Galaxie NGC 4495 und die berühmte „Strudelgalaxie“ M51. Die von vielen spektakulären Astrofotos bekannten Spiralarme von M51 kann man mit eigenen Augen jedoch nur mit Fernrohren ab 25 cm Öffnung unter einem mondlos sternklaren Neumondlandhimmel als matte Schimmer wahrnehmen.

Zieht man eine Linie von Asterion aus zum Stern Mizar, stößt man mit dem Fernglas nach dem ersten Drittel der Linie auf einen 5m hellen rötlichen Stern. Er heißt Y Canes Venaticorum und ist ein 2500 K heißer Roter Riesenstern von ca. 300 Sonnendurchmessern, und er liegt ca. 760 Lichtjahre entfernt. Er strahlt 4400 Mal mehr Infrarotlicht ab als unsere Sonne und stößt dabei riesige Wolken aus Kohlenstoff aus, die sein Licht stark röten. Durch diese Wolken schwankt seine Helligkeit innerhalb von ca. 150 Tagen unregelmäßig zwischen 4,8m und 6,3m.

Sternbild Herkules
Östlich des Sternbilds Corona Borealis liegt das Sternbild Herkules. Sein 3m heller Hauptstern Ras Algethi (Alpha Herculis) liegt im Südteil des Sternbilds, nahe dem 2m hellen Stern Ras Alhague, dem hellsten Stern des Sternbilds Schlangenträger.

Ras Algethi ist ein Roter Überriesenstern mit über 400 Sonnendurchmessern. Betrachtet man Ras Algethi mit einem Fernrohr ab 12 cm Öffnung bei hoher Vergrößerung, erweist er sich als ein enger Doppelstern. Seine Partnersterne haben einen sehr schönen Farbkontrast: der hellere Partnerstern ist orange, der schwächere Partnerstern erscheint grünlich.

Zieht man eine Linie von Eta Herkulis aus zu Zeta Herkulis und folgt ihr mit dem Fernglas, stößt man hier nach dem ersten Drittel dieser Linie auf ein rundliches Nebelbällchen. Mit einem Fernrohr ab 10 cm Öffnung bei 80-facher Vergrößerung erweist sich das Nebelbällchen als eine kugelige Ansammlung zahlloser, winziger Sterne. Das ist der Kugelsternhaufen M13. Edmond Halley entdeckte ihn 1714. M13 ist der hellste Kugelsternhaufen am nördlichen Sternenhimmel. Er liegt in einer Entfernung von ca. 22.000 Lichtjahren.

Am mondlos sternklaren Landhimmel kann man ca. 8,5° nördlich von Eta Herkulis mit einem Fernglas 10 x 50 ein weiteres kleines Nebelwölkchen erahnen. Das ist der Kugelsternhaufen NGC 6229. Er liegt in ca. 100.000 Lichtjahren Entfernung. Man braucht Fernrohre mit großer Objektivöffnung, um ihn in Einzelsterne aufgelöst zu sehen.

Ca. 7° südlich von Theta Herculis liegt der 4,8m helle Stern 95 Herkulis. Er ist ein hübscher Doppelstern. Seine Partnersterne stehen in einem Abstand von sechs Bogensekunden. Daher kann man sie bereits mit kleinen Fernrohren getrennt sehen.

Schwenkt man sein Fernrohr von Pi Herkulis ca. 6,3° nach Norden, stößt man dort auf den Kugelsternhaufen M92. Er ist kleiner als M13, aber ebenso hell, weil im Zentrum von M92 die Sterne dichter beieinander stehen als im Zentrum von M13.

Schwenkt man sein Fernrohr bei niedriger Vergrößerung von Kornephoros (Beta Herculis) aus ca. 4° nach Nordosten, kann man dort einen 9m hellen, blaugrünlichen Stern wahrnehmen, der in einem Feld mit schwachen Sternen liegt. Das ist kein Stern, sondern der Planetarische Nebel NGC 6210. Betrachtet man NGC 6210 mit einem Fernrohr ab 10 cm Öffnung bei 150-facher Vergrößerung, sieht man den Planetarischen Nebel als eine kleine, blaugrünliche Scheibe, in deren Zentrum ein winziger weißer Stern steht.

Sternbild Corona Borealis
Östlich des Sternbilds Bootes sieht man einen nach Norden geöffneten Bogen aus hellen Sternen. Das ist das kleine Sternbild Corona Borealis. Sein 2,2m heller Hauptstern heißt Gemma (Alpha Coronae Borealis). „Gemma“ ist der lateinische Ausdruck für „Edelstein“, denn bei großer Luftunruhe kann Gemma ganz ähnlich wie Sirius in allen Farben funkeln. Gemma liegt ca. 74 Lichtjahre entfernt.

Ca. 3,5° östlich von Gemma liegt der 4,6m helle Stern Delta Coronae Borealis. Ca. 2° nördlich von Delta kann man mit einem Fernglas oder Fernrohr den rötlichen Stern R Coronae Borealis sehen. Dieser Stern ist ein 4000 Lichtjahre ferner Roter Überriesenstern mit einer kohlenstoffreichen Atmosphäre. Ähnlich wie Y Canes Venaticorum stößt R Coronae Borealis in unregelmäßigen Abständen (Monate bis Jahre…) gewaltige Rußwolken aus, die das sein Licht weitgehend absorbieren. Wenn das passiert, kann R Coronae Borealis spontan für Monate oder sogar für mehrere Jahre um bis zu 10 Größenklassen schwächer werden. Dann kann der normalerweise mit kleinen Ferngläsern mühelos wahrnehmbare Stern R Coronae Borealis sogar für große Fernrohren von 12 Zoll Öffnung unsichtbar werden.

Sternbild Waage
Östlich des Sternbilds Jungfrau liegt das Sternbild Waage. Es wird von Mitteleuropa aus nicht sehr häufig beobachtet, weil es dort nur einen maximalen Horizontabstand von ca. 20° erreicht.

Die beiden hellsten Sterne im Sternbild Waage sind der 2,8m helle Zubenelgenubi (Alpha Librae) und der 2,5m helle Zubeneschemali (Beta Librae). Zubenelgenubi ist ein Doppelstern, den bereits mit einem Fernglas getrennt sehen kann, seine Partnersterne zeigen darin einen schönen Farbkontrast.

Das Sternbild Waage wurde in der Antike von den Römern eingeführt. Vorher wurden die Sterne des Sternbilds Waage als ein Bestandteil des Sternbilds Skorpion betrachtet, wo sie die beiden Scheren des Skorpions darstellten. Bis heute wird das durch die Namen der hellsten Sterne des Sternbilds Waage deutlich: „Zubenelgenubi“ kommt aus dem Arabischen und bedeutet „Südliche Schere“, und „Zubeneschemali“ bedeutet „Nördliche Schere.

Ca. 4° westlich von Zubeneschemali liegt der 4,5m helle Stern Delta Librae. Delta Librae ist ein Bedeckungsveränderlicher Stern, ähnlich dem Stern Algol. Alle 2,32735 Tage fällt die Helligkeit von Delta Librae sechs Stunden lang um eine ganze Größenklasse auf 5,5m ab.

Ca. 11,5° südlich von Zubeneschemali liegt der 8,5m helle, locker aufgebaute Kugelsternhaufen NGC 5897. Um NGC 5897 zu beobachten, braucht man ein lichtstarkes Fernrohr mit möglichst großer Öffnung. Dieser Kugelsternhaufen ist 45000 Lichtjahre entfernt

Sternbilder Schlange und Schlangenträger
Die beiden Sternbilder Schlangenträger und Schlange stammen aus der Antike. Sie wurden damals zur Erinnerung an die Asklepios-Sage geschaffen.

Der hellste Stern des Sternbilds Schlangenträger heißt Ras Alhague (Alpha Ophiuchi), er liegt im Norden des Sternbilds, nahe beim Stern Ras Algethi (Alpha Herculis). Ras Alhague ist 2,1m hell und markiert im Sternbild den Kopf des Schlangenträgers. Die Sterne Cheleb (Beta Ophiuchi, 2,8m hell)) und Kappa Ophiuchi (3,2m hell) bezeichnen die Schultern des Schlangenträgers. Die beiden Sterne Sabik (Eta Ophiuchi, 2,6m hell) links und Yed Prior (Delta Ophiuchi, 2,7m hell) rechts repräsentieren die kräftigen Hände des Schlangenträgers. Westlich des Schlangenträgers befindet sich der nach Norden gebogene Hals der Schlange. Dieser besteht aus den drei Sternen Unuk (Alpha Serpentis, 2,6m hell), My Serpentis und Delta Serpentis. Das markante kleine Dreieck aus den 3,6m hellen Sternen Beta Serpentis, Gamma Serpentis und Kappa Serpentis bildet den Kopf der Schlange.              
Ca. 7,5° südwestlich von Unuk kann man mit einem lichtstarken Fernglas ein rundliches Nebelwölkchen sehen. Das ist der Kugelsternhaufen M5. Da er nur 25000 Lichtjahre entfernt ist, kann man ihn bereits mit einem kleinen Fernrohr von nur 6 cm Öffnung in einzelne Sterne aufgelöst sehen. M5 lässt sich einfach auffinden, indem man das Fernrohr auf Zubeneschemali (Beta Librae) richtet und um 11,5° nach Norden schwenkt.

Östlich des Sternbilds Schlangenträger liegt der aufgerichtete Schwanz der Schlange. Er besteht aus den vier Sternen My Serpentis, Xi Serpentis, Eta Serpentis und schließlich dem Stern Alya (Theta Serpentis) als Schwanzspitze. Alya ist ein hübscher Doppelstern, den man mit kleinen Fernrohren schön aufgelöst sehen kann. Beide Partnersterne sind gleich hell und weiß.

Im Sternbild Schlangenträger liegen die drei hellen Kugelsternhaufen M10, M12 und M14. Man kann bereits mit einem Fernglas wahrnehmen.

M12 findet man ca. 8,3° nordöstlich von Yed Prior, man kann ihn mit kleinen Fernrohren in einzelne Sterne aufgelöst sehen.

M10 liegt ca. 10° östlich von Yed Prior.

M14 liegt ca. 8° südlich von Cheleb.

In der Himmelsregion südlich von Sabik kann man mit Fernrohren weitere zwölf Kugelsternhaufen wahrnehmen. Da der Südteil des Sternbilds im Milchstraßenband liegt, enthält diese Region des Schlangenträgers zahllose Sterne und Dunkelwolken, und wenn man sie mit lichtstarken Ferngläsern oder lichtstarken Großfeld-Fernrohren unter einem mondlos sternklaren Landhimmel betrachtet, kann man hier mit Genuss spazieren schauen.

Sternbild Skorpion
Das Sternbild Skorpion liegt südlich des Sternbilds Schlangenträger. Daher ziehen beide Sternbilder gemeinsam durch den Meridian.

Man kann das Sternbild Skorpion leicht finden, weil es viele helle Sterne enthält. Dennoch wird es von Mitteleuropa aus nicht häufig beobachtet, weil hier beim Meridiandurchgang des Sternbilds Skorpion nur dessen nördliche Hälfte über den Horizont steigt. Damit man die Sterne im Nordteil des Skorpions erfolgreich beobachten kann, muss der Himmel mondlos und sternenklar sein, und die Luft muss bis hinab zum Horizont ruhig und transparent sein.

Der 0,9m helle Antares (Alpha Scorpii) ist der hellste Stern im Skorpion. Er liegt in ca. 520 Lichtjahren Entfernung. Antares ist ein Roter Überriesenstern von ca. 15 Sonnenmassen. Er hat einen Durchmesser von ca. einer Milliarde Kilometern und strahlt mit 9000 Sonnenleuchtkräften. Er ist ein Doppelstern, sein Partnerstern ist nur 6,5m hell, er steht im Abstand von drei Bogensekunden und ist grünlich.

Ca. 8,5° nordwestlich von Antares liegt der 2,5m helle Stern Graffias (Beta Scorpii). Graffias ist ein sehenswerter Doppelstern, den man schon mit kleinen Fernrohren deutlich in seine beiden Partnersterne aufgelöst sehen kann. Er ist 600 Lichtjahre entfernt und hat 2700 Sonnenleuchtkräfte.
Ca. 3° südlich von Graffias liegt der 2,3m helle Stern Dschubba (Delta Scorpii). Dschubba stellt im Sternbild die Stirn des Skorpions dar, er ist ein blauweißer Hauptreihenstern mit 3300 Sonnenleuchtkräften, 540 Lichtjahre entfernt.

Ca. 3,5° südlich von Dschubba liegt der 2,9m helle Pi Scorpii. Er ist ein blauweißer Stern in 450 Lichtjahren Entfernung, und er hat 1700 Sonnenleuchtkräfte. Zwischen Antares und Pi liegt der 2,9m helle Stern Alniyat (Sigma Scorpii). Alniyat ist ca. 800 Lichtjahre von uns entfernt. Bereits mit einem kleinen Fernrohr sieht man, dass Alniyat ein Doppelstern ist, dessen Partnersterne im Abstand von 20 Bogensekunden liegen. Der hellere Partnerstern ist blauweiß, sein schwächerer Partnerstern ist 8,6m hell und blauweiß.

Ca. 1,2° westlich von Antares liegt der kleine Kugelsternhaufen M4. Dieser Kugelsternhaufen ist nicht sehr hell, und er enthält viel weniger Sterne als die weitaus meisten anderen beobachtbaren Kugelsternhaufen. Da M4 nur 7000 Lichtjahre von uns entfernt, kann man ihn mit jedem kleinen Fernrohr bereits vollständig in viele Sterne aufgelöst sehen.

Ca. 14,5° südöstlich von Antares liegt der Offene Sternhaufen M6. Von den Tropen aus betrachtet ist er einer der hellsten Offenen Sternhaufen, doch das Licht seiner Sterne wird von Mitteleuropa aufgrund der horizontnahen Position aus stark gedämpft, dass M6 nicht sehr beeindruckend ist.

Mit einem Fernglas kann man die hellsten Sterne von M6 gut wahrnehmen. Mit einem lichtstarken Fernrohr kann man in M6 bei guten Bedingungen über 100 Sterne sehen. Da die Anordnung dieser Sterne eine gewisse Ähnlichkeit mit den ausgebreiteten Flügel eines Schmetterlings hat, wird der M6 manchmal auch als „Schmetterlingshaufen“ bezeichnet.

Sternbild Leier
Das Sternbild Leier ist das kleinste Sternbild des nördlichen Sternenhimmels. Man kann es trotzdem besonders leicht finden, weil sein Hauptstern Wega einer der hellsten Sterne am Himmel ist. Wega ist ein 0,0m heller Stern der Spektralklasse A0, er hat 37 Sonnenleuchtkräfte und ist 25 Lichtjahre entfernt. Wega einer unserer jüngsten Nachbarsterne, ca. 400 Millionen Jahre alt17.

Südlich von Wega liegen vier helle Sterne, die miteinander einen kleinen Rhombus bilden. Dieser Rhombus stellt den Korpus der Leier dar. Das nördliche Ende dieses Korpus besteht aus den beiden Doppelsternen Zeta Lyrae und Delta Lyrae. Das südliche Ende besteht aus den beiden Sternen Gamma Lyrae und Sheliak (Beta Lyrae).              
Betrachtet man die Region um Delta Lyrae mit einem kleinen Fernrohr, sieht man, dass sie einen zerstreuten jungen Offenen Sternhaufen enthält: Er heißt Stephenson 1 und ist ca. 1200 Lichtjahre entfernt.

Betrachtet man den Stern Delta Lyrae mit einem kleinen Fernrohr, erweist er sich als Doppelstern. Seine Partnersterne sind jedoch kein physisches Paar, sondern liegen zufällig hintereinander in derselben Himmelsgegend. Delta1 Lyrae ist ein junger blauweißer Stern, 990 Lichtjahre entfernt, Delta2 Lyrae ist ein leuchtkräftiger alter Roter Riesenstern in ca. 750 Lichtjahren Entfernung.

Zeta Lyrae ist ein schöner Doppelstern. Seine Partnersterne haben einen gegenseitigen Abstand von 43 Bogensekunden und sind weiß. Man kann sie schon mit einem Fernglas getrennt sehen.

An der unteren rechten Ecke des Rhombus liegt der Stern Sheliak. Er ist ein besonderer bedeckungsveränderlicher Stern, dessen beiden Partnersterne einander sehr eng in 12,94 Tagen umkreisen, wobei sie einander regelmäßig verdecken. Sheliaks Helligkeit schwankt dadurch ganz regelmäßig in 12,94 Tagen. Sheliak liegt in 880 Lichtjahren Entfernung.

Der Stern Gamma Lyrae liegt an der unteren linken Ecke des Rhombus. Er ist ein Weißer Unterriese mit ca. 1000 Sonnenleuchtkräften, ca. 600 Lichtjahre entfernt.

In der Mitte zwischen den beiden Sternen Gamma Lyrae und Sheliak liegt der 8.8m helle Planetarische Nebel M57. Das ist der berühmte „Ringnebel“. Mit einem kleinen Fernrohr bei 30-facher Vergrößerung sieht man M57 bereits als ein rundliches Scheibchen, und bei 100-facher Vergrößerung sieht er wie ein matter kleiner Rauchring aus. M57 liegt ca. 3700 Lichtjahre entfernt.

Ca. 1,6° nordöstlich von Wega liegt der 4m helle Stern Epsilon Lyrae. Schon mit bloßen Auge sieht dieser Stern etwas länglich aus. Mit jedem kleinen Fernglas sieht man deutlich, dass Epsilon ein Doppelstern ist. Betrachtet man Epsilon mit einem Fernrohr bei 100-facher Vergrößerung, erweist sich jeder der beiden Partnersterne seinerseits als ein Doppelstern. Epsilon Lyrae besteht aus zwei engen Sternenpaaren, die paarweise mit einer Umlaufzeit von ca. 300000 Jahren umeinander kreisen.

Wenn die Beobachtungsnacht schließlich endet, muss man die Geräte abbauen, und sie sicher verstauen. Hat man an einem abgelegen Platz beobachtet, muss den Beobachtungsplatz auch noch aufräumen, damit man dort keinen Müll hinterlässt.

Diese Aufgaben muss man in der Regel müde, durchfroren und mit kältesteifen Fingern in der Dunkelheit im Schein einer Kopflampe ausführen, und es erfordert ein besonders großes Maß an Aufmerksamkeit und Umsicht, um das unfallfrei zu bewerkstelligen. Dabei nimmt man die Vorteile wahr, die kleine Geräte beim Abbauen bieten können, und wie angenehm es sein kann, wenn man diese Aufgaben nicht alleine bewältigen muss.

Hat man es schließlich geschafft, die Geräte umsichtig abzubauen, hat sie abgetrocknet und sicher abgepolstert im Kofferraum verstaut, muss man noch im Schein einer hellen Taschenlampe prüfen, ob am Beobachtungsplatz kein Ausrüstungsteil, Kleidungstück oder leere Kekspackung mehr herumliegt.

Hat man das eingesammelt, schaut man noch einmal hinauf in den Nachthimmel, lässt den Blich schweifen, nimmt Abschied von der Beobachtungsnacht und sammelt die Konzentration für den letzten Abschnitt: Die Fahrt nach Hause.

Mit steifen Gliedern steigt man ins Auto, kann endlich sitzen, und startet den Motor. Dann leuchten die Scheinwerfer auf, vielleicht funkelt Raureif auf den Gräsern, oder Tautropfen glitzern, und man kann sich auf die Wagenheizung freuen. Und dann fährt man vorsichtig von der Höhe herab über die verlassen liegenden, womöglich glatten Straßen durch den dunklen Wald, nach Hause.

 

Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik. Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als Kind beobachtete er zufällig eine Mondfinsternis, dieses Erlebnis weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.

Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Er war bei fünf Reisen zum Nordkap auf einem Expeditionsschiff Kreuzfahrt-Lektor für Astronomie und Polarlicht. Auf fünf Kontinenten hat er bislang acht Totale Sonnenfinsternisse erlebt.