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Ausdruck vom: Dienstag, der 18.06.2024

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Im Überblick - Der Sternenhimmel im Juni

Die Sonne geht am 1. Juni gegen 21:30 unter. Am 2. Juni geht die Sonne um 5:35 bereits wieder auf. Da die Sonne während der Juninacht in Mitteleuropa nicht mehr weit genug unter den Horizont sinkt, wird es im Juni hier nicht mehr astronomisch dunkel. In mondlos sternklaren Nächten kann man mit Fernrohren noch Doppelsterne, Kugelsternhaufen, Offene Sternhaufen und einige helle Galaxien beobachten. Die hellen Nächte kann man auch gut nutzen, um sich mit der Lage der Sternbilder des Frühsommerhimmels vertraut zu machen, und mit Ferngläsern ihre reichen Sternfelder zu erleben.

Die besten Beobachtungsbedingungen findet man an abgelegenen Standorten, die eine freie Rundumsicht, einen tragfähigen und ebenen Untergrund und einen Nachthimmel mit wenig Lichtverschmutzung bieten. Falls man dort längere Zeit bleiben will, sollte man Campingstühle und einen kleinen Klapptisch aufstellen. Auf ihm kann man Zubehör in der Dunkelheit griffbereit ablegen.

Der Beobachtungsplatz sollte mit dem Auto erreichbar sein. Dadurch kann man seine Ausrüstung problemlos hinbringen, und kann sie z. B. bei Wetterverschlechterung rasch abbauen und im Auto sicher verstauen. Hat man die Handgriffe beim Aufbauen und beim Abbauen vorher geübt, wird danach am dunklen Beobachtungsplatz jeder Handgriff sitzen, sodass beim Aufbau der Geräte, während ihrer Benutzung und beim Abbau weniger schief gehen wird...

Hat man den Aufbau kurz nach Sonnenuntergang erledigt, darf man erleben, wie sich ganz allmählich der Abenddämmerungshimmel einstellt, wie zunächst die helleren Sterne, und nach und nach dann auch die weniger hellen Sterne wahrnehmbar werden. Man kann diese Zeit nutzen, um mit Hilfe einer drehbaren Sternkarte die helleren Sterne zu identifizieren, die man am Himmel sieht. Man kann an ihr ablesen, wann Himmelsobjekte aufgehen, wann sie den Meridian passieren, und wann sie wieder untergehen werden. Drehbare Sternkarten sind praktisch, um sich am Himmel zurechtzufinden, da sich ihre Himmelsdarstellung an dem orientiert, was mit bloßem Auge am Abendhimmel sichtbar ist.

Wenn man sich am Nachthimmel bereits gut auskennt, kann man Astro-Apps auf Smartphones oder Tablets nutzen. Sie bieten detailliertere Himmelsdarstellungen, die bei Dunkelheit gut sichtbar sind, und verfügen über Datenbanken, die zu jedem dargestellten Objekte eine Fülle von Informationen bieten können.

Das Juniwetter ist in Mitteleuropa unkalkulierbar, und der Klimawandel steigert die Dynamik des Wettergeschehens noch. Man kann sich mittels Wetter-Apps jedoch über die aktuelle Wettersituation am vorgesehenen Beobachtungsplatz gut informieren, wodurch man Phasen mit guten Beobachtungsbedingungen nutzen kann, sobald sie auftreten. Dafür muss man seine Geräte griffbereit halten.

Im Juni sind die Tage besonders lang. Falls den ganzen Tag die Sonne scheint, kann sie den Boden dabei besonders lange aufheizen. Nach Sonnenuntergang dauert es besonders lange, bis der Boden seine Wärme wieder an die Atmosphäre abgegeben hat. Während der ersten Nachthälfte steigt turbulente Warmluft vom Boden auf, wodurch dadurch eine Luftunruhe entsteht, welche die Sterne funkeln lässt. bei klarem Sternenhimmel kann der Erdboden während der zweiten Nachthälfte so weit auskühlen, dass sich über Wiesen und in Tälern Bodennebel bildet und sich überall als Tau niederschlägt. Hoch gelegene Beobachtungsplätze bieten etwas Schutz vor Bodennebel, und Objektivheizungen verhindern die Taubildung auf den Objektiven. In feuchtkalter Luft taut der kleine Sekundärspiegel von Newton-Teleskopen oft sehr schnell zu, da schafft eine kleine Fangspiegelheizung schnell und sicher Abhilfe. Wenn schließlich bei klaren Himmel die Morgendämmerung einsetzt, erreicht die Bodentemperatur ihren Tiefpunkt, dann kann sich sogar Raureif bilden: Auch wenn der Tag warm war, können Juninächten danach noch ziemlich kalt werden.

Im Juni können nach Mitternacht über dem Nordhorizont Leuchtende Nachtwolken erscheinen. Sie können über Mitteleuropa am Frühsommerhimmel in ca. 80 km Höhe auftreten, wo sie in dieser Höhe am Nordhimmel noch von der Sonne beleuchtet werden, während am Standort des Beobachters bereits nautische Dämmerung herrscht.

Am 20. Juni um 22:51 MESZ ist die Sommersonnenwende, die Sonne befindet sich dann im Sternbild Stier. Am 6. Juni ist Neumond. Am 22. Juni ist Vollmond.

Im Juni sind am Abendhimmel keine Planeten beobachtbar. Am Morgendämmerungshimmel kann man im Sternbild Fische den 1,0m hellen Mars wahrnehmen, und im Sternbild Wassermann den 1,1m hellen Saturn. Am Monatsende kann man eine Stunde vor Sonnenaufgang den -2m hellen Jupiter mit einem Fernglas im Sternbild Stier erahnen.

In der Juninacht in einem Liegestuhl kann man mit einem lichtstarken Fernglas in Ruhe sehr schöne Himmelsbeobachtungen machen.

Der Komet 13P/Olbers wandert in Juni aus dem Sternbild Fuhrmann tief in das Sternbild Luchs, auf das Sternbild Großer Bär zu. Der Komet ist am Monatsanfang ca. 9,5 mag hell und kann ab 22:30 mit lichtstarken Ferngläsern und Kometensuchern wahrgenommen werden. Am 30. Juni durchläuft er den Perihel seiner Bahn, dann könnte er bis zu 7 mag hell werden.
13P/Olbers hat eine Umlaufzeit von 69,25 Jahren, er wurde 1815 entdeckt.

Das Sternbild Bärenhüter steht nun fast im Zenit. Sein hellster Stern Arktur überquert nun den Meridian. Hoch im Osten sieht man den hellen Stern Wega im kleinen Sternbild Leier, und im Nordosten ist das Sternbild Schwan nun schon vollständig aufgegangen. Unterhalb des Schwans sieht man einen hellen Stern. Das ist Altair, den Hauptstern des Sternbilds Adler. Blickt man von Wega ausgehend geradlinig hinüber zu Arktur, wandert der Blick hierbei quer durch die beiden Sternbilder Herkules und Nördliche Krone.
Oberhalb des Sternbilds Leier liegt ein Dreieck aus drei Sternen. Sie bilden den Kopf des Sternbilds Drache. Von diesen Kopfsternen ausgehend zieht sich dieses große Sternbild als eine Sternenkette in einem großen Bogen zwischen dem Zenit und dem Polarstern um das Sternbild Kleiner Bär. Westlich des Sternbilds Bärenhüters liegen die Sterne des Sternbilds Großer Bär, dessen langer Schwanz (die „Deichsel des Großen Wagens“) in einem flachen Bogen auf den hellen Stern Arktur zielt.

Sternbild Löwe
Das Sternbild Löwe ist eines der 48 Sternbilder der klassischen Antike. Es galt bereits um 2000 v. Chr. als bedeutsam, weil die Sonne damals bei der Sommersonnenwende in diesem Sternbild stand. Heutzutage befindet sich die Sonne am Tag der Sommersonnenwende nicht mehr im Sternbild Löwe, sondern im Sternbild Stier, weil die Ausrichtung der Erdachse im Weltraum sich durch die Präzessionsbewegung der Erde verschiebt.

Im westlichen Teil des Sternbilds Löwe sind sieben relativ helle Sterne in einer Anordnung, die einer Handsichel ähnelt. Das Sternbild lässt sich dadurch auch am aufgehellten Juninachthimmel schnell auffinden. Am unteren Ende des Sichelstiels liegt der 1,3m helle Stern Regulus (Alpha Leonis): Er ist der hellste Stern des Sternbilds Löwe. Ca. 4,6° nördlich von Regulus liegt der 3,5m helle Stern Eta Leonis, am Übergang zum Sichelblatt. Das Sichelblatt verläuft von Eta aus ca. 4° nordöstlich zum 2,9m hellen Stern Algieba (Gamma Leonis). Ca. 3,6° nördlich von Algieba geht es weiter zum 3,4m hellen Zeta Leonis, von Zeta aus dann ca. 6° nordwestlich weiter zum 3,9m hellen My Leonis. Ca. 2,7° südwestlich von My Leonis liegt der 3m helle Stern Epsilon Leonis. Er markiert die Spitze der Sichel.
Im Sternbild Löwe repräsentieren die Sterne der „Sichel“ die Brust, die Mähne und den Kopf des Löwen. Im alten China bildeten diese sieben Sterne das Sternbild „Gelber Drache“.
Die drei hellen Sterne Coxa, Denebola und Zosma markieren miteinander den Rumpf des Löwen. Coxa ist 3,3m hell, er liegt ca. 16° östlich von Regulus. Denebola (Beta Leonis) ist 2,2m hell, er liegt ca. 24° östlich von Regulus. Der 2,6m helle Zosma liegt ca. 12° östlich von Algieba.
Ca. 7° westlich von Regulus liegt der 3,5m helle Stern Subra, er markiert eine Vorderpranke des Löwen. Südlich von Coxa liegen die beiden 4m hellen Sterne Sigma Leonis und Iota Leonis. Sie zeigen im Sternbild die Position der angezogenen Hinterbeine des Löwen an.

Der Name Regulus bedeutet „kleiner König“. In allen Kulturen der frühen Antike wurde dieser helle Stern „König“ bzw. „Königsstern“ genannt. In Akkad war Regulus um 2400 v. Chr. unter dem Namen „Amil-Gal-Lur“ bekannt. In der akkadischen Mythologie war das der Name eines Königs, der vor der Sintflut herrschte.

Regulus ist ein blauweißer Hauptreihenstern mit 150 Sonnenleuchtkräften, ca. 80 Lichtjahre von uns entfernt. Er ist ein Doppelstern. Da sein Partnerstern nur 8m hell ist und in 177 Bogensekunden Abstand von seinem Hauptstern liegt, fällt er den meisten Beobachtern nicht auf. Algieba (Gamma Leonis) ist ebenfalls ein Doppelstern. Seine Partnersterne sind 2,1m bzw. 3,4m hell. Sie sind gelborange und stehen in einem Abstand von ca. 4,5 Bogensekunden voneinander. Ihr Anblick dieses Sternenpaars im Fernrohr erinnert an das Scheinwerferpaar eines einige Kilometer entfernten Autos. Tatsächlich sind diese Partnersterne zwei Rote Riesensterne, die einander in jeweils ca. 630 Jahren auf sehr exzentrischen Bahnen umkreisen.

Mit kleinen Fernrohren kann man im Sternbild Löwe noch mehr Doppelsterne erfolgreich beobachten. Dazu gehören der 3,5m helle Stern Subra, der ca. 7° westlich von Regulus liegt, und der 4,3m helle Stern 54 Leonis (ca. 6° nordwestlich von Zosma).
Auch der 4,9m helle Stern Tau Leonis (ca. 13° südsüdöstlich von Coxa), der Stern 83 Leonis (knapp westlich von Tau Leonis) sowie der Stern 88 Leonis (ca. 4° westlich von Denebola) sind sehenswerte Doppelsterne.
Der 3,5m helle Stern Eta Leonis ist ein Weißer Überriesenstern mit ca.20.000 Sonnenleuchtkräften. Er liegt in 1300 Lichtjahren Entfernung. Da Eta Leonis unweit der Ekliptik liegt, wird er gelegentlich vom Mond verdeckt. Während einer Bedeckung von Eta Leonis durch den zunehmenden Mond wurde beobachtet, dass der Stern vom dunklen Mondrand nicht schlagartig verdeckt wurde, sondern dass diese Verdeckung in zwei Helligkeitssprüngen erfolgte. Dadurch erkannte man, dass Eta Leonis ein sehr enger Doppelstern ist. Dessen Partnersterne stehen jedoch so nahe beieinander, dass man sie bislang mit keinem Teleskop getrennt abbilden konnte.

Sternbild Jungfrau
Das Sternbild Jungfrau liegt zwischen den Sternbildern Löwe und Waage. Es ist ein großes Sternbild und enthält helle Sterne, ist aber trotzdem nicht auffällig. Man findet es am Himmel am einfachsten, indem man von der Deichsel des Großen Wagens eine Linie zum hellen Stern Arktur im Sternbild Bärenhüter zieht, und diese Linie über Arktur hinaus verlängert. Dann landet der Blick beim Stern Spica, dem hellsten Stern im Sternbild Jungfrau.
Die älteste Erwähnung des Sternbilds Jungfrau stammt aus Mesopotamien. Dort stand im Königreich Akkad um 2700 v. Chr. zum Beginn der Erntezeit die Sonne im Sternbild Waage. Daher gingen zu diesem Zeitpunkt die Sterne des Sternbilds Jungfrau vor der Sonne auf. Da der helle Stern Spica am Morgendämmerungshimmel sehr auffällig war, verwendeten die Akkader den Aufgang dieses Sterns als ein Startsignal für den Beginn der Erntezeit.
Die Akkader nannten das Sternbild Jungfrau damals „Mul-ab-sin“, was man als „Ackerfurche“ übersetzen kann. Den Stern Spica hieß in Akkad „Schala“, so hieß ihre jungfräuliche Göttin der Kornähre.
Griechen, die um 700 v. Chr. in Babylon Astronomie studierten, lernten dort das Sternbild „Mul-ab-sin“ kennen und machten es später in Griechenland bekannt. Die Römer änderten später den Namen des Sternbilds und nannten es „Virgo“ (Jungfrau), zur Erinnerung an Astraea, der mythischen Tochter des Zeus und der Nymphe Themis. Die Römer betrachteten Astraea als ein Symbol für Gerechtigkeit und Justiz, und diese Bedeutung hat Astraea bis heute behalten: Astraea ist jene junge Dame mit den verbundenen Augen aufrecht steht, in der einen Hand hält sie eine Waage (zum Abwägen der Schwere der Schuld), und in der anderen ein blankes Schwert.

Spica ist ein 1,0m heller blauweißer Riesenstern. Er ist 260 Lichtjahre von uns entfernt und hat ca. 13500 Sonnenleuchtkräfte. Er ist außerdem ein bedeckungsveränderlicher Stern, da er einen Partnerstern hat, mit sieben Sonnenmassen und nur 1700 Sonnenleuchtkräften. Beide Sterne verdecken einander regelmäßig alle vier Tage. Bei diesen Bedeckungen verringert sich die Gesamthelligkeit von Spica für kurze Zeit um ca. 2%.
Der 3,8m helle Stern Zavijava (Beta Virginis) liegt ca. 12,6° südlich von Denebola (Beta Leonis), dem Schwanzstern des Sternbilds Löwe. Zavijava ist 35 Lichtjahre von uns entfernt und hat sechs Sonnenleuchtkräfte. Der 2,7m helle Stern Porrima (Gamma Virginis) liegt 14,5° nordwestlich von Spica. Er ist ein Doppelstern, dessen beiden Partner einander in jeweils 169 Jahren umkreisen. Derzeit stehen sie 3,2 Bogensekunden voneinander entfernt. Der 2,8m helle Stern Vindemiatrix (Epsilon Virginis) liegt ca. 23° nördlich von Spica, er ist 102 Lichtjahre entfernt. In der römischen Antike nutzte man den der Aufgang von Vindemiatrix in der Morgendämmerung als Hinweis, dass man mit der Weinlese beginnen konnte.
Im Sternbild Jungfrau liegen viele Galaxien, die man bei sternklarem, mondlos dunklem Himmel mit einem Teleskop ab 20 cm Öffnung wahrnehmen kann. Da der Nachthimmel im Juni so hell ist, dass diese Galaxien sich vom hellen Himmelshintergrund kaum abheben, muss man höhere Vergrößerungen verwenden, weil sich die Galaxien dann besser wahrnehmen lassen. Sehr viele dieser Galaxien hat man bereits im 18. Jahrhundert mit den damals verfügbaren kleinen Metallspiegelfernrohren entdeckt. Mit den heutigen Fernrohre mit ihren deutlich besseren und größeren Objektiven hat man auch in der Juninacht gute Chancen, zumindest einige dieser Galaxien mit eigenen Augen zu sehen.
Die größte Konzentration heller Galaxien im Sternbild Jungfrau liegt innerhalb einer dreieckigen Zone, an deren Ecken die hellen Sternen Vindemiatrix, Zaniah (Eta Virginis) und Denebola (Beta Leonis) liegen.
An einem mondlos dunklen Sternenhimmel kann man im Juni die Galaxie M49 sogar mit einem Fernglas wahrnehmen. Sie liegt auf der Mitte der Linie von Vindemiatrix nach Zavijava. Sie ist eine 8,4m helle elliptische Riesengalaxie und liegt ca. 42 Millionen Lichtjahre entfernt.
Die meisten Galaxien im Sternbild Jungfrau liegen in ca. 60 Millionen Lichtjahren Entfernung.

Sternbild Waage
Das Sternbild Waage passiert im Juni um Mitternacht den Meridian. Von Mitteleuropa aus steigt es dabei leider nur ca. 20° über südlichen Horizont.
Das Sternbild enthält zwei markante helle Sterne. Der südlichere der beiden ist der 2,8m helle Zubenelgenubi (Alpha Librae). Bereits mit einem Fernglas zeigt sich Zubenelgenubi als ein Doppelstern. Seine Partnersterne haben einen deutlichen Farbunterschied.
Der 2,5m helle Stern Zubeneschemali (Beta Librae) liegt ca. 9° nordöstlich von Zubenelgenubi.
Ca. 4° westlich von Zubeneschemali liegt der 4,5m helle Stern Delta Librae. Delta Librae ist ein bedeckungsveränderlicher Stern. Seine Helligkeit sinkt alle 2,32735 Tage jeweils sechs Stunden lang auf 5,5m ab.
Ca. 11,5° südlich von Zubeneschemali liegt der 8,5m helle, sehr locker aufgebaute Kugelsternhaufen NGC 5897. Man braucht ein lichtstarkes Fernrohr mit möglichst großer Öffnung, um ihn wahrnehmen zu können.
Den 6,5m hellen Kugelsternhaufen M5 kann man schon mit kleinen Fernrohren wahrnehmen. Der liegt zwar im Sternbild Schlange, lässt sich aber sehr einfach vom Sternbild Waage aus auffinden, weil er sich ca. 11,5° oberhalb von Zubeneschemali befindet.

Sternbild Coma Berenices
Das Sternbild Coma Berenices liegt nördlich des Sternbilds Jungfrau zwischen den beiden Sternbildern Löwe und Bärenhüter. Das es nur schwache Sterne enthält, wird es oft übersehen. Man es jedoch sehr leicht finden: Wenn man am Himmel eine gerade Linie von Arktur zu Denebola zieht, liegt das Sternbild Coma Berenices nördlich dieser Linie.
Sein hellster Stern ist nur 4,3m hell und heißt Diadem (Alpha Comae), er ist 57 Lichtjahre entfernt. Der Stern Diadem liegt ganz unauffällig am Südrand des Sternbilds. Man findet ihn, weil er am Kreuzungspunkt der Linie von Arktur nach Denebola mit der Linie von Vindemiatrix nach Benetnash (dem letzten Deichselstern im Großen Wagen) liegt.

Ca. 10° nördlich von Diadem liegt der 4,4m helle Stern Beta Comae. Ca. 10° westlich von Beta finden wir den 4,4m hellen Stern Gamma Comae. Ist der Himmel mondlos und sternenklar, kann man südlich von Gamma mit bloßem Auge bei halbwegs dunklem Himmel einen diffusen Lichtschimmer wahrnehmen. Im Fernglas entpuppt sich dieser Lichtschimmer als ein ausgedehnter Offener Sternhaufen. Das ist der Coma-Sternhaufen (Melotte 111). Da er einen Winkeldurchmesser von über 4° hat, kann man ihn mit keinem Fernrohr als Ganzes sehen. Der Sternhaufen liegt 250 Lichtjahre von uns entfernt und enthält viele 6m und 7m helle Sterne. Mit einem Fernglas kann man ihn auch am hellen Juninachthimmel gut beobachten.
Ca. 1° nordöstlich von Diadem liegt der Kugelsternhaufen M53. Im Fernglas kann man ihn als matten, rundlichen Nebelfleck wahrnehmen, mit einem Fernrohr ab 10 cm Durchmesser kann man die Randbereiche des Kugelsternhaufens bei Vergrößerungen ab 100fach in einzelne Sterne aufgelöst sehen.
Wenn man am Juninachthimmel M53 im Fernrohr wahrnehmen kann, kann man den Versuch wagen, damit die Galaxie M64 zu finden. Hierzu schwenkt man zunächst von Diadem aus 6,5° in nordwestlicher Richtung zum 6m hellen Stern 35 Comae, von dort aus dann ca. 1° nach Ostnordost. Die Galaxie M64 liegt dort eingebettet in einem gleichseitigen Dreieck aus schwachen Sternen. Im Fernrohr ab 10 cm Durchmesser kann man sie als einen sehr matten ovalen Nebelfleck mit hellem Kern wahrnehmen.

Sternbild Bärenhüter (Bootes)
Verlängert man am Sternenhimmel den Bogen der Deichselsterne des Großen Wagens nach Süden, landet man bei einem hellen gelb-orange leuchtenden Stern. Das ist Arktur, der Hauptstern des Sternbilds Bärenhüter (Bootes). Arktur ist ein 0,0m heller Roter Riesenstern, 36 Lichtjahren von uns entfernt und ca. 8 Milliarden Jahre alt.
Die hellen Sterne des Sternbilds Bärenhüter zeigen am Himmel eine Anordnung, die an die Form einer spitzen Eiswaffel erinnert, deren Spitze zum Horizont zeigt. An dieser Spitze steht Arktur.
Im Sternbild Bärenhüter gibt es mehrere sehenswerte Doppelsterne. Der bekannteste von ihnen heißt Izar (Epsilon Bootis). Er ist 3,7m hell und liegt ca. 6° nordöstlich von Arktur. Izar erweist sich in Fernrohren ab 10 cm Öffnung bei hoher Vergrößerung als ein enger farbiger Doppelstern, dessen Partnersterne im Abstand von drei Bogensekunden voneinander stehen. Der eine ist 3,7m hell und orange, der andere ist 5,1m hell und bläulich. Da diese Sterne einen sehr schönen Farbkontrast bieten, gaben begeisterte Astronomen im 19. Jahrhundert diesem Stern den Beinamen “Pulcherrima“ (deutsch: “die Allerschönste“).
Ca. 8,5° östlich von Arktur liegt der 4,5m helle Doppelstern Xi Bootis. Seine Partnersterne liegen 6 Bogensekunden auseinander, sie sind gelblich und ungleich hell und umkreisen einander alle 156 Jahre.
Xi Bootis liegt in nur 22 Lichtjahren Entfernung.

Sternbild Jagdhunde
Das Sternbild Jagdhunde liegt unter dem Bogen der Deichselsterne des Großen Wagens. Sein hellster Stern Cor Caroli (Alpha) ist 2,9m hell und 110 Lichtjahre von uns entfernt. Cor Caroli ist ein sehenswerter Doppelstern.
Der zweithellste Stern des Sternbilds heißt Asterion (Beta), er ist 4,4m hell und nur 27 Lichtjahre entfernt. Asterion liegt ca. 5° nordwestlich von Cor Caroli.
Zieht man eine Linie von Cor Caroli zu Arktur im Sternbild Bärenhüter, kann man bei sternklaren Himmel im Fernglas knapp östlich der Mitte dieser Verbindungslinie einen runden, nebeligen Fleck wahrnehmen. Das ist der Kugelsternhaufen M3. In Fernrohren ab 12 cm Öffnung kann man bei 100-facher Vergrößerung die Randbereiche dieses Sternenhaufens in Einzelsterne aufgelöst wahrnehmen.
Im Sternbild Jagdhunde liegen zwei Galaxien, die so hell sind, dass man sie in kleinen Fernrohren sogar am hellen Junisternenhimmel wahrnehmen kann.
Zieht man z. B. vom linken unteren Kastenstern des Großen Wagens (Phecda) eine Linie zu Asterion, kann man mit einem lichtstarken Fernglas auf der Mitte dieser Linie einen länglichen, nebeligen Fleck wahrnehmen. Das ist die 8,3m helle Spiralgalaxie M106. Sie wurde 1782 von Pierre Mechain entdeckt und liegt ca. 24 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.
Die 8,2m helle rundliche Spiralgalaxie M94 findet man im kleinen Fernrohr sehr einfach: sie liegt ca. 2° nördlich von der Mitte der Verbindungslinie von Cor Caroli zu Asterion.
Die 8,4m helle Galaxie M51 ist die mit Abstand berühmteste Galaxie im Sternbild Jagdhunde. Man findet sie, indem man eine Linie vom Stern am Ende der Deichsel des Großen Wagens (Benetnash) zu Cor Caroli zieht, und diese Linie in vier Teile teilt. Von Benetnash ausgehend liegt M51 dann beim 1. Viertel der Linie.
Mit kleineren Fernrohren betrachtet, sieht M51 wie ein matter Nebel mit zwei etwas helleren Kernen aus. Einer davon liegt eher im Zentrum des Nebels, der andere mehr seinem Rand. Falls der Nachthimmel mondlos und sternenklar ist, kann man die Spiralstruktur dieser Galaxie ist im Juni in lichtstarken Fernrohren ab 30 cm Öffnung wahrnehmen.

Sternbild Herkules
Das Sternbild Herkules ist groß und enthält viele relativ helle Sterne, es lässt sich jedoch trotz seiner vielen relativ hellen Sterne nicht leicht wahrnehmen, weil es sich von den umgebenden Sternbildern kaum abhebt.
Das Sternbild Herkules liegt zwischen den beiden Sternbildern Leier und Bärenhüter. Man findet es, indem man eine Linie von Arktur nach Wega zieht und diese in Drittel teilt. Wenn man dieser Linie von Wega ausgehend folgt, findet man das Sternbild Herkules am 1. Drittel der Linie.
Der Hauptstern des Sternbilds Herkules heißt Ras Algethi (Alpha Herculis), er liegt im Südteil des Sternbilds Herkules, nahe beim hellen Stern Ras Alhague, dem hellsten Stern des Sternbilds Schlangenträger. Ras Algethi ist ein 3,6m heller Roter Überriesenstern mit über 400 Sonnendurchmessern. Betrachtet man ihn bei hoher Vergrößerung mit einem Fernrohr großer Öffnung, zeigt sich Ras Algethi als enger Doppelstern, dessen Partnersterne einen sehr schönen Farbkontrast bieten: der hellere Partnerstern ist orange, der schwächere Partnerstern ist blaugrün.
Zieht man eine Linie von Eta Herkulis nach Zeta Herkulis und folgt ihr mit einem lichtstarken Fernglas, nimmt man am ersten Drittel dieser Linie ein rundliches mattes Nebelbällchen wahr. Im Fernrohr ab 10 cm Öffnung erweist sich das Nebelbällchen bei 80facher Vergrößerung als eine kugelige Ansammlung zahlloser winziger Sternpünktchen. Das ist der berühmte Kugelsternhaufen M13.
M13 wurde er im Jahre 1713 von Edmond Halley entdeckt. In Fernrohren großer Öffnung bietet M13 bei hoher Vergrößerung einen sehr ästhetischen Anblick. Dieser Kugelsternhaufen liegt ca. 23000 Lichtjahre von uns entfernt.
Schwenkt man mit dem Fernrohr von Pi Herkulis ca. 6,3° nach Norden, stößt man auf den Kugelsternhaufen M92. Dieser Sternenhaufen ist ähnlich hell wie M13. Da die Sterne im Zentrum von M92 gedrängter beieinander stehen, erscheint M92 etwas kleiner.
Ca. 7° südlich von Theta Herculis liegt der 4,8m helle Doppelstern 95 Herkulis. Seine Partnersterne stehen in einem Abstand von 6 Bogensekunden voneinander, sodass man sie bereits mit kleinen Fernrohren bequem getrennt wahrnehmen kann. Der eine Partnerstern leuchtet goldgelb, der andere ist weiß.

Das Sternbild Bärenhüter hat nun den Meridian überschritten. Über dem Südhorizont sind bereits die hellen Sterne des Skorpions mit dem rötlichen Stern Antares zu sehen. Über dem Osthorizont sieht man einen hellen Stern, das ist Enif, der hellste Stern im Sternbild Pegasus. Das Sternbild Herkules nähert sich hoch am Himmel dem Meridian.

Sternbilder Schlangenträger und Schlange
Die Sternbilder Schlangenträger und Schlange liegen in der Region unterhalb des Sternbilds Herkules und oberhalb des Sternbilds Skorpion.
Der hellste Stern im Sternbild Schlangenträger ist der 2,1m helle Ras Alhague (Alpha Ophiuchi). Er liegt im Norden des Sternbilds und stellt im Sternbild den Kopf des Schlangenträgers dar. Die beiden hellen Sterne Cheleb (Beta Ophiuchi) und Kappa Ophiuchi bilden miteinander die Schultern des Schlangenträgers. Die Sterne Sabik (Eta Ophiuchi) links und Yed Prior (Delta Ophiuchi) rechts repräsentieren die kräftigen Hände des Schlangenträgers, mit denen er die Schlange trägt.
In Westen des Schlangenträgers erstreckt sich der nach Norden aufgerichtete Hals der Schlange, markiert durch die Sterne Unuk (Alpha Serpentis), My Serpentis und Delta Serpentis. Die drei Sterne Beta Serpentis, Gamma Serpentis und Kappa Serpentis bilden gemeinsam den kleinen Kopf der Schlange.
Ca. 7,6° südwestlich von Unuk kann man im Fernglas den hellen Kugelsternhaufen M5 auffinden. Auch in einem kleinen Fernrohr kann man M5 bereits bei mittlerer Vergrößerung bis in sein Zentrum in einzelne Sterne aufgelöst sehen. M5 kann man einfach auffinden, indem sein Fernrohr von Zubenelgenubi ausgehend ca. 11° nach Norden schwenkt.
Östlich des Schlangenträgers liegt eine nach Norden ausgerichtete Sternenkette, die den Schwanz der Schlange darstellt. Sie besteht aus den Sternen My Serpentis, Xi Serpentis, Eta Serpentis und dem 4,6m hellen Stern Alya (Theta Serpentis), welcher die Schwanzspitze bildet. Alya ist ein hübscher Doppelstern, den man auch in kleinen Fernrohren gut beobachten kann. Seine beiden Partnersterne sind gleich hell und rein weiß. Alya liegt ca. 18° östlich von Cheleb.
Im Sternbild Schlangenträger liegen auch die Kugelsternhaufen M10, M12 und M14. Am mondlosen Sternenhimmel kann man sie manchmal bereits mit einem Fernglas 10x50 wahrnehmen.
M12 liegt 8,3° nordöstlich von Yed Prior, man kann M12 bereits in kleinen Fernrohren in einzelne Sterne aufgelöst sehen. M10 finden wir 10° östlich von Yed Prior. M14 liegt ca. 8° südlich von Cheleb.

Sternbild Skorpion
Das Sternbild Skorpion liegt südlich des Sternbilds Schlangenträger. Die beiden Sternbilder ziehen gemeinsam durch den Meridian.
Im Sternbild Skorpion liegen viele helle Sterne. Der 0,9m helle Antares (Alpha Scorpii) ist der hellste dieser Sterne. Antares liegt ca. 520 Lichtjahre entfernt, er ist ein Roter Überriesenstern von ca. 15 Sonnenmassen und 9000 Sonnenleuchtkräften, und er hat einen Durchmesser von über einer Milliarde Kilometern. Darüber hinaus ist Antares ein Doppelstern, sein Partnerstern steht in nur drei Bogensekunden Abstand, ist 6,5m hell und erscheint grünlich.
Ca. 8,5° nordwestlich von Antares liegt der 2,5m helle Stern Graffias (Beta Scorpii). Auch Graffias ist ein Doppelstern, der bereits mit kleinen Fernrohren aufgelöst wird. Graffias liegt 600 Lichtjahre von uns entfernt und hat 2700 Sonnenleuchtkräfte.
Ca. 3° südlich von Graffias liegt der 2,3m helle Stern Dschubba (Delta Scorpii). Dschubba ist ein blauweißer Hauptreihenstern mit 3300 Sonnenleuchtkräften, ca. 540 Lichtjahre von uns entfernt.
Ca. 3,5° südlich von Dschubba liegt der 2,9m helle Pi Scorpii, ein blauweißer Stern in 450 Lichtjahren Entfernung, mit 1700 Sonnenleuchtkräften.
Zwischen Antares und Pi liegt der 2,9m helle Stern Alniyat (Sigma Scorpii). Alniyat ist ein blauweißer Stern, ca. 800 Lichtjahre entfernt, mit über 4000 Sonnenleuchtkräften. Schon ein kleines Fernrohr zeigt Alniyat als Doppelstern. Sein Partnerstern ist nur 9m hell und liegt in 20 Bogensekunden Abstand.
Ca. 1,2° westlich von Antares liegt der kleine Kugelsternhaufen M4. Dieser Kugelsternhaufen ist nicht sonderlich hell, er enthält auch weniger Sterne als sehr viele andere Kugelsternhaufen. Dafür kann man M4 jedoch mit jedem kleinen Fernrohr bis in sein Zentrum in viele Sterne aufgelöst sehen, da M4 nur 7000 Lichtjahre von uns entfernt ist: Er ist der uns am nächsten stehende Kugelsternhaufen.
Ca. 14,5° südöstlich von Antares liegt der Offene Sternhaufen M6. Dieser Sternhaufen ist eigentlich einer der hellsten Offenen Sternhaufen am Himmel. Da M6 bei seinem Meridiandurchgang von Mitteleuropa aus nur wenig über den Horizont steigt, leuchtet er hier schwächer als am tropischen Nachthimmel. Mit dem Fernglas sind die hellsten Sterne von M6 gut sichtbar. Bei mondlos sternklarem Himmel kann man mit einem lichtstarken Fernrohr in M6 über 100 Sterne wahrnehmen, deren Anordnung entfernt an die ausgebreiteten Flügel eines Schmetterlings erinnert. Daher nennt man M6 auch den „Schmetterlingshaufen“.

Sternbild Leier
Das Sternbild Leier ist eines der kleinsten Sternbilder. Da sein Hauptstern Wega einer der hellsten Sterne am Sommerhimmel ist, kann man das Sternbild Leier in der Nacht sehr leicht finden.
Wega ist ein Stern der Spektralklasse A0. Sie liegt 25 Lichtjahre von uns entfernt, sie strahlt mit 37 Sonnenleuchtkräften und ist ca. 500 Millionen Jahre alt. Wega ist einer der nächstgelegen Sterne, und zugleich einer der jüngsten Sterne in Sonnennähe.
Südlich von Wega liegt ein markanter kleiner Sternenrhombus, der den Korpus der Leier bildet. Dieser Rhombus besteht aus dem Doppelstern Zeta Lyrae, dem Doppelstern Delta Lyrae, dem Stern Gamma Lyrae und aus Sheliak (Beta Lyrae).
Im Fernrohr kurzer Brennweite erweist sich die Region um Delta Lyrae als ein junger Offener Sternhaufen, der in ca. 800 Lichtjahren Entfernung liegt. Zeta Lyrae ist ein Doppelstern, dessen Partnersterne 2 Bogensekunden Abstand voneinander haben.
Der Stern Sheliak ist ein bedeckungsveränderlicher Stern in 880 Lichtjahren Entfernung. Seine beiden Partnersterne sind ungleich hell und umkreisen einander einmal in 12,94 Tagen wobei sie sich regelmäßig gegenseitig bedecken. Der hellere Stern hat acht Sonnenmassen und ist ein weißblauer Riesenstern, der schwächere Partnerstern hat 12 Sonnenmassen. Pro Jahr strömen 27 Trilliarden Tonnen Masse vom helleren Stern zum lichtschwächeren Stern und bilden um diesen einen dicken Ring aus dunklem Material, welches das von dem massereicheren Stern ausgesandte Licht weitgehend absorbiert. Darum sehen wir den massereicheren Stern schwächer leuchten als seinen masseärmeren Partnerstern.
Zwischen Gamma Lyrae und Sheliak liegt der 9m helle Planetarische Nebel M57, der als „Ringnebel“ berühmt ist. Man kann ihn mit kleinen Fernrohren bei 60-facher Vergrößerung wahrnehmen, er sieht darin wie ein kleiner grauer Rauchring aus. M57 ist ca. 3000 Lichtjahre entfernt und hat einen Durchmesser von 2,5 Bogenminuten.
Ca. 1,6° nordöstlich von Wega liegt ein 4m heller Stern, der schon dem bloßen Auge länglich erscheint. Das ist Epsilon Lyrae. Mit einem Fernglas sieht man Epsilon als Doppelstern. Im Fernrohr bei 100-facher Vergrößerung zeigt sich jeder der Partnersterne Epsilons seinerseits wiederum doppelt. Epsilon Lyrae besteht somit aus vier Sternen, die einander paarweise in Jahrhunderten umkreisen.

Sternbild Schütze
Gegen 2:00 nähert sich das Sternbild Schütze über dem Südhorizont allmählich dem Meridian. Die hellsten Sterne des Sternbilds sind so angeordnet, dass sie miteinander an eine große bauchige Teekanne mit Deckel erinnern. In den USA wird das Sternbild Schütze daher auch als “Teapot“ bezeichnet.
Der Stern Nash (Gamma Sagittarii) bildet die Spitze der kurzen Ausgusstülle, Die Sterne Epsilon, Delta, Phi, Sigma und Zeta markieren miteinander den rundlichen Korpus der Kanne, und der Stern Lambda markiert den Knopf an der Spitze des flach kegelförmigen Kannendeckels.
Wenn man das Glück hat, dass der Nachthimmel während der Meridianpassage des Sternbilds Schütze bis hinab zum Südhorizont sternenklar und hinreichend dunkel ist, kann man manchmal mit bloßem Auge ca. 2,5° nordöstlich von Lambda einen matten Lichtschimmer wahrnehmen. Bei Betrachtung mit einem kleinen Fernrohr erweist sich dieser Lichtschimmer als ein heller Kugelsternhaufen. Man kann ihn bereits mit Fernrohren ab 6 cm Öffnung in einzelne Sterne aufgelöst sehen. Das ist M22, der hellste Kugelsternhaufen am Nachthimmel der Nordhalbkugel. Da M22 von Mitteleuropa aus horizontnah durch den Meridian geht, wird er hier seltener beobachtet als M13.

Sternbild Steinbock
Das Sternbild Steinbock liegt östlich des Sternbilds Schütze. Am westlichen Rand des Sternbilds Steinbock sieht man mit bloßem Auge einen auffälligen Doppelstern. Das ist der 3,9m helle Stern Algiedi (Alpha). Seine beiden Partnersterne (Alpha 1 und Alpha 2) sind jedoch kein physischer Doppelstern. Diese Sterne stehen von uns aus gesehen nur in derselben Richtung. Betrachtet man sie mit einem Fernrohr bei hoher Vergrößerung, erweist sich jeder dieser Sterne als ein echter Doppelstern. Deren Partnersterne sind jedoch leuchtschwach.
Ca. 2,5° südöstlich von Algiedi liegt der 3m helle Stern Dabih (Beta). Dabih ein physischer Doppelstern, seine Partnersterne stehen im Abstand von 210 Bogensekunden voneinander. Daher sieht man sie bereits mit einem Fernglas getrennt. Die Partnersterne unterscheiden sich durch ihre Farbe voneinander.

Die dunkelste Phase der hellen Juninacht endet in Mitteleuropa bereits gegen 2:00. Danach zeigen sich ab 3:00 im Osten die ersten Anzeichen der aufziehenden Morgendämmerung. Dann kann man mit bloßem Auge bald nur noch die hellen Sterne wahrnehmen, und dann kann man die Beobachtungsgeräte getrost abbauen und einpacken. Man sollte nun Handtücher zur Hand haben, damit man taunasse Geräte abtrocknen kann. Hat man das Equipment abgebaut und sicher verstaut, sollte man den Beobachtungsplatz mit einer Taschenlampe abzusuchen, damit man eventuell übersehene Kleinteile der Ausrüstung entdecken und einsammeln kann.
Wenn man dann mit dem Auto vom Beobachtungsplatz müde über einsame Straßen nach Hause fährt, muss man aufmerksam bleiben, denn auf der Straße könnte nun jederzeit unerwartet ein Reh, Fuchs oder Igel im Scheinwerferlicht auftauchen.
Bei umsichtiger Fahrweise wird man dann ohne große Verzögerungen heil daheim ankommen.

Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik. Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als Kind beobachtete er zufällig eine Mondfinsternis, dieses Erlebnis weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.

Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Er war bei fünf Reisen zum Nordkap auf einem Expeditionsschiff Kreuzfahrt-Lektor für Astronomie und Polarlicht. Auf fünf Kontinenten hat er bislang acht Totale Sonnenfinsternisse erlebt.