Sternbild Indianer - lat. Indus, Indi (Gen.), Kurzbezeichnung Ind.

Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Indianer grenzt im Norden an das Sternbild Mikroskop, im Osten an die Sternbilder Kranich und Tukan, im Süden an die Sternbilder Oktant und Pfau und im Westen an das Sternbild Fernrohr. In der Liste der heutigen 88 Sternbilder liegt das Sternbild Indianer mit seiner Fläche von 294 Quadratgrad auf der 49. Position. Von Mitteleuropa aus ist das Sternbild Indianer nicht sichtbar. Von Südeuropa aus kann man die nördlichen Sterne des Sternbilds niedrig über dem Südhorizont beobachten. Sie kulminieren im August.

 

Geschichte und Mythologie

Im Jahre 1595 brach eine Flotte holländischer Schiffe auf, um den Seeweg zu den sagenhaften Gewürzinseln zu finden und dort Handelsbeziehungen zu knüpfen. Pieter Dirkszoon Keyser war ein Navigator auf einem der Schiffe der Flotte. Keyser hatte von dem Kartenzeichner Peter Plancius den Auftrag erhalten, bei dieser ersten holländischen Forschungsexpedition die Positionen der hellen Sterne des Südhimmels zu vermessen und ihm eine Liste ihrer Sternkoordinaten zurück zu bringen. Während der langen Fahrt über den Indischen Ozean zu den Gewürzinseln vermaß Keyser die Himmelspositionen von 135 Sternen. Daraus erfand er gemeinsam mit Frederick de Houtman, dem Bruder des Flottenkommandanten, zwölf neue Sternbilder. Eines dieser Sternbilder nannte er Indus (Inder). Pieter Dirkszoon Keyser kam während der Reise ums Leben, doch Frederick de Houtman  gelangte mit den Aufzeichnungen Keysers im Gepäck nach Holland zurück. Nur 87 der ursprünglich 247 Expeditionsteilnehmer hatten die Reise überlebt.
1598 übernahm Peter Plancius das Sternbild Indus auf seinen neuen Himmelsglobus, der zwei Jahre später von Jodocus Hondius verlegt wurde. 1603 nahm Johann Beyer das Sternbild  unter dem Namen „Indus“ in seinen neuen Himmelsatlas Uranometria auf. Hier erscheint das Sternbild als ein kurz gelockter Jüngling mit Lendentuch, der vier Pfeile in den Händen trägt. In dieser Weise wird es auch in späteren Himmelsatlanten dargestellt.
Im Französischen heißt das Sternbild „le indien“, im Englischen „Indian“, im Deutschen „Indianer“. Aus Sicht der Holländer auf ihrer ersten Forschungsreise waren die Bewohner der Gewürzinseln allesamt „Inder“. Somit hat Pieter Dirkszoon Keyser hat bei der Benennung des Sternbilds die Bewohner Indiens gemeint, nicht die Ureinwohner des amerikanischen Kontinents.

 

Markante Sterne

Alpha Indi ist der hellste Stern des Sternbilds Indianer, er liegt in seinem nördlichen Teil. Alpha ist ein 3,1m heller Roter Unterriese, er hat ca. 62 Sonnenleuchtkräfte und liegt in 101 Lichtjahren Entfernung. Gemeinsam mit zwei 12m und 13m Roten Zwergen bildet Alpha ein Mehrfachsternsystem. Ca. 9° südöstlich von Alpha liegt der 3,7m helle Doppelstern Theta Indi, dessen beiden 5m und 7m hellen Komponenten schon im kleinen Teleskop getrennt zu sehen sind. Theta Indi ist 92 Lichtjahre entfernt. Ca. 7° südöstlich von Theta liegt Epsilon Indi. Epsilon ist ein Roter Zwerg. Er ist 11,82 Lichtjahre entfernt und der fünftnächste Nachbarstern unserer Sonne und hat nur 13% ihrer Leuchtkraft. Ca. 11,5° südlich von Alpha und ca. 9° westlich von Epsilon liegt der 3,6m helle Beta Indi. Beta ist ein Roter Riese in 600 Lichtjahren Entfernung.

 

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Da das Sternbild Indianer abseits des Milchstraßenbandes liegt, können hier weder Staubwolken noch Sternwolken der Milchstraße die Sicht in die Tiefen des Weltalls behindern. Hier kann man in Fernrohren großer Öffnung viele lichtschwache Galaxien beobachten. Hierzu zählen die Zwerggalaxie IC 5152, die als ein Mitglied unserer lokalen Gruppe angesehen wird, sowie die Spiralgalaxien NGC 7049, NGC 7083 und NGC 7090.

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt. 

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