Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Löwe ist ein markantes Sternbild des Frühlingshimmels. Es liegt auf der Ekliptik zwischen den Sternbildern Krebs, Hydra, Sextans, Krater, Rabe, Jungfrau, Coma Berenices, Kleiner Löwe und Luchs. Es fällt nicht schwer, in der Anordnung der hellen Sterne dieses Sternbilds das Abbild eines Löwen zu sehen, der mit erhobenem Haupt ruht und dabei gelassen nach Westen blickt. Mit seiner Fläche von 947 Quadratgrad liegt das Sternbild Löwe in der Liste der 88 Sternbilder an 12. Position. Es überquert jedes Jahr im März um die Mitternachtszeit den Meridian.

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild war schon in der Antike bekannt. Im klassischen Griechenland und in Rom sah man in ihm ein Abbild des Nemäischen Löwen, welchen Herkules der Sage nach als die Erste seiner zwölf „unlösbaren“ Aufgaben unschädlich machen sollte. Dieser Löwe war durch sein verzaubertes Fell unverwundbar. Er lebte in der Nähe der Stadt Nemea bei Korinth in einer Höhle und tyrannisierte von dort aus Mensch und Tier. Da keine Waffe sein verzaubertes Fell durchdringen konnte, war er unbesiegbar, er tötete oder fraß nach Belieben alles und jeden, der ihm in die Quere kam.
Herkules griff den Löwen zunächst mit Pfeilen an, doch die prallten vom Fell des Löwen ab. Als Herkules klar wurde, dass er dem Löwen mit keiner seiner Waffen beikommen konnte, begab er sich in die Höhle des Löwen und erwürgte ihn dort mit den bloßen Händen.  Anschließend schlitzte er das Fell mit einer Kralle des Löwen auf, zog dem toten Raubtier das Fell ab und benutzte es als eine abschreckende und unzerstörbare Rüstung. Auf Heras Bitte versetzte Zeus den Löwen als Sternbild an den Himmel.
Die Geschichte des Sternbilds Löwe reicht jedoch viel weiter zurück als bis zur griechischen Antike, denn es war schon im alten Ägypten, in Babylon und im Königreich Akkad als „Sternbild Löwe“ bekannt. Um 4000 v. Chr. hatte dieses Sternbild eine besondere astronomische Bedeutung, denn damals erfolgte im Sternbild Löwe die Sommersonnenwende. Heute finden wir die Sonne am Tag der Sommersonnenwende aufgrund der Präzessionsbewegung der Erdachse nicht mehr im Sternbild Löwe, sondern im Sternbild Stier.

Markante Sterne

Im westlichen Teil des Sternbilds Löwe bilden sieben relativ helle Sterne ein Muster, das an eine gestielte Sichel erinnert. Durch dieses Muster aus Sternen kann man die Position des Sternbilds Löwe sogar am aufgehellten Stadthimmel leicht erkennen. Das untere Ende des Stiels dieser Sichel liegt bei Regulus (Alpha Leonis), dem mit 1,3m hellsten Stern im Löwen. Der Übergang zum gekrümmten Blatt der Sichel befindet sich beim 3,5m hellen Stern Eta Leonis, der ca. 4,6° nördlich von Regulus liegt. Das Blatt der Sichel setzt sich von Eta aus ca. 4° nordöstlich zum 3,6m hellen Stern Algieba (Gamma) fort. Ca. 3,6° nördlich von Algieba geht es weiter zum 3,4m hellen Zeta Leonis, von Zeta weiter ca. 6° nordwestlich zum 3,9m hellen My Leonis. 2,7° südwestlich von My liegt der 3m helle Stern Epsilon Leonis, hier liegt die Spitze der Sichel. Die „Sichel des Löwen“ stellt in dem Sternbild die Brust, die Mähne und den Kopf des Löwen dar. Im alten China trugen diese sieben Sterne den Namen „Gelber Drachen“.Die drei Sterne Coxa (3,3m hell, ca. 16° östlich von Regulus), Denebola (Beta Leonis, 2,2m hell, ca. 24° östlich von Regulus), sowie der 2,6m helle Zosma (ca. 12° östlich von Algieba) bilden den Körper des Löwen. Ca. 7° westlich von Regulus liegt der 3,5m helle Subra, er markiert die Vorderpranken des Löwen. Die beiden 4m hellen Sterne Sigma Leonis und Iota liegen südlich von Coxa und zeigen im Sternbild die Position der angezogenen Hinterbeine des Löwen an. Der Name Regulus ist lateinisch und bedeutet „kleiner König“. In allen Kulturen der frühen Antike wurde dieser helle Stern „König“ oder „Königsstern“ genannt. In Akkad kannte man Regulus unter dem Namen „AMIL-GAL-LUR“: so hieß in der akkadischen Mythologie ein König, der das Reich vor der Sintflut regierte. Regulus ist ein unauffälliger Doppelstern, sein 8m heller Partner steht in 177 Bogensekunden Abstand. Im Fernrohr mit großer Öffnung erweist sich der Partner von Regulus bei hoher Vergrößerung seinerseits ebenfalls als enger Doppelstern.
Obwohl Eta Leonis einer der hellsten Sterne im Löwen ist, ist für Eta kein antiker Eigenname überliefert. Eta ist ein Überriese mit über 16000 Sonnenleuchtkräften, der 2100 Lichtjahre von uns entfernt ist. Da Eta Leonis nahe der Ekliptik steht, wird er ab und zu vom Mond bedeckt. Dabei wurde bei einer Bedeckung durch den zunehmenden Mond beobachtet, dass Eta nicht schlagartig, sondern in zwei Schritten abgedeckt wurde und daher ein sehr enger Doppelstern ist. Die beiden Partner können jedoch in keinem Teleskop getrennt gesehen werden.

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Ein beeindruckender Doppelstern ist Algieba, dessen 2,1m und 3,4m helle orangegelbe Partnersterne in einem Abstand von ca. 4,5 Bogensekunden zueinander stehen, die beiden Sterne umkreisen einander in sehr exzentrischen Bahnen einmal in ca. 630 Jahren. Weitere für die Beobachtung mit kleinen Fernrohren geeignete Doppelsterne sind Subra sowie der 4,3m helle 54 Leonis (6° nordwestlich von Zosma), der 4,9m helle Tau Leonis (ca. 13° südsüdöstlich von Coxa), 83 Leonis (knapp westlich von Tau)und 88 Leonis (ca. 4° westlich von Denebola).

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Da das Sternbild Löwe abseits der Milchstraße liegt, gibt es darin weder Offenen Sternhaufen noch galaktische Dunkelwolken. Stattdessen kann man hier in dunklen, sternklaren Nächten in Fernrohren Galaxien beobachten, von denen viele bereits im 18. Jahrhundert von Astronomen mit kleinen Fernrohren entdeckt wurden. Um sie gut sehen zu können, sollte man sie mit einem Fernrohr mit möglichst großer Öffnung beobachten.Ca. 1,5° südlich der Mitte der Verbindungslinie von Regulus (Alpha Leonis) und Coxa (Theta Leonis) findet man in Fernrohren ab acht Zoll Öffnung die hübsche Galaxiengruppe M95, M96 und M105. In der Mitte zwischen Iota Leonis und Coxa findet man die sehenswerte Galaxiengruppe M65, M66 und NGC 3628. Zwischen den Sternen Coxa und Zosma (Delta Leonis) liegt die 10m helle Galaxie NGC 3607.Folgt man von Algieba aus der gebogenen Sternenkette von Zeta über My nach Epsilon Leonis, findet man 3,3° westlich von Epsilon den 4,3m hellen Stern Lambda Leonis. Ca. 1,5° südlich von Lambda liegt die 8,9m helle Galaxie NGC 2903, sie ist die größte Galaxie des Sternbilds.Ganz im Süden des Sternbilds liegt auf der Verlängerung der Linie von Iota Leonis nach Sigma Leonis der 4,5m helle Stern Phi Leonis. Ca. 4,5° nordwestlich von Phi kann man auf dem Himmelsäquator im Fernrohr die 9,0m helle Spiralgalaxie NGC 3521 beobachten.Im Sternbild Löwe liegt der Ausgangspunkt des Sternschnuppenstroms der Leoniden, der auf den Kometen Tempel-Tuttle zurückgeht, der die Sonne alle 33 Jahre einmal umkreist. Die Erde schneidet die Bahn des Kometen regelmäßig im November, daher kollidiert die Erde jedes Jahr während des Novembers mit Staubpartikeln, die der Komet bei seinen zahllosen Umläufen um die Sonne freigesetzt hat. In manchen Jahren konnten während des Leoniden-Maximums im Laufe der Nacht Tausende heller Sternschuppen beobachtet werden.

 

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.