Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Wassermann wird im Norden von den Sternbildern Fische, Pegasus, Füllen und Delfin begrenzt. Im Westen grenzt es an das Sternbild Adler, im Süden liegen die Sternbilder Steinbock, Südlicher Fisch und Bildhauer, im Osten grenzt es an das Sternbild Walfisch. Die Ost-West-Ausdehnung des Sternbilds beträgt 48 Grad und seine Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 27 Grad. Mit seiner Fläche von 980 Quadratgrad nimmt das Sternbild Wassermann unter den 88 modernen Sternbildern somit den neunten Rang ein. Es kulminiert im September.

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Wassermann ist eines der zwölf klassischen Tierkreissternbilder. Daher war es schon immer ein bedeutsames Sternbild. Mit der Figur des Wassermanns aus deutschen Märchen (grünhäutig, griesgrämig, ständig pitschnass und nach altem Fisch duftend) hat das Sternbild Wassermann nichts gemein.
Einer antiken Erzählung zufolge soll es an den schönsten Menschen erinnern, der der griechischen Mythologie zufolge je auf Erden gelebt haben soll: den Knaben Ganymed, einem Sohn des ersten Königs von Troja. Der schöne Ganymed hütete brav die Ziegen seines Vaters, als Zeus vorbeikam, ihn erblickte und ihn schnurstracks in den Olymp entführte. Dort wurde Ganymed die Unsterblichkeit verliehen, er musste Mundschenk der Götter werden und hatte auf ewig die Aufgabe, den Göttern auf Zuruf Nektar einzuschenken. Ganymed sah kein Mitglied seiner Familie jemals wieder. Auf alten Sternkarten wird der Wassermann traditionell als gelockter Knabe dargestellt, der aus einem Kelch eine Flüssigkeit in das klaffende Maul des Südlichen Fisches gießt. Wozu diese Flüssigkeit in das Maul eines Fisches (den Stern Fomalhaut im Sternbild Südlicher Fisch) geschüttet wird, bleibt rätselhaft.
Einer anderen antiken Erzählung zufolge stellt das Sternbild Wassermann den Deukalion dar. Deukalion war ein Sohn des Prometheus. Sein kluger Vater warnte ihn vor einer großen Flut und riet ihm, ein großes Schiff zu bauen. Deukalion baute das Schiff, und so überlebten er und seine alte Frau Pyrrha als Einzige die Sintflut, die Zeus über die Welt kommen ließ, um die verdorbene Menschheit endgültig auszurotten.
Da saßen die beiden Alten alleine auf der leeren Welt. Sie fragten das Orakel der Göttin Themis, was denn nun aus ihnen werden sollte, denn Pyrrha war viel zu alt, um noch Kinder bekommen zu können. Das Orakel riet dem Deukalion, er solle die Knochen seiner Mutter über seine Schulter hinter sich werfen. Deukalion war über diesen frevelhaften Rat entsetzt. Doch Pyrrha kam auf den Gedanken, dass im Orakelspruch mit „Mutter“ die Erde und mit „Knochen“ die Felssteine vor ihren Füßen gemeint sein könnten. So warfen sie die Steine vor sich über ihre Schulter hinter sich, und die Steine, welche Deukalion warf, verwandelten sich in junge Männer. Die Steine, welche Pyrrha hinter sich warf, verwandelten sich in junge Frauen. So wurden die beiden zu den Stammeltern der Menschheit. Deukalion wurde als Sternbild Wassermann ab den Himmel versetzt.
Die Geschichte von Deukalion und der Sintflut ähnelt der Geschichte von Noah aus der Bibel, oder der Geschichte von Utnapisti aus dem 4600 Jahre alten sumerischen Gilgamesch-Epos. Das Sternbild Wassermann ist sehr viel älter als die mythologischen Geschichten der griechischen Antike zu dem Sternbild.

Markante Sterne

Schaut man auf das Areal des Sternbilds Wassermann, sieht man darin viele Sterne mittlerer Helligkeit. Die Figur eines Knaben ist in der Anordnung dieser Sterne am Himmel nicht erkennbar. Daher fällt es dem Beobachter schwer, sich im Sternbild Wassermann zurechtzufinden. Dem „Knaben“ fehlt im Sternbild der Kopf, seine Beine erscheinen darin viel zu kurz, die Arme jedoch sind übermäßig lang. Der 2,9 m helle Sadamelik (Alpha) liegt ca. elf Grad südsüdöstlich des hellen Sterns Enif (Epsilon Pegasi). Sadamelik stellt im Sternbild die linke Schulter dar. Der 3m helle Sadalsuud (Beta) repräsentiert den linken Ellenbogen. Der 3,8 m helle Albali (Epsilon) steht für das linke Handgelenk. Der 3,8 m helle Sadachbia (Gamma) repräsentiert das Brustbein und der 4m helle Eta und der 3,6 m helle Zeta markieren die rechte Schulter. Der 3,7 m helle Lambda markiert die Position des rechten Ellenbogens, der 4,2 m helle Phi die des rechten Handgelenks.Ancha (Theta) markiert die Position der Hüfte, Sigma die des rechten Oberschenkels, Skat (Delta) den rechten Fuß. Chi, Psi1, Psi2 und Psi3 stellen den Kelch dar, aus dem sich die Flüssigkeit ergießt, die im weiten Bogen über den Stern Omega Aquarii und die Sterne 98, 88 und 86 Aquarii hinab zum 1,2 m hellen Fomalhaut im Sternbild Südlicher Fisch strömt.

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Im Sternbild Wassermann gibt es einige sehr sehenswerte Deep-Sky-Objekte. Der 6,5m helle Kugelsternhaufen M2 liegt ca. 4,6 Grad nördlich von Sadamelik. Er ist schon im kleinen Fernrohr zu sehen und enthält über 100000 Sterne. M2 liegt in 50000 Lichtjahren Entfernung von uns.
Ca.1,3 Grad westlich des 4,5 m hellen Sterns Ny Aquarii findet man den als „Saturnnebel“ bekannten 8,0m hellen Planetarischen Nebel NGC 7009. Er erscheint im kleinen Fernrohr als ein helles bläuliches Sternchen. Um die Strukturen des Nebels wahrnehmen zu können, braucht man ein Fernrohr mit möglichst viel Öffnung und muss bei der Beobachtung hoch vergrößern.
Der kleine Kugelsternhaufen M72 liegt 3 Grad westsüdwestlich von NGC 7009. M72 ist zwar nur 9,4m hell, ist aber schon im kleinen Fernrohr gut wahrnehmbar.
Der „Helixnebel“ NGC 7293 ist der größte Planetarische Nebel am Himmel. Er befindet sich im südlichen Bereich des Sternbilds. Um ihn zu finden, geht man von Skat (Delta) aus. Ca. 4 Grad südwestlich von Skat liegt der 4m helle Stern 66 Aquarii. Blickt man von 66 Aquarii aus weiter nach Südwesten, stößt man nach 2,8 Grad auf den 5,2m hellen Stern Ypsilon Aquarii. Ca. 1,2 Grad westlich von Ypsilon Aquarii befindet sich der Helixnebel. Er ist riesig, hat aber wegen seiner Größe eine extrem geringe Flächenhelligkeit. Daher kann man den Nebel nur unter einem dunklen und sternklaren, möglichst mondlosen Himmel wahrnehmen, dafür braucht man ein möglichst lichtstarkes Fernglas. Für das kleine Gesichtsfeld eines Fernrohrs ist der riesige Nebel viel zu groß.
Ca. 1 Grad nordöstlich des 4,2 m hellen Sterns Phi2 Aquarii liegt die kleine ovale Galaxie NGC 7606. Für die Beobachtung von NGC 7606 braucht man ein Fernrohr von mindestens 20 cm Öffnung.

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt. 

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