April 2025 - NGC 5394 und 5395 in den Jagdhunden

Am 10.05.2024 nahm sich Björn Arnold in Schwäbisch Hall das wechselwirkende Galaxienpaar NGC 5394 und 5395 vor, welches im Arp-Katalog auch als Nr. 84 verzeichnet ist. Die Aufnahmen erfolgten mit einem Celestron EdgeHD 800 bei 203 mm Öffnung und 2032 mm Originalbrennweite, d. h. Apertur f/10. Dazu wurde eine Farbkamera des Typs Altair Hypercam 533C eingesetzt. Insgesamt wurde bei einem Bildmaßstab von 0,38"/Pixel 3 h 22 min belichtet, und zwar ohne Binning. Weiter teilt der Bildautor mit: "Das integrierte Bild wurde dann rechnerisch herunterskaliert (entsprechend 2x2-Binning), um das Signal-Rausch-Verhältnis zu verbessern. Anstatt der LRGB-Methode wurde eine Farbkamera in Verbindung mit einem Luminanzfilter (zum Sperren des IR-Anteils) verwendet. Die Wahl für eine Farbkamera war dadurch begründet, dass in den letzten Jahren die Zahl der klaren Nächte abgenommen hat und mir die Planung der Aufnahmen mit LRGB oft Probleme bereitet hat, sodass am Ende kein fertiges Bild zustande kam. Bei der Farbkamera nimmt man hingegen das Objekt 'einfach' nahezu linear auf. Trotz der relativ bescheidenen totalen Gesamtbelichtungszeit zeigen sich doch überraschend viele Details.
Die Integration der Daten erfolgte mit Hilfe von Astropixel-Prozessor, inklusive. der Kalibrierung von Hintergrund und Farbe. Hinsichtlich der Farbkalibrierung lege ich Wert auf ein natürliches Erscheinen, ohne aber auf zu komplexe Farbkalibrierungsprozesse zu setzen, die teilweise sogar auf die Transmissionskurven der RGB-Filter und Quanteneffizienz der Kamera zurückgreifen. Die weitere Bildverarbeitung erfolgte mit Affinity Photo unter Verwendung 'klassischer' Bildbearbeitungsmethoden. KI-Algorithmen wie z. B. Blur-X-Terminator setze ich prinzipiell nicht ein."
Das Bildfeld misst 17,3' x 17,3' mit Norden oben, wie astronomisch üblich. Für die größere der beiden Galaxien, NGC 5395, ergibt sich aus dem AdM ein Winkeldurchmesser von 140" (große Achse). Damit lässt sich der wahre Durchmesser von NGC 5395 abschätzen. Nimmt man aus der NASA Extragalactic Database die heliozentrische Radialgeschwindigkeit von 3511 km/s, so folgt über die Hubble-Konstante von 72 km/s/MPC eine Entfernung von ca. 150 Mio. Lichtjahren. Und 140" Winkeldurchmesser entsprechen für diese Entfernung einem wahren Durchmesser von rund 108.000 Lichtjahren. Das wiederum entspricht der Größe unserer Milchstraße (ca. 100.000 Lichtjahre).
Was fällt an NGC 5395 auf? Zunächst hat sie einen sehr hellen Kern. In der Literatur wird sie deshalb den "Aktiven Galaxien" zugeordnet (Typ Seyferth 2. Außerdem ist die 12,5 mag helle SA-Spiralgalaxie in ihrer Gestalt verbogen. Konkret: Die Spiralarme sind im Außenbereich gegenüber dem Innenbereich deutlich diffuser und breiter, insbesondere in Richtung der 13,1 mag hellen Nachbargalaxie NGC 5394. Zudem herrscht in den NGC 5394 zugewandten Armen eine sehr blaue Eigenfarbe vor, welche durch intensive Sternentstehung erklärbar ist. Das wird besonders in dem breiten Westarm, der nach Norden verläuft, sichtbar. Eine solche kräftige Sternentstehung wiederum ist typisch für einen nahen Vorübergang zweier Scheibengalaxien, die gravitativ miteinander wechselwirken. Und NGC 5394 ihrerseits zeigt ebenfalls untrügliche Anzeichen dieser Wechselwirkung. Ob es sich bei den nach außen stark herausgebogenen "Armen" wirklich um Spiralarme handelt, erscheint mir persönlich fraglich. Denn der eigentliche Kernbereich von NGC 5394 ist mit 25" Winkeldurchmesser kompakt und klein, so dass die strukturlosen "Arme" auch als lange Anhängsel, z.B. Gezeitenschweife, angesehen werden könnten, die von der großen Schwester NGC 5395 herausgezogen wurden.
In der Datenbank SIMBAD steht als Vermerk zu NGC 5395: NGC 5394 is a possible companion. Nur ein möglicher Begleiter? Dieser Vermerk erscheint aufgrund der Morphologie des Paares nicht sinnvoll. In einer Arbeit aus dem Jahre 1976 von E.L. Turner: "Binary galaxies. I. A well-defined statistical sample; Astrophys. J. 208, 20-29" wird NGC 5394/95 klar als Galaxienpaar Turner 93 A/B herausgestellt. Daher kann für den folgenden Text für NGC 5394 die gleiche Entfernung wie für NGC 5395 angenommen werden. Die beiden Radialgeschwindigkeiten von 3511 km/s (NGC 5395) und 3450 km/s (NGC 5394) zeigen, dass diese Überlegung sinnvoll ist und beide Galaxien in ähnlicher heliozentrischer Distanz stehen.
Aber im Umfeld der beiden tummeln sich noch einige kleinere Galaxien. Schauen wir in das Zusatzbild aus dem Sloan Digital Sky Survey. Dort sind sechs weitere Galaxien mit Namen gelb markiert. Zunächst befindet sich LEDA 2101092 in 16' Abstand westlich von NGC 5394. Kann sie eventuell mitwirken an der Gestaltsveränderung der Spiralarme von NGC 5394? Nein, denn mit einer Radialgeschwindigkeit von 14883 km/s ist LEDA 2101092 eine weit entfernte Hintergrundgalaxie, die keinerlei Einfluss auf das Galaxienpaar haben kann. Auch die nördlich gelegenen LEDA 2102129 und LEDA 2102430 sind mit Radialgeschwindigkeiten von 17.931 km/s und 14.775 km/s sehr weit entfernt. Das gilt ebenfalls für IC 4356 mit 14.669 km/s sowie für die östlich stehende 2MASX J13590194+3725193 mit 14.741 km/s. Für die lichtschwächere [TT2008] 202 ist in den Fachpublikationen und Surveys keine Radialgeschwindigkeit zu finden, es gibt noch keine spektroskopischen Messungen. Mir scheint aber, dass aufgrund der ähnlichen Radialgeschwindigkeit der anderen fünf Umgebungsgalaxien und der ähnlichen Winkeldurchmesser auch [TT2008] 202 mit zu einer im Hintergrund befindlichen lockeren Galaxiengruppe gehört.
Anmerkung: Das vorliegende AdM ist technisch sauber ausgeführt. Auch die Farbgebung lässt nichts zu wünschen übrig. Daher vielen Dank für die eindrucksvolle Aufnahme und die herzliche Gratulation des AdM-Teams an Björn Arnold zum Astrofoto des Monats April 2025.
Peter Riepe
Bildautor: Björn Arnold
Koordinaten (J2000) für NGC 5395:
RA = 13 h 58 min 38 s, DEC = -37° 25' 28''
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