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Atlas für Himmelsbeobachter

Rezension von: Rezensent: Stefan van Ree | | Verlag

Seit meinem 10. Lebensjahr bin ich den Sternen verfallen. Mich hat dieses Hobby nie

wieder losgelassen.

Schon zur damaligen Zeit gehörte der liebevoll genannte „Karkoschka“ zu meinen ersten Standardwerken, der mich bei astronomischen Touren ständig begleitet hat. Er ist für mich nicht mehr weg zu denken.

Ich besitze immer noch die zweite Auflage von 1989, die damals als kleines Büchlein mit schwarz-weiß Abbildungen und 129 Seiten daher kam.
Die aktuelle, 7. Ausgabe des „Atlas für Himmelsbeobachter“, hat sich seit dem stark verändert. Zu meiner damaligen Erstausgabe ist die neue Auflage in einem größeren Format erschienen. Dieses ist gebundenen und enthält farbige Abbildungen und Sternkarten.

Gegenüber der 6. Auflage von 2016 verwendet die neue Auflage sehr aktuelle und genaue Daten der Raumsonde Gaia. Die Seitenzahl hat sich gegenüber der letzten Ausgabe um 16 Seiten reduziert. Einer der Gründe dafür ist, dass die schwarz-weiß Abbildungen von Himmelsobjekten in der vorherigen Ausgaben im Anhang zu finden waren. Diese wurden jetzt direkt als farbige Abbildungen auf den Doppelseiten der jeweiligen Sternkarten integriert. Ich persönlich finde das eine gute Entscheidung, da damit ein Nachschlagen auf den hinteren Seiten entfällt. Um den entsprechenden Platz zu schaffen, ist die neue Ausgabe gut 10 cm höher und etwa 2 cm breiter. Die Stärke des Buchrücken hat sich nur geringfügig verändert.

Was sofort auffällt, ist der Farbdruck des Buches. Vorherige Werke sind bisher in Grauabstufungen erschienen.
Mit Hilfe des vorliegenden Werkes erhält man einen Atlas des Sternenhimmels mit allen Objekten, die mit dem bloßem Auge visuell sichtbar sind. Die Umgebungskarten enthalten 250 Nebel für Fernglas- und Teleskopbeobachtungen. Ergänzt wird das Werk durch 150 weitere Nebel, die sich insgesamt auf vier Vertiefungskarten verteilen.
Zu den vorgenannten Nebel zählen:

  • Planetarische Nebel
  • Gasnebel
  • Offene und kugelförmige Sternhaufen und Galaxien

Natürlich dürfen in einem solchen Buch die 110 Messierobjekte nicht fehlen und sind enthalten. Ergänzt werden diese durch weitere, 140 ausgewählte Nebel, die von den Helligkeiten den Messierobjekten ähneln.
Für jedes der 250 ausgewählten Nebel gibt es die wichtigsten Informationen mit Abbildungen. Die Position der Objekte am Sternenhimmel sind in den Sternkarten markiert. Zur besseren Auffindbarkeit im Teleskop sind zusätzlich Aufsuchkarten vorhanden.

Neben den wesentlichen Daten zu den Objekten findet man eine kurze Beschreibung der zu sehenden Strukturen mit dem Fernglas oder Teleskop. Gegenüber meiner alten Auflage sind diese Beschreibungen zum Teil überarbeitet worden. Die prägnante Kurzbeschreibung ermöglicht es dem Beobachter festzustellen, was er in seinem Beobachtungsinstrument oder bei entsprechender Sichtbarkeit mit bloßem Auge sehen kann.
Zur besseren Abschätzung sind alle aufgeführten Nebel und Doppelsterne in Beobachtungsklassen eingeteilt. Diese wird in Form eines Würfels mit der Augenzahl 1 bis 6 angegeben. Die Aufteilung der Klassen richtet sich dabei nach den folgenden Beobachtungsmöglichkeiten: Mit bloßem Auge (6), Opernglas (5), Sucher (4), Fernglas (3) und Beobachtung nur bei dunklem Himmel.
Die Angaben sind gut geeignet, um schnell heraus zu finden, ob und wie man einen Nebel und Doppelstern beobachten kann. Die entsprechenden Klassen muss man sich jedoch einprägen und bei Bedarf nochmal nachschlagen, wenn die Reihenfolge vergessen wurde. Die entsprechenden Beobachtungsklassen mit einer Legende für Kurzbezeichnungen und Sterngrößen befindet sich auf der letzten Seite des Werkes.
Ich persönlich hätte statt der Würfelaugen entsprechende Icons in Form eines Auges, Fernglas und so weiter besser gefunden. Visuell lässt sich damit aus meiner Sicht wesentlich schneller die Sichtbarkeit zuordnen.

Wer detaillierte Beschreibungen der Objekte erwartet, wird diese im vorliegenden Werk nicht finden. Dieses würde auch den Rahmen des Buches und den Seitenumfang sprengen. Dazu ist das Buch auch nicht gedacht.
Hier empfiehlt sich bei Bedarf, weiterführende Literatur zu verwenden. Ein solches Werk ist der im Kosmos erschienene „Bildatlas der Sternhaufen und Nebel“, der detaillierte Beschreibungen von Objekten mit astro-physikalischen Hintergründen enthält.
Der Himmelsatalas enthält für die Beobachtung die wichtigsten Eigenschaften der Objekte. Dazu gehören neben der Helligkeit die Abstände von Doppelsterne. Während frühere Entfernungsangaben von Objekten größtenteils auf Schätzungen beruhten, sind im Himmelsatlas die verlässlichen Messungen der europäischen Gaia- Mission eingeflossen. Alleine deswegen lohnt sich schon die Anschaffung der neuen Auflage.
Zu jedem der 250 Nebel gibt es auf den Doppelseiten eine Darstellung, wie dieser im Fernglas oder Teleskop sichtbar ist. Ergänzt wird dieses durch Fotografien. Das erleichtert gerade Anfängern mit geringen Beobachtungskenntnissen einen guten Einstieg.

Insgesamt gibt es 48 Sternkarten, die jeweils zur Hälfte den nördlichen und südlichen Sternenhimmel abdecken. Die Karten sind nummeriert und enthalten einen Präfix mit den Buchstaben S für Süd, N für Nord und E für Ekliptikalebene. Die Buchinnenseite zeigt bei geschlossenem Buch ein grau schattiertes Farbschema, mit dem sich Himmelsregionen schneller aufschlagen lassen.
Die Karten sind farblich so angelegt, dass sie Nachts mit einer Rotlichttaschenlampe verwendet werden können. Der besondere Clou ist, dass nicht relevante Informationen wie Sternbildgrenzen nicht sichtbar sind. Durch den fest definierten Maßstab der Karten lässt sich das Buch in einer Entfernung von 17cm halten und gibt die Ansicht von Objekten bei ungefähr 200-facher Vergrößerung wieder.
In der Legende auf der letzten Seite des Buches sind die Teilkreise für unterschiedliche Gesichtfelder und demTelrad angegeben. Auf eine Folie kopiert ist es damit möglich, Gesichtsfelder in den Sternkarten abzuschätzen und die Ansicht im Telrad für das Starhopping zu nutzen. Ein besonderes Gimmick wäre es gewesen, wenn diese Vorlage direkt dem Buch
beigefügt wäre.
Alle in diesem Werk vorliegenden Sternkarten sind als Doppelseite angelegt und vom Aufbau identisch. Damit gelingt eine sehr schnelle Orientierung über mehrere Sternkarten hinweg.

Auf der linken Doppelseite befinden sich Informationen zu den verschieden, sichtbaren Objekten des dargestellten Himmelsausschnittes. Neu gegenüber der vorherigen Auflage ist die fotografische Abbildung von ausgewählten Objekten in unterschiedlichen, sinnvollen Vergrößerungen. So gibt es zum Beispiel auf der Sternkarte N14 zwei Abbildungen von M13 in den Vergrößerungen 20- und 200-fach. Gerade für Anfänger eine sehr hilfreiche Unterstützung. Eine Übersicht auf der linken Doppelseite zeigt, in welchem Sternbild man sich befindet und welche weiteren Sternbilder in der unmittelbaren Umgebung liegen.
Eine sehr schöne Ergänzung ist die Angabe der Meridianzeit für den beobachtbaren Datumsbereich. Die dort abgebildeten Farben sind kein Zufall, sondern knüpfen an den jährlich erscheinen Kosmos Himmelsjahr an. Hier findet sich das gleiche Farbschema wieder.

Auf der rechten Doppelseite ist der Kartenausschnitt dargestellt. Gegenüber der vorherigen Auflage ist diese wie bereits beschrieben farblich abgesetzt und für eine Rotlichttaschenlampe optimiert. Auch bei normalen Lichtverhältnissen ist die Sternkarte sehr gut zu lesen und das Farbschema stimmig. Neu ist, dass jetzt in der Sternkarte der Teilbereich markiert ist, der in den darüber liegenden Detailkarten abgebildet wird. Es gibt leider auch einen Kritikpunkt, den ich nicht verschweigen möchte: Es fehlt gegenüber der vorherigen Ausgabe in den Sternkarten die Anschlußnummer zu den anliegenden Sternkarten. Diese habe ich persönlich häufig genutzt.
Jetzt ist man dazu gezwungen, die jeweilige Anschlusskarte auf der Übersicht am Anfangdes Buches zu suchen.

Trotz des Kritikpunktes ist das vorliegende Werk sehr gut gelungen. Ich kann diese Nachschlagewerk uneingeschränkt empfehlen.
Auch für Besitzer der vorherigen Auflage lohnt sich auf jeden Fall der Kauf dieses Buches!
 

Titel: Atlas für Himmelsbeobachte
Autor: Erich Karkoschka
ISBN: 978-3-440-17360-2
Verlag: Kosmos
Seitenumfang: 144 Seiten
Preis: 25,00 Euro


Bezugsquelle: https://www.kosmos.de/de/atlas-fur- himmelsbeobachter_1074889_9783440173602