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Das 100.000ste Foto des sonnennächsten Planeten

Erstellt von: Dr. Rainer Kayser | | Forschung und neue Erkenntnisse

Von einem weißen Fleck auf der Karte des Sonnensystems zu einer gut untersuchten Welt: Die amerikanische Raumsonde Messenger hat vergangene Woche ihr 100.000stes Foto des sonnennächsten Planeten Merkur zur Erde übermittelt. Die Planetenforscher sind damit erstmals im Besitz globaler, hoch aufgelöster Karten des Merkur in acht verschiedenen Farbkanälen.


„Die Messenger-Mission hat uns nun ein vollständiges, globales, multispektrales Bild des innersten Planeten unter verschiedenen Beleuchtungsverhältnissen geliefert“, freut sich Sean Solomon von der Carnegie Institution of Washington, der Chefwissenschaftler des Projekts. „Darüber hinaus bauen wir unsere Bibliothek hochaufgelöster Aufnahmen spezieller Regionen auf dem Planeten ständig aus. Diese Bilder erlauben es uns, landschaftliche Formationen und geologische Prozesse auf Merkur in zuvor unerreichtem Detailreichtum zu studieren.“


Trotz seiner relativen Nähe zur Erde war Merkur vor der Messenger-Mission einer der am wenigsten erforschten Planeten des Sonnensystems. Da er von der Erde aus gesehen stets nahe an der Sonne steht, kann er beispielsweise mit dem Weltraumteleskop Hubble nicht beobachtet werden. Vor Messenger hatte nur eine einzige Sonde den Planeten besucht: Die ebenfalls amerikanische Sonde Mariner 10 flog 1974 und 1975 dreimal am Merkur vorbei und konnte dabei 45 Prozent seiner Oberfläche fotografieren.


Nach einer sechseinhalb Jahre dauernden, acht Milliarden Kilometer langen Reise schwenkte die Messenger-Sonde am 18. März 2011 als erstes irdisches Raumfahrzeug in eine Umlaufbahn um den sonnennächsten Planeten ein. Messenger war am 3. August 2004 ins All gestartet. Um Treibstoff zu sparen, hatten die Wissenschaftler der Nasa die Sonde auf eine komplizierte Bahn geschickt: Mehrere so genannte Swing-by-Manöver an der Erde (am 2. August 2005) und an der Venus (am 24. Oktober 2006 und am 5. Juni 2007) lenkten Messenger immer tiefer in das innere Sonnensystem hinein. In den Jahren 2008 und 2009 flog die Sonde dann insgesamt dreimal in etwa 200 Kilometern Höhe am Merkur vorbei, bevor sie bei der vierten Begegnung schließlich in einen Orbit um den Planeten einschwenkte.


Neben der vollständigen Kartierung des innersten Planeten haben die Messungen der Raumsonde gezeigt, dass die chemische Zusammensetzung der Merkur-Oberfläche von jener der anderen inneren, felsigen Planeten im Sonnensystem abweicht und dass das Merkur-Magnetfeld im Gegensatz zum irdischen stark asymmetrisch ist. „Das 100.000ste Bild ist ein wichtiger Meilenstein für uns“ sagt Nancy Cabot vom Applied Physics Laboratory in Laurel im US-Bundesstaat Maryland, die für das Kamerasystem der Sonde verantwortlich ist. „Aber wir erhalten täglich weitere Aufnahmen und Wissenschaftler in aller Welt versuchen anhand dieser Fotos, die Geschichte und Entwicklung Merkurs zu enträtseln.“ Messenger hat die Erwartungen der Forscher weit übertroffen. Die Nasa hat die Mission, die eigentlich im März enden sollte, daher bereits um ein Jahr verlängert.


Quelle: http://messenger.jhuapl.edu/news_room/details.php?id=220