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Deep Sky Beobachteratlas

Rezension von: Torsten Güths (Rezensent) | | Verlag

Einleitung

Für die Beobachtung von für das bloße Auge unsichtbaren Objekten ist eine präzise Orientierung am Nachthimmel unerläßlich. Neben dem reinen Kartenmaterial ist es auch sinnvoll, gleich einige Angaben zur Sichtbarkeit des Objekts zu haben. Dafür musste man dann entsprechend viel Literatur ins Feld mitnehmen, sollte man aufgrund unseres schwer vorhersehbaren Wetters einmal spontan und rasch aufbrechen wollen. Das es auch mit nur einem Werk geht, zeigt der nachfolgend beschriebene Atlas.

Proklamiertes Ziel des Buches

„Ein kommentierter Atlas der Sternhaufen, Nebel und Galaxien für den visuellen Beobachter"

„Dieser Atlas ist als Begleiter für die nächtliche Beobachtung gedacht. Er richtet sich in erster Linie an Sternfreunde, die meist spontan, ohne größere Vorbereitung zur Beobachtung aufbrechen."

Systematik und Inhalt

Das Werk hat über 350 nichtnummerierte Seiten mit 97 Karten im spiralgebundenen Softcover. Die Deckblätter und Seiten sind aus wasserabweisenden, beschichteten Papier (0,15mm Dicke). Es finden sich die Positionen und Beschreibungen von 2203 Deep Sky Objekten. Sterne bis 9mag sollen auf den Karten verzeichnet sein. Als Quelle diente u.a. der Tycho2 Katalog. Der Atlas deckt die nördliche Hemisphäre bis zu einer Deklination von –35°ab.

Der Inhalt unterteilt sich in:

Hinweise zum Atlas und Gesamtübersicht der Karten

97 Himmelsregionen

Objektindex und Anhang

1) Hinweise zum Atlas und Gesamtübersicht der Karten

Auf einer Seite führt der Autor in den Umgang mit dem Atlas und seinem Inhalt knapp ein. Die verwendeten Symbole und Abkürzungen werden im Dritten Abschnitt erläutert.

Als Neuheit sehe ich die Sichtbarkeitsdiagramme an: Auf einem Koordinatenkreuz werden die Objekte entsprechend ihrer Helligkeit (x) und Flächenhelligkeit (y) eingetragen. Der Blasendurchmesser steht für die Ausdehnung.

Es sind keine Mehrfachsterne und Veränderliche Sterne aufgelistet und in den Karten verzeichnet. Für den Einsteiger hilfreich ist die Hervorhebung der Objekte des bekannten „Karkoschka". So erkennt er gleich die beeindruckendsten Ziele.

2) 97 Himmelsregionen

Die Sortierung ist nach den lateinischen Sternbildern in alphabetischer Reihenfolge. Das halte ich für vorteilhaft, denn auch nach vielen Jahren der Beobachtung finde ich eine Region nach dieser Systematik rascher, als mit den strengen schichtenartigen Sektoren vom Pol zum Äquator. Der Nachteil, dass man weniger geläufige Sternbilder vergessen oder übersehen könnte, ist durch die Umgebungsüberblickskarte beseitigt.

Die Beschreibung einer Region beginnt mit dem Überblick des Sternbilds mit seinen benachbarten Arealen. In diese Grafik eingeblendet ist das Sichtbarkeitsdiagramm mit den meisten vorgestellten Objekten. Es folgt die Auflistung der Objekte mit den Kerndaten und einer Kurzbeschreibung . Hierbei wird die englische Sprache verwendet und bei den Objekten des NGC die Abkürzungen, wie sie seit Herschel verwendet werden. Das ist gewöhnungsbedürftig, besonders für den Einsteiger. Grob geschätzt werden 80% der Objekte tiefergehend in Deutsch beschrieben. Dabei werden je nach Eignung oftmals unterschiedliche Instrumentengrößen erwähnt. Der Auflistung folgen oftmals schwarzweiße Abbildungen. Sie illustrieren einige der markanten Regionen, doch nicht unbedingt die hellen „Klassiker" sondern häufig die lichtschwachen und kleineren Objekte. Abschließend findet der Benutzer die Aufsuchkarte der vorgestellten Region.

Bei der Systematik wundere ich mich etwas. Am Beispiel von M51 wird es deutlich: Er liegt offiziell in Canes Venatici, ist jedoch nur in „Bootes-Nord" und in „Ursa Major" beschrieben. Somit sogar zweimal. Diese Beobachtung geschah zufällig. Wie häufig das auftreten mag kann ich nicht mitteilen.

3) Objektindex und Anhang

Abschließend werden alle nichtstellaren Objekte nochmals nach ihrer Nummer und Seitenangabe aufgelistet. Die Legende der Kartensymbole findet sich anschließend und auch die eher schwammig anmutenden Bezeichnungen zur Teleskopgröße, die bei der Objektbeschreibung verwendet werden, sind erklärt. Zum Beispiel entspricht ein „mittleres" Teleskop einer Optik von 8 bis 10 Zoll Öffnung. Ähnlich werden die Aussagen zur erforderlichen Himmelsgüte erläutert. Die Einsteigerobjekte, die im Karkoschka aufgeführt sind, werden mit ihrem Sichtbarkeitsfenster aufgeführt. Ebenso werden 400 Herschelobjekte und „Sonderobjekte" ihren Sichtbarkeitsperioden zugeordnet. Eine gute Idee. Abschliessend werden die kryptischen Kurzbezeichnungen sowie die Bortleskala dargestellt. Am Ende erhält der Leser noch eine Karte von Ursa Minor zur Schätzung der stellaren Grenzgröße.

Layout und Kartenmaterial

Das Format ist DIN-A4 Hoch. Die Karten sind Schwarz auf Weiss. Die Abbildungen der Objekte sind im Graustufenraster. Die Karten sind Ausdrucke des „Cartes Du Ciel" Programms und erinnern an den Sky Atlas 2000 von Tirion. Den Maßstab gibt Stropek mit 1,2°/cm an. Koordinatenlinien sind nicht vorhanden. Die stellare Grenzgröße schwankt zwischen 8,3 und 9,3mag, je nach der Sternendichte.

Die Abbildungen mögen etwas grob erscheinen, die Hauptkarten hingegen sind astrein scharf gedruckt.

Nach einiger Zeit der Benutzung fällt leider auf, dass sich die Druckerschwärze in leichten Schatten auf die Aufsuchkarten legt

Resümee

Der Deep Sky Beobachteratlas von Gerhard Stropek verbindet in einzigartiger Weise die Vorteile von Uranometria2000/DeepSky Fieldguide, Nightsky Observer Guide, Deep Sky Reiseatlas und Karkoschka miteinander. Er hat mit über 2200 Objekten nicht so viele wie das nördliche Uranometria Buchduo, dafür reicht er bis –35° Deklination südlicher und deckt somit den gesamten beobachtbaren Himmel für Mitteleuropäer ab. Die Anzahl an Objekten übertrifft so einige andere Kartenführer, so dass der Leser über Jahre hinaus auch mit größeren Instrumenten bestens bedient ist. Das ganze zu einem Buch kombiniert und mit zum Teil detaillierten Beschreibungen von helleren Objekten und weiteren Informationen versehen lässt dieses Werk zu einem unersetzlichen Begleiter für Nacht und „Nebel" – Aktionen werden. Mit dieser Erstausgabe hat der Deep Sky Beobachter Atlas das Zeug zu einem Standardwerk der Amateurastronomie zu werden und ist uneingeschränkt empfehlenswert!

Torsten Güths

Der Rezensent ist Dipl. Wirtschaftsing. FH, seit über 30 Jahren Sternfreund.

Titel:Deep Sky Beobachteratlas
Autor:Gerhard Stropek
Verlag:Eigenverlag www.beobachteratlas.de
ISBN: 
Datum:2010
Infos: