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Elliptische Galaxien: Jünger als gedacht

Die beiden elliptischen Galaxien NGC 680 und NGC 5557 stellen die Theorie der Galaxienentwicklung infrage. Sie zeigen deutliche Indizien für eine Kollision und Verschmelzung mit jeweils  einem weiteren Sternsystem in astronomisch jüngerer Vergangenheit. Damit wären sie statt erwarteter sieben bis zehn Milliarden Jahre nur ein bis drei Milliarden Jahre alt, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society". Mit weiteren Beobachtungen wollen die Astronomen nun prüfen, ob die beiden Galaxien Einzelfälle sind oder ob elliptische Galaxien generell jünger sind als von der Theorie vorhergesagt.

"Im hierarchischen kosmologischen Modell entstehen Galaxien schrittweise aus kleineren Sternenansammlungen", erklären Pierre-Alain Duc von der Université Paris Diderot und seine Kollegen, "die Details dieses Szenarios sind jedoch noch umstritten." Elliptische Galaxien sind die massereichsten Sternsysteme und sie gelten daher als die Endprodukte der hierarchischen Evolution. Die Theorie sagt voraus, dass ihre Entstehung bereits vor sieben bis zehn Milliarden Jahren abgeschlossen war.

Duc und seine Kollegen sind nun bei Beobachtungen der Galaxien NGC 680 und NGC 5557 mit dem Canada-France-Hawaii-Teleskop auf Spuren von Kollisionen und Verschmelzungen gestoßen: Die Sternsysteme zeigen unter anderem in ihren Außenbereichen langgestreckte Filamente, so genannte Gezeitenströme. Solche Strukturen sind typische Überreste einer kleineren Galaxie, die mit einem großen Sternsystem zusammenstößt und von ihm aufgenommen wird. Allerdings überleben derartige Filamente nur ein bis drei Milliarden Jahre - entsprechend jung muss also die aus der Kollision hervorgegangene elliptische Galaxie sein.

Für die Astronomen stellt sich nun die Frage, ob NGC 680 und NGC 5557 außergewöhnliche Einzelfälle sind, ob sie zu einer besonderen, bislang unbekannten Unterklasse elliptischer Galaxien zählen oder ob sie gar typisch für elliptische Galaxien sind und damit die Theorie der Entstehung und Entwicklung der Sternsysteme infrage stellen. Die Beobachtungen von Duc und seinen Kollegen sind Teil des internationalen Projekts Atlas3D, bei dem insgesamt 260 elliptische Galaxien beobachtet und mit Computermodellen verglichen werden. Duc und sein Team wollen nun weitere Sternsysteme des Atlas3D-Projekts nach Gezeitenströmen absuchen.

Quelle:  xxx.uni-augsburg.de/abs/1105.5654