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Gewaltiger Schwarm von Kugelsternhaufen

Der 2,25 Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxienhaufen Abell 1689 stellt einen neuen Rekord auf: Insgesamt 160.000 Kugelsternhaufen schwirren einem Bienenschwarm gleich zwischen seinen Galaxien umher. Das zeigt die Auswertung einer insgesamt 34 Stunden belichteten Aufnahme des Galaxienhaufens durch das Weltraumteleskop Hubble. Die Kugelsternhaufen sind stark zum Zentrum des Galaxienhaufens hin konzentriert und folgen damit der Verteilung der Dunklen Materie, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt „Astrophysical Journal“

„Kugelsternhaufen sind Fossilien der allerersten Sternentstehung in Abell 1689“, erläutert John Blakeslee vom Herzberg Institute of Astrophysics im kanadischen Victoria. „Unsere Untersuchung zeigt, dass die frühe Sternentstehung dort besonders effektiv war, wo die Dichte der Dunklen Materie am größten ist.“ Etwa 80 Prozent der Materie im Kosmos besteht nach heutigen Kenntnissen aus bislang unbekannten Elementarteilchen, die sich allein über ihre Schwerkraft bemerkbar machen. Die normale Materie, aus der Galaxien, Sterne und Planeten bestehen, hat sich durch die Schwerkraft im jungen Kosmos dort angesammelt, wo die Dunkle Materie am dichtesten ist – und dort sind entsprechen auch die ersten Sterne entstanden.

Kugelsternhaufen sind dichte Ansammlungen aus mehreren hunderttausend Sternen, die sich alle nahezu zur gleichen Zeit gebildet haben. Sie sind die ältesten Objekte im Kosmos, entstanden bereits ein bis zwei Milliarden Jahre nach dem Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren. Unsere Milchstraße ist von rund 150 Kugelsternhaufen umgeben – im Vergleich dazu ist der Schwarm in Abell 1689 gigantisch. Die Himmelsforscher sind bereits in anderen Galaxienhaufen auf eine größere Zahl von Kugelsternhaufen gestoßen. Aber Abell 1689 stellt mit seiner großen Zahl einen neuen Rekord auf. Blakeslee und seine Kollegen konnten auf der Hubble-Aufnahme im Zentrum von Abell 1689 10.000 Kugelsternhaufen identifizieren. „Aber selbst mit dieser extrem lange belichteten Aufnahme sehen wir nur die hellsten Haufen, und nur die in der Zentralregion“, so der Forscher. Eine Extrapolation auf das gesamte Volumen des Galaxienhaufens ergibt eine Zahl von insgesamt 160.000 Kugelsternhaufen.

Quelle: dx.doi.org/10.1088/0004-637X/775/1/20