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Milchstraße in der Midlife-Crisis

Erstellt von: Dr. Rainer Kayser | | Forschung und neue Erkenntnisse

Die  Milchstraße hat ihre besten Zeiten hinter sich: Sie befindet sich gerade in einem Übergangsstadium zwischen einem jugendlichen, blau strahlenden Sternsystem mit heftiger Sternentstehung und einer alternden, ruhigen roten Galaxie. Das zeigt der Vergleich zwischen Beobachtungen und Simulationen von mehreren Millionen Galaxien, den ein australisches Forschertrio demnächst im Fachblatt "Astrophysical Journal" präsentiert.

"Unser Wissen über die Entstehung und Entwicklung von Galaxien kann nur dann von zukünftigen Vermessungen der Milchstraße profitieren, wenn wir wissen, wie typisch die Galaxis ist", begründen  Simon Mutch, Darren Croton und  Gregory Poole von der Swinburne University of Technology in Melbourne die Wichtigkeit ihrer Analyse. "Wir haben vorläufige, aber überzeugende Hinweise darauf gefunden, dass sich sowohl die Milchstraße als auch die benachbarte Andromeda-Galaxie in einem kritischen Übergangsprozess ihrer globalen Eigenschaften befinden."

Junge Galaxien enthalten noch viel Gas, aus denen geradezu explosionsartig neue Sterne entstehen. Da junge Sterne energiereiche, kurzwellige Strahlung aussenden leuchten solche Sternsysteme blau. Alten Galaxien dagegen ist das Gas ausgegangen, in ihnen entstehen nur noch wenige neue Sterne - entsprechend leuchten sie rötlich, da alte Sterne eher langwelliges Licht aussenden. Galaxien im Zwischenstadium - von den Astronomen als "grünes Tal" bezeichnet - sind relativ selten am Himmel zu finden.

Mutch, Croton und Poole haben die Entwicklung von 25 Millionen Galaxien simuliert und die Ergebnisse ihrer Rechnungen mit einem Katalog von rund einer Million Galaxien verglichen. Aus dieser gewaltigen Menge fischten die Forscher dann jene Systeme heraus, die bezüglich Sternentstehungsrate, Aussehen und Masse der Milchstraße und ihrer Nachbarin, der Andromeda-Galaxie ähneln. Dabei zeigte sich, dass diese beiden Systeme gerade im "grünen Tal" der Galaxien-Entwicklung liegen. Die drei Astronomen schätzen, dass die Sternentstehung in der Milchstraße in etwa 1,5 Milliarden Jahren nahezu vollständig zum Erliegen kommt.

Für eine Art Frischzellenkur könnte allerdings ein Zusammenstoß der beiden Galaxien sorgen, den die Wissenschaftler in rund fünf Milliarden Jahren erwarten. Die beiden Systeme verschmelzen dann zu einer riesigen elliptischen Galaxie, in der die Sternentstehung noch einmal für einige Millionen Jahre aufflackern könnte.

Quelle: arxiv.org/abs/1105.2564