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Mondentstehung am Rand des Saturnrings

Erstellt von: Dr. Rainer Kayser | | Forschung und neue Erkenntnisse

Am Rand des Hauptrings um den Planeten Saturn ist möglicherweise ein kleiner neuer Mond entstanden – und wieder zerfallen. Darauf deuten von Forschern aus Großbritannien und den USA analysierte Aufnahmen der Raumsonde Cassini hin. Die Entdeckung könnte erstmals einen direkten Einblick in die seit langem vermutete Bildung neuer Himmelskörper aus dem Material der Saturnringe liefern, so die Wissenschaftler im Fachblatt „Icarus“.

„Theoretische Überlegungen lassen vermuten, dass Saturn vor langer Zeit ein sehr viel massereicheres Ringsystem besaß“, erläutert Carl Murray von der Queen Mary University of London. Durch Zusammenstöße und Verschmelzungen konnten sich aus den kleinen Eispartikeln der Ringe Klumpen bilden, die zu größeren Monden angewachsen sind. „Dadurch hat die Masse des Ringsystems langsam abgenommen.“ Die Planetenforscher hatten bislang angenommen, dass der Prozess der Mondentstehung inzwischen zum Stillstand gekommen ist.

Umso aufregender war für Murray und seiner Kollegen die Entdeckung eines maximal einen Kilometer großen Objekts knapp außerhalb des so genannten A-Rings des Saturn auf Aufnahmen der Raumsonde Cassini vom 15. April 2013. Die Forscher konnten den vorläufig „Peggy“ getauften Himmelskörper anschließend auch auf insgesamt 107 älteren Aufnahmen seit Mai 2012 aufspüren. Allerdings deuten Bilder ab Januar 2013 darauf hin, dass „Peggy“ in zwei Objekte zerbrochen ist – „möglicherweise durch Gezeitenkräfte oder eine Kollision, aber auch andere Interpretationen sind möglich“, so Murray und seine Kollegen.

Viele der 62 bekannten Monde des Planeten Saturn bestehen nahezu vollständig aus Wassereis. Auffällig ist zudem der Trend, dass die Trabanten umso größer sind, je weiter von Saturn entfernt sie ihre Bahn ziehen. Auf diesen Fakten aufbauend haben Planetenforscher die These entwickelt, dass die meisten Monde im Ringsystem entstanden, langsam nach außen gewandert und dabei zu immer größeren Körpern verschmolzen sind. Die Entdeckung von „Peggy“ zeigt nun erstmals, dass zumindest der erste Schritt dieses Szenarios, die Entstehung eines kleinen Trabanten am Rand des Rings, tatsächlich möglich ist. Quelle: dx.doi.org/10.1016/j.icarus.2014.03.024