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Nomaden im All

Erstellt von: Dr. Rainer Kayser | | Forschung und neue Erkenntnisse

Auf jeden Planeten in der Galaxis kommen möglicherweise 100.000 frei umherwandernde Planeten. Das schätzt ein Team amerikanischer und britischer Astronomen. Trotz der Abwesenheit eines wärmenden Zentralsterns könnte auf solchen Planeten mikrobielles Leben möglich sein, schreiben die Forscher in einem in der wissenschaftlichen Datenbank arXiv veröffentlichten Bericht. Die Planeten-Nomaden könnten schon in wenigen Jahren mit derzeit geplanten Spezialteleskopen aufgespürt werden.


„Wenn ein solcher Planet groß genug ist um eine dichte Atmosphäre zu halten, dann könnte er damit genug Wärme einschließen um bakterielles Leben zu ermöglichen", sagt der Leiter des Teams, Louis Strigari von der Stanford University in Kalifornien. Als innere Energiequelle einer solchen einsamen Welt könnte der Zerfall radioaktiver Elemente und tektonische Aktivität dienen. Die vagabundierenden Planeten könnten deshalb nach Ansicht von Strigari und seinen Kollegen eine wichtige Rolle bei der Ausbreitung des Lebens im Kosmos spielen.


Über 700 Planeten bei anderen Sternen haben Astronomen inzwischen entdeckt. Darüber hinaus sind die Himmelsforscher auch auf zahlreiche jupitergroße Planeten gestoßen, die nicht an einen Stern gebunden sind. Erst im vergangenen Jahr hatte ein internationales Forscherteam geschätzt, dass es pro Stern zwei ungebundene jupitergroße Planeten gäbe. „Doch insgesamt ist über die Verteilung solcher ungebundener Planeten, insbesondere mit kleineren Massen, bislang nichts bekannt", so Strigari und seine Kollegen.


Die Forscher haben deshalb alle bekannten Informationen zusammengetragen und daraus die Häufigkeit von Planeten-Nomaden von der zehnfachen Masse Jupiters bis hinab zur Masse des Zwergplaneten Pluto abgeschätzt. Sie kommen auf 100.000 ungebundene Planeten für jeden normalen Stern in der Milchstraße – vagabundierende Planeten wären damit die häufigsten Objekte im Kosmos. Mit den bisherigen Beobachtungsverfahren können nur die größten dieser Himmelskörper aufgespürt werden. Doch die Analyse von Strigari und seinen Kollegen zeigt, dass mehrere geplante Instrumente – darunter das für 2020 geplante Weltraumobservatorium „Wide-Field Infrared Telescope" – auch die kleineren Weltall-Nomaden aufspüren könnten.

Quelle: xxx.uni-augsburg.de/abs/1201.2687