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Planetenkollision in fernem Sonnensystem

Erstellt von: Dr. Rainer Kayser | | Forschung und neue Erkenntnisse

Vor weniger als 50 Millionen Jahren sind zwei Planeten des 50 Lichtjahre entfernten Sterns NLTT 43806 zusammengestoßen. Amerikanische Forscher sind im Licht des Sterns auf Spuren dieser Katastrophe konnten gestoßen. Wie die Astronomen demnächst im Fachblatt "Astrophysical Journal" berichten, weist der Stern in seinen Außenschichten erhöhte Mengen an Aluminium und anderen Elementen auf, die in der Kruste und im Mantel erdähnlicher Planeten vorkommen.

"Die wahrscheinlichste Erklärung dafür ist, dass es bei NLTT 43806 zu einer Kollision zweier felsiger Himmelskörper gekommen ist", erläutert Benjamin Zuckerman von der University of California in Los Angeles, einer der beteiligten Wissenschaftler. Der Zusammenstoß könnte ähnlich verlaufen sein, wie die Kollision der jungen Erde mit einem marsgroßen Protoplaneten, die zur Entstehung des Erdmonds geführt hat. Dabei wurde ein Teil des Erdkruste und des Erdmantels ins All geschleudert. Aus dem überwiegenden Teil dieser Materie hat sich dann der Mond geformt.

Aber ein Teil der Trümmer dürfte damals in die Sonne gefallen sein - ebenso sei auch ein Teil der Trümmer in den Stern NLTT 43806 gefallen, so Zuckerman. Die ungewöhnliche chemische Zusammensetzung des Sterns lässt sich mit einem Zustrom von Materie erklären, der zu 30 Prozent aus der Kruste und zu 70 Prozent aus dem äußeren Mantel eines erdähnlichen Planeten besteht. Nach Abschätzung der Forscher dauert es maximal 50 Millionen Jahre, bis der Stern alle verbliebenen Trümmer der Kollision aufgenommen hat. Da die Planetenmaterie schnell in das Sterninnere absinkt, kann die Kollision also maximal vor 50 Millionen Jahren geschehen sein.

Im Gegensatz zur Sonne ist NLTT 43806 ein Weißer Zwergstern, also ein ausgebrannter Stern, in dem keine Kernfusion mehr stattfindet und der langsam auskühlt. Bevor ein Stern zu einem Weißen Zwerg wird bläht er sich zunächst zu einem Roten Riesenstern auf. Die Sonne wird in dieser Phase möglicherweise so groß, dass sie sogar die Erde verschlingt. NLTT 43806 muss also erdähnliche Planeten besessen haben, die ihre Bahn in ausreichender Entfernung gezogen haben, um diese Entwicklungsphase des Sterns zu überstehen.

Quelle:  arxiv.org/abs/1107.2167