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Riesenstern statt Gaswolke

Erstellt von: Dr. Rainer Kayser | | Forschung und neue Erkenntnisse

Astronomen in aller Welt hatten das Ereignis mit Spannung erwartet – doch dann passierte nichts. Das geheimnisvolle Objekt G2 raste im Sommer am supermassiven Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße vorüber, ohne von der gewaltigen Schwerkraft zerrissen zu werden. Ein Forscherteam aus den USA und Kanada präsentiert nun eine Lösung für das Ausbleiben der erwarteten spektakulären Katastrophe: Bei G2 handele es sich nicht, wie zuvor vermutet, um eine Gaswolke, sondern um einen Riesenstern. Der ungewöhnliche Himmelskörper sei durch die Verschmelzung zweier kleinerer Sterne entstanden, so die Wissenschaftler im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“.

„G2 hat die Begegnung überlebt und bewegt sich glücklich weiter auf seiner Umlaufbahn“, stellt Andrea Ghez von der University of California in Los Angeles fest. „Eine einfache Gaswolke könnte das nicht.“ Die Astronomen hatten erwartet, dass die Schwerkraft des zentralen Schwarzen Lochs die Gaswolke immer weiter auseinander zieht, schließlich zerreißt, einen Teil des Gases verschlingt und so ein Strahlungs-Feuerwerk auslöst. „Doch das Schwarze Loch hat G2 nicht beeinflusst“, so Ghez, „das Feuerwerk blieb aus.“

Ghez und ihre Kollegen hatten das kosmische Rendezvous mit den beiden zehn Meter großen Keck-Teleskopen auf dem Mauna Kea in Hawaii beobachtet. Die beiden Instrumente lassen sich als Interferometer betreiben: Die von den Teleskopen empfangene Strahlung wird dabei über Glasfaserleitungen kombiniert, so können die Forscher ein Auflösungsvermögen erzielen, das einem 85 Meter großen Fernrohr entspricht. Die Beobachtungen des Teams zeigen keine Veränderung von G2 im Verlauf des nahen Vorübergangs an dem supermassiven Schwarzen Loch.

Die Forscher ziehen aus ihren Messungen den Schluss, dass es sich bei G2 um einen Riesenstern mit der 30-fachen Leuchtkraft unserer Sonne handelt, der in eine dichte Wolke aus Gas und Staub eingehüllt ist. Solche ungewöhnlichen Sterne können nach Ansicht von Ghez und ihren Kollegen durch die Verschmelzung von engen Doppelsternen entstehen. Die starke Schwerkraft des nahen Schwarzen Lochs macht die Umlaufbahnen solcher Doppelsterne instabil und lässt sie schließlich kollidieren. „Das könnte im Zentrum der Milchstraße häufiger passieren als bislang vermutet“, sagt Ghez. „Bei vielen ungewöhnlichen Sternen in der Region, die wir bislang nicht verstehen, könnte es sich um das Endprodukt eines solchen Prozesses handeln.“

Quelle: iopscience.iop.org/2041-8205/796/1/L8/article