Alle Themen auf Astronomie.de im Überblick




Ausgedruckte Seite: https://astronomie.de/aktuelles-und-neuigkeiten/detailseite

Ausdruck vom: Sonntag, der 14.07.2024

Copyright: www.baader-planetarium.com

Zum Hauptinhalt springen
Offcanvas top
...

Staubringe um Sterne: Kein Indiz für Planeten

Erstellt von: Dr. Rainer Kayser | | Forschung und neue Erkenntnisse

Ein scharf begrenzter Ring aus Staub um einen Stern galt unter Astronomen bislang als Hinweis auf einen Planeten, der mit seiner Schwerkraft den Ring zusammenhält. Es ist jedoch alles andere als ein stichhaltiger Beweis, wie ein amerikanisches Forscherduo zeigt: Gewöhnliche hydrodynamische Prozesse können solche Ringe nicht nur formen, sondern ihnen auch ganz ähnliche Strukturen aufprägen wie die Gravitation naher Planeten. Die Simulationen der beiden Wissenschaftler verstärken auch die Zweifel an der umstrittenen Entdeckung eines Planeten bei dem 25 Lichtjahre entfernten Stern Fomalhaut.


„Man sieht etwas, das man nicht erklären kann – und erklärt es dann mit etwas, das man nicht sieht“, erläutert Wladimir Lyra vom Jet Propulsion Laboratory der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa eine häufige Vorgehensweise der Himmelsforscher. Bei der Entdeckung des Planeten Neptun aufgrund zuvor unerklärlicher Bahnabweichungen des Planeten Uranus war diese Methode erfolgreich. Angewendet auf Staubringe bei anderen Sternen könne sie jedoch in die Irre führen, so Lyra. Die scharfe Begrenzung solcher Ringe, Abweichungen von der Kreisform und die Bildung von Verdichtungen wurden bislang als Effekt der Schwerkraft eines nicht sichtbaren größeren Planeten gedeutet.


Wie die Simulationen von Lyra und seinem Kollegen Marc Kuchner zeigen, können diese Strukturen aber auch ohne die Anwesenheit von Planeten entstehen. Staub sammelt sich vor allem dort an, wo der Druck des Gases hoch ist. Der Staub wiederum heizt sich durch die Strahlung des Sterns auf, erwärmt das umgebende Gas und erhöht so den Druck noch weiter. Dieser Rückkopplungsprozess führe zur Bildung eines scharf begrenzten Staubrings, so Lyra und Kuchner. Die Berechnungen der Forscher zeigen auch, dass diese Ringe oft elliptisch sind und zeitweilige Verdichtungen herausbilden.


Ein Beispiel für einen solchen Staubring findet sich um den Stern Fomalhaut. Auf Bildern des Weltraumteleskops Hubble aus dem Jahr 2004 ist ein helles Objekt innerhalb des Rings sichtbar, das zunächst als Planet interpretiert wurde. Beobachtungen im Infrarot-Bereich zeigten den Himmelskörper jedoch nicht, obwohl er dort aufgrund seiner Temperatur deutlicher zu erkennen sein müsste. Die Simulationen von Lyra und Kuchner stärken nun die Hypothese, dass es sich bei dem hellen Objekt um eine vorübergehende Verdichtung in dem Ring gehandelt hat.


Quelle: http://arxiv.org/abs/1204.6322