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Weiße Zwerge fressen erdähnliche Planeten

Erstellt von: Dr. Rainer Kayser | | Forschung und neue Erkenntnisse

Auf frischer Tat ertappt: Ein Team britischer und deutscher Astronomen hat vier Weiße Zwergsterne entdeckt, die gerade dabei sind, sich die Trümmer erdähnlicher Planeten einzuverleiben. Die Atmosphären der alten Sterne sind mit Elementen angereichert, die der chemischen Zusammensetzung der Erde entsprechen. Das zeigen Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop Hubble, über die die Forscher im Fachblatt „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“ berichten.


„Was wir bei diesen mehrere hundert Lichtjahre entfernten Weißen Zwergen sehen, könnte genauso gut ein Schnappschuss der fernen Zukunft unserer Erde sein“, erklärt der Leiter des Teams, Boris Gänsicke von der University of Warwick in Coventry. Wenn die Sonne in fünf Milliarden Jahren ihren Wasserstoff-Vorrat verbraucht hat, bläht sie sich zunächst zu einem Roten Riesen auf – die inneren Planeten Merkur und Venus fallen diesem Prozess zum Opfer, während die Erde vermutlich überlebt. Dann stößt die alternde Sonne einen Teil ihrer Außenschichten ab und schrumpft zu einem Weißen Zwerg.


Dabei geraten die Umlaufbahnen der verbliebenen Planeten kräftig durcheinander. „Ganze Planeten werden dabei zertrümmert“, so Gänsicke. Zurück bleiben Bruchstücke und Staub mit der gleichen chemischen Zusammensetzung wie die zerstörten Himmelskörper. Diese Trümmer fallen in den Weißen Zwerg und hinterlassen so ihre Spuren in der Atmosphäre des Sterns. Gänsicke und seine Kollegen haben Sauerstoff, Magnesium, Eisen und Silizium in der Atmosphäre der vier Zwergsterne nachgewiesen – die Erde besteht zu 93 Prozent aus diesen vier Elementen.


Die Atmosphäre eines Weißen Zwergs besteht normalerweise überwiegend aus Wasserstoff und Helium. Schwere Elemente sinken deshalb innerhalb von Tagen in das Innere des Sterns ab. Die Astronomen beobachten die Sterne also tatsächlich in der finalen Phase ihrer „Planetenmahlzeit“. Eine Million Kilogramm Planeten-Materie müssen in jeder Sekunde auf die Sterne herabregnen, um die Beobachtungen zu erklären, haben die Wissenschaftler berechnet.


Quelle: http://arxiv.org/abs/1205.0167