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Interview mit Ranga Yogeshwar

von Gerald Kistner

Mehr Astronomie in die Schulen bringen will der bekannte Wissenschafts-Fernsehmoderator Ranga Yogeshwar. Im Gespräch mit Astrokids sagte er, dass sein Projekt „Stars & Schools" schon bald starten könnte. Ziel soll sein, Schüler im In- und Ausland nicht nur in Kontakt miteinander zubringen, sondern dabei auch die Möglichkeit der Fernsteuerung von Teleskopen und des Datenaustausches via Internet zu nutzen. Yogeshwar: „Unser Problem ist ja gerade, dass die Beobachtungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt sind. Wetter und Tageszeit sorgen für weitere Einschränkungen. In anderen Ländern hat man mit fernsteuerbaren Teleskopen an optimalen Standorten und einem Datenaustausch via Internet sehr gute Erfahrungen für den Einsatz in Schulen sammeln können. Da müsste das auch hierzulande gelingen." Der Astrophysiker verhandelt mit Sponsoren, Organisationen und anderen Trägern, um so etwas bad aufziehen zu können. Seiner Meinung nach habe Deutschland hier Nachholbedarf. Es fehle nicht nur an Geld, sondern auch an Zeit im Unterricht. Dabei vereine gerade die Astronomie sehr praxisbezogen und mit Augenschein erfahrbare Wissensgebiete. Dazu gehörten Geometrie, Mathematik, Chemie, Optik, Mechanik, Elektronik und auch Geografie.

Yogeshwar: „Ich weiß selbst, wie wichtig es ist, für etwas zu begeistern. Dann machen selbst trockene Formeln Spaß!"

Schon als Kind interessierte sich der heute 50jährige Ranga Yogeshwar, der in Indien und Luxemburg aufwuchs, für die Sternenkunde. „In Luxemburg wohnten wir auf dem Land und damals gab es ohnehin viel weniger Lichtverschmutzung. Ich habe immer begeistert zum Himmel geschaut und mich förmlich von den Sternen bannen lassen." Als Neunjähriger baute er aus einem Schminkspiegel seiner Mutter sein erstes Teleskop. Das sei zwar grottenschlecht gewesen, erinnert sich Yogeshwar. Aber für einen besseren Blick zum Mond, um weitere Faszination zu wecken, habe es schon gelangt. Die Sterne zogen Ranga von da an in den Bann. Als Diplomphysiker mache er an der Rheinisch-Westfälischen Hochschule in Aachen seinen Abschluss. Teilchenphysik und Astrophysik bildeten die Schwerpunkte. Er arbeitete an verschiedenen Forschungsinstituten, dann für verschiedene Verlage, Hörfunk und Fernsehen.

Yogeshwar entdeckte, wie faszinierend aber auch schwierig es ist, auch komplizierte Zusammenhänge verständlich zu erklären. Diese Fähigkeiten haben nicht viele Journalisten. Aber man muss dazu auch alles selbst komplett verstanden haben. Gerade Kindern und Jugendlichen fällt noch mehr als den meisten Erwachsenen sofort auf, wenn hier geschummelt wird. Zuletzt war Yogeshwar, der heute freiberuflich arbeitet, Leiter der Programmgruppe Wissenschaft beim WDR-Fernsehen. In zahlreichen Sendungen tritt er auch heute vor die Kamera („Wissen vor acht", „Quarks & Co", „Die große Show der Naturwunder") und informiert in seiner freundlichen Art über wissenschaftlichen Zusammenhänge und schwierigste naturwissenschaftliche Grundlagen von den Antworten, woraus die Welt besteht, bis zur Frage, warum der Himmel blau ist. Mit zahlreichen Preisen und Ehrungen wurde der immer bescheidene Yogeshwar in den vergangenen Jahre förmlich überhäuft. Auch wenn er vieles weiß, tritt er nie als Besserwisser auf.

Bei schulischen Fragen gehen seine Kinder aber lieber zu seiner Frau Ursula. Grund: Er erklärt gründlich und grundsätzich und nimmt dabei gerne jedes Detail mit. Und das kann dauern.

Dennoch ist Vater Yogeshwar bei seinen Kindern und deren Freunden sehr beliebt. Yogeshwar: „Im Urlaub bin ich immer dicht umringt. Da wollen die Kinder immer viel erklärt haben." Außerdem winken bei ihm auch Belohnungen. Yogeshwar: „Die Kinder und ihre Freunde wollten gerade in den Ferien viel zum Sternenhimmel wissen. Das mache ich natürlich gerne und zeige die Sternbilder und sage die Namen der hellsten Sterne. Wer dann beim nächsten Mal zehn Sternbilder zeigen kann oder Sterne findet, der bekommt sofort ein großes Eis."

Im Urlaub wird bei Familie Yogeshwar viel für Eisportionen ausgegeben.

Die Astronomie bildet bei Yogeshwar weiterhin einen großen persönlichen Schwerpunkt. Er wohnt heute am Rande von Bonn auf dem Lande. Zu seinem Haus gehört auch eine Sternwarte. Yogeshwar: „Auch wenn es in diesem Frühjahr mit Beobachtungen bei dem Wetter sehr schlecht war, so nutze ich doch jede Möglichkeit. Ich nehme mir diese Zeit und zwacke sie dann eben anderswo ab. Und hier zieht meine Familie mit."

Die Ausstattung kann sich sehen lassen. Ein 12-Zoll-Astrograph, ein 115-Millimeter-Vixen-Refraktor und verschiedene Kameras gehören dazu. Und Yogeshwar nutzt diese Geräte regelmäßig. Zu seinem Schwerpunkt sind die Kleinplaneten geworden. Hier hat er sich einen Namen gemacht und veröffentlicht seine Ergebnisse auch regelmäßig im Internet. Ein Kleinplanet ist sogar nach ihm benannt. Er wurde vom Entdecker wegen seiner Aktivitäten bei der Kleinplanetenforschung als Namensgeber vorgeschlagen.

Aus Sicht des Astrophysikers und Journalisten könne man Kindern und Jugendlichen die Beschäftigung mit der Astronomie immer raten. Dafür kämpft er auch in den verschiedenen Gremien, in denen er tätig ist. Astronomie müsse in den Schulen noch viel stärker berücksichtigt werden. Es sei schon sehr preiswert als Einsteiger möglich, sich damit als Hobby zu befassen. Ein einfaches Teleskop oder ein preiswertes Fernglas genügten schon. Doch später wird es dann – so räumt auch Yogeshwar ein – für spezielle Ausrüstungen teuer.

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