Ich möchte eine Sterntaufe machen oder einen Stern kaufen - Geht das ?

Manche Institutionen sowie manche Privatleute bieten interessierten Menschen Sterne zum Kauf an. Der Käufer erhält dann eine Kaufurkunde. Diese Urkunde hat aber keine rechtliche Bedeutung, denn niemand kann Eigentum an einem Stern erwerben. Manche Anbieter bieten an, dass der Käufer den Namen eines Sterns nach Wunsch gegen eine Gebühr ändern kann. Diese Namensänderung steht dann aber nur auf der rechtlich belanglosen Urkunde.  Der in der Astronomie übliche Name des betreffenden Sterns wird dadurch nicht geändert.  

Was sind "Sternpatenschaften"?

Sternpatenschaften werden oft von Astronomievereinen oder kleinen Sternwarten angeboten. Man übernimmt für einen gewissen Betrag die "Patenschaft" für einen Stern. Dieser Betrag kommt meistens dem Auf- oder Ausbau einer Sternwarte zugute.

In international gültige Sternkarten wird diese "Patenschaft" nicht eingetragen, darauf müssen die entsprechenen Vereine / Sternwarten hinweisen. Ihren "Sternnamen" finden sie einzig und allein in Ihrer schön gestalteten, persönlichen Urkunde wieder, die sie als Dank für die Unterstützung des Sternwartenaufbaus erhalten.

Sie erwerben weder Rechte an dem Stern noch wird der Stern offiziell nach ihnen benannt. Es handelt sich lediglich um einen symbolischen Akt.

Kann ein Stern offiziell nach meinem Namen benannt werden, so dass es in jeder Sternkarte steht?

Die Nomenklatur, die Namensgebung am Himmel, welche in alle Sternkarten eingetragen wird, die bestimmt einzig und allein die Internationale Astronomische Union (IAU) mit Sitz in den USA.

Sterne werden in den Sternbildern durchnummeriert, nur die hellsten Sterne haben schon seit der Antike Namen. Weitere Sternnamen werden nicht vergeben.

Es werden zur Benennung von Himmelskörpern wie Asteroiden fast ausschließlich die Namen von bekannten und verdienten Wissenschaftlern, Politikern, historischen Persönlichkeiten oder Sagengestalten herangezogen. Ebenso verhält es sich mit der Benennung von Planetenmonden oder Formationen wie Kratern und Gebirgsketten auf Körpern des Sonnensystems. Uns ist keine Möglichkeit bekannt, auf diese Namensgebung Einfluß zu nehmen.

Sterne kaufen und taufen, geht das?

An Himmelskörpern kann kein Recht erworben werden, ein "Verkauf" ist daher Unsinn! Organisationen die Sterne "taufen" tragen diese Namen lediglich in ihre eigenen Datenbänke ein und erwecken auf ihren Internetseiten den Eindruck, diese Namen würden auch in allen Sternkarten stehen. Das ist unmöglich! Es ist mit einem Blick in den Hubble-Katalog oder andere offizielle Kataloge leicht beweisbar, daß kein einziger der "selbstgemachten", teuer verkauften Sternnamen jemals in die offiziellenKataloge übernommen wurde oder wird!

Man muß sich nur folgende logische Fragen stellen: Wer hat diesen Stern für den Verkäufer in Besitz genommen? Zum Glück kann man nicht durch pures Beobachten Besitz an etwas erlangen, sonst würde ihnen jedes vorbeifahrende Auto gehören.

Wie möchten sie diese Besitzansprüche durchsetzen? Sicher wird die USA keine Shuttles stellen um eine Fahne zu setzen oder "Ihren" Stern gegen E.T. oder Darth Vader zu verteidigen. Mal ganz abgesehen davon, daß der Flug zu einem der nächsten Sterne mehrere zehntausende Jahre dauern würde.

Das dieser "Verkauf" von Sternen noch nicht untersagt ist, liegt einzig und allein daran, daß es anscheinend noch keinen Musterprozeß gibt, niemand hat bisher Anzeige erstattet.

Wie kommt es, daß Mond- und Marsgrundstücke angeboten werden?

Einige dubiose Anbieter berufen sich auf nur sehr schlecht nachvollziehbare "Schenkungen" von Himmelskörpern an ihre Vorfahren durch früheren irdischen Herrschern wie z.B. Napoleon, Kaiser Friedrich o.ä.. Doch wer hat diesen Herrschern den Mond übereignet, wie haben sie ihn in Besitz genommen, wer hat Kaiser Friedrich das Recht gegeben, den Mond zu verschenken?

Die Vorfahren dieser angeblichen "Besitzer" von Mond und Mars wurden von den schlauen Regenten hereingelegt, sie erhielten eine Urkunde, die eigentlich nichts wert war als Lohn für ihre harte Arbeit und ihre Verdienste. Nun versuchen die angeblichen Mond- und Marseigentümer die Schande und Dummheit ihrer Vorfahren noch in einen Gewinn umzuwandeln.

Eine weitere Variante sind die neuerdings hier in Deutschland praktizierten Verkäufe von "Jungunternehmern", die sich auf eine angebliche Lücke in der Mondvereinbarung der UNO von 1967 ("Moon Treaty") berufen. Darin heißt es, daß Mond und Planeten ein" Erbe der gesamten Menschheit" sind und "nicht in Besitz von einzelnen Regierungen übergehen können".

Da nur Regierungen, nicht jedoch Privatpersonen erwähnt sind, hat sich ein Privatmann den Mond einfach so, ohne weitere rechtliche Grundlage mittels Eintrag in einem Grundbuchamt in San Francisco, USA geclaimt, d.h. Nutzungsrechte auf seinen Namen eintragen lassen. Woher San Francisco sich das Recht nimmt, über den Mond zu verfügen, konnte uns noch niemand erklären. Aussage eines Juristen zum Thema.

Alleine schon die Formulierung "Erbe der gesamten Menschheit" in der Mondvereinbarung sagt aus, daß der Mond (bzw. Teile davon) auch keiner Privatperson gehören kann. Diese Aussage muß jedoch rechtlich noch manifestiert werden, was nur von der UNO erfolgen kann. Solange ist der Verkauf von Grundstücken auf Planeten zwar nicht illegal, aber auch rein rechtlich gar nicht möglich, da niemand ein Eigentum am Mond / den Planeten hat.

Fazit:

Sein Geld für ein Grundstück auf einem Planeten ausgibt, erhält eine schöne Urkunde und das Recht auf einen Besitz für den Falle, daß der Eintrag in San Francisco jemals von der UNO für gültig erklärt wird. Doch daran glauben wohl nur die Verkäufer der Grundstücke und einige wenige ihrer Kunden. Für alle anderen ist es nur ein origineller Gag.

Unser Tipp: Ein kleines Teleskop oder ein Fernglas sind als Geschenk sicher genauso extravagant wie die Urkunde über ein "Mondgrundstück" und man kann damit die schönsten Beobachtungen an Himmelskörpern machen.

Ideen, was man verschenken kann, finden Sie auch auf unsere Geschenkeseite

Offizielle Seite der IAU, die zu dem Verkauf von Sternen deutlich Stellung nimmt und deren Regeln nennt.Zur Sternbenennung: de.wikipedia.org/wiki/Sternbenennung

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt. 

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