Sternbild Delfin - lat. Delphinus, Delphini (Gen.), deutsch: Delfin, Kurzbezeichnung Del.

Lage, Größe und Sichtbarkeit

Dieses Sternbild liegt zwischen den Sternbildern Adler, Wassermann, Pegasus, Füchslein und Pfeil und ist schon seit der frühen Antike bekannt. Das Sternbild nimmt am Himmel eine Fläche von 189 Quadratgrad ein und steht damit in der Rangfolge der Sternbilder an der 69. Position. Es ist eines der kleinsten und ältesten Sternbilder.

 

Geschichte und Mythologie

Darüber, wie das Sternbild Delfin an den Himmel kam, kursieren seit der Antike zwei Geschichten.
Die erste Geschichte erzählt von Poseidon, wie der sich als junger Gott des Meeres auf Brautschau begab. Sein suchendes Auge fiel auf Amphitrite, eine der jungen und wunderschönen Töchter des Titanen Nereus, und Poseidon verliebte sich in sie. Er war von Amphitrites zarter Haut, ihren schönen Augen, ihrer Figur und ihrer Eleganz hingerissen, doch Amphitrite fand den Poseidon nicht attraktiv. Sie ließ den jungen Gott daher abblitzen und floh zu ihren vielen Schwestern.
Der verzweifelte Poseidon sandte mehrere Boten zu Amphitrite, die dort für ihn sprechen sollten. Einer dieser Boten war ein Delfin, und dem gelang es, Amphitrite ganz behutsam davon zu überzeugen, dass ein Gott, der über so etwas Freundliches wie einen Delfin bestimmen konnte, wohl auch eine Menge Gutes in sich haben müsse. So wurde Amphitrite schließlich die Gattin Poseidons, und der dankbare Meeresgott versetze den Delfin dankbar an den Sommersternenhimmel.
Die zweite Geschichte berichtet von dem berühmten Musiker und Dichter Arion, der im 7. Jahrhundert vor Christus lebte. Arion war per Schiff unterwegs zu einem Konzert und hatte eine Menge Geld aus seinen Gagen bei sich. Als die Matrosen des Schiffes herausfanden, dass Arion viel Geld bei sich hatte, beschlossen sie, ihn auszurauben und ihn anschließend bei Nacht ins Meer zu werfen. Arion bekam jedoch Wind von dem Plan, doch er fand auf dem Schiff niemanden, der ihn beschützen wollte. In seiner Not bat nur darum, vor seinem Ende ein allerletztes Lied singen zu dürfen. Die Matrosen erlaubten ihm das, und nachdem er ausgesungen hatte, warfen sie Arion über Bord in das nachtschwarze Meer.
Durch seinen Gesang hatte der geschickte Arion jedoch eine Gruppe von Delfinen angelockt, denn Delfine lieben den Gesang. Sie schwammen zu Arion und brachten ihn sicher an Land. Dort erstattete Arion Anzeige, die räuberischen Matrosen wurden ermittelt, gefasst, verurteilt und hingerichtet, und die Geschichte von der wunderbaren Rettung des Arion durch Delfine machte die Runde. Zur Erinnerung an dieses Ereignis wurde das Sternbild Delfin geschaffen.

 

Markante Sterne

Das Sternbild Delfin erscheint dem bloßen Auge am Nachthimmel als ein kleiner Rhombus aus vier leuchtschwachen Sternen, an dessen südlicher Spitze eine nach Süden gerichtete Sternenkette ansetzt. Der kleine Rhombus besteht aus den vier Sternen Sualocin (Alpha Delphini), Rotanev (Beta Delphini), Gamma Delphini und Delta Delphini. Er stellt im Sternbild den Körper des munter springenden Delfins dar. Die Sternenkette aus den Sternen Zeta Delphini, Eta Delphini und Epsilon Delphini repräsentiert den Schwanz des Delfins.Die Sternennamen „Sualocin“’ und „Rotanev“ wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch den Assistenten des Astronomen Piazzi am Observatorium in Palermo definiert. Seine Namensgebung wurde in der Astronomie akzeptiert und bürgerte sich ein. Dieser Assistent hieß Niccolo Cacciatore. Liest man „Sualocin“ rückwärts, wird daraus „Nicolaus“, liest man „Rotanev“ rückwärts, wird daraus „Venator“. „Nicolaus Venator“ ist die lateinische Übersetzung des italienischen Namens „Niccolo Cacciatore“. Dies ist der einzige Fall, wo ein Astronom es geschafft hat, einen mit bloßem Auge sichtbaren Stern erfolgreich nach sich selbst zu benennen.Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)Gamma Delphini ist ein auffälliger Doppelstern. Die beide ungleich hellen Partner stehen in 10 Bogensekunden Abstand voneinander und zeigen einen merklichen Farbkontrast: Gamma1 erscheint orange, Gamma2 weiß. Ca. 15 Bogensekunden südwestlich von Gamma Delphini liegt im selben Feld ein weiterer Doppelstern namens Struve 2725, der wie eine verkleinerte Version von Gamma Delphini erscheint.

 

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Das kleine Sternbild enthält zwei kleine Kugelsternhaufen: NGC 6934 und NGC 7006.
NGC 6934 liegt ca. 4° südlich von Epsilon Delphini. Er ist im kleinen Fernrohr ab 3 Zoll eben erkennbar, kann jedoch erst in Fernrohren ab 8 Zoll Öffnung teilweise in Einzelsterne aufgelöst gesehen werden. NGC 6934 ist ca. 8,9m hell und ist 50000 Lichtjahre von uns entfernt.
Der zweite Kugelsternhaufen heißt NGC 7006, er liegt 3,5° östlich von Gamma Delphini. Man benötigt ein Fernrohr ab 6 Zoll Öffnung, um ihn wahrnehmen zu können, denn NGC 7006 ist nur 10,6m hell und ist über 135000 Lichtjahre von uns entfernt. Er ist einer der am weitesten entfernten Kugelsternhaufen unserer Milchstraße.

 

 Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.