Sternbild Fische (Tierkreiszeichen) - lat. Pisces, Piscium (Gen.), Kurzbezeichnung Psc.

Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Fische liegt zwischen den Sternbildern Pegasus, Dreieck, Widder, Walfisch und Wassermann. Es ist ein unauffälliges und daher wenig beachtetes Sternbild des herbstlichen Nachthimmels. Dennoch ist es eines der größeren Sternbilder und steht mit seiner Fläche von 889 Quadratgrad in der Rangliste der 88 Sternbilder auf der 14. Position.
Das Sternbild ist eines der 12 klassischen Tierkreissternbilder. Die Sonne wandert jedes Jahr im März und April durch das Sternbild Fische und überquert dabei am 21. März den Himmelsäquator nach Norden. Dieser Schnittpunkt der Ekliptik mit dem Himmelsäquator definiert den Nullpunkt im Äquatorialen Koordinatensystem, auf den sich die Koordinaten der Himmelsobjekte beziehen. Wenn die Sonne diesen Punkt überschreitet, beginnt auf der Nordhalbkugel der Frühling.
Das Sternbild Fische kennen die meisten Menschen zumindest dem Namen nach. Will man es jedoch am Himmel zeigen, fällt das häufig schwer, da es keine hellen Sterne enthält, die das Auffinden des Sternbilds erleichtern können.

 

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Fische wurde um 2500 v. Chr. im Zweistromland im Reich der Akkader erfunden. Ähnlich wie bei vielen anderen Sternbildern der Antike reicht die Geschichte des Sternbilds Fische weiter zurück als die ägyptischen Pyramiden. Alle klassischen Darstellungen des Sternbilds zeigen zwei Fische, die voneinander wegschwimmen, wobei ihre Schwänze zueinander zeigen und durch eine Schnur locker miteinander verbunden sind. Wen oder was diese Fische darstellen sollen, lässt sich heute nicht mehr eindeutig klären. Der griechische Mythologe Hesiod (um 700 v. Chr.) erzählt, wie Aphrodite, die Göttin der Liebe, nach dem Sieg der Olympischen Götter über die Titanen entspannt und glücklich mit ihrem kleinen Söhnchen Eros am Ufer des Euphrat spielte, als das riesige Ungeheuer Typhon auf der Bildfläche erschien, um die Macht der Götter zu vernichten. Typhon hatte hundert riesige Drachenköpfe mit geifernden Rachen und schwarzen Zungen, und jeder seiner Köpfe brüllte mit einer anderen Stimme. Das Ungeheuer spie Gift, seine Schuppen rasselten, und es stank grauenvoll. Voller Entsetzen floh Aphrodite mit ihrem Söhnchen ins Schilf. Sogar Pan, der nie zuvor Furcht gezeigt hatte, verwandelte sich beim Anblick von Typhon vor Schreck zur Hälfte in einen Fisch und versuchte sich schwimmend im Euphrat in Sicherheit zu bringen. In der Gestalt wird Pan noch heute als Sternbild Steinbock dargestellt.
Die verängstigte Aphrodite konnte sich jedoch nicht wie Pan in ein schwimmfähiges Tier verwandeln. Dennoch wurde sie gerettet, denn die gute Nymphe des Flusses schickte der verzweifelten Göttin zwei große, sanfte Fische, an deren Schwänzen eine Schnur gebunden war. An der Schnur hielt sich Aphrodite fest, und so zogen die beiden Fische sie und den kleinen Eros sicher ans andere Ufer. Zum Dank für die Rettung der Göttin der Liebe wurden die beiden Fische daraufhin als Sternbild an den Himmel versetzt.  In Babylonien hatte die Göttin der Liebe den Namen Ishtar. Ishtar war zudem die Göttin des Krieges und die Göttin der Mutterschaft und somit eine sehr machtvolle Göttin. Ihr Name bedeutet „Stern“, als ihre Verkörperung am Himmel galt die strahlende Venus.

 

Markante Sterne

Das Sternbild Fische ist nur bei klarem, dunklem Nachthimmel zu erkennen. Ideal zur Beobachtung sind die Neumondnächte von September bis Januar, da dann das Mondlicht bei der Beobachtung der schwachen Sterne nicht stören kann. Das Sternbild setzt sich aus zwei Sternenketten zusammen, die jeweils von einer rundlichen Anordnung aus schwachen Sternen ausgehen und sich beim Stern Alrischa vereinen.
Alrischa (Alpha Piscium) ist mit 4,3m der Hauptstern des Sternbilds. Im Fernrohr zeigt sich Alrischa bei hoher Vergrößerung als ein enger Doppelstern, die gegenseitige Distanz der beiden Partner beträgt nur eine Bogensekunde. Alrischa ist 140 Lichtjahre entfernt, der Name bedeutet „Seil“.
Von Alrischa aus zieht eine Sternenkette in Richtung auf das Sternbild Andromeda hin. Diese Sternenkette besteht aus den Sternen Omikron, Eta, Chi bis Tau. Um Tau bilden die Sterne Ypsilon, 91 Piscium, Sigma und 58 Piscium einen Ring aus Sternen. Dieser Ring stellt den Kopf eines der Fische dar. Eine zweite, längere Sternenkette verläuft von Alrischa in westliche Richtung. Sie besteht aus den Sternen Ny, My, Zeta, Epsilon, Delta und Omega und endet im Stern Iota Piscium. An Iota schließt sich eine ovale Anordnung von Sternen an, die den Kopf des zweiten, größeren der beiden Fische bildet. Dieser Kopf besteht, im Uhrzeigersinn gezählt, aus den Sternen Theta, Gamma, Kappa und Lambda., Zeta  Piscium ist ein Doppelstern. Man findet ihn ca. 13° nordwestlich von Alrischa, ziemlich genau auf der Ekliptik. Schon im kleinen Fernrohr kann man diesen Doppelstern gut getrennt sehen. Seine beiden Partnersterne erscheinen weiß.

 

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Ca. 1,3° östlich von Eta Piscium befindet sich die Galaxie M74. In der Regel ist der sternförmige helle Kern dieser Spiralgalaxie im Fernrohr leicht zu sehen, die ausgedehnte Halo dieser Galaxie wird man aber erst unter einem dunklen, klaren Neumondhimmel in Fernrohren ab 15 cm Durchmesser bei niedrigster Vergrößerung eben wahrnehmen können. Das Sternbild Fische liegt weit abseits der Milchstraße mit ihren dichten Sternfeldern und enthält deshalb keine Offenen Sternhaufen. Wer jedoch zur Beobachtung ein lichtstarkes Fernrohr mit großer Öffnung einsetzen kann, sollte hier auf Galaxiensuche gehen. Im Sternbild Fische gibt es viele lichtschwache Galaxien mit einer Flächenhelligkeit ab 12m.

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.