Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Krebs liegt am Himmel zwischen den Sternbildern Zwillinge, Kleiner Hund, Wasserschlange, Löwe und Luchs. Mit seiner Fläche von 510 Quadratgrad steht das Sternbild in der Liste der 88 Sternbilder an 31. Position. Es ist somit größer als jedes der Sternbilder Widder, Skorpion, Jagdhunde oder Großer Hund. Das Sternbild Krebs ist eines der 12 Tierkreissternbilder. Dennoch sind seine hellsten Sterne so schwach, dass man sie nur in klaren Nächten fernab der Lichtglocken der Städte mit bloßem Auge erkennen kann. Hat man das Sternbild am Himmel entdeckt, wundert man sich, warum ein so unauffälliges Sternbild geschaffen wurde.

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Krebs stammt aus der Antike. Damals stand die Sonne bei der Sommersonnenwende an dieser Stelle des Himmels. Der nördliche Wendekreis wird daher nach diesem Sternbild als der „Wendekreis des Krebses“ bezeichnet. Heutzutage steht die Sonne zur Zeit der Sommersonnenwende nicht mehr im Sternbild Krebs, sondern im Sternbild Stier, da sich aufgrund der Präzession der Erdachse die Lage des nördlichsten Bahnpunkts der Ekliptik nach Westen verschiebt.Die Babylonier sahen in dem Sternbild keinen Krebs, sondern eine Schildkröte. Die Ägypter betrachteten das Sternbild als Abbild eines Skarabäus, dem Symbol der Unsterblichkeit. Bei den Chaldäern galt um 3000 v. Chr. der Punkt der Sommersonnenwende als das Tor, durch welches die Seelen der Menschen auf die Erde kommen, bevor sie geboren werden. Somit war der Ort der Sommersonnenwende am Himmel für sie ein wichtiger Ort. Vielleicht ist das der Grund, wegen dem diesem Punkt ein eigenes Sternbild zugeordnet wurde, obwohl dieser Bereich des Himmels keine hellen Sterne bietet.
Mittelalterliche Sternkarten zeigen an der Stelle des Sternbilds Krebs eine Wasserassel, später verwendete man in den Sternkarten Abbilder von Flusskrebsen oder Hummern. Heutige Illustrationen des Sternbilds zeigen es als eine Strandkrabbe.
Die Mythologie der griechischen Antike verbindet das Sternbild Krebs mit der Herkules-Sage. Als Herkules in einem glitschigen Sumpf auf Leben und Tod mit der Hydra, einem riesigen, Gift speienden Ungeheuer kämpfte, kam ein mächtiger Krebs aus dem Morast hervor und griff Herkules von der Seite an. Herkules ließ sich von den gefährlich klaffenden Scheren des Untiers jedoch nicht ins Bockshorn jagen, sondern stampfte den Krebs entschlossen mit einem kräftigen Tritt zu Tode. Auf Heras Fürbitten versetzte Zeus den gescheiterten Krebs an den Himmel. Herkules tötete die Hydra mit Hilfe seines Freundes Iolaos, und die Hydra wurde an einer Position unterhalb des Krebses ebenfalls als Sternbild an den Himmel versetzt. Sie ist heute das größte der 88 Sternbilder.
Eine andere Geschichte berichtet von Dionysos, dem von klugen Gott der Freuden und Erfinderdes Weines. Dionysos war aufgrund seines Alters nicht gut zu Fuß und zudem wegen seines anstrengenden Lebenswandels oft nicht in der Lage, selbständig den Weg nach Hause zu finden. Darum hatte er zwei kleine Esel, die den erschöpften Gott von seinen feuchtfröhlichen Ausflügen stets sicher nach Hause brachten. Eines Tages jedoch geriet Dionysos mit seinen beiden Eselchen mitten ins Getümmel der großen Schlacht zwischen den Göttern und den Titanen um die Weltherrschaft. In dem Durcheinander fingen die beiden Eselchen an, laut zu schreien, und dieses ungewohnte Geräusch jagte den kämpfenden Titanen einen solchen Schrecken ein, dass sie Hals über Kopf flohen, wodurch die Götter siegten.
Zum Dank für ihren großartigen Stimmen wurden die beiden Eselchen an den Himmel versetzt und stehen dort als die beiden Sterne Asellus Borealis (das „nördliche Eselchen“) und Asellus Australis (das „südliche Eselchen“) im Sternbild Krebs.

Markante Sterne

Der  hellste Stern im Sternblid Krebs ist der 3,5m helle Altarf (Beta). An zweiter Stelle kommt der 3,9m helle Asellus Australis (Delta), ca. 11° nordöstlich von Altarf. Ca. 3° nördlich von Asellus Australis liegt der nur 4,7m helle Asellus Borealis. Diese beiden Sterne sind ca. 220 Lichtjahre von uns entfernt. Ca. 7° nördlich von Asellus Borealis liegt der 4m helle Iota Cancri. Iota ist ein hübscher Doppelstern, die beiden 4,6m und 6,5m hellen Partner stehen 39 Bogensekunden auseinander und zeigen dabei einen deutlichen Farbunterschied (gelb-hellblau). Der 4,3m helle Stern Acubens (Alpha Cancri) ist der vierthellste Stern im Sternbild Krebs. Er liegt 170 Lichtjahre von uns entfernt und ist ein Doppelstern. Seine beiden Partnersterne sind 4,6m bzw. 11m hell und weiß, sie haben einen gegenseitigen Abstand von 11,3 Bogensekunden.

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Der bekannteste Doppelstern im Krebs ist Tegmeni (Zeta Cancri). Dieser 5m helle Stern steht 7,6° östlich von Asellus Australis. Im Fernrohr kleiner Öffnung sieht man Tegmeni bei Vergrößerungen um 100fach als zwei 5,6m und 6m helle Sterne, die in 5 Bogensekunden Abstand voneinander stehen. In Fernrohren größerer Öffnung und langer Brennweite zeigt sich der hellere Stern seinerseits doppelt, seine beiden Partnersterne sind ca. 1 Bogensekunde voneinander entfernt und umlaufen einander einmal in 59,6 Jahren. Tegmeni ist 70 Lichtjahre von uns entfernt.

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Das Sternbild liegt nahe dem Milchstraßenband und enthält deshalb mehrere schöne Offene Sternhaufen. Der hellste von ihnen ist M44. Ist der Himmel klar und dunkel, erkennt man mit dem bloßen Auge nahe bei Asellus Australis ein zartes Nebelwölkchen, das schon bei den Astronomen der Antike unter dem Namen „Präsepe“ bekannt war. Es stellte die Futterkrippe dar, aus der die beiden Eselchen des Dionysos gemeinsam fressen. Der griechische Astronom Hipparcos führte die Präsepe in seiner Sternenliste um 130 v. Chr. als „kleines Wölkchen“ auf. Im Fernglas und im Spektiv zeigt sich M44 als ein ausgedehnter Sternhaufen von doppeltem Monddurchmesser.In der Antike betrachtete man die Präsepe als eine Anzeige für drohendes schlechtes Wetter. War sie am Sternenhimmel unsichtbar, drohte ein Unwetter: dann blieben die Schiffe im sicheren Hafen. Die wahre Natur der Präsepe wurde erst beim Blick durch ein Fernrohr erkennbar.Ein weiterer schöner Offener Sternenhaufen im Krebs ist M67. Er befindet sich 2° westlich des 4,3m hellen Sterns Acubens (Alpha Cancri). M67 ist groß und reich an Sternen, liegt 1500 Lichtjahre von uns entfernt und gehört mit einem Alter von 10 Milliarden Jahren zu den ältesten Offenen Sternhaufen der Galaxis. Mit Fernrohren großer Öffnung kann man im Sternbild Krebs bei hoher Vergrößerung viele lichtschwache Galaxien und Galaxienhaufen wahrnehmen. Dazu braucht man einen mondlosen und sternklaren Himmel, eine hohe Transparenz der Luft, und eine gute Vorbereitung der Beobachtung, und viel Geduld.

Text von Günther Bendt

 

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt. 

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