Lage, Größe und Sichtbarkeit

Das Sternbild Steinbock liegt zwischen den Sternbildern Wassermann und Adler im Norden, dem Sternbild Schütze im Westen und den Sternbildern Südlicher Fisch und Mikroskop im Süden. Es bedeckt am Himmel eine Fläche von 414 Quadratgrad, damit steht es in der Liste der 88 Sternbilder an der 40. Position. Trotz seiner Größe ist es unauffällig, denn es enthält keine hellen Sterne. Es kulminiert im August gegen Mitternacht, in weiten Teilen Mitteleuropas bleibt sein südlicher Horizontabstand kleiner als 30°. Die horizontnahe Lage des Sternbilds erschwert seine Beobachtung. Es ist jedoch ein wichtiges Tierkreissternbild, da der südliche Wendekreis als der „Wendekreis des Steinbocks“ bezeichnet wird.

Geschichte und Mythologie

Das Sternbild Steinbock ist eines der 48 Sternbilder aus der Liste des antiken Astronomen Claudius Ptolemäus aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Es gehört zu den ältesten Sternbildern.
Der griechischen Mythologie zufolge soll es an Pan erinnern. Zeus setzte es zum Dank für Pans erfolgreichen Einsatz bei der Schlacht der Götter um die Weltherrschaft an den Himmel.
Über die Herkunfr des Pan weiß man nichts Genaues. Er wuchs gemeinsam mit Zeus in Kreta auf. Pan trug an seinem wolligen Kopf zwei kleine, krumme Hörner. Seine Beine und Füße waren die einer Ziege, und er hatte einen Schwanz. Er liebte den Gesang und das freie Leben in der Natur, und er entwickelte  eine unersättliche Neigung zu hübschen, jungen Frauen und zu Alkohol, von dem konnte er Unmengen vertragen. War er schließlich betrunken, gab er bald ein Gegröle von sich, das so fürchterlich klang, dass er damit Alles und Jeden umgehend in die Flucht schlug. Noch heute spricht man in Erinnerung daran vom „panischen Schrecken“. Als die olympischen Götter in der großen Entscheidungsschlacht gegen die Titanen und die Giganten der Erdmutter Gaia zu unterliegen drohten, erwies sich Pans Gegröle als eine wirksame Waffe. Pan verjagte diese übermächtigen Gegner nur mit seiner furchtbaren Stimme.
Schaut man sich auf alten Sternkarten die allegorischen Darstellungen des Sternbilds Steinbock an, zeigen sie einen Ziegenbock mit einem geringelten Fischschwanz. Schon bei den Sumerern um 2800 v. Chr. trug das Sternbild Steinbock den Namen „Ziegenfisch“. Offensichtlich ist das Sternbild Steinbock sehr viel älter als die Mythologie der griechischen Klassik.

Markante Sterne

Der hellste Stern im Steinbock ist der 3,6m helle Stern Algiedi (Alpha Capricornii). Algiedi ist ein visueller Doppelstern, seine beiden im Fernrohr sichtbaren Partnersterne umkreisen einander nicht, sondern stehen von uns aus gesehen nur zufällig in derselben Richtung. Der benachbarte Stern Dabih (Beta Capricornis) ist jedoch ein echter Doppelstern, sein hellerer Partnerstern erscheint orange, sein schwächerer Begleiter blauweiß.
Nashira (Gamma Capricornii) ist ein 3,8 m heller, weißer Stern. Der 2,9m helle Deneb Algiedi (Delta Capricornis) ist der Stern, in dessen Nachbarschaft der Astronom Galle und sein Assistent dÁrrest anno 1846 erstmals den Planeten Neptun an der Berliner Sternwarte gesehen haben.

Besondere Sterne (Doppelsterne, Veränderliche)

Das Sternbild Steinbock enthält viele helle Doppelsterne, z. B. die Sterne Alpha 1, Beta, Pi, Rho, Omikron, Tau, Zeta und 41 Capricornii.

Sehenswerte Deep-Sky-Objekte

Ca. 6, 5° südlich von Gamma Capricornii liegt der kleine Kugelsternhaufen M30. Er ist das einzige Deep-Sky-Objekt, welches man in diesem Sternbild mit einen kleinen Teleskop erfolgreich beobachten kann.

Text von Günther Bendt

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Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik.  Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als KInd erlebte er unerwartet eine Mondfinsternis, das weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er  ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.
Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Auf fünf Kontinenten hat er bislang sieben Totale Sonnenfinsternisse erlebt.