Sonnensucher und -blende für die perfekte Beobachtung des Merkurtransits vor der Sonne

Bei der Beobachtung der Sonne sind besondere Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Ohne entsprechenden Sonnenfilter oder anderen Maßnahmen darf unser naher Stern keinesfalls beobachtet werden! Die Konsequenzen wären fatal.

Sind alle Vorsichtsmaßnahmen am Teleskop getroffen, geht die Sucherei der Sonne im Okular los. Wer von uns kennt das nicht.

Es gibt viele Möglichkeiten, die Sonne möglichst nahe in das Gesichtsfeld des Okulars zu bringen.

Die einen „rühren“ minutenlang mit Ihrem Teleskop im Himmel herum und sind nach 10 Minuten total genervt.

Bei Refraktoren hat man es oft einfacher. Der kürzeste Schatten des Tubus am Boden verrät, wenn das Sonnenlicht in das Beobachtungsgerät einfällt.

Aber warum sich das Leben schwer machen, wenn es einfacher geht! Ein Sonnensucher ist an dieser Stelle eine gute Lösung.
Gerade zum kommenden Merkurtransit (am 11. November 2019) bietet sich eine solche Möglichkeit an, um schnell und sicher die Sonne im Bedarfsfall wieder in das Gesichtsfeld des Okulars zu bringen.

Es gibt viele solcher Helfer und Konstruktionen auf dem astronomischen Markt. Manche Amateurastronomen bauen sich solche Sonnensucher sogar selber.

Beim Besuch der Messe in Essen, dem ATT, bin ich auf die Lösung von Euro-EMC aufmerksam geworden. 
Der dort präsentierte Sonnensucher mit unterschiedlichen Basisteilen zur Montage gefiel mir besonders gut und macht einen soliden und sehr guten Eindruck.

Mich persönlich stört bei der Sonnenbeobachtung die fehlende Abschattung beim Blick durch das Okular. 
Meist behelfe ich mir mit Tüchern oder halte die Hand zur Abstattung oberhalb des Okulars.

Auch hierfür EMC eine Lösung. Eine groß dimensionierte Sonnenblende die am Tubus des Teleskopes befestigt wird und das Okular abschatten soll.

Kurzerhand bestelle ich nach dem netten Gespräch mit dem Geschäftsinhaber Herr Dipl. Ing. Rainer Schäfer den Sonnensucher mit den drei verfügbaren Basen zur Montage und die Sonnenblende, die für Tubendurchmesser von 80 bis 300mm geeignet ist.

Ein paar Tage später trifft dann die Ware bei mir zu Hause ein. 
Neugierig öffne ich das Paket und finde alles gut verpackt im Karton vor. Eigentlich überflüssig, sagst du ja schon im nächsten Satz. 
Alle Teile sind separat verpackt und entsprechend beschriftet.

Sonnenblende zusammenbauen und vorbereiten

Die gelieferte Sonnenblende ist aus Aluminium gefertigt und im dunklen Ton pulverbeschichtet. 
Im Lieferumfang ist neben zwei Aluminium-Elementen für die Sonnenblende ein Klettband für die einfache Befestigung am Teleskop-Tubus dabei.

Die Kanten fühlen sich geschmeidig an und sind nicht scharfkantig. 
Die Durchführung für das Klettband zur Befestigung der Sonnenblende am Teleskop ist zusätzlich an den auf liegenden Kanten mit einem Kunstoffkantenschutz versehen. Sehr gut durchdacht, um damit ein unnötiges Verschleißen des Klettbandes zu vermeiden.

Ich gehe mit meinen Gerätschaften sehr sorgfältig um und vermeide möglichst Kratzer auf den lackierten Oberflächen. 
Die Sonnenblende hat dazu an den Auflageflächen einen Kantenschutz aus Kunststoff. Sehr gut!

Für die erste Nutzung müssen die beiden kleinen Sechskantschrauben mit ihren dazugehörenden Muttern gelöst werden. Das ganze sollte an einem Tisch durchgeführt werden, um die kleinen Teile nicht auf dem Boden zu verlieren.

Nachdem die beiden Teile der Sonnenblende auseinander gelegt sind, schraube ich zuerst die beiden Blenden am oberen Ende zusammen und verwende beim Verschrauben die Unterlegscheibe auf der Seite der Muttern..

Es ist ein wenig Feingefühl notwendig, um die Muttern auf die Sechskantschrauben zu bekommen. 
Das Gewinde der Schrauben schließt an den Muttern ab. Damit gibt es keine überstehenden Teile. 
Es sind die Details, die mir immer wieder auffallen.

Ein kleiner Tipp! Damit man die richtige Weite der Sonnenblende am Teleskop ermitteln kann, sollte die Mutter nur leicht festgezogen werden. Damit lassen sich die beiden Bauteile bei der Anpassung am Teleskop zusammen oder auseinander schieben.

Als nächstes erfolgt die Anpassung der Weite der Sonnenblenden am Teleskop. Dazu wird die Sonnenblende auf den Tubus des Teleskopes gestellt und mit der Hand festgehalten. 
Durch das Auseinanderschieben der beiden Bauteile am Tubusende wird die richtige Weite der Sonnblende eingestellt. Da ich einen Tubusdurchmesser von 240mm habe, wähle ich die weiteste Stellung aus.

Nach den Herstellerangaben ist die Sonnenblende für Tuben mit Durchmessern von 80 bis 300m geeignet.

Nachdem ich mir die Bohrung gemerkt habe, in der die letzten Sechskantschrauben eingesetzt werden müssen, gehe ich wieder an meinen Tisch.  Dort fixiere ich den unteren Teil der beiden Sonnenblenden mit den restlichen Schrauben und jeweils einer Unterlegscheibe. 
Danach ziehe ich beide Muttern handfest. Die Montage ging echt fix! Keine 5 Minuten und sehr intuitiv.

Sonnensucher zusammenbauen und vorbereiten

Weiter geht es mit dem Sonnensucher, der aus dem Oberteil (im weiteren Text Sonnensucher) mit der Mattscheibe besteht und einem Unterteil, das als Basis dient.

Auf dem Bild sind folgende Bauteile zu sehen:

Mitte oben:     Basis für die Montage auf einer Telradbasis
Mitte links:     Große Basis mit Klettband zur Montage auf einen Teleskop-Tubus mit einem Durchmesser von 105 bis maximal 300mm
Mitte unten:    Kleine Basis mit Klettband zur Montage auf einen Teleskop-Tubus oder Sucher mit einem Durchmesser von 44 bis 105mm
Mitte rechts:    Sonnensucher mit Mattscheibe und Lochblende

Alle Bauteile sind aus Aluminium gefertigt und haben eine sehr angenehme Haptik. Es sind keine scharfen Kanten oder Ecken vorhanden.

Die Verarbeitung ist sehr ordentlich und exakt hergestellt. Alle Bohrungen der Basen passen zu 100% mit den Bohrungen des Sonnensuchers zusammen. 
Gerade für die Montage ist das wichtig, um die beigelegten Sechskantschrauben ohne Druck in die Bohrungen zu setzen und mit der Basis zu verschrauben.

Ich habe alle Kombinationen des Sonnensuchers mit den Basen montiert und getestet.

Zur Montage setzt man sich am besten an einen Tisch und sortiert zuerst die Sechskantschrauben, Unterlegscheiben und Muttern. 

Dabei sind zwei der sechs Schrauben etwas länger. Damit besteht die Möglichkeit durch Verwendung von Unterlegscheiben zwischen dem Sonnensucher und der Basis bei Bedarf den Winkel um maximal 1 Grad anzuheben. 
Das ist dann sehr praktisch, wenn in vertikaler Richtung das Sonnenbild auf der Mattscheibe des Sonnensuchers nicht ganz zentrisch ist.
In horizontaler Richtung ist ebenfalls eine Verschiebung möglich. Dazu gibt es ein kleines „Spiel“ bei gelösten Schrauben, um den Sonnensucher in horizontaler Richtung auszurichten.

Bei meinem C 9.25 Edge HD war das allerdings gar nicht notwendig. Das Sonnenbild ist immer sofort auf der Mattscheibe zentriert!   

Für die Montage habe ich den Sonnensucher auf die untere Basis gestellt und die Bohrungen übereinander gebracht. 
Anschließend lassen sich die Sechskantschrauben leicht durch die Bohrungen des Sonnensuchers stecken. 
Ist das erfolgt, werden die beiden ersten Schrauben festgehalten und der Sonnensucher mit der Basis umgedreht.

Anschließend versieht man beide Sechskantschrauben mit einer selbst sichernden Unterlegscheibe und dreht die beiden Muttern lose auf die Gewinde der Schrauben. Für die anderen beiden Bohrungen wiederholt man diesen Vorgang.
Nachdem alles locker verschraubt ist, zentriere ich nach Augenmaß den Sonnensucher und ziehe alle Muttern handfest.


Nach wenigen Minuten ist hier alles erledigt.

Auf geht es zum Testen nach draußen!

Sonnenblende auf dem Teleskop anbringen

Nachdem ich mein Teleskop mit dem Sonnenfilter versehen habe, gebe ich mich an die Montage der Sonnenblende auf dem Tubus.

Ich löse das aufgerollte Klettband und merke sofort den großen Widerstand. Das ist gut so! Ich habe keine Bedenken, dass sich das Klettband löst und die Sonnenblende im schlimmsten Fall die Folie meines Sonnenfilters beschädigt.

Zuerst führe ich das Klettband durch die beiden Führungen an der Sonnenblende.
Anschließend stelle ich die Sonnblende auf den Tubus und halte mit einer Hand die Sonnenblende fest, während ich mit der anderen Hand das eine Ende des Klettbandes um den Tubus führe.

Sehr schnell habe ich ohne Probleme das Klettband aufeinander gelegt und die Sonnenblende damit befestigt.

Die Sonnenblende lässt sich ohne Kratzer und Probleme dank des Kantenschutzes auf dem Tubus verschieben. Auch ein nachträgliches „fester ziehen“ des Klettbandes ist somit einfach möglich.
In weniger als eine Minute habe ich die Sonnenblende alleine befestigt. Das ist ja einfach!

Was mir allerdings sofort auffällt, ist der offene Raum zwischen Sonnenblende und Tubus. Ich bin mir nicht sicher,  ob durch diesen Spalt fallendes Sonnenlicht mich nicht bei der Beobachtung stört.
 Es stellt sich sehr schnell heraus, dass das nicht der Fall ist. Durch den gegebenen Rand meines Sonnenfilters vor der Schmittplatte ist das überhaupt kein Problem.

Durch die großzügige Bemessung der Sonnenblende liegt mein Kopf bei der Beobachtung der Sonne vollkommen im Schatten. Perfekt, um entspannt die Sonne im Okular zu genießen.

Selbst für mich als gelegentlicher Sonnenbeobachter eine klare Kaufempfehlung!

Aber erst mal die Sonne im Okular finden ;-) Deswegen berichte ich nachfolgend vom Sonnensucher.

Sonnensucher - den möchte man nicht mehr missen!

Das Prinzip des Sonnensuchers ist einfach: Die eine Seite des Sonnensuchers hat eine Lochbohrung, während die gegenüberliegende Seite mit einer Mattscheibe versehen ist.

Fällt das Sonnenlicht durch die Bohrung des Sonnensuchers, wird auf der Mattscheibe durch den hindurch fallenden Lichtstrahl eines heller Punkt auf der Mattscheibe projiziert. 
Dieser Lichtstrahl wird durch geringe Bewegungen des Teleskopes auf der Mattscheibe zentriert. 
Ist der Sonnensucher optimal ausgerichtet, befindet sich die Sonne mittig im Okular.

Bei vielen Konstruktionen, die ich mir auf Veranstaltungen angesehen habe, waren Sonnensucher nicht parallel zum Teleskop ausgerichtet und man war damit gezwungen, die Sonne im Okular durch hin und her bewegen zu suchen.

Die beiden Basen zur Montage auf dem Tubus sollen sich nach Angaben des Herstellers von selbst zentrieren.

Es wird also spannend! Ich beginne mit der kleinsten Basis für einen Rohrdurchmesser von 44 bis 105mm. Innerhalb von Sekunden (!) habe ich den Sonnensucher auf meinem Sucher montiert. Die Zentrierung erfolgt aufgrund der Bauweise von selbst.

Na toll! Die Sonnenblende ist im Weg. Kein Problem! Ich verschiebe die Basis des Sonnensuchers, ohne meinen Tubus zu zerkratzen, ein Stück zur Seite.

Anschließend zentriere ich den einfallenden Sonnenlichtstrahl in der Mitte der Mattscheibe des Sonnensuchers.

Was soll ich sagen: Die Sonne ist als Scheibe im Übersichtsokular zentrisch zu sehen! So schnell habe ich die Sonne bisher noch nicht gefunden! Ich bin begeistert!

Also, nächste Basis testen. 
Ich montiere den Sonnensucher auf die große Basis für Tubendurchmesser von 105 bis maximal 300mm um.

Nach dem selben Prinzip befestige ich mit dem Klettband die Basis diesmal auf dem Tubus meines Teleskopes. 
Ich bin doch schon etwas skeptischer, ob das mit der Zentrierung genau so gut geklappt.

Dann sehe ich noch ein anderes Problem! Der Rand meiner Sonnenfilterfassung ist recht hoch. Ich peile grob über den Tubus und befürchte, dass der Rand einfach zu hoch ist.

Nun gut, ich probiere es trotzdem. Und es klappt! Die Konstruktion des Sonnensuchers mit der Basis ist hoch genug, um ohne Probleme die Sonne auf der Mattscheibe zu zentrieren. Es ist noch reichlich Platz über den Rand meiner Sonnenfilterfassung vorhanden.

Wieder zentriere ich den eintreffenden Sonnenstrahl auf der Mattscheibe des Sonnensuchers.
Was soll ich sagen. Die Sonne ist wieder zentrisch in meinem Okular zu sehen.     

So macht das Beobachten der Sonne Spaß!

Für meinen letzten Test habe ich mir die Basis des Sonnensuchers für die Telradbasis aufgehoben. Das Oberteil des Sonnensucher wird von mir jetzt auf die Basis für das Telrad umgebaut.

Ich bin mir unsicher, ob ich meine Basis für das Telrad auf meinem Teleskop-Tubus möglichst zentrisch angebracht habe. Das ist aus meiner Sicht bei der Länge dieser Basis nicht ganz unproblematisch. 
Da ich aber für den Sonnensuchers ein wenig Spiel habe, kann ich diesen bei Bedarf durch Lösen der Sechskantschrauben in horizontaler Richtung in beide Richtungen bewegen.
   
Ich entscheide mich erst mal, den Sonnensucher gerade auf der Basis zu montieren.

Die Basis für das Telrad lässt sich ganz einfach und ohne haken einsetzen. Das geht noch schneller als mit dem Klettband am Tubus.
Ich zentriere wieder den Sonnenlichtstrahl auf der Mattscheibe meines Sonnensuchers und schaue anschließend durch das Okular. Die Sonne ist fast zentrisch in meinem Gesichtsfeld!

Mein Fazit - Klare Kaufempfehlung!

Der Sonnensucher und die Sonnenblende sind in Kombination uneingeschränkt empfehlenswert und eine klare Kaufempfehlung! 
Die Anbringung der Bauteile am Teleskop mit dem sehr fest und gut schließendem Klettband gehen extrem schnell und halten diese sicher an ihrer Position.

Die Zentrierung des Sonnensuchers mit der entsprechenden Basis auf meinem Sucher und Teleskop-Tubus waren sehr genau und erfolgten aufgrund der Bauweise automatisch. 

Ich persönlich favorisiere die Version für die Telradbasis. Einfacher geht es nicht! 

Alle Teile vom Sonnensucher und Sonnenblende sind sehr gut verarbeitet. Es gibt keine störenden oder scharfe Kanten. 
Wichtige Kanten, z.b. Durchführung des Klettbandes bei den Sonnenblenden und die Auflagen der Bauteile auf dem Teleskop sind mit einem Kantenschutz aus Kunststoff versehen.

Bezug der Sonnenblende und des Sonnensucher direkt vom Hersteller unter euro-emc-astro.de
oder verschiedenen Händlern für astronomischen Bedarf.

Preise (Stand: Oktober 2019)
    

Sonnensucher mit Basis      
Oberteil des Sonnensucher S 074 27,00 Euro
Kleine Basis (Durchmesser Tubus von 44 bis 105mm) 8,80 Euro
Große Basis (Durchmesser Tubus von 105 bis 250mm / maximal 300mm) 9,90 Euro
Basis für Telrad (Erfordert die Telradbasis!) 9,90 Euro
Sonnenblende SB2 43,00 Euro

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Über Stefan van Ree

Stefan van Ree arbeitet bei einer großen Kommune und interessiert sich seit seinem 7. Lebensjahr für die Astronomie. Infiziert wurde er durch seinen Vater für dieses Hobby. Von ihm hat er sein erstes Buch über das Weltall geschenkt bekommen.

Seit 2003 ist er Arbeitskreismitglied einer Sternwarte und hält dort unter anderem Dozentenvorträge für Kinder und Erwachsene. 2006 hat er die Himmelsvorschau und das TV-Programm als neues Team-Mitglied von Astronomie.de übernommen.

Zum „Jahr der Astronomie“ 2009 ist er in die Fußstapfen von Doris Unbehaun getreten und hat das größte deutschsprachige Portal Astronomie.de hauptverantwortlich übernommen.

Seit dem entwickelt er diese Plattform weiter und ist auf der Suche nach ständig neuen Ideen und Innovationen.

Kontakt: Stefan.vanRee@astronomie.de

Sonnenfinsternis in der Antarktis