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04. Woche - Der Cirrusnebel - eine gelungene Detailansicht

| Astrofoto der Woche

Das heutige AdW ist nach dem AdW 49-2023 erneut eine Darstellung des wohlbekannten Cirrusnebels im Sternbild Schwan. Genau genommen sehen wir hier einen Teilbereich: Norden liegt links, Westen oben. Bildautor ist Michael Frank. Er nahm das Motiv am 21.-22.08.2023 in zwei Nächten auf, und zwar in Sonneborn im thüringischen Landkreis Gotha. Als Aufnahmeoptik wurde ein 80-mm-Refraktor gewählt, ein TS-Optics ED APO 80 mit 448 mm Brennweite. Die Kamera war eine Farbkamera von ZWO, eine ASI2600MC-Pro mit gekühltem CMOS-Sensor. Als parallaktische Montierung diente eine EQ6-R Pro, dazu wurde das Autoguidingsystem von ZWO verwendet. Belichtet wurde 65 x 5 min mit einem dualen Optolong L-eXtreme, das sind 5 h 25 min insgesamt. Dieser Filter lässt als Schmalbandfilter lediglich die Emissionslinien in Hα und in [OIII] passieren, das restliche Kontinuum sowie die rote [SII-Linie] wird abgeschnitten.

Im Bild ist oben der westliche Filamentnebel NGC 6960 zu sehen - der "Sturmvogel-Nebel", der den Stern 52 Cygni scheinbar einschließt. Mittig zieht sich NGC 6979 von Nord nach Süd, mit dem Teilbereich "Pickering´s Triangular Wisp", unten dann noch NGC 6974. Es fehlt nur noch (außerhalb des Bildes) das helle Filament NGC 6992-95. a

Der Cirrusnebel repräsentiert einen rundlichen, aus filamentartigen Nebelsträngen und Schleiern aufgebauten  Supernovarest (SNR) von etwa 3° Durchmesser. Daher erklärt sich auch die englische Bezeichnung „veil nebula“ (Schleiernebel). Vor langen Jahren ist hier ein massereicher, instabiler Stern explodiert. Allerdings ist von diesem Stern bisher kein Rest gefunden worden. Und doch breiten sich die gasförmigen Überbleibsel kugelförmig mit etwa 180 km/s um das ehemalige Explosionszentrum aus. Da die Entfernung des Cirrusnebels bei 540 pc liegt, lässt sich aus dem Durchmesser ein Alter von 150.000 Jahren errechnen, vorausgesetzt, dass die Geschwindigkeit über die Jahre konstant war.

Der Cirrusnebel leuchtet eigenständig. Seine Gasreste emittieren die wesentlichen Wellenlängen Hα (656,3 nm, rot), [NII] (654,8 und 658,3 nm, rot), [SII] (671,7 und 673,1 nm dunkelrot), Hβ (486,1 nm, blau) und schließlich [O III] (495,9 und 500,7 nm, türkis). Der Cirrusnebel leuchtet, obwohl kein Zentralstern ihn mit Energie versorgt wie bei den Planetarischen Nebeln oder auch bei den HII-Regionen. Die für die Emission erforderliche Energie entsteht beim Zusammenstoß (engl. shock) der expandierenden Gasreste mit dem interstellaren Medium. Nur durch diesen Stoßvorgang kann ein SNR überhaupt leuchten.

Anmerkungen: Dem Astrofotografen fällt sofort auf, dass das Sternfeld kaum Farben aufweist. Das ist bei dem verwendeten Filter auch kein Wunder, denn die beiden Transmissionsbereiche sind ja nur im türkisen undd im roten Farbspektrum gelegen. Das regelrechte Blau bis Blauviolett fehlt, ebenso das Grün, Gelb und Orange. Insofern werden die Sterne im Prinzip hauptsächlich weißlich wiedergegeben. Die Farbkamera diente also nicht zur farbigen Wiedergabe des Sternenhimmels, sondern allein zur Sichtbarmachung der roten Filamente in Hα und [NII], wobei das Rot von [SII] fehlt, es ist aber gerade in SNR teilweise sehr stark. Dazu sollte das Türkis der [OIII]-Nebelanteile erkennbar sein, es erscheint aber eher bläulich. Das Bildfeld beträgt in Längsrichtung etwa 163'. Sehr schön kommt die Vielfalt der Filamente zum Vorschein. Über deren Farben lässt sich aber noch diskutieren.

Das AdW-Team bedankt sich hiermit vielmals bei Michael Frank und gratuliert ihm zum sehr schönen Astrofoto der Woche.

 

Peter Riepe
Bildautor: Michael Frank

 

Koordinaten (J2000) vom Mittelpunkt des Cirrusnebels:
RA = 20 h 51 min 42 s, DE = +31° 01' 32"

 



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