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09. Woche - Messier 16 - absolut kein Standardmotiv

| Astrofoto der Woche

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Auch wenn M 16 im Sternbild Schlange zu den am häufigsten fotografierten Emissionssnebeln am Südhimmel zählt - er ist keineswegs ein Standardmotiv, welches man einfach nur kurz eines Blickes würdigt, und dann kommentiert mit: "Na ja, ganz schön, aber der ist ja im Internet häufig vertreten." Klaus Völler, Mitglied der VdS-Fachgruppe Astrofotografie, hat M 16 remote aufgenommen. Aufnahmeort war A Veiga in der Provinz Ourense in Nordspanien, im nordwestlichen Zipfel zum Atlantik. Im Zeitraum vom 21. - 26.07.2022 kamen die Einzelbelichtungen zustande. Das Teleskop war ein AstroPhysics 130EDF (130 mm, 780 mm) auf einer parallaktischen Montierung 10Micron GM1000HPS. Die Kamera waar eine echte CCD-Kamera, eine ATIK 16200 Mono. Bei f/6 wurde das LRGB-Bild insgesamt 11 h 50 min belichtet. Im einzelnen:  29 x 5 min für die Luminanz,  41 x 5 min (R), 38 x 5 min (G) und 34 x 5 min (B). Für die Bildbearbeitung diente PixInsight. Norden ist oben, Osten links, das Bildfeld hat eine Ausdehnung von 100' x 83,4'

Was ist auf dem Bild zu sehen? Zunächst einmal wirkt eines auf jeden Betrachter überwältigend: Die Vielfalt der Nebeldetails und die Strukturierung der großen HII-Region, die auch noch von Elefantenrüsseln und Staubwolken verschiedenster Formen durchsetzt ist. Gewöhnlich stehen in den üblichen Tabellen in der Regel die Ausmaße eines solchen Nebels. Und genau bei dieser Betrachtung entsteht in mir die Frage: "Menschenskind, die Angabe eines Durchmessers ist doch ziemlich sinnlos. Wo soll denn die Grenze sein, an der M 16 in der galaktischen Ebene gelegen endet? Hier geht doch alles in die Nachbarbereiche über, alle Emissionsnebel der Milchstraße hängen mehr oder weniger stark miteinander zusammen, überschneiden sich sogar teilweise." Nun ja, für die Astrofotografie und speziell für die Motivwahl braucht man schon eine Angabe über die zu erwartende Größe des Bildfeldes

M 16 wird durch den enthaltenen, jungen offenen Sternhaufen NGC 6611 zur Emission angeregt. Wie bei allen anderen HII-Regionen, so stammt das Ur-Material (Gas und Staub) für die gebildeten Sterne und den umgebenden Nebel aus der Molekülwolke, von der heute noch Reste im Inneren von M 16 sichtbar sind. Der Nebel selbst - sein Katalogname ist IC 4703 - ist aus den üblichen Gasen zusammengesetzt: Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Schwefel, Helium. Diese chemischen Elemente werden daher im Nebelspektrum nachgewiesen. Wenn man jetzt das AdW anschaut und die vielen farbigen Details sieht, könnte man meinen: Ja, das ist infolge der CCD-Techniuk heute möglich. Ganz kurz: Das Zusatzbild 1 zeigt, dass auch schon mit den fotografischen Platten der 60er bis 80er Jahre in Palomar Sky Survey und im Deep Sky Survey detail- und strukturreiche Aufnahmen des M 16 gelingen konnten

Schon ein kurzer Blick ins Nebelzentrum genügt, um festzustellen: Wasserstoff ist zwar das häufigste der Gase in M 16, aber im Zentrum leuchtet der Nebel bläulich. Hier wird der Sauerstoff zweifach ionisiert und gibt seine blaugrüne Emission ab. Im Nebelzentrum sitzen auch die heißesten und UV-reichsten Sterne: HD 168076 mit V = 8,25 mag und mit dem Spektraltyp O4III. Dieser rund 45.000 K heiße Riesenstern bei den Pixelkoordinaten (2842/1114) hat 25" oberhalb den heißen O7V-Stern HD 1658065 als Nachbarn. Und dieser Hauptreihenstern kommt immerhin auch noch auf rund 38.000 K. Außerdem sind noch etliche OB-Sterne über die sichtbare Nebelfläche verteilt, die ebenfalls Energieanteile liefern

Bei den Pixelkoordinaten (2655/1243) ist eine Struktur sichtbar, die man als "Säulen der Schöpfung" kennt, seitdem das Hubble Space Telescope dieses Gebiet in Nahversion präsentierte (siehe Zusatzbild 2). Das Objekt ähnelt einer Hand mit drei ausgestreckten Fingern. Und diese Finger weisen direkt auf die oben genannten heißen Sterne HD 168075 und HD 168076. Man erkennt deutlich, dass die Fingerspitzen sehr hell leuchten, auch im AdW. Das zeigt: Die zentralen heißen Sterne erzeugen nicht nur mit ihrem Sternenwind die längliche, kometarische Fingerform - sie sorgen auch für eine Komprimierung der auf sie gerichteten Fingerspitzen. Dort entsteht, im Rüsselmaterial verborgen, eine neue Generation junger Sterne. Man redet von einer 2. Generation

Die Entfernung von M 16 wird in den Standardquellen mit rund 7000 Lj angegeben. Mit den heutre verfügbaren Gaia-Messdaten der Sternparallaxen kommt man aber besser zurande: Demnach hat etwa der zentrale HD 168075 eine Entfernung von ca. 5500 Lj. Legt man diesen Wert zugrunde, so kommt M 16 hier im AdW auf eine maximale Ausdehnung 1,33°, was rund 128 Lj entspricht

Anmerkung: Das Bild überzeugt auf ganzer Linie. Wir danken Klaus Völler für dieses herrliche Bild und gratulieren zum Astrofoto der Woche!

 

Peter Riepe
Bildautor: Klaus Völler

 

Koordinaten (J2000.0) von HD 168076
RA = 18 h 18 min 36,4 s, Dec = -13° 48' 02"

 

 

 


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