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18. Woche - Unsere Sonne im Chromosphärenlicht des Wasserstoffs

| Astrofoto der Woche

Unser Tagesgestirn hat immer einiges zu bieten. In Zeiten steigender Aktivität ergeben sich nun wieder Möglichkeiten für viele unterschiedliche und faszinierende Anblicke. Udo Siepmann, Mitglied der VdS-Fachgruppe Astrofotografie, zeigt uns heute eine Aufnahme der Sonne im Hα-Licht. Er schreibt dazu: „Die Aufnahme entstand am 09.04.2023 mit meinem Lunt LS60 Sonnenteleskop mit Lunt-Blockfilter B1200 und einer Player One Neptune M-Kamera. Aufnahmesoftware war Sharp Capture 4.0, verarbeitet wurden 2000 Frames mit AutoStakkert!, davon kamen 9% in das finale Stacking, Schärfung mit Imppg und Bearbeitung mit Affinity Photo. Das Foto zeigt im Süden die AR3072 recht gut, an einem Tag, an dem es ansonsten wenig Flecken gab."

Wir befinden uns aktuell in der Zeit hin zum nächsten Aktivitätsmaximum der Sonne, was sich indirekt auch an den ersten Polarlichtsichtungen im mitteleuropäischen Raum ablesen lässt. Etwa alle 11 Jahre (aktuelle Daten geben 11,3 ± 1,3 Jahre an) erreicht die Sonne mit der Fleckenanzahl ein Maximum, welches aber unterschiedlich stark auftritt. Das aktuell anstehende Maximum wird für die Zeit zwischen 2024 und 2026 erwartet. Der Apotheker Heinrich Schwabe erkannte diese schwankende Fleckenanzahl und die nach ihm benannten Schwabe-Zyklen werden fortlaufend nummeriert, initial ab dem Jahr 1760. Der aktuelle Zyklus trägt die Nummer 25.

Udo Siepmann nahm die komplette Sonne im Hα-Licht auf, also im Bereich der Wellenlänge des neutralen Wasserstoffs von 656,279 nm. Im Südwesten der Aufnahme ist eine sogenannte aktive Region zu erkennen, abgekürzt "AR". Diese Fleckengruppe trägt die Nummer "AR3072". Was hat es mit diesen Nummern auf sich? Es gibt eigentlich kein offizielles Nummern-System. Die "NOAA" = übersetzt Nationale Meeres- und Atmosphärenbehörde nummeriert fortlaufend aktive Regionen auf der Sonne, die einen oder mehrere Sonnenflecken beinhalten können. Wenn mindestens zwei Observatorien eine aktive Region beobachtet haben, bekommt diese eine eigene Nummer. Dies gilt nur für die der Erde zugewandten Flecken. Verschwindet ein bereits nummerierter Fleck, kann er unter Umständen die Passage auf der erdabgewandten Seite "überleben" und erhält beim Wiedererscheinen eine neue Nummer. Besonders große Flecken können also mehrere Nummern erhalten. Am 14. Juni 2002 erreichte die Nummerierung die Zahl 10.000. Aus praktischen und rechenbetonten Gründen hat man entschieden, die fortlaufende Nummerierung auf 4 Ziffern zu beschränken. Das heißt, auf 9999 folgt 0000 usw. und bedeutet, dass z.B. die hier abgebildete aktive Region "AR 3072" mit von der eigentlich vollständigen Nummer „AR 13072“ identisch ist.

Die Sonnenflecken sind nicht gleichmäßig über alle Breitengrade verteilt. Demnach reicht die Ausdehnung der bevorzugten Breitengrade von ca. 8° bis 35° heliografischer Breite. Mit steigender Sonnenaktivität z.B. nähern sich die Zonen, in denen Flecken auftreten, immer mehr dem Sonnenäquator. Die als Schmetterlingsdiagramm bekannt gewordene grafische Darstellung des sogenannten Spörerschen Gesetzes veranschaulicht z.B. den Zusammenhang zwischen Sonnen-Aktivität und dem Auftreten von Sonnenflecken in den verschiedenen heliografischen Breiten.

Was zeigt die eingesandte Aufnahme? Auf der Scheibe ist die Sonne vom sogenannten chromosphärischen Netzwerk überzogen. Außerdem erkennt man einige, teils größere Filamente, die dann am Sonnenrand als kleinere und etwas größere Protuberanzen zu erkennen sind. Im unteren Bildfeld zeigt sich eine ablösende Protuberanz. Diese haben über dem Sonnenrand teilweise eine Höhe von einigen Erddurchmessern. Wir hoffen auf weitere interessante Anblicke der Sonne in der kommenden Maximumsaktivität und danken dem Bildautor für die Einsendung dieser schönen Sonnenaufnahme. Dazu unsere Gratulation zum Astrofoto der Woche!


Jens Leich
Bildautor:  Udo Siepmann

 

 




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