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Ausdruck vom: Montag, der 20.05.2024

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Gefahr aus dem All

Die irdische Lufthülle bietet einen gewissen Schutz gegen eindringende Meteoroide. Je nach Zusammensetzung des Himmelskörper und Größe verglüht ein Teil von ihm durch die Reibungshitze beim Eindringen in die Erdatmosphäre, sodass viele kleinere Objekte die Erdoberfläche nicht erreichen. Ausnahme ist der Meteoritenstaub, welcher so klein ist, dass er nicht fällt, sondern herabrieselt. Im Allgemeinen gilt, dass Meteoroide, die größer als 1 Kilometer sind, zu starken Verwüstungen auf der Erde führen können. Selbst wenn kleinere in einen Ozean stürzen, können die dadurch ausgelösten Tsunamis zu großen Zerstörungen an den umliegenden Küstenbereichen führen.

In den letzten Jahrhunderten, seitdem es systematische Aufzeichnungen gibt, gab es nur wenige Berichte, die von Schäden durch Meteorite berichteten. Allerdings wurden bei dem Tscheljabinsk-Ereignis am 15. Februar 2012 schätzungsweise 3700 Gebäude durch die Druckwelle beschädigt. Dadurch stürzte das Dach einer Fabrik ein. Nach Angaben der Behörden gab es Schäden in sechs Städten der Region. 1491 Menschen wurden verletzt und suchten medizinische Hilfe. Die meisten davon erlitten Schnittwunden durch herumfliegende Glassplitter sowie Prellungen. 43 Verletzte mussten stationär im Krankenhaus aufgenommen werden.

Meteoriten mit mehren Kilo Gewicht

Grosse Meteoroiden bewirken neben den hellen Leuchterscheinungen (Boliden, Feuerkugeln) auch Donnergeräusche, Pfeifen oder Kanonendonner. Teilchen, welche auf ihrem Flug abgesprengt erden, können ausserdem Funken erzeugen. Bei Tagesbeobachtungen hat man sogar nach dem Erlöschen des Schweifes Rauchspuren gesehen.

Beim Flug durch die Atmosphäre wird die Oberfläche des Meteoroiden stark erhitzt, es entsteht eine Kruste aus Schmelz- oder Fusionsmaterial, an welchem man einen Meteoriten erkennen kann. Das Innere des Geschosses bleibt dabei kalt, da die Flugzeit durch unsere Atmosphäre viel zu kurz ist, um den langsamen Prozess der Wärmeleitung bis ins Innere durchzuführen.

Ab dem Hemmpunkt, welcher bei 10-15 km liegt, fällt ein kleinerer Meteoroid nur noch zur Erde. Die Eigengeschwindigkeit ist durch den Reibungsprozess eliminiert. Der Fall kühlt den Meteoroiden ab, er ist beim Aufprall lauwarm.

Die meisten Meteoriten hinterlassen auf der Erdoberfläche nur kleinere Löcher mit wenigen Zentimeter bis Dezimeter Tiefe. Meteorite mit einer Masse von etwa 10 kg oder weniger überstehen den Atmosphärenflug nicht. Allerdings spielen dabei Eintauchwinkel, Geschwindigkeit eine grosse Rolle, so dass keine allgemeingültigen Aussagen gemacht werden können.

Der Steinmeteorit von Ramsdorf z.B. mit einem Gewicht von ca. 5 kg, welcher am 26. Juli 1958 in Ramsdorf in Westfalen fiel, verursachte in einem Gemüsegarten ein röhrenförmiges Loch von 40 Zentimeter Tiefe. Der Donnerstein von Ensisheim, mit einem Gewicht von 127 kg, schlug 1,50 m tief in das Weizenfeld ein. Der 63 kg schwere Eisenmeteorit von Treysa, welcher am 3. April 1916 in Hessen niederfiel, wurde aus 1,60 m Tiefe geborgen. Die meisten herabfallenden Meteoriten sind also keine "himmlischen Geschosse", sie haben lediglich Fallgeschwindigkeit.

Aufprall eines Meteroiten mit ca. 10 km Durchmesser

Was geschieht, wenn ein Meteoroid mit einem Durchmesser von ca. 10 km und über 100 to Gewicht auf die Erde zurast? Unsere Atmosphäre bietet in einem solchen Fall keinen Schutz. Sie ist zu dünn, um ihn wirkungsvoll abzubremsen. Das Geschoss durchfliegt die Atmosphäre und rast mit etwa 25 km in der Sekunde auf die Erdoberfläche (das ist 70fache Schallgeschwindigkeit).

Dabei wird die Atmosphäre auf 30.000 Grad angeheizt. Die Moleküle um den Meteoroiden werden ionisiert und leuchten, der ganze Koloss ist in gleissendes Licht getaucht.

Da der überwiegende Teil der Erdoberfläche aus Wasser besteht, ist die Wahrscheinlichkeit gross, daß der Meteoroid in einen Ozean fällt. Die Stosswellen um den Meteoroiden heizen das Wasser auf, es beginnt augenblicklich zu kochen und Tausende von Kubikmeter verdampfen in Sekundenschnelle.

Der Meteoroid selbst wird von seinen eigenen Stosswellen durchwalkt, er bricht auseinander. Billionen Tonnen Meereswasser, Meteoritenmaterial, Wasser, alles wird in einer Stosswelle gen Himmel gejagt. Die Schockwelle überstreift innerhalb von Minuten den gesamten Umkreis des Ereignisses und walzt jegliche Erhebung platt.

Die Atmosphäre wird durch die gewaltigen Energien aufgeheizt, es entstehen Wirbelstürme und Tsunamis mit Wellen über mehrere hundert Meter. Salzwasser überspült alle angrenzenden Landstriche und macht den Boden auf Jahre hinaus unfruchtbar. Die gewaltige Sogwirkung im Meer fördert wie in einem Kreislauf das kalte, tiefe Meerwasser nach oben und die warmen, oberen Schichten nach unten. Meerestiere wie Fische, Korallenstöcke, Muscheln und Krebse überleben diesen Kälteschock nicht.

Wenn in den folgenden Wochen und Monaten der Staub in der Atmosphäre sich über den gesamten Globus verteilt hat, wird die Erde für eine lange Zeit auf die Sonne verzichten müssen. Die Nahrungskette kommt zum Erliegen, da den Pflanzen die Grundlage für ihre Photosymbiose entzogen ist.

Russ, Stickoxidsmog und Wasser vermischen sich, es entsteht ein "saurer Regen" wie nach eine Atombombenexplosion. Da das Sonnenlicht nicht mehr zur Erdoberfläche durchdringt herrscht finstere Nacht. Die Erde kühlt ab und bald fällt Schnee.

Lediglich kleinere Tiere, welche sich in Höhlen versteckt halten und über einige Nahrungsreserven verfügen, können diese Hölle überleben. Grössere Tiere finden bald keine Nahrung mehr und gehen ein.

Erst nach einigen Jahren wird sich die Situation bessern. Staub und Russ sind aus der Atmosphäre ausgewaschen und ab und zu scheint wieder die Sonne. Allerdings könnte es passieren, dass die einfallende Sonnenenergie durch starke Wolkenbildung nicht ungehindert ins Weltall abgestrahlt werden kann, der Treibhauseffekt bewirkt ein schwüles, warmes Klima. Leben wird wieder entstehen, allerdings in total modifizierter und veränderter Form.

Meteorite ab 60 Tonnen Gewicht

Nur Meteoroiden mit der Masse von mehreren Tonnen Gewicht gelingt es, einen Teil ihrer Eigengeschwindigkeit bis zur Erdoberfläche zu erhalten. Meteoroide mit mehr als 100 Tonnen Gewicht prallen ungebremst auf unsere Erde. Unsere Atmosphäre ist zu dünn, um solch grosse Brocken vollständig abzubremsen und ihm seine Eintauchgeschwindigkeit zu nehmen. Man unterstellt dabei einen Geschwindigkeitserhalt von ca. 20-25 km/sec.

Was geschah mit den Dinosauriern?

Glaubt man den Geowissenschaftlern, dann hat sich vor ca. 65 Millionen Jahren auf der Erde etwas Aussergewöhnliches ereignet. Innerhalb einer kurzen Zeitspanne starben ¾ aller Lebewesen, darunter die Dinosaurier, welche 145 Millionen Jahre die Erde bevölkert und beherrscht hatten. Dieses weltweite Sterben geschah innerhalb kürzester Zeit und ist nicht auf irgendwelche Degenerationserscheinungen zurückzuführen.

Viele Theorien wurden geboren und wieder verworfen. Heute glaubt man an eine weltweite Klimakatastrophe, welche die Nahrungsgrundlage der Lebewesen vernichtete und sie so zum Sterben verurteilte. Wie und wodurch diese Klimakatastrophe entstand, war lange Zeit ein Rätsel.

Die Theorie vom Aufprall eines kosmischen Körpers mit riesigen Ausmassen führt die jahrelange Konzentration an Staub in der Atmosphäre als Grund für das Sauriersterben an. Das klingt alles sehr einleuchtend, war aber lange Zeit nicht beweisbar.

1978 untersuchte der amerikanische Geologe Alvarez in den italienischen Bergen die geologischen Schichten. Er fand dabei eine schmale, nur wenige Zentimeter breite Lehmschicht, welche sich zwischen Kreidezeit und Tertiär befand, also 65 Millionen Jahre alt war. Alvarez brachte Proben dieser seltsamen Lehmschicht zu seinem Vater, einem Astrophysiker und Nobelpreisträger. Dieser erahnte die Bedeutung des Fundes und liess die Probe sofort analysieren.

Man fand in der unscheinbaren Lehmschicht das Edelmetall Iridium, ein untrügliches Zeichen für einen Meteoritenabsturz. Iridium kommt in der Erdkruste sehr selten vor. Es hat sich in der Frühzeit der Erde mit Eisen verbunden und ist mit ihm in den Kern der Erde gewandert.

Eine tausendfach höhere Konzentration von Iridium in der Lehmschicht kann nur bedeuten, daß ein Meteorit auf die Erde gefallen war und für Überschwemmungen riesigen Ausmasses gesorgt hat. Dies bewahrheitete sich auch, als man weltweit nach der Lehmschicht suchte und sie in über 100 Bohrungen vorfand.

Ein weiteres Indiz für die Meteoritentheorie entdeckte der amerikanische Geologe Bohar. Aus der Lehmschicht analysierte er Quarzsandkörnchen mit mikroskopisch kleinen, parallelen Bruchlinien. Sie entstehen ausschliesslich bei extremen Schockwellen. Und eine extremere Schockwelle wie der Aufprall eines hundert Tonnen schweren Meteoriten auf die Erde kann man sich vorerst nicht vorstellen.

Ausserdem fanden die Wissenschaftler in der Zwischenschicht sog. Tektide. Darunter versteht man Glaskügelchen, welche bei extremer Hitze aufgeschmolzen und geformt werden.

Kein Wunder, dass man nach diesen Erkenntnissen eifrig nach einem Krater mit den entsprechenden Ausmassen auf der Erde suchte. 100 bis 150 km Durchmesser sollte er schon haben und das Alter von ca. 65 Mio. Jahre musste auch entsprechen. Erfolgversprechendster Impaktkrater ist der Chicxulub-Krater im Golf von Mexiko. Man fand ihn auf dem Meeresboden vor der Halbinsel Yucatan. Chicxulub ist 170 km im Durchmesser und unglaubliche 45-60 km tief.

Neueste Untersuchungen fanden drei konzentrische Krater, mit 80, 100 und 170 km Durchmesser. Der äussere Krater könnte durch nachbrechendes Gestein entstanden sein, der innere Krater entstand vermutlich durch Zurückfedern des Untergrundes. Der mittlere Krater mit dem Ausmass von 100 km Durchmesser scheint auf die ursprüngliche Grösse des Meteoriten hinzuweisen. Demnach prallte vor 65 Millionen Jahren im Golf von Mexiko ein Meteorit mit einer Grösse von 10-14 km auf die Erde.