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Ausdruck vom: Freitag, der 19.04.2024

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Sternbild Schlangenträger (lat. Ophiuchus)

Das Sternbild Schlangenträger liegt südlich des Sternbilds Herkules und nördlich des Sternbilds Skorpion. Südwestlich des Schlangenträgers befindet sich das Sternbild Waage, westlich erstreckt sich der vordere Teil des Sternbilds Schlange (auch „Serpens Caput“ genannt). Im Nordosten des Schlangenträgers liegt das Sternbild Adler, im Osten der hintere Teil des Sternbilds Schlange (auch „Serpens Cauda“ genannt). Im Südosten des Sternbilds Schlangenträger befindet sich das Sternbild Schütze. Der Schlangenträger nimmt am Himmel somit eine zentrale Position mitten zwischen alten, klassischen Sternbildern ein.

Das Sternbild Schlangenträger ist seit der frühen griechischen Antike bekannt. Es stellt Asklepios dar, den Sohn des Gottes Apoll. Der weise Zentaur Cheiron bildete den jungen Asklepios auf Apolls Wunsch hin in der Heilkunst aus. Asklepios wurde ein so exzellenter Arzt, dass er sogar ein Heilkraut fand, mit dem er Tote wieder zum Leben erwecken konnte.

Als Asklepios bei König Minos auf Kreta zu Besuch war, fiel dessen jüngster Sohn beim Spielen in einen riesigen Vorratskrug voller Honig und ertrank darin. Während bei der Trauerfeier alle den Tod des Kindes beweinten, kroch eine große Schlange auf den kleinen Leichnam zu. Asklepios erschrak und erschlug die Schlange, doch zu seinem Erstaunen kam eine zweite Schlange mit einem Kraut im Maul herbei gekrochen, berührte die getötete Schlange mit dem Kraut, und diese wurde dadurch wieder lebendig. Der staunende Asklepios nahm das Kraut und berührte damit das tote Kind, und dadurch wurde es wieder lebendig, und Asklepios wurde berühmt.

Hades, der Gott der Unterwelt, sah es hingegen gar nicht gern, dass Asklepios Tote zum Leben erwecken konnte. Er sorgte sich, dass womöglich niemand mehr sterben werde, und dass dadurch der Zustrom der Toten in sein Reich zum Erliegen käme. Deshalb beklagte er sich bei seinem Bruder Zeus über das drohende Aus für die Unterwelt und die dadurch drohende Überbevölkerung der Welt der Lebenden. Zeus tötete Asklepios deshalb mit einem Blitz, und damit war der Fortbestand der Unterwelt gesichert.

Apoll hingegen ließ sich diesen Mord an seinem Sohn durch Zeus nicht gefallen, sondern erschlug voller Wut die drei Zyklopen, die für Zeus die Blitze schmiedeten. Um sich wieder mit Apoll zu versöhnen, versetzte Zeus den Asklepios gemeinsam mit der Schlange an den Himmel und machte beide so unsterblich.

Das Sternbild Schlangenträger bedeckt am Himmel eine Fläche von 948 Quadratgrad. Unter den 88 Sternbildern rangiert das Sternbild Schlangenträger damit flächenmäßig an 11. Stelle. Nimmt man das Sternbild Schlange mit seinen 637 Quadratgrad dazu, ist diese Kombination deutlich größer als Hydra, das größte Sternbild des Himmels.

Das Sternbild Schlangenträger enthält mehrere Sterne zweiter und dritter Größe. Er enthält zudem viele Kugelsternhaufen, schöne Doppelsterne und Offene Sternhaufen. Viele dieser Objekte sind bereits im Fernglas und im kleinen Fernrohr gut wahrnehmbar.

 

Allerdings scheint der Schlangenträger von Mitteleuropa aus nicht sehr häufig beobachtet zu werden. Das liegt vor allem daran, dass er im Juni kulminiert, wenn der Nachthimmel für eingehende Beobachtungen zu hell wird und die Nächte so kurz sind, dass die Beobachtungsmöglichkeiten dadurch beschränkt werden. In den Monaten vorher oder nachher, wo Amateurastronomen häufiger und länger beobachten, ist der Schlangenträger oft entweder noch nicht richtig aufgegangen oder bereits wieder dem Untergehen nahe. Man muss sich mit den geeigneten Beobachtungszeiten für den Schlangenträger vertraut machen und die Gelegenheiten in den Monaten Juni, Juli und August nutzen, um die Objekte in den Sternbildern Schlangenträger und Schlange zu beobachten.

 

 

Die Sterne des Schlangenträgers

Der mit 2,1m hellste Stern im Schlangenträger ist Rasalhague (Alpha Ophiuchi), er liegt im Norden des Sternbilds und stellt den Kopf des Schlangenträgers dar. Rasalhague hat die Spektralklasse A5, ist 60 Lichtjahre entfernt und verfügt über 40 Sonnenleuchtkräfte.
Die beiden Sterne Cheleb (Beta Ophiuchi) und Kappa Ophiuchi bilden die Schultern des Schlangenträgers.

Beide Sterne sind Rote Unterriesen mit jeweils ca. 100 Sonnenleuchtkräften. Cheleb liegt ca. 8° südöstlich von Rasalhague, Kappa finden wir ca. 9° südwestlich von Rasalhague.

Der Stern Sabik (Eta Ophiuchi) „die nacheilende Hand“ und der Stern Yed Prior (Delta Ophiuchi) „die voreilende Hand“ repräsentieren die beiden kräftigen Hände des Schlangenträgers.

Der Südteil des Sternbilds wird von der Milchstraße durchzogen. Er ist dadurch sehr reich an Sternenwolken und Dunkelwolken. Diese Himmelsregion kann Beobachtern bei sternklarem, mondlos dunklem Himmel nicht nur im Fernglas einen beeindruckenden Anblick bieten.

 

Ca. 6° südöstlich von Cheleb liegt der Stern 70 Ophiuchi. Das ist ein schöner Doppelstern. Seine Partnersterne sind rötlich und umkreisen einander einmal in 85 Jahren. Auch der Stern 72 Ophiuchi, der ca. 7,6° nordöstlich von Cheleb liegt, ist ein markanter Doppelstern. Seine Partnersterne sind 3,7m und 7,5m hell, der Hellere ist gelb, der andere ist orange.

Ca. 1° nördlich von Cheleb liegt der Offene Sternhaufen IC 4665. Da er sehr groß ist, kann man ihn nur mit einem Fernglas beobachten, und er ist ein sehr schönes Fernglasobjekt. Schwenkt man von Cheleb aus ca. 11,2° nach Osten, stößt man auf den markanten Offenen Sternhaufen NGC 6633.

 

Im Sternbild Schlangenträger liegen 20 Kugelsternhaufen, mehr als in jedem anderen Sternbild. Die hellen Kugelsternhaufen M10, M12 und M14 kann man bereits im Fernglas sehen. M12 liegt ca. 8,3° nordöstlich von Yed Prior. M10 finden wir 10° östlich von Yed Prior. M14 liegt ca. 8° südlich von Cheleb. Zehn Grad südlich von Sabik liegt M19, dieser Kugelsternhaufen ist deutlich oval. In der Region südlich von Sabik kann man mit dem Fernrohr ein gutes Dutzend Kugelsternhaufen aufspüren.

 

Ca. 7,5° ostnordöstlich von Cheleb liegt der helle Planetarische Nebel NGC 6572. Im Fernglas und im kleinen Teleskop ist dieser helle, aber kleine Nebel nicht von einem der zahlreichen Sterne seiner Umgebung zu unterscheiden. Setzt man jedoch ein UHC-Filter ein, werden dadurch alle Fixsterne im Feld abgedunkelt, doch NGC 6572 kann man weiterhin unverändert hell sehen.

Über den Autor Günther Bendt

Günther Bendt ist Jahrgang 1951, Diplompädagoge und Ingenieur für Physikalische/Biomedizinische Technik. Er arbeitete in internationalen Unternehmen der Medizintechnik und war zuletzt mehrere Jahrzehnte Technischer Redakteur in einem Telekommunikationsunternehmen. Seit dem Sommer 2016 ist er im Ruhestand.

Als Kind beobachtete er zufällig eine Mondfinsternis, dieses Erlebnis weckte sein Interesse an der Astronomie. Seit 1997 macht er Führungen für Besuchergruppen der Volksternwarte Aachen. Er ist aktives Mitglied im Arbeitskreis Astronomie der Sternwarte. Seit 2000 wartet er die technische Ausstattung der Sternwarte.

Bei Astronomie.de erstellt er seit 2004 u. a. die monatliche Himmelsvorschau. Seit 2008 präsentiert er im Arbeitskreis Astronomie seine monatlichen „Neuigkeiten aus der Astronomie“.

Als astronomischer Betreuer hat Günther Bendt seit 2009 diverse Reisegruppen für Astronomie.de und für andere Veranstalter auf Sonnenfinsternisreisen nach China und Australien, zum Venustransit auf Island sowie zu diversen Polarlichtbeobachtungen im winterlichen Lappland begleitet. Er war bei fünf Reisen zum Nordkap auf einem Expeditionsschiff Kreuzfahrt-Lektor für Astronomie und Polarlicht. Auf fünf Kontinenten hat er bislang acht Totale Sonnenfinsternisse erlebt.