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51. Woche - Die Milchstraße über dem Mauna Kea

| Astrofoto der Woche

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Das heutige AdW entstand am 2. April 2022 auf Big Island, Hawai´i. Auf dieser südöstlichsten und gleichzeitig größten der Hawaiianischen Inseln liegen zwei riesige Schildvulkane. Von ihnen ist der 4205 Meter hohe Mauna Kea im nördlichen Inselbereich der höchste Berg von Hawai´i. Etwa 42 km südlich liegt dann der 4170 m hohe Mauna Loa. Bildautor Stefan Binnewies, Mitglied der VdS-Fachgruppe Astrofotografie, hatte sich für diese Aufnahme einen Standpunkt in 4145 m Höhe am Wegesrand im Gipfelbereich des Mauna Kea ausgesucht. Hier befinden sich die beiden großen Kuppeln des Keck Observatory, das zum größeren Gesamtkomplex des Mauna Kea Observatory gehört. Jede der Kuppeln beherbergt ein 10-m-Teleskop! Zur Anfahrt schreibt der Bildautor: "Die Gipfelregion mit der dortigen großen Sternwarte ist, solange die Zufahrtsstraße nicht gerade gesperrt wird, mit einem 4x4-PKW tagsüber und auch in der Nacht erreichbar. Ich bin innerhalb von gut 2,5 Stunden ab dem Küstenort Hilo und ab 01:30 Uhr in der Nacht dort hochgefahren. Es war eine unwirtliche Situation: bis auf 2100 m Höhe erst heftiger Regen und dann dichter Nebel. Mit dem Abbiegen auf die Zufahrtsstraße zum Observatorium gab es klaren Himmel und ein mulmiges Gefühl, was mich unangemeldet zwischen den Kuppeln und in der großen Höhe so erwarten würde. Es ist aber alles gut gegangen, ich habe niemanden gestört (die letzten Meter Fahren ohne Licht und bei leichten Kopfschmerzen) und wurde auch von niemandem gestört. Den wunderbaren Sonnenaufgang hoch über dem Pazifik genoss ich dann zusammen mit der Besatzung dreier weiterer Fahrzeuge, die dazu pünktlich um 06:00 Uhr Ortszeit auf dem Berg waren."

Im Bild ist rechts eine der Keck-Kuppeln zu sehen. Am Ort war die Atmosphäre sehr transparent mit gleichzeitig sehr guter Fernsicht auf den entfernten Mauna Loa, der links im Bild sein typisches Profil als Schildvulkan zeigt. Bei einer Außentemperatur von -4°C und leichtem Wind entstand das 2-fache Panorama. Die Kamera, eine Canon EOS 6D, war mit einem 20-mm-Weitwinkelobjektiv von Sigma versehen. Ab 04:36 Uhr Ortszeit wurde jedes Teilbild 2 x 60 s bei Blende 3,2 und ISO 3200 belichtet. Alles befand sich auf einem Fotostativ mit aufgesetzter Reisemontierung von Sky Watcher. Das Bildfeld lässt sich in einer dermaßen weitwinkeligen Aufnahme mit optisch bedingten Verzeichnungen in den Bildecken nicht exakt berechnen. Es beträgt rund 70° x 40°, wie an stellaren Strukturen abschätzbar ist.

Die Fülle an Details ist enorm. Starten wir rechts im Bild. Rund 10° über der Kuppel des Keck I-Teleskops steht Spica in der Jungfrau. Knapp oberhalb von Spica zieht sich der lichtschwächste Teil des Zodiakallichts mit dem Gegenschein schräg nach rechts unten, von Spica aus schräg nach links oben zum Skorpion, dessen hellste Sterne einschließlich Antares am Bildrand oben links noch vor der Milchstraße zu sehen sind. Von dort zieht sich die Milchstraße abwärts, zunächst durch den Skorpion. Man sieht sehr schön den gesamten Skorpionschwanz mit den Sternen ε Sco bei den Pixelkoordinaten (907/346), den doppelten μ Sco (840/555), η Sco (595/775), ϑ Sco (338/685) bis hin zu den Stachelsternen ϰ Sco (285/414) und λ Sco (397/317). Innerhalb des Skorpions zeigen sich einige bekannte HII-Regionen wie IC 4628 (765/670) mit einigen anschließenden Sternhaufen, der Katzenpfotennebel NGC 6334 (567/295) oder NGC 6357 (513/175). Weiter verläuft die Milchstraße durch die Sternbilder Ara und Norma mit der hellen Normawolke (870/1460) bis in den Centaurus mit den beiden auffälligen Sternen α und β Centauri über Mauna Loa. Etwa 10° rechts von α Centauri sitzt ein dicker Lichtpunkt: der Kugelsternhaufen Omega Centauri. Dazu noch ein interessanter Hinweis von Stefan Binnewies: "Ziemlich genau unterhalb von β Centauri leuchtet auf 3500 m Höhe ein Licht und markiert den Standort der dortigen meteorologischen Station. Seit 1958 läuft da fast durchgängig eine Messreihe zur Bestimmung des atmosphärischen Kohlendioxids, die eindrucksvoll den immer größer werdenden menschengemachten Eintrag dieses den Treibhauseffekt befeuernden Gases in die Atmosphäre belegt."

Noch ein Nachtrag zum Vulkanismus: Während der Mauna Kea als "schlafender Vulkan" gilt, ist der Mauna Loa nach seinem 3-wöchigen Ausbruch von 1984 am 27. November 2022 erneut und heftig ausgebrochen. Kaum jemand hatte sich vorstellen können, dass dies nach nur 38 Jahren so schnell geschehen könnte. Der Mauna Loa ist der höchste aktive Vulkan der Erde. Vom Meeresboden aus bis zur Spitze sind es mehr als 9100 Meter. Es bleibt zu hoffen, dass nicht auch der Mauna Kea unerwartet wieder erwacht ...

Anmerkungen: Verfolgt man die Linie der Plattform an der Keck-Kuppel und verlängert sie in Gedanken weiter bis zum Horizont, so erkennt man eine beachtliche Kimmtiefe. Die getrübten Atmosphärenschichten liegen schon deutlich weit unterhalb des mathematischen Horizonts.

Das heutige AdW ist ein sehr schönes Beispiel für eine gelungene astronomische "Nightscape"-Fotografie. Stefan Binnewies hat sich im Laufe der Jahre mit großem Enthusiasmus und Erfolg in dieses Gebiet eingearbeitet. Ein solches Bildergebnis erzeugt beim Betrachter sofort ein "Aha-Erlebnis" und lässt eindrucksvoll die wunderbare Stimmung nachempfinden, die der nächtliche Sternenhimmel den Bildautor an diesen abgelegenen Ort hingezogen hat.

Einen herzlichen Dank für dieses ausgezeichnete Erlebnisbild, und eine herzliche Gratulation des gesamten AdW-Teams zum Astrofoto der Woche!

 

Peter Riepe
Bildautor: Stefan Binnewies

 

 

 

 

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