Saturn - Geschichte

von Emil Khalisi

Bis zur Erfindung des Fernrohrs markierte der Saturn die Grenze des Sonnensystems. Die Völker der Antike kannten den blass-gelblichen Planeten als einen sehr langsam daherziehenden Lichtpunkt. Sein sumerischer/babylonischer Name wird unterschiedlich angegeben: "Lulim" (Schafbock) oder "Shu.gi" (Vater des Jägers) oder "Meskiag" (Sohn des Sonnengottes) oder "Kajamanu" (der Beständige) -- höchst uneinheitliche Meinungen und Interpretationen. Manchmal wurde ihm auch das Merkmal eines "weisen Mannes" zugeordnet, vermutlich ein Spiegelbild seines gemächlichen Ganges durch den Tierkreis. Bei den Griechen hieß der Planet Kronos und bei den Römern schließlich Saturn. Er galt als Gott des Ackerbaus und war in der Götterabstammung der Vater des Zeus/Jupiter.

Einer Weissagung zufolge, sollte Kronos von seinem eigenen Sohn entmachtet werden. Um dies zu verhindern, verlangte er von seiner Frau Rhea alle seine neugeborenen Kinder und fraß sie umgehend auf. Lediglich den jüngsten, Jupiter, versteckte sie und gab ihrem Gemahl an seiner Statt einen eingewickelten Stein. Kronos vertilgte ihn gleichsam, so dass Jupiter später die Prophezeiung erfüllte.

Bei den Römern wurden zu Ehren des Saturn um den 17. Dezember Festtage abgehalten, die "Saturnalien". Dabei war es üblich, sich gegenseitig Geschenke zu machen. Im astrologischen Gedankengut wird der Planet mit Melancholie, Krankheiten und Kälte verbunden, gelegentlich auch als Bringer des Todes.

Galileo Galilei hat bereits 1610 erkannt, dass der Saturn eine merkwürdige Form in seinem Teleskop besitzt. Er glaubte, "Henkel" bei ihm zu sehen, die im Jahr 1612 plötzlich verschwunden waren (die Ringe befanden sich in Kantenstellung). Auch andere Astronomen seiner Zeit meldeten ein ungewöhnliches Aussehen. Erst 1656 konnte Christian Huygens die richtige Deutung des Phänomens geben: Er war von einem dünnen Ring umgeben, der den Planeten nirgendwo berührte. Dass dieser Ring sogar aus zwei Teilen bestand, erkannte Giovanni Domenico Cassini im Jahr 1675. Seit dem wird die dunkle Trennlinie ihm zu Ehren als Cassini-Teilung bezeichnet.

Anfangs glaubte man, die Ringe seien glatte, feste Körper. 1785 wies Pierre-Simon Laplace nach, dass eine feste Ringfläche aufgrund des Gezeiteneffekts auseinander brechen müsste; er hielt die sichtbaren Scheiben für viele schmale, dicht beieinander liegende Ringe. 1855 bewies James Clerk Maxwell schließlich, dass sogar viele dünne Ringe instabil sein würden und schlug die heute gültige Vorstellung vor: Die Ringe bestehen aus unzähligen Kleinstteilchen (Gesteinsbrocken, Minisatelliten, Meteorite, Staub). Für ihre Entstehung kann nach der Theorie von Edouard Roche (1850) beispielsweise ein zerbrochener Mond verantwortlich sein.

Ähnlich wie bei Jupiter waren die Monde des Saturn Gegenstand einer reichhaltigen Entdeckungsgeschichte. Den größten fand Huygens 1656: Titan. Zwischen 1671 und 1684 erhöhte Cassini die Anzahl um vier weitere: Iapetus, Rhea, Thetys und Dione -- sie sind allesamt kleiner als der Jupitermond Europa. Es dauerte danach mehr als Hundert Jahre, als Wilhelm Herschel zwei weitere der Liste hinzufügte. 1944 wies Gerhard Kuiper nach, dass Titan eine eigene Atmosphäre aus Stickstoff und Methan besitzt. Dies war sehr überraschend, denn bei einem Planetenmond hat man dies bis dahin nicht vermutet.

Erst die Raumsonden Pioneer, Voyager und -- derzeit aktiv -- von Cassini-Huygens krempelten unsere Vorstellungen vom Saturnsystem vollständig um: Die Ringe wurden in Dichtewellen aufgelöst; mehr als 40 Monde wurden auf den Nahaufnahmen identifiziert; der wolkenverhangene Titan wurde zum Zielobjekt der wissenschaftlichen Forschung; doch auch Enceladus hat sich aus astrobiologischer Sicht als ungeheuer spannend herausgestellt -- hier spekuliert man sogar über Lebensbedingungen; die Magnetosphäre wurde neu vermessen; das rätselhafte Hexagon wurde entdeckt; man fand diskrete Staubströme, die vom Saturn ausgehen. Der Planet stellt sich den Wissenschaftlern als eine höchst vielfältige Welt dar. Neben der ästhetischen Schönheit seiner Ringe bietet er eine Fülle von außergewöhnlichen Erscheinungen, die auf ihre Erklärung warten.

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