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Die Monde des Saturn

Ähnlich wie bei Jupiter waren die Monde des Saturn Gegenstand einer reichhaltigen Entdeckungsgeschichte. Den größten fand Huygens 1656: Titan, der fast doppelt so groß wie unser Erdmond ist. Zwischen 1671 und 1684 erhöhte Cassini die Anzahl um vier weitere: Iapetus, Rhea, Thetys und Dione -- sie sind allesamt kleiner als der Jupitermond Europa. Es dauerte danach mehr als Hundert Jahre, als Wilhelm Herschel zwei weitere der Liste hinzufügte. Bis zum Raumfahrtzeitalter kannte man nur 9 Monde, 1966 wurde ein Mond photographisch entdeckt, alle weiteren durch Raumsonden. 1944 wies Gerhard Kuiper nach, dass Titan eine eigene Atmosphäre aus Stickstoff und Methan besitzt. Dies war sehr überraschend, denn bei einem Planetenmond hat man dies bis dahin nicht vermutet.

Erst die Raumsonden Pioneer, Voyager und besonders Cassini-Huygens krempelten unsere Vorstellungen vom Saturnsystem vollständig um: mehr als 40 Monde wurden auf den Nahaufnahmen identifiziert; der wolkenverhangene Titan wurde zum Zielobjekt der wissenschaftlichen Forschung; doch auch Enceladus hat sich aus astrobiologischer Sicht als ungeheuer spannend herausgestellt -- hier spekuliert man sogar über Lebensbedingungen; die Magnetosphäre wurde neu vermessen. Saturn darf inzwischenmehr als 60 Monde sein eigen nennen, davon tragen zur Zeit (2010) 53 einen Eigennamen.

Nachfolgend beschrieben werden einige der wissenschaftlich interessantesten Monde, sortiert nach Größe:

Titan

Titan ist mit einem Durchmesser von 5150 km der zweitgrößte Mond des Sonnensystems. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es Anzeichen, dass er eine eine dichte Atmosphäre besitzen könnte. Nachdem dies 1944 bestätigt wurde, geriet der Mond in den Interessensfokus aller zum Saturn führenden Missionen. Die Sonde Cassini-Huygens hatte sogar eine Landeeinheit, die etwa 2 Stunden lang Messungen während des Abstiegs und an der Oberfläche durchführte sowie 1 Foto zur Erde schickte. Die kieselsteinartigen Brocken auf dem Boden scheinen aus Eis und Kohlenwasserstoffen zu bestehen. Bilder, die während des Abstiegs aufgenommen wurden, eine komplexe Oberflächenstruktur mit Hoch- und Tiefebenen, Wolken und Methanseen.

Rhea

Rhea umläuft den Mutterplaneten in einem Abstand von 3,5 Saturnradien. Seine Oberfläche scheint in zwei geologisch unterschiedliche Einschlagshälften geteilt zu sein: Eine hat viele Krater mit Durchmessern von mehr als 40 km, die andere hat relativ wenige von dieser Größe. Man glaubt, dass der Mond zu 2/3 aus einem Eis-Gestein-Gemisch zusammengesetzt ist. Ein naher Vorbeiflug der Cassini-Sonde in einer Entfernung von 100 km über der Oberfläche erbrachte keine geologische Aktivität wie z.B. Kryovulkanismus.

Iapetus

Geringfügig kleiner als Rhea, ist Iapetus ein besonders seltsamer Mond. Eine seiner Hemisphären ist extrem dunkel (Albedo: 0,05), während die andere, der Orbitrichtung abgewandte Seite recht hell erscheint (Albedo: 0,5). Die Ursache dafür kann ein Einschlag auf einem Nachbarmond (Hyperion? Phoebe?) gewesen sein, so dass Material auf Iapetus gefallen ist. Der Helligkeitsunterschied führt dazu, dass man den Mond mit dem Teleskop nur auf einer Seite des Saturn beobachten kann.

Dione

Dione kreist im Abstand von 6,3 Saturnradien und besitzt auf seiner Bahn noch (mindestens) zwei weitere Kleinmonde, die jeweils in den Lagrangepunkten L4 und L5 vor- bzw. nacheilen. Dione ist relativ dunkel, jedoch gibt es auch einige helle Streifen, deren Ursprung nicht geklärt ist. Es könnte sich um Spalten oder Risse in der vereisten Oberfläche handeln oder herabgefallene Relikte von Eisvulkanismus sein.

Tethys

Tethys weist einen Durchmesser von 1060 km auf und wird ebenfalls von zwei bahngleichen Monden in den Lagrange-Punkten begleitet. Ähnlich wie die anderen Monde ist er ein Eismond und stark verkratert. Auf seiner südlichen Hemisphäre durchzieht der Grabenbruch Ithaca Chasma seine Oberfläche.

Enceladus

Als eine der größeren Überraschungen der Cassini-Mission entpuppte sich Enceladus, ein Eismond mit einem Durchmesser von 500 km. Auf seiner Südhalbkugel fand man streifenartige Spalten, die als geologische Brüche gedeutet werden. Aus ihnen werden kleine Partikel aus Eis herausgeschleudert. Die mikrometergroßen Teilchen entweichen ins All und verteilen sich im hauchdünnen E-Ring. Unterhalb der Eiskruste könnte es sogar einen Ozean mit flüssigem Wasser geben. Man geht davon aus, dass Enceladus heute noch geologisch aktiv ist.

Mimas

Mimas hat einen Durchmesser von knapp 400 km. Sein auffälligstes Merkmal ist der Krater "Herschel", dessen Kraterwall sowie der Zentralberg rund 5 bis 6 km hoch sind. Oft wird behauptet, dass das Aussehen des Mondes für den sogenannten Todesstern im Film "Star Wars" Pate stand. Doch die Ähnlichkeit ist eher ein Zufall, denn die Filme wurden drei Jahre vor den Voyager-Aufnahmen gedreht.