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Neptuns Monde

Neptun besitzt 14 bekannte Monde, aber nur einer von ihnen, Triton, ist wirklich groß und schon mit besserer Ausrüstung auch für Amateure sichtbar. Alle anderen sind winzig. Triton zeichnet sich aber durch einige Besonderheiten aus. So wurde er wohl einst von Neptun eingefangen. Darauf deutet jedenfalls sein ungewöhnliche Umlaufbahn hin.

 

Triton

Schon kurz nach der Entdeckung des Planeten Neptun am 23. September 1846 entdeckte der britische Astronomen William Lassell (1799 - 1880) am 10. Oktober einen Trabant des Planeten, der den Namen Triton erhielt. Mit einem Durchmesser von 2.707 Kilometer übertrifft er deutlich den Zwergplaneten Pluto (2.374 km). Auf einer fast kreisförmigen Bahn läuft er in fünf Tagen und 21 Stunden um Neptun. Triton ist fast genauso weit von Neptun entfernt wie der Mond von der Erde, 354.800 Kilometer. Mit einer Oppositionshelligkeit von 13,5 Größenklassen ist er besser ausgerüsteten Sternfreunden zugänglich. Triton umrundet seinen Planeten retrograd, entgegengesetzt der Rotationsrichtung Neptuns. Seine Bahn ist um 157° gegen die Äquatorebene Neptuns gekippt. Das ist einmalig im Sonnensystem.

Vermutlich wurde Triton von Neptun eingefangen und stammt daher wohl aus dem Kuipergürtel, der sich jenseits der Plutobahn befindet. Aus physikalischen Gründen ist so ein Einfang aber kaum möglich. Deshalb muss Triton früher einen Partner gehabt haben, ähnlich wie das System Pluto - Charon. Als Triton und sein Partner Neptun irgendwann sehr nahe kamen, wurde das System durch die Gezeitenkräfte Neptuns auseinander gerissen. Während Triton dadurch auf eine elliptische Bahn um Neptun gelangt, stürzte sein Partner auf dessen Oberfläche oder entwich. Im Laufe der Zeit wurde Triton durch die Gezeitenwirkung Neptuns auf seine heutige Bahn gezwungen. Während sich unser Mond durch die Gezeitenreibung langsam immer weiter entfernt, nähert sich Triton aufgrund seiner retrograden Bewegung immer mehr seinem Planeten. In wenigen hundert Millionen Jahren wird er die Roschesche Grenze unterschreiten, die bei 50.000 Kilometer liegt. Dann wird Triton zerrissen und Neptun bekommt einen neuen Ring.

Tritons hellglänzende Oberfläche besteht hauptsächlich aus gefrorenem Methan und Stickstoff, die ihr eine leicht gelblich-orangene Farbe verleihen. Die Albedo beträgt im Mittel 50%, im Bereich des Südpols des Mondes sogar 90%. Allerdings ist es sehr kalt auf seiner Oberfläche. Rund -236 °C lassen Methan und Stickstoff zu steinhartem Eis erstarren. Selbst auf Pluto ist es wärmer. Aber dennoch gibt es vulkanische Vorgänge auf dem Neptunmond. Allerdings fließt hier keine Lava, sondern aus Tiefen von rund 30 Meter dringt aus Geysiren flüssiger Stickstoff. Das Phänomen wird Kryovulkanismus genannt. Forscher vermuten, dass Gezeitenkräfte das Innere Tritons aufheizen, sodass dort Stickstoff flüssig bleibt. Der ausströmende Stickstoff bildet eine extrem dünne Atmosphäre. Der Luftdruck beträgt nur ein hunderttausendstel des irdischen Drucks auf der Meeresoberfläche. Im Labor wäre dies ein Hochvakuum.

Trton dreht sich wie der Erdmond während eines Umlaufs genau einmal um sich selbst- synchrone Rotation. Seine Umlaufzeit bzw. Rotationsperiode betragen 5 Tage 21 Stunden 2 Minuten 53 Sekunden.

Nereid

Erst nach etwas mehr als 100 Jahren nach der Entdeckung Tritons fand am 1. Mai 1949 von dem niederländischen Astronomen Gerard P. Kuiper entdeckt. Der Neptuntrabant ist sehr klein. Er ist der drittgrößte Mond Neptuns. Sein mittlerer Radius beträgt etwa 180 Kilometer. Allerdings besitzt er eine unregelmäßige Form. Aus Infrarotmessungen wurde ein Verhältnis vn 1:3:1 abgeleitet.

Seine mittlere Oppositionshelligkeit beträgt nur 19 Größenklassen. Dr kleine Mond reflektiert rund 12% des Sonnenlichts. Auf seiner langgestreckten Ellipsenbahn braucht er etwas mehr als 360 Tage. Von allen Monden im Sonnensystem besitzt er die exzentrischste Bahn. Sein Abstand schwankt zwischen 9.655.000 km und 1.372.000 km.

Die weiteren Monde Neptuns

Bis zur Passage der Sonde Voyager 2 am Planeten Neptun waren Triton und Nereid die beiden einzigen bekannten Trabanten des Planeten. Die Raumsonde spürte sechs weitere Satelliten Neptuns auf. So schnellte die Anzahl der Neptunmonde auf 8 hoch. 2002 wurden vier weitere entdeckt. 2003 und 2013 kamen Nummer 13 und 14 hinzu. Alle neuen Neptunmonde sind Minimonde mit geringen Durchmessern.

Auffallend ist, dass alle Monde, die von Neptun weiter entfernt sind als Triton, auf langgestreckten Ellipsen um den Planeten laufen und ihre Bahnen gegen die Äquatorebene stark geneigt sind. Das spricht dafür, dass es sich bei diesen Monden um eingefangene Asteroiden handeln könnte.

Die Neptunmonde

Name Durchmesser (km) Umlaufzeit (Tage) Bahnneigung Exzentrizität Entdeckungsjahr
Naiad 96 × 60 × 52 0,2944 4,691 0,0047 1989
Thalassa 108 × 100 × 52 0,3115 0,135 0,0018 1989
Despina 180 × 148 × 128 0,3346 0,068 0,0004 1989
Galatea 204 × 184 × 144 0,4287 0,034 0,0001 1989
Larissa 216 × 204 × 168 0,5555 0,205 0,0012 1981
Hippocamp 35 0,95 0,064 0,0005 2013
Proteus 436 × 416 × 402 1,1223 0,075 0,0005 1989
Triton 2705 5,8769 156.865 0,0000 1846
Nereid 357 360,14 5,800 0,749 1949
Halimede 61 1.879,55 133,8 0,566 2002
Sao 40 2.914,26 48,2 0,299 2002
Laomedeia 40 3.179,59 34,8 0,418 2002
Psamathe 38 9.110,44 137,1 0,451 2003
Neso 60 9.617,75 132,3 0,447 2002